Die "Sollinghütten" 1775-1841 - Die Schorborner Filialglashütten

Klaus A.E. Weber

 

Kennzeichnend und geradezu schicksalhaft für die Schorborner "Sollinghütten" ist, dass ihre Glaserzeugung stets holzgebunden blieb.

War zunächst nach den forstwirtschaftlichen Berechnungen von Johann Georg von Langen für die Schorborner Glashütte "für absehbare Zeit eher ein Überfluß als ein Mangel an Holz für die Glasherstellung zu erwarten", so änderte sich das Bild nach dessen Weggang 1763 grundlegend und die ihm folgende Forstverwaltung konnte unter dem Holzmindener Oberförster Grotrian den steigenden Holzverbrauch der ofentechnisch rückständigen Glashütte mit ungünstigem Wirkungsgrad nicht mehr befriedigen.[6][7]

Der wachsende Glasbedarf sollte seitens der Schorborner Hüttenverwaltung unter dem Hüttenpächter Oberkommissarius Georg Christoph Seebaß (1734-1806) auch durch Gründungen von Filiationen in der näheren, waldreichen Umgebung im Solling abgedeckt werden.[2][3][6]

 

Die "Sollinghütten" mit Weilersiedlungen

  • 1775-1841: Grünglashütte am Pilgrimsteich ("Pellegrinusborn")
  • 1783-1841: Weißglashütte in Mühlenberg ("Schoppewiese" mit "Weddenborn") für Flachglas (Tafelglas) und Apparateglas sowie für die Medizinglasherstellung
  • 1799: Bau der Moorhütte - Torfhütte "auf dem Mecklenbruch"

Gemeinsam mit den Glashütten in Holzen, Grünenplan und Schorborn deckten die drei "Sollinghütten" im braunschweigischen Weserdistrikt den Glasbedarf im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel ab.

Die Glashüttenweiler Moorhütte am Mecklenbruch und Pilgrim am Pilgrimsteich gingen um 1841 ein; bis auf ein "einständiges Wohnhaus" in Pilgrim[11]


∎ 1. Hüttenteilung: Grüngashütte am Pilgrimsteich │ 1775-1841

 

 

Pilgrims-Teich 1756

"Glashütte Pilgrims T.(eich)" - Filialglashütte 1775-1841 [5]

 

Am 01. August 1781 brannte die mit Buchen-Schindeln gedeckte "Gabelhütte" beim Pilgrims-Teich völlig ab.

Es war unumgänglich notwendig, dass "ein neues Hütten Gebäude sobald als möglich wieder erbauet werden möge"; was dann binnen weniger Wochen erfolgte.[7]

 

Hüttenbelegschaft um 1786 mit Jahresverdienst (in Thalern) [9]:

  • 4 Hohlglasmacher   112

  • 3 Hohlglasmacher-Lehrburschen   35-60

  • 2 Werker   100

  • 2 Vorbläser   80

  • 2 Anfänger   40

  • 2 Strecker   80

  • 2 Schürer   100

  • 1 Holzschieber   50

  • 1 Aschesichterin (Aschesieberin)   40

  • 1 Kistenmacher   75

  • 2 Einträger   20-26

  • 2 Schürjungen   23

  • 1 Holzaufseher   40

  • 1 Tonstampfer   40

  • 1 Einfasserin (Packerin)   20

 

Moorhütte - Torfhütte "auf dem Mecklenbruch"

Die in der Nähe zu Silberborn am Hochmoor Mecklenbruch errichtete Schorborner Filialglashütte Moorhütte - Torfhütte "auf dem Mecklenbruch" - nahm ab 1799 ihre kurzzeitige Glasherstellung auf.

Für den Hüttenbetrieb wurde - alternativ zum traditionellen Buchenholz - ausschließlich Wurzeltorf von den 1739 entdeckten Torflagern am Moosberge verwendet, der ein „sehr gutes Flammenfeuer“ ergab.

Der kurzzeitige "Befeuerungsversuch" war aber letztlich zum Scheitern verurteilt.

Aufgrund des eingetretenen Holzmangels und insbesondere wegen des erfolglosen Experiments die Ofenbefeuerung ersatzweise mittels Torf vorzunehmen, wurde schließlich 1841 die Grünglasherstellung unter Friedrich Christian Seebaß (1769-1843) eingestellt.

Anhand des archäologischen Fundguts lässt sich die Herstellung von Grün- und Braunglas (Flaschen) sowie von Weißglas (Trinkgläser) nachweisen.

 

∎ 2. Hüttenteilung: Glashütte in Mühlenberg │ Filialglashütte 1783-1841

Eine "Mühlenberger Glashütte" ist bereits 1746 im "Grundriss der Zweiten Holzmindener Forst, ... Vermessen und eingeteilt im Jahr 1746" kartiert.[1]

Angesichts gesteigerter Nachfrage und erhöhtem Holzverbrauch hatte derr Holzmindener Oberförster Grotrian 1779 der herzoglichen Kammer unterbreitet, den speziellen Tafelglasofen "von Schorborn weg weiter in den Solling und zwar vor den Mühlenberg in Holzmindener Forst" zu verlegen.[8]

Nach längerer Planungzeit wurde dann 1783 ein "Tafel- und Medicin-Glasofen am Mühlenberge" für böhmisches ("weißes") Tafelglas und Medizinglas errichtet. 

Am 19. Juni 1841 fiel die Mühlenberger Glashütte samt ihrem Inventar einem vernichtenden Brand zum Opfer.

Auch wegen des absehbaren Holzmangels in den Sollingforsten wurde schließlich daraufhin von der herzoglichen Kammer im Einvernehmen mit dem Pächter Friedrich Christian Werner Seebaß beschlossen, die Glasherstellung in sämtlichen Sollinghütten zu Michaelis am 29. September 1842 einzustellen.[10]

 

Hüttenbelegschaft um 1786 mit Jahresverdienst (in Thalern) [9]:

  • 3 Tafelmacher   250

  • 5 Medizinglasmacher   180

  • 2 Schürer   67

  • 1 Schmelzknecht   90

  • 1 Holzschieber   60

  • 4 Einträger   37-45

  • 1 Tonstamper   50

  • 1 Pottaschekocher   50

  • 1 Kistenmacher   40

  • 1 Einfasserin (Packerin)   40

 

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[1] NStAWb 4 Alt 10 XIV Nr. 2-3.

[2] Die fürstliche Glasmanufaktur Schorborn. Ein Ausstellungs- und Forschungsprojekt im Erich-Mäder-Glasmuseum Grünenplan. 17.05.2015 - 01.11.2015.

[3] RAULS 1983, S. 319.

[4] Ausschnitt einer Zeichnung von Curt Sauermilch (Holzminden) in BLOSS 1950a (Deckblatt).

[5] KRAATZ 1975.

[6] BLOSS 1950a, S. 31-35.

[7] OHLMS 2006, S. 18-19.

[8] OHLMS 2006, S. 19-20.

[9] OHLMS 2006, S. 20-21.

[10] OHLMS 2006, S. 24-25.

[11] TACKE 1943, S. 70.