2003 - Blick ins Bodenarchiv

Klaus A.E. Weber

 

Abschnitt des überbauten und eingeebneten Betriebsgeländes der ehemaligen Glashütte Steinbeke │ März 2018 │ Dezember 2020

© HGV-HHM, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Ende Juni 2003 bestand durch Auskofferungsarbeiten im Rahmen der Erweiterung und des Umbaus der Sozialräume des Dorfgemeinschaftshauses (Verlängerung des alten Quergebäudes der ehemaligen Dorfschule) erstmals die Möglichkeit, kurzfristig nach den wenigen verbliebenen archäologischen Spuren des ehemaligen Hüttenstandortes „Steinbeke“ systematisch zu suchen (ohne Feldvermessung oder Grabung).

Dabei konnten durch Dr. Klaus A.E. Weber und weiteren Mitgliedern der Arbeitsgruppe Hellental des Heimat- und Geschichtsvereins für Heinade-Hellental-Merxhausen e.V. als Streufunde im Bodenaushub sowie in der anthropogenen Schwarzdecke mehrere Kleinfunde geborgen werden.

 

Angeschnittene Profilwand  │  Bodenaushub und Schichtprofil mit Fundobjekten │ Juni 2003

© HGV-HHM, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Fundobjekte mit Quellenwert waren vornehmlich

  • Glasfragmente (grünes wie auch farbloses Glas)

  • Hafenscherben

  • wenige Glastropfen

  • vereinzelt verkohlte Holzstücke.

 

Schichtenverzeichnis Baugrube am Schulhof (in cm):[1]

  • 0,05/Quartär Holozän/Schwarzdecke, Asphalt

  • 0,95/Quartär Holozän/Schluff, stark feinsandig, kiesig, steinig/Boden, Mutterboden/schwach feucht (bodenfeucht), steif

  • mind. 1,50/Quartär Pleistozän? / Feinsand, schluffig, kiesig, steinig, Blöcke/Fließerde/braun, rotbraun/schwach feucht (bodenfeucht)

 

Am 22. Juni 2003 konnte durch Mitglieder der Arbeitsgruppe Hellental des Heimat- und Geschichtsvereins Heinade–Hellental-Merxhausen in der vom Bagger angeschnittenen Profilwand der anthropogenen Schwarzdecke (bei etwa 0,35 m), der typische Fließerde folgte, zwar in geringer Funddichte, aber an zwei Stellen hangseitig verdichtet, mehrere Kleinfunde geborgen werden.

Teilweise waren Hafenreste auch angeschnitten oder zerstört worden.

Alte Bauschichten und -befunde oder Ziegelbruchstücke aus der frühneuzeitlichen Gründungsphase der Glashütte waren nicht zu erkennen.

Vergleichbare Kleinfunde konnten in geringer Anzahl auch an der Oberfläche des steinigen Bodenaushubes als Streufunde abgelesen werden (siehe oben).

Da es an Glashütten üblich war, Glasbruch einzuschmelzen, erscheint es plausibel, dass in dem beschriebenen Areal nur wenige Glasscherbenreste gefunden wurden.

Damit konnte das Areal des ehemaligen Schulgartens in unmittelbarer Nähe zum heutigen Dorfgemeinschaftshaus als einer von weiteren anzunehmenden Glasofenstandorten der Grünglashütte „Zur Steinbeke“ erstmals als hinreichend wahrscheinlich durch profilständige Kleinfunde belegt werden.

Zumindest dieser Glasofenplatz wurde später mehrphasig überbaut.

Die Kleinfunde waren, insgesamt gesehen, wenig ergiebig und zeigten bei der in situ Fundsituation im Bodenaushub und -aufschluss keine solche erkennbaren Umgebungsbedingungen bzw. -veränderungen auf, die den Aufwand einer facharchäologischen Untersuchung vor Ort oder gar eine wissenschaftliche Grabung gerechtfertigt hätten.

Zudem stand wegen der laufenden Baumaßnahmen nur wenig Zeit für die Fundbergung und Bodenuntersuchung zur Verfügung.

Darüber hinaus konnten vom Autor im Frühjahr 2003 auch wenige einzelne Kleinfunde

  • hellblaue, blau-graue, grünlich-weiße Glasschmelzstücke

oberflächennah im Saumbereich der Parkanlage als Streufunde abgesammelt werden.

  • Ein Fund konnte hierbei als Hafenboden mit kobaldhaltiger Glasschmelze gedeutet werden.

Zudem wurden in den Folgejahren Kleinfunde in Form von kleinen Glas- und Hafenscherben dem Autor von Hellentaler Bürger*innen zur Verfügung gestellt.

Andere materielle Hinterlassenschaften sind bis heute nicht verfügbar, wie beispielsweise Schmelz- und Arbeitshäfen, Schmelztiegel, Gießschalen, Baumaterialien, Keramik, Rohstoffe oder mineralische Zusätze für die Glasproduktion.

 

_____________________________

[1] Schichtenverzeichnis nach Dr. Axel Mickein, Geologe (01/2004).