Hüttengebäude│Nebengebäude│Zubehör - um 1774/1832

Klaus A.E. Weber

 

Nach TACKE [7] zählten "zu der 1745 erbauten Hütte"

  • das Herrenhaus,

  • eine Mahl- und Ölmühle,

  • ein Backhaus,

  • eine Stampfmühle,,

  • die alte Pottaschensiederei

  • und mehrere kleine Nebengebäude.

 

Die Fürstliche Glashütte um 1774

Neben den Hüttengebäuden wies 1774 das Dorf Schorborn 32 Häuser auf; 1793 35 Wohngebäude mit 235 Bewohner*innen.⦋4⦌

Nach BLOSS ⦋2⦌ seien zwar aus den Gründungsjahren um 1744 der Glashütte am Schorbornsteich keine baulichen Einzelheiten bekannt, wohl aber aus einem 30 Jahre später entstandenem „Inventar der fürstlichen Glashütte zu Schorborn und deren Zubehörungen von 1774“:

Dieses Gebäude ist an 1745 von Eichenholtz in Ständerwerk aufgeführet, die Balken und Sparren aber von Tannen Holtz.

Die Wände sind gezähnet, gekleibet und mit Kalch überzogen.

Die Länge dieser Hütte ist in Wand Riemen 179 Fuß ⦋51,08 m⦌, die Breite in Balken 80 Fuß ⦋22,83 m⦌.

Sie besteht aus 27 Spann, hat 30 Fuß ⦋8,56 m⦌ Ständerhöhe und ist rund umher untermauert…

Auf beiden Seiten ist das Gebäude, weil es in den ersten Jahren schon den Einsturz gedrohet, mit 12 steinern Pillaren (Stützpfeilern) von rauhen Steinen gemauert versehen, deren jede 18 Fuß ⦋5,14 m⦌ hoch, 6 ½ Fuß ⦋1,85 m⦌ Dicke unten 10 ⦋2,85 m⦌ und oben 5 Fuß ⦋1,43 m⦌ Dicke ist.

Das Gebäude hat auf jeder Seite zwey Eingänge, auf der Mitternachtsseite den Sten und auf der Mittagsseite den 6ten …

Damit waren die Ausmaße von 51,08 m x 22,83 m [4] im Grundriss mit einer Bodenfläche von 1.166,16 m² und einer Ständerhöhe von 8,56 m [5] beträchtlich in jener Zeit.

1774 wird die gesamte Hüttenanlage nebst Nebengebäuden und allem Zubehör auf insgesamt 1.797 Reichstaler taxiert.

 

Bauweise aller Gebäude

Die Bauweise ist durchgehend bei allen Gebäuden [2]

  • Fachwerk aus Eichenholz

  • "Tannenholz" für Türen, Fensterläden usw.

Das Baumaterial der Dacheindeckung bestand ausnahmlos aus "Sollingsteinen", was einersteits eine enorme Dachlast, andererseits aber einen wirksamen Feuerschutz ergab.

"Sollingsteine" wurden zudem auch als Fußbodenbelag der Dählen, als Treppenstufen und als Gartenpfosten verwendet.

 

Hüttengebäude

Unterteilt war das Glashüttengebäude in

  • eine „grüne“ Hütte

  • eine „weiße“ Hütte.

Hierzu führt BLOSS [2] im Einzelnen aus:

„In der Weißen Hütte befindet sich ein Schmelzofen, welcher durch den Gebrauch sehr schadhaft geworden ist, ein Tafel Glaß Streckofen, der Kühlofen zu dem weißen Hohl Glaße und zwei Holztrockenöfen …

Die in der Grünen Hütte befindlichen Ofens sind darum nicht taxieret, da die Hütte abgebrochen … und eine Gabelhütte errichtet werden soll …“

Das Glashüttengebäude beheimatete u. a.

  • 1 Materialkammer – darin u. a. einen „Schneidetisch zum Tafelglas und darauf gezeichneten Maßen“,

  • 1 Gemengekammer – darin einen“Stampftrog von Eichen ausgehauen“,

  • 5 Gemengetröge,

  • 1 großer eiserner Mörser,

  • 2 Hafenstuben,

  • 15 Glasvorratskammern.

