Schriftzeugnisse zum Ortsnamen Merxhausen

Klaus A.E. Weber

 

Was ist durch Schriftzeugnisse belegt?

Der Ortsname Merxhausen wandelte sich über die Jahrhunderte mehrfach.

Nach PISCKE [7][15] ist es unstrittig, dass Mackensen, ein Nachbarort von Merxhausen, und Dassel bereits im 9. Jahrhundert in den frühen Besitzaufzeichnungen des Klosters Corvey („Traditiones Corbeienses“) erwähnt wurden, hingegen aber nicht der Ort Merxhausen.

Insbesondere nach KLEINAU [1], STEINACKER [5], CASEMIR/OHAINSKI [2] und PISCKE [7] sind, teils nicht verifizierbare bzw. auszuschließende Ortsnamensformen für Merxhausen verwendet worden.

So handele es sich nach KNOLL/BODE [4], SCHRADER [6][17] und KLEINAU [1] bei dem „Nordheimischen Allod“ um 1140 sowie bei „Marctegeshusen“ (um 1140), „Martehusen“ (1223) und „Mardageshusen“ (1246) um „Maretegeshusen“ = Marzhausen bei Witzenhausen.

Gleiches gilt vielleicht auch für „Marcberteshusen“ (822/830), „Martekeshusen“ (1223), wie von KNOLL/BODE [4] und STEINACKER [5] angegeben wurde.

SCHRADER [17] merkte zu „Maretegeshusum, Merxhausen“ an, dass auch der Ort Marzhausen bei Witzenhausen infrage kommen könnte:

"Hier macht Herz.[Herzog] Lothar u. Gem.[Gemahlin] mit Consens der Gräfin Gertrud (ihrer Tochter) an das Stift Helmarshausen eine Schenkung (Trad. Helmersh. Wenck II, Anb. 64. nr. 31.).

Es könnte aber auch Marzhausen im Hess.[Hessischen] A.[Amt] Wizenhausen bei’m Hanstein gemeint sein (Leingau).

 

SCHRADER 1832 [17]: Maretegeshusum, Merxhausen

STEINACKER 1907 [5]: Merxhausen

 

9. Jahrhundert

Nach STEINACKER [6] soll 822/836 „Korvei im Orte das Gut eines Wulfhart“ erworben haben.

  • 822/836: Marcberterhusen ist abzulehnen: Marprechtissen bei Hofgeismar [7]

 

12. Jahrhundert

Nach STEINACKER [6] soll hier um 1140 ein "Nordheimsches Allod" befunden haben.

  • um 1140: Marctegeshusen ▶ ist abzulehnen [7]

  • 1168: Mergeshusen ▶ ist abzulehnen, da verunechtete Urkunde [8]

 

13. Jahrhundert

  • 1223: Martekeshusen ▶ ist abzulehnen [7]

  • 1246: Mardageshusen ▶ ist abzulehnen [7]

  • 1268: Wastmodus de Merkeshusen

Nach PISCHKE [9] gilt die Urkunde der Grafen Ludolf und Adolf von Dassel vom 11. Juni 1268 als erste gesicherte Überlieferung zum Ortsnamen Merxhausen, ausgestellt in Holzminden.

Das Rechtsgeschäft bezeugt hat u. a. Wasmod von Merxhausen (Herkunftsbezeichnung), ein Geistlicher und Angehöriger des „Ordens der Ritter Christi“.

 

15. Jahrhundert

  • 1458: Markeshusen

Wie PISCHKE [10] ausführt gibt es – nach dem Kenntnisstand im Jahr 2025 - vor dem 15. Jahrhundert für Merxhausen keine Schriftzeugnisse zu dortigen Grundherren.

Für das 15. Jahrhunderts sind die Herzöge von Braunschweig im Fürstentum Grubenhagen und der Bischof von Hildesheim als Grundherren in Merxhausen belegt, für die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts auch der Herzog von Braunschweig-Lüneburg im Fürstentum Wolfenbüttel.

Eine Urkunde von 1404 belegt die Verpfändung eines Drittels des Dorfes Merxhausen an das Augustiner Kloster in Einbeck.[16]

 

16. Jahrhundert

Das Dorf Merxhausen war seit dem 16. Jahrhundert ein herzoglich-braunschweigischer Ort.

