Wüstung Holtensen am Holzberg

Klaus A.E. Weber

 

In der heutigen Gemarkung Stadtoldendorf liegt - zwischen Solling und Holzberg - nordöstlich des Dorfes Braak, das auf Klostergrund im 16, Jahrhundert neu erbaut worden war, die spätmittelalterliche Wüstung Holtensen.

In einem weiten Waldgebiet am „Eberbach“ (bedeutet „Oberbach“) angelegt, war das Dorf Holtensen eine der größten Hägersiedlungen und ein Amlungsborner Klosterdorf.[2]

Das Dorf verfügte über Ländereien, wie u. a. Brunsbreite, Obere und Niedere Dorfwanne, Königsbusch und Eichacker [7] und über eine Mühle.

 

Nicht mehr bewohnte, aber kartografierte Siedlung „Holtensen

am "Holzmerberch" 1572-1574 [4]

 

Der Ausschnitt aus dem Ämteratlas von Gottfried Mascop zeigt im Amt Wickensen die kartographierte Siedlung mit Namen „Holtensen“ in den Jahren 1572 bis 1574.[4]

Hierzu der Autorenhinweis:

Die Wüstung Holtensen ist in der Handschrift als kleinere Siedlung/Einzelhof eingetragen worden.

Allerdings waren die Einwohner schon lange Zeit vor der Erstellung der Kartenblätter nach Stadtoldendorf übergesiedelt, wo 1580 achtzehn „Holtensche Erblinge“ ansässig waren.“[5]

Infolge einer vernichtenden Fehde zwischen dem letzten Edelherr von Homburg und den Herren von Lüthorst wurde das Dorf Holtensen in den 1380er Jahren gewaltsam zerstört und nicht wieder aufgebaut.[3]

Der "Holzmerberch" [5] oder „Holzer Berg“, der heutige Holzberg, erhielt seinen Namen nach dem Dorf Holtensen.

Die Landvermessung der Feldmark von Stadtoldendorf durch G. F. Pape von 1757/1758 [6] unterschied zwischen Klein Holtensen, näher zu Stadtoldendorf liegend und Groß Holtensen.

In diesem Zusammenhang wurde schließlich die Feldmark des früheren Holtensen emdgültig mit der Feldmark von Stadtoldendorf zusammengelegt.

Wie RAULS [6] dazu weiter ausführt, ging einst der „Heinader Stieg“, welcher von Stadtoldendorf nach Heinade führte, „durch Groß Holtensen, den Himkamp, über den Arendsberg östlich von Braak zu seinem Ziel“.

 

Blick vom Holzberg auf das Areal der Wüstung Holtensen

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Im Umfeld der Siedlung bestand ein ausgedehntes, teils heute noch sichtbares Wölbackersystem.

Keramik- und Metallfunde auf Ackerland und Wiesengelände belegen archäologisch die spätmittelalterliche Hägersiedlung.[1]

 

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[1] vergl. CASEMIR/OHAINSKI 2007, S. 117-118.

[2] RAULS 1974, S. 37-39.

[3] RAULS 1974, S. 42-43, 45.

[4] OHAINSKI/REITEMEIER 2012, Tafel 28 Amt Wickensen, S. 230-231.

[5] OHAINSKI/REITEMEIER 2012, Tafel 28 Amt Wickensen, S. 230.

[6] RAULS 1974, S. 125.

[7] RAULS 1974, S. 126.