In unmittelbarer Nähe zum Hüttengebäude standen:

  • 2 „Sandschoppen“, davon einer beim Eingang des Herrenhauses,

  • 1 ausgemauerter Brunnen an der Westseite mit Überdach,

  • die Feuerwehr-Spritze

  • der Holzplatz mit einer „Mauer von drey Seiten eingefaßt“ und „auf dem beiden schmalen Seiten mit einem Staket von Eichen Holtze besetzet, so aber ruinieret …

  • An den beiden schmalen Seiten befindet sich ein Thorweg …

 

Nebengebäude & Zubehör

Zudem gehörten zur "Fürstlichen Glashütte" 1774 [2][6]

(1) Nebengebäude:

  • der Pferdestall (19 Pferdekrippen, Knechtswohnung)

  • die alte Pottaschenhütte

  • die Stampfe (Tonmühle mit Rad, Stempel und Rinne - "Puckermühle")

  • die Mahlmühle (2 Etagen, Wasserrad, Kammrad)

  • dazu: Backhaus an der Wassermühle, Schweinekoven, Stallungen, Mühlgarten
  • das Schulgebäude mit 3 Gärten

(2) Das "Herrn Hauß" - mit Schuppen, Kuhstall und Backhaus │ Kirche - mit "gewölbtem Gefängnis", "Uhr Kammer", 1747 gegossene Glocke

(3) Wiesen und Cämpen - so u. a. im Umfeld von Hellental

  • die "Buchholtz Wiese" - "ohnweit dem Hellenthale ... und werden darauf 6 bis 7 Fuder Heu jährlich geerntet"

  • "Eine Wiese zum Hellenthale unter der Schule belegen ... sonst an den Jäger Meyer verpachtet worden."
  • "Eine kleine Wiese daselbst über der Schule ist der Witwe Conrad Meyers als eine Erbenzinswiese für eine jährliche Recognation von 18 g eingethan."

(4) Gartenanlagen

  • Garten vor, neben und hinter dem Herrenhaus, mittels 6 gemauerten Terrassen eingeteilt

  • "bey ihren Häusern" gelegene Gärten für "die 4 Laboranten" (verkauft)

  • 3 zur Schule gehörende Gärten

(5) Teichanlagen

  • "Ein Teich oben in Holtze bey Heynade ... wird der Pilgrimsteich genannt" (angekauft)

  • Schorborner Mühlenteich

(6) Mobilien

  • verschiedene Glasmacherwerkzeuge

  • 1 Pottaschenkessel
  • 1 Balkenwaage mit Ketten, dazu Gewichte von 1 Pfund bis zu 1 Zentner

(7) Ackergeräte

  • "das braune Reitpferd" des Revisors

  • 1 Tonwagen

 

"Neue Glas-Hütte" um 1832

Der 88 Jahre nach Gründung der Glashütte am Schorbornsteich entstandene, kolorierte Kartenriss aus dem Jahr 1832 [3] zeigt talseitig in der Ortsmitte die "Neue Glas-Hütte" mit Hüttengebäuden, so u.a. ein Magazingebäude, die "Pottaschen-Hütte" und den Holzhof.

Darüber hinaus sind "Das Herrenhaus" mit der Schule, ein "Pferde-Stall", der Dorfkrug und das zweiteilige "Backhaus" verzeichnet.

Um den Mühlenteich befinden sich Wohnhäuser für Fabrikanten und andere Hüttenbedienstete, zudem Gartenanlagen.

 

Ausschnitt aus dem kolorierten Schorborner Kartenriss von 1832 [3]

 

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[1] Ausschnitt einer Zeichnung von Curt Sauermilch (Holzminden) in BLOSS 1950a (Deckblatt).

[2] BLOSS 1950a, S. 14-17.

[3] NStAWb 4 Alt 4 Nr. 242. Abdruck aus dem Flyer zur Sonderausstellung im Glasmuseum Grünenplan 2015.

[4] abweichend bei BLOSS 1950a: 51,92/23,22 m.

[5] abweichend bei BLOSS 1950a: 8,70 m.

[6] auch zitiert in OHLMS 2006, S. 8-9.

[7] TACKE 1943, S. 139.