"Glas-Fabricanten & Arbeiter"

Klaus A.E. Weber

 

Pachtvertraglich verankerte Vorrechte der Glasmacher in Schorborn war die Befreiung von der "Werbung" (Kriegsdienst) und von allen "oneribus publicis" ("gemeine Lasten", wie "Kontribution", Herrendienst).[14]  

 

Belegschaft um 1756

Wie BLOSS [4] ausführt, wurde nach dem "Seelenregister" von 1756 die Belegschaft der ersten Schorborner Glashütte unterteilt auf die "grüne Hütte und die "weiße" Hütte, getrennt nach

- "alter" Hütte (wohl Teil des 1745 errichteten Glashüttengebäudes)

  • zur Herstellung von grünem Hohl- und Fensterglas nach alter herkömmlicher Art,

- "neuer" Hütte /Tafelglashütte

  • zur neuen Tafelglasherstellung unter Heranziehung

  • zweier Thüringer Glasmacher (seit 1746): der Weißhohlglasmacher und Vorbläser Johann Bernhard Pfaff (~1717-1792) [2][4] sowie der Fertigmacher Johann Andreas Wiegand (~1716-1777) [3]

  • zweier möglicherweise aus Böhmen kommender Glasmacher: Fertigmacher und Tafelglaser Meister Andreas Kamm und der Vorbläser Georg Kamm [5]

 

Belegschaft um 1771

 

Die "grüne" Hütte

Auf der "grünen" Hütte waren 1771 insgesamt 27 Personen beschäftigt [4][7]:

  • 2 Werker (Fensterglasmacher)

  • 2 Strecker

  • 2 Hohlbläser/Vorbläser

  • 6 Hohlglasmacher

  • 2 Anfänger

  • 1 Lehrling

  • 2 Einträger
  • 1 Kistenmacher

  • 2 Schürer

  • 2 Holzschieber

  • 1 Aschsichterin

  • 1 Glaseinfasserin

  • 3 Hüttenknechte

Nach BLOSS [4] trage um diese Zeit die Belegschaft der "grünen Hütte" jene von der Glashütte Steinbeke im Hellental bekannten Namen.

 

Die "weiße" Hütte

Die "weiße" Hütte beschäftigte 1771 hingegen 10 Personen [4][7]:

  • 2 Fertigmacher

  • 2 Vorbläser

  • 1 Glasschneider

  • 1 Walzenglasmacher (Ballonmacher)

  • 1 Einträger

  • 2 Schürer

  • 1 Holzschieber

Damals war auf der "weißen Hütte" außer dem Hüttenknecht und dem Schürer nur noch der in Hellental geborene Fertigmacher Johann Christian Jürgens (1734-1800) [7] als "einheimischer" Glasmacher tätig.[4]

In jenem Zeitraum zählten zur Schorborner Glasmanufaktur zudem [4][7]

  • 1 Verwalter

  • 1 Revisor

  • 1 Schulmeister

  • 2 Glashändler

  • 1 Forstknecht

  • 1 Schmied

  • 1 Müller

  • 1 Gastwirt

  • 3 Fuhrleute.

Der noch auf der Glashütte Steinbeke im Hellental geborene Johann Christoph Runge (1735-1800) war einer der beiden Glashändler.[13]

 

Belegschaft um 1786

Glasmanufaktur Schorborn mit ihren Filialglashütten [9]

Die "commissarischen Berichte des Herrn Cammer-Rathes Heinemann" vom September/Oktober 1786 geben Auskunft über die Anzahl der Beschäftigten und deren Entlohnung an den drei Glashüttenstandorten:

  • "weiße Hohlglashütte zum  Schorborn"

  • "grünen Glashütte am Pilgrimsteich"

  • "Tafel- und Medicin-Glasofen am Mühlenberge"

An den drei Betriebsstätten waren 1786 insgeamt 72 "Fabrikanten und Arbeiter" beschäftigt, davon 67 Männer (93 %) und 5 Frauen (7 %). verteilt auf die Glashütte in

  • Schorborn: 17 Beschäftigte - 15 Männer und 2 Frauen

  • Pilgrim: 27 Beschäftigte - 25 Männer und 2 Frauen

  • Mühlenberg: 20 Beschäftigte - 19 Männer und 1 Frau.

mit variabel einsetzbar: 6 Hüttenknechten, 1 Ascheaufkäufer und 1 Hüttenschmied.

Im Vergleich der Hüttenbelegschaften von Schorborn, Pilgrimsteich und Mühlenberg wurden die Hüttenknechte jährlich einheitlich mit 69 Thalern, der Ascheaufkäufer mit 80 Thalern und der Hüttenschjmied mit 250 Thalern entlohnt.[10]

Bei 35 ledigen "Fabricanten und Arbeitern" waren 30 Männer (85,7 %) und 5 Frauen (14,3 %).

37 "Fabricanten und Arbeiter" waren verheiratet und ihre Familien umfassten zusammen 94 Kinder (46 Jungen, 48 Mädchen).

Insgesamt bezogen 218 Personen, davon 115 männliche (52,8 %) und 103 weibliche (47,2 %), unmittelbar von den drei Glashütten ihren Unterhalt.

Die Summe des Jahreslohnes betrug 6.795 Thaler, woraus sich ein jährliches Durchschnittseinkommen in Höhe von 31,2 Thaler errechnen lässt.

Letztlich kamen in Schorborn noch 72 "verschiedene Professionisten, Tagelöhner pp" (33 Männer, 39 Frauen) hinzu, die teils mit ihren Familien indirekt Verdienste von der Glashütte erlangten.

 

Jahresverdienst (in Reichsthalern) [9][10]:

  • 2 Fertigmacher   320-330

  • 2 Vorbläser   200

  • 2 Ballotmacher   75

  • 2 Einträger   30

  • 2 Schürer   69

  • 1 Holzschieber   53

  • 1 Glasschneider   400

  • 1 Glasschleifer   100

  • 1 Pottaschebrenner   60

  • 1 Magazinaufseher   40

  • 1 Glaseinbinderin (Packerin)   40

  • 1 Tonstampferin   20

 

Nach BLOSS wurde die Arbeitsleistung der Glasmacher "nach Hüttenstück" berechnet.

Dabei entsprachen 40 Reichstaler = halber Jahreslohn eines Vorbläsers = Wert eines Reitpferdes.

 

Belegschaft um 1802 [9]

21 Glasarbeiter:

  • 4 Fertigmacher

  • 2 Vorbläser

  • 4 Ballotmacher

  • 2 Einträger

  • 2 Schürer

  • 1 Holzschieber

  • 1 Kistenmacher

  • 1 Formenmacher

  • 1 Tischler

  • 1 Glaseinfasserinn

  • 1 Thonstampfer

  • 1 Pfeifenschmid, der unter der Aufsicht des Administrators und eines "Faktors" steht.

 

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[2] RAULS 1983, S. 316.

[3] NÄGELER 2013, Nr. 971 u. 1565.

[4] BLOSS 1950a, S. 22-23.

[5] bei NÄGELER 2013 genealogisch nicht erfaßt.

[7] NÄGELER 2013, Nr. 577/578.

[8] erweitert bei OHLMS 2006, S. 14.

[9] HASSEL/BEGE 1802, S. 163-164 (2).

[10] OHLMS 2006, S. 21-22.

[13] NÄGELER 2013, Nr. 1090.

[14] BLOSS 1950a, S. 28.

[16] BLOSS 1977, S. 6; BLOSS 1950a, S. 27.

[18] NÄGELER 2013, Nr. 1562.