Sand, Holz & (Pott-)Asche für die Schorborner Glashütte

Klaus A.E. Weber

 

Lenner Sand

Unter der Hüttenpacht von "Obercommisarius" Georg Christoph Seebaß (1734-1806) wurde zur Glaserzeugung frei überlassener "Lenner Sand" (etwa 12 km entfern) eingesetzt und dem Einkauf der "Salzasche" in Salzgitter der Vorzug gegeben.[6]

1786 wurden Sandfuhren im Wert von 100 Thalern aus der Gemeinde Lenne bezogen.[5]

 

Forst Merxhausen um 1745 [8]

 

Baumholz ("bucherne Scheide")

Die relativ früh von Johann Georg von Langen (1699-1776) systematisch und nachhaltig in dem großen Waldgebiet des Sollings eingeführte Forstwirtschaft wie auch die von der herzoglichen Kammer moderat gehaltenen Holzpreise (Forstzins) erlaubten zunächst eine ausreichend verfügbare Holzmenge und damit die Sicherstellung der Versorgung mit Brennholz.

Die Kosten für die sytematischen Holzeinschläge, die Hauung in nahen oder fernen "Heyen", den Abtransport des Holzes (vornehmlich Buchenholz)  und die Anlage von Holzwegen trugen noch um 1767 die Hüttenpächter selbst.

Hierdurch entstanden letztlich außerordentlich hohe Transportkosten.

Wie TACKE [15] ausführte, wurde "die 3. Hauung des 1. Hauptteils Merxhäuser Forst südlich von Schorborn an der Einbecker Heerstraße ... bis 1949 für die Schorborner Glashütte abgekohlt".

"In diesem Teil" sei "auf einem vorher abgetriebenen Hei in anno 1745 eine Eichenplantage angelegt, 1746, 47, 48 continuiret und, da sie gut verblieben, auch fernerweit damit fortgefahren".

Dabei waren die anliegenden Dörfer Deensen, Braak, Heinade und Arholzen in jenen Jahren gehalten, die Kulturarbeiten frei zu verrichten.

 

Altkolorierte lithografierte Forstkarte (Forstgebiet bei Merxhausen) mit den Haubereichen um 1860

graviert von W. RÄGER in Braunschweig, gedruckt bei WERTH │ Sollinghaus Weber in Hellental

 

Das Holz für die "Sollinghütten" kam nach BLOSS [1] zur

- Schorborner "weißen Hütte":

  • a) aus dem Falle, Breitensalm, Finkenbruch, Dunkelholz-Hey, Baltram, Rohbruch, obere Sonnenköpfe

  • b) untere Sonnenköpfe, Hasseln, Wildstall, Halbe Steinlade

  • c) Ahrensberg, Hundebruch, Haariesfeld aus Holzmindener Forst

- Pilgrims "grünen Hütte":

  • a) von Pilgrimsköpfen und Höxschen Holze

  • b) von Buchholz, Steinlade, Rephey und Heidelbrink

  • c) von Hellenthaler Wege, Hülsebruch und Kohlenbrink

Wie der für die zugebilligte Holzmenge festgesetzte Forstzins erkennen lässt, wurden von der Glashütte vor allem Buchenholz ("bucherne Scheide"), aber auch Birken- und Eichenholz eingesetzt.[4]

Der Abfall aus "Braakenholz" sollte zur Herstellung von Pottasche genutzt werden.

So habe der braunschweigische Hof-Jägermeister v. Langen bei seinem forstwirtschaftlichen und forstwissenschaftlichen Wirken zur Mitte des 18. Jahrhunderts nach TACKE [9] ausgeführt, habe dieser im Rahmen seiner beabsichtigten Stangenholzwirtschaft allgemein vorgeschrieben, "die verbissenen Lohden müssen dicht über der Erde abgehauen werden, um die Stämme zu erfrischen.

Die gehauenen Loden können zu Asche (Pottasche) verbrannt werden".

 

Beste Asche ergab bestes Glas - Importierte Salinenasche

Die Qualität feinen "weißen" Glases war insbesondere von der Qualität der Pottasche in der Zusammensetzung des Gemenges abhängig.

In diesem wirtschaftlichen Zusammenhang hatten die Besitzer der hannoverschen Salinen in Salzhemmendorf und Münder als Aschelieferanten eine nicht unbedeutende Stellung im konkurrierenden Wettbewerb des Aschehandels, da sie ihre Salinenasche nicht den einheimischen Glashütten, sondern vielmehr nach "außerhalb des Landes" ins benachbarte Herzogtum Braunschweig transportierten.

Trotz aller Transportprobleme gelangte von Salzhemmendorf (auch im Schleichhandel) Salinenasche zur offenbar besser bezahlenden Glasmanufaktur Schorborn.[11]

 

Der alte Schlendrian herrschte ärger als je

Nur wenig Jahre nach dem Ausscheiden von Johann Georg v. Langen aus den herzoglich-braunschweigischen Diensten im Jahr 1763 erlitt sein forstwirtschaftliches Wirken einen schweren Rückschlag - „der alte Schlendrian herrschte ärger als je“.

