Die Gesangvereine in Hellental
Klaus A.E. Weber

© Historisches Museum Hellental
Aufgrund mehrerer historischer Faktoren wurden während des 19. Jahrhunderts zahlreiche Gesangvereine als Männergesangvereine zur Pflege des Gesangs gegründet.
Der Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum des nunmehr als "Gemischter Chor" auftretenden Gesangvereins „Einigkeit Hellental" im Juli 1989 ist u.a. zu entnehmen, dass man in jener Zeit durch den Männergesangverein die Geselligkeit pflegen und den Zusammenhalt im Dorf durch den Gesang fördern wollte.
Dies sei auch gelungen, denn gesungen hätten die Hellentaler Dorfbewohner schon immer gerne.
In jener Zeit brauchte man sich nicht um Nachwuchs zu sorgen, denn mit der Bevölkerungszunahme zum Ende des 19. Jahrhunderts stieg zugleich auch die Zahl der verfügbaren Sänger an.
Alt und Jung sei in jenen Tagen zum Singen in den Dorfkrug gekommen und als dieser im Oktober 1903 abbrannte, sei es trotzdem in einem Ersatzlokal weitergegangen.
Im Jahre 1905 war der Dorfkrug wieder aufgebaut, größer und schöner als zuvor.
Jetzt gab es sogar eine eigene Sängerstube.
Miteinander singen als praktizierte Gemeinschaft
Früher waren die meisten „Helldahlschen“ Waldarbeiter zugleich auch ganz engagierte, gute und vielseitige Musikanten.
Sie spielten nicht nur in Hellental, sondern auch in der näheren und weiteren Umgebung des Sollings zum Tanze auf.
Trotz aller ökonomischer und sozialer Probleme wurde damals gerne und auch viel abends und an Festtagen in Hellental musiziert, gesungen und getanzt.
Auch Hermann Löns (1866-1914) war zu Beginn des 20. Jahrhunderts die besondere Sangesfreude der Hellentaler Dorfbewohner aufgefallen.[2]
... und die schönen, singenden Hellentaler Mädchen
In Gedicht- und Erzählform wurde oft von den schönen blonden und singenden Hellentaler Mädchen geradezu geschwärmt, die allabendlich singend von der Kulturarbeit in der näheren und weiteren Forst, aus dem „tiefen Sollinggrund“ den Birkenweg zum Dorf herunterkamen und in ihr Heimatdorf zogen [1] - nicht zuletzt auch von den politisch umstrittenen Schriftstellern Hermann Löns [2] und Heinrich Sohnrey (1859-1948).
Dennoch, die „wie Morgenrot“ schönen und treuen Hellentaler Mädchen wurden, wie es das folgende Gedicht von Heinrich Sohnrey nahe legt, wohl auch des Öfteren von ihren Verehrern und Liebhabern (Soldaten) „arg betrogen“.
Noch vor wenigen Jahren wurden von älteren Hellentaler Frauen gerne die folgenden sieben Verse des alten Gedichtes von Heinrich Sohnrey gemeinsam in Liedform gesungen, wenn auch seltener werdend.
Sie kommen alle Abend Die alten Eichen rauschen,
Wohl um die gleiche Stund. Es rauscht der weite Wald,
Die Hellentaler Mädchen Zu seinem Chor gesellen
Juchheissassa, die Mädchen Sich singend Bach und Quellen
Aus tiefem Sollingsgrund. Im ganzen Solling bald.
Es rauschen alte Eichen, Rotkehlchen, Amseln, Drosseln
Es rauscht der Lieder Klang. Die stimmen auch mit ein;
Die Hellentaler Mädchen, Denn in dem Tal der Lieder,
Die hellen, blonden Mädchen Ja, in dem Tal der Lieder,
Ziehn heimwärts mit Gesang. Da muß gesungen sein.
Sie singen vor dem Fähnrich, Die Hellentaler Mädchen
Der in den Krieg einzog, So schön wie Morgenrot,
Und von dem stolzen Reiter, Und wenn dich eine lieb hat,
Ja, ja, dem stolzen Reiter, Juchheissa, eine lieb hat,
Der’s Liebchen arg betrog. Ist treu sie bis zum Tod!
Vom Schatz, der will verreisen
Und von der Lind’ im Tal,
Vom Jäger, der wollt jagen,
Juchheissassa, wollt jagen,
So Lieder ohne Zahl.

Gesangverein Hellenthal │ 1889 [4]
© Historisches Museum Hellental
1889
Der Gesangverein Hellenthal wird gegründet
Als traditioneller Männerchor wurde 1889 der "Gesangverein Hellenthal" unter dem Schulkantor als Dirigenten gegründet.
Der Männergesangverein umfasste 1889 insgesamt 36 Sänger, die bei vielen kulturellen Anlässen, Festen, Gesellschaften und anderen Veranstaltungen mitwirkten.
Der Gesangverein wurde hierdurch zum bedeutenden Kulturträger des Sollingdorfes Hellental.
1956
Männergesangverein Einigkeit Hellental: Fahnenweihe und Sängerfest
Ausgerichtet vom Männergesangsverein Einigkeit Hellental war das Hellentaler Sängerfest mit der Fahnenweihe am 10. Mai 1956 war das erste große Dorffest nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, das in einem gemieteten Zelt mit Beleuchtung stattfand.
(1) Die Fahnenweihe
Am 10. Mai 1956 erfolgte die feierliche Weihe der Fahne des Männergesangverein Einigkeit Hellental auf dem Dorfplatz.
Vereinsfahne in den braunschweigischen Landesfarben „blau-gelb“ von 1922
Vorderseite │ Samt
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gestickt „M.-G.-V. Einigkeit Hellental“
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antikes Saiteninstrument Lyra - Symbol für die Kunst
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fünfgliedriges Eichenlaubblatt jeweils in den vier Fahnenecken