  • 1512: Merkeshusen
  • 1518: Merckshusen
  • 1519: Mergßhußen
  • 1568: Merxhusen
  • 1574: Merkelhusen (Karte MASCOP)
  • 1596: dorff Marxhausen

Wie PISCHKE [11] dabei aufzeigen konnte, gehörte Merxhausen zu jenen Orten, „die aus dem Erbe der Grafen von Northeim an Heinrich den Löwen gelangt und damit welfisches Eigentum (Allod) geworden sind“.

Des Weiteren sei davon auszugehen, dass „das 1404 genannte Dorf Merxhausen im Besitz der Herzöge im Fürstentum Braunschweig-Grubenhagen war“ und an die Herren von Haßförde (bei Bevern liegende Wüstung Honesforde/Haversforde), 1505, 1545 und1554 das gesamte Dorf an Angehörige der Einbecker Bürgerfamilie Usler verlehnt war.[11]

Merxhausen war zu Anfang des 16. Jahrhunderts, in den Jahren 1518-1520, strittig zwischen dem Hildesheimer Bischof und Herzog Heinrich II. (der Jüngere) (1489-1568) im Fürstentum Wolfenbüttel.[12]

In der Zeit der Hildesheimer Stiftfehde von 1519-1523 beschuldigten sich 1520 der Hildesheimer Bischof und der Braunschweiger Herzog gegenseitig, „das Dorf Merxhausen eingenommen und und sogar niedergebrannt zu haben“.[13]

1595 ging das Haversforde-Usler-Lehen mit dem Dorf Merxhausen durch Herzog Heinrich Julius an die Herren von Oldershausen.[11]

 

17. Jahrhundert

  • 1603: Marckshusen (Karte KRABBE)
  • um 1616: Merxhausen
  • 1643: Merckshausen
  • 1678: Merxhaußen
  • 1685: Merxhausen

 

18. Jahrhundert

  • 1706: Merckshausen
  • 1745: Merxhausen (Karte GERLACH)
  • 1777: Einweihung der neuen Capelle zu Merxhausen
  • um 1790: Merxhausen

 

19. Jahrhundert

  • 1803: Merxhausen

 

Merxhausen als herzoglich-braunschweigischer Amtsort [14]

1495

  • dem Fürstentum Calenberg zugelegt

1512

  • dem Amt Forst im Fürstentum Calenberg zugeordnet

1512-1518

  • zum Fürstentum Braunschweig gehörend

1520

  • der Herrschaft Homburg zugeordnet

1539 (1545 nicht mehr)

  • der Herrschaft Everstein zugeordnet

1550, 1589, um 1600

  • dem Amt Fürstenberg zugeordnet

1649-1807

  • dem Amt Allersheim zugeordnet

 

___________________

[1] KLEINAU 1968, S. 401.

[2] CASEMIR/OHAINSKI 2007, S. 156-157.

[4] KNOLL/BODE 1891, S. 395

[5] STEINACKER 1907, S. 190-191.

[6] SCHRADER, benannt in STEINACKER 1907, S. 191: .„Schrader (ältere Dynastenstämme aaO. S. 200) bemerkt, daß wenigstens das Nordheimsche Allod auch im Orte Marzhausen bei Witzenhausen gesucht werden könnte.“

[7] PISCHKE 2025b, S. 25-29, Abb. 4.

[8] PISCHKE 2025b, S. 27.

[9] PISCHKE 2025b, S. 28-30.

[10] PISCHKE 2025b, S. 30.

[11] PISCHKE 2025b, S. 30-34.

[12] PISCHKE 2025b, S. 30-31.

[13] PISCHKE 2025b, S. 31-32.

[14] PISCHKE 2025b, S. 32-33.

[15] Festvortrag von Frau Dr. Gudrun Pischke vom Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Göttingen und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Südniedersächsische Heimatforschung am 24. April 2018 im Gasthaus Grenzkrug bei Merxhausen.

[16] PISCHKE 2025b, S 31 Abb. 5.

[17] SCHRADER 1832, S. 200, Anmerkung 82).