Wie TACKE [10] ausführte, konnten nach einer Denkschrift des Kammerrats von Heinemann 1786 der Revierförster der Merxhäuser Forst und der Pächter der Sollingglashütten, Seebaß, die „immer schlimmer überhand nehmende Holzdieberei nicht genug beschreiben.

Der Amtsrat Wackerhagen und der Oberförster Grotrian stimmten damit überein.

Er selbst habe gesehen, daß ein Bauer mit seinem vierspännigen Wagen voll gestohlener Buchen heister, an denen zum Teil noch das Laub saß, über Schorborn den Weg nach Deensen nahm.

Auf den Touren nach den Glashütten habe er Diebesstämme in unzähliger Menge gesehen, die 3 bis 4  Fuß über der Erde abgehauen waren.

Die Ursache dieser enormen Holzdieberei solle darin liegen, daß der Revierforstbediente, der Förster Langhele und der Jäger Lüders, beide an den Enden ihrer Forst wohnten, mithin das andere Ende nicht so oft, als es hier nötig wäre, begehen und in Aufsicht haben könnten, überdies solle letzterer taub sein, mithin nicht hören können, was in seiner Forst vorgehe“.

 

Holzbedarf & Holzbudgetierung

Nach den Angaben des Hüttenpächters Friedrich Christian Wener Seebaß (1769-1843) bestand für die "Sollinghütten" am 20. Augusst 1814 folgender Holzbedarf [7]:

- Schorborner Hütte für "Holzfeuer":

  • 150 Klafter 5 füß. "buchenes Scheitholz"

  • 250 Klafter 3 füß. "buchenes Scheitholz"

  • 240 Klafter "Schörholz"

- Pilgrimer Hütte - Verbrauch in 40 Wochen:

  • 360 Klafter 5 füß. "buchenes Scheitholz"

  • 600 Klafter 3 füß. "buchenes Scheitholz"

  • 720 Klafter "Schörholz"

- Torfhütte im Mecklenbruch - Verbrauch in 20 Wochen bei "gemischtem Holz-/Torffeuer":

  • 60 Klafter 5 füß. "Scheitholz"

  • 100 Klafter 3 füß. "Scheitholz"

  • 100 Klafter "Schörholz"

- Mühlenberg:

  • 270 Klafter 5 füß. "buchenes Scheitholz"

  • 660 Klafter 3 füß. "buchenes Scheitholz"

  • 550 Klafter "Schörholz"

Insgesamt belief sich somit der Holzbedarf der "Sollinghütten" im Jahr 1814 auf

  • 840 Klafter 5 füß. "buchenes Scheitholz"

  • 1.610 Klafter 3 füß. "buchenes Scheitholz"

  • 1.610 Klafter "Schörholz"

Dem stand aber nur die per Kontrakt dem Hüttenpächter zugesicherte, budgetierte Holzmenge gegenüber:

  • 700 Klafter 5 füß. "buchenes Scheitholz" │ - 140 Klafter 5 füß. "buchenes Scheitholz"

  • 1.073 Klafter 3 füß. "buchenes Scheitholz" │ - 537 Klafter 3 füß. "buchenes Scheitholz"

  • 840 Klafter "Schörholz" │ - 770 Klafter "Schörholz"

Aus dieser Unterversorgung mit Holz resultierte nach OHLMS [7] eine zeitlich Beschäftigungseinschränkung für die Hüttenbelegschaft, so dass diese in Abhängigkeit von der Holzzuteilung etwa 25 - 30 Wochen im Jahr ohne Einkommen blieben.

 

Hellentaler "Holzklafterer" "bei den Glashütten" um 1782

Das Holz-Aufklaftern (amtliches Aufmessen zur Kostenfestellung) für den Glashüttenbetieb in Schorborn erfolgte durch besondere, vereidigte Klaftermeister, die von der herzoglichen Kammer (2/3) und dem Hüttenpächter (1/3) anteilig bezahlt wurden.

1782 ist neben zwei anderen "beeydigter Holzklafterer bei den Glashütten angesetzt" aus Schießhaus (Carl Schoppe, Heinrich Mund) Christian Friedrich Gehrmann (1747-1801) aus "Hellenthal" benannt [2] - mit einer Vergütung von 1 Reichsthaler und 4 Groschen je Klafter Schnittholz.[3]

 

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[1] BLOSS 1950a, S. 26.

[2] NÄGLER 2013; NÄGELER/WEBER 2004; BLOSS 1950a, S. 27.

[3] Klafter: historisches Längen-, Raum- und Flächenmaß, wobei das Holzklafter als ein Volumenmaß anzusehen ist mit regional unterschiedlicher Definition; hier vermutlich: 1 Klafter Holz = ca. 6 Raummeter.

[4] OHLMS 2006, S. 11-12.

[5] OHLMS 2006, S. 21.

[6] BLOSS 1950a, S. 28.

[7] OHLMS 2006, S. 22.

[8] StAWb 92 Neu F Nr. 501.

[9] TACKE 1943, S.121-122.

[10] TACKE 1943, S.128.

[11] VOHN-FORTAGNE 2016, S. 180-181.