HHM │ „Tartouflen-Bau“ unter Herzog Carl I. ab 1756

Klaus A.E. Weber

Herzogliche Verordnung von Carl I. zur Förderung des Kartoffelanbaus vom 15. Oktober 1756 [5][6][7]

 

Die zuvor unbekannte Kartoffel: Ein "vorzügliches Nahrungsmittel und tägliche Speise des Bürgers und Ackermannes"

Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ist die Kartoffel im Weserbergland bekannt.[1]

Kulturgeschichtlich geht die staatliche Einführung des Kartoffelanbaus im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel auf die Initiative und herzogliche Verordnung von Carl I. (1713-1780) zur Förderung des Kartoffelanbaus vom 15. Oktober 1756 zurück, im Zusammenwirken mit seinem Oberjägermeister Johann Georg v. Langen.[5][6][7]

Der "Tartouflen-Bau" war für die Ernährungssicherung der Bevölkerung im Herzogtum Braunschweig von besonderer und weitreichender Bedeutung.

 

Die "in einer Land=Haushaltung so nützliche Kartoffel"

Herzog Carl I. stellte 1746 fest, "daß die Bauersleute den Anbau von Küchengewächsen in den Gärten an vielen Orten, insbesondere denen, so von den Städten entfernt sind, sehr vernachlässigen und zu ihrem eigenen Schaden sich nicht bemühen, Garten- und Vietsbohnen, Braunen Kohl, Salade und dergl. zu bauen".[2][8]

Auch um den Korn- und Mehlverbrauch rsp. Brotgetreide einzusparen, gab Herzog Carl I. mit seiner Verordnung zur Förderung des bis dahin unbekannten Kartoffelanbaus vom 15. Oktober 1756 die herzoglich Anweisung, darüber zu halten, dass die Untertanen den Anbau der Gartenfrüchte „besonders der in einer Land=Haushaltung so nützlichen Kartoffeln sich allen Fleisses angelegen seyn lassen“.[7][8]

Falls erforderlich, sollten auch größere Gärten für die Dorfbewohner*innen zur Verfügung gestellt werden. 


Kartoffelanbau in Merxhhausen 1764

Wie von TACKE [3] überliefert ist, wurden 1764 bei Merxhausen erstmals Kartoffeln, vermutlich in Gärten, angebaut.

Nach RAULS [8] wurde bereits 1755 die Kartoffel in Braak angetroffen.

Wie KRETSCHMER [9] ausführte, habe das Holzmindener Wochenblatt 1787 gemeldet, dass der Kartoffelanbau "nun mit Erfolg feldmäßig erfolge und diese Frucht 'die tägliche Speise des Bürgers und Ackermanns' darstelle".

Um 1883 waren im Kreis Holzminden die Acker- und Gartenflächen je 1.000 ha bestellt mit 79 ha Kartoffeln bestellt.[4]

 

 

Fotografie:

© Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] nach dem „Holzmindener Wochenblatt“ von 1787 [zit. in Rauls 1983, S. 127].

[2] zit. nach RAULS 1983, S. 127.

[3] TACKE 1943, S. 41.

[4] KNOLL/BODE 1891, S. 116.

[5] KRUEGER 2013, S. 67.

[6] Fotografie: Ausstellung "Arbeit, Holz und Porzellan. Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel und die Wirtschaftspolitik im 18. Jahrhundert. Der Weserdistrict." -  23. März bis 06. Oktober 2013.

[7] Staatsarchiv Wolfenbüttel, 40 Slg 8143 Bl. 2.

[8] RAULS 1983, S. 127.

[9] KRETSCHMER 1981, S. 197.