„M.-G.-V. Einigkeit Hellental“
1989 - Hellentaler Fahnenträger Jürgen Gobrecht [4]
© Historisches Museum Hellental
Rückseite │ Seide
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gestickt „Das Tal der Lieder“
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Kopf eines Rothirsches mit Eichenlaubblätter
- fünfgliedriges Eichenlaubblatt jeweils in den vier Fahnenecken

„M.-G.-V. Einigkeit Hellental“
1989 - Hellentaler Fahnenträger Jürgen Gobrecht [4]
© Historisches Museum Hellental
Fahnenträger
Ausgestattet mit einem Leder-Tragegurt wurden als Fahnenträger ausgesuchte Männer aus dem Gesangverein „Einigkeit“ eingesetzt.
1956 - Günter Kurt Heinrich Treptow (1926-1965) │ Fahnenträger mit blau-gelber Schärpe
1989 - Jürgen Gobrecht

Heinrich Seitz │ Günter Treptow │ Heinz Meier als Fahnenträger [4]
jeweils mit blau-gelber Schärpe
© Foto: Privatsammlung Elisabeth Dittrich, Fotograf*in unbekannt
(2) Das Sängerfest
Ausgerichtet vom Männergesangsverein Einigkeit Hellental war das Hellentaler Sängerfest mit Fahnenweihe am 10. Mai 1956 war das erste große Dorffest nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Heinrich Seitz (mit Scherpe), Isolde Roloff, (?) Matelinski, Ottilie Keime, Sigrid Kempe (Kunkel), Christa Schmidt, Gerlinde Schlender, Elisabeth Hempel, Margrit Greinert, Bärbel Kunkel, Günter Treptow (Fahnenträger), Heinz Meier (mit Scherpe)
© [hmh, Foto: Privatsammlung Elisabeth Dittrich, Fotograf*in unbekannt

Erika Meier, Elisabeth Hempel, Isolde Roloff, (?) Matelinski, Ottilie Keime, Sigrid Kempe (Kunkel), Christa Schmidt, Gerlinde Schlender, Bärbel Kunkel
© [hmh, Foto: Privatsammlung Elisabeth Dittrich, Fotograf*in unbekannt
1989
Gesangverein Einigkeit Hellental als Gemischterr Chor
Im Juli 1989 feierte der Gesangverein Einigkeit Hellental unter Bezugnahme auf den 1889 gegründeten "Gesangverein Hellenthal" ein Dorffest zum 100-jährigen Jubiläum.
Der Festschrift des nunmehr als Gemischter Chor auftretenden Gesangvereins ist u. a. zu entnehmen, dass man in jener Zeit durch den Männergesangverein die Geselligkeit pflegen und den Zusammenhalt im Dorf durch den Gesang fördern wollte.


© Historisches Museum Hellental

"Der ständige Chorleiter August Eikenberg" │ 1989 [4]
© [hmh, Foto: Anne Sölder

Der Vorstand 1989 [4]
Dieter Malchow, 1. Vorsitzender │ Ursula Gobrecht, Kassenwartin │ August Eikenberg, Chorleiter │ Marianne Brach, 2. Vorsitzende │ Hans Windorpski, Schriftführer
© [hmh, Foto: Anne Sölder

Passive Mitglieder [4]
Heinrich Gehrmann, Eugen Meyer, Otto Roloff, Robert Klangwarth, Heinrich Sturm
© [hmh, Foto: Anne Sölder


Täglicher Anzeiger Holzminden vom 05. Juli 1989
Der Gemischte Chor Einigkeit Hellental stand 1990 unter der Leitung von Dietmar Bitter.[3]
Aus dem vom 01. Oktober 1953 bis 31. Dezember 1991 geführten Kassenbuch des Gesangvereins „Einigkeit“ [5] über Einnahmen und Ausgaben, einschließlich der jährlichen Kassenprüfungen ergibt sich eine Reihe erwähnenswerter Aspekte.
Die Dirigenten bzw. Chorleiter des Gesangvereins bezogen ein monatliches Entgelt für Singabende.
In den Jahren 1966 und 1967 sind Ausgaben für Bekanntmachung an den Gemeindediener Erich Düwel ausgewiesen.
Ausgaben erfolgten aufgabenbezogen für gelieferte Notenblätter (Chorlieder) an den Iris Musikverlag und für Sängermappen, wobei 1980 die Ausgaben „für Notenmappen und Weinbrand“ hervortreten.
Wiederholt ist den Aufzeichnungen zu entnehmen, dass Tanzvergnügen in Begleitung einer Musikkapelle sowie Gemütlichkeitsabende ausgerichtet wurden, ebenso ein Sängerball wechselnd im Lönskrug und im Friesenhof veranstaltet.
Vereinsfahrten führten beispielsweise 1974 nach Berlin und 1990 in den Schwarzwald.
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[1] LESSMANN 1984.
[2] LÖNS 1916.
[3] ADRESSBUCH HOLZMINDEN 1990. Behörden und Vereinsteil, S. 32.
[4] Die Abbildungen sind der Festschrift von 1989 entnommen.
[5] Dem Historischen Museum Hellental wurde von Ursula Gobrecht am 04. Juli 2026 ein Konvolut von verschiedenen Schriftstücken des ehemaligen Hellentaler Gesangvereins „Einigkeit“ zur Archivierung und Auswertung übergeben.