Bäckermeister Manfred Dittrich │ Hellentals letzter Bäcker

Klaus A.E. Weber

 

 

Bäckermeister Manfred Dittrich  (1934-2019)

Bäckermeister Manfred Dittrich (10. Mai 1934 - 12. März 2019) aus Holzminden

 

Bäckermeister Manfred Dittrich in der Hellentaler Dorfbäckerei „Kempe“ │ um 1965

© Historisches Museum Hellental

 

Mit Pacht- und Mietvertrag vom 27. September 1960 pachtete Bäckermeister Manfred Dittrich aus Holzminden mit seiner Frau Elisabeth Dittrich, geb. Hempel (*1937), vom Bäckermeister August Kempe am 01. September 1960 für die Dauer von 10 Jahren dessen Kolonialwarengeschäft und Bäckerei - im Haus № 67:

  • Backraum

  • über dem Backraum gelegene Backstube

  • Mehlkammer hinter der Backstube

  • Lagerraum nach hinten über der Scheune gelegen 

 

Bäckermeister Manfred Dittrich hat bis Ende Juli 1970 täglich 45 Brote für seinen Kundenkreis in Hellental gebacken.

Zweimal wöchentlich lieferte er 60 Brote nach Heinade.

In jahrzehntelanger Tradition hatte Bäckermeister Dittrich das im Sollingdorf Hellental beliebte Gersterbrot in der Dorfbäckerei „Kempe“ gebacken.

 

Analoge Vormerkkalender des Bäckermeisters Dittrich aus den Jahren 1966-1969

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Dem Museum [hmh] liegen vier kommerzielle Vormerkkalender [1] des Hellentaler Bäckermeisters Manfred Dittrich mit täglichen schriftlichen Eintragungen vor:

  • Wochen-Vormerkkalrender 1966: Montag, 03. Januar - Samstag, 31. Dezember 1966

  • Wochen-Vormerkkalrender 1967: Montag, 02. Januar - Samstag, 30. Dezember 1967

  • Merkbuch/Terminkalender 1968: Dienstag, 02. Januar - Dienstag, 31. Dezember 1968

  • Merkbuch/Terminkalender 1969: Donnerstag, 02. Januar - Mittwoch, 31. Dezember 1968

Es herrschte in jenen Jahren eine sechs Tagewoche vor; nur sonntags war Ruhetag für die Hellentaler Backstube.

 

Auszug aus dem Wochen-Vormerkkalrender 1966

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

Gersterbrot

Ehemals beliebtestes Brot in Hellental

Das Mischbrot ist ein Spezialbrot Norddeutschlands. Es gilt als alte hannoversche Spezialität.

In jahrzehntelanger Tradition hatte Bäcker Manfred Dittrich das Gersterbrot in der Hellentaler Dorfbäckerei „Kempe“ gebacken.

Das ehemals beliebteste Brot in Hellental  wurde mit Sauerteig, lauwarmen Wasser, Salz und einer Mehlmischung aus 70 % Roggenmehl und 30 % Weizenmehl hergestellt; ohne weitere Zusätze.

Das besondere Backverfahren mit dem „Gerstern“ - dem Abflämmen durch offenes Ofenfeuer - ergab einen typischen Geschmack.

Die Brotlaibe erhielten die typische dunkle Sprenkelung in der knusprigen Kruste.

 

Hellentaler Zubereitung

Am Vorabend des Backtages setzte Bäckermeister Manfred Dittrich den Vorteig in einer Steingutschüssel an, der über Nacht stehen blieb.

In der Frühe des nächsten Morgens knetete Bäcker Dittrich aus dem Hauptteig auf einem bemehlten Backtisch mehrere Teiglinge von Hand rund und rollte sie lang aus.

Nach der Teigruhe legte er nacheinander zwei, jeweils 2 kg schwere, zu einer Rolle geformte Teiglinge auf einen dicken und benässten Holzschieber, den kurzen „Brotstreicher“.

Der Brotteig wurde plattgedrückt und mit lauwarmem Wasser abgestrichen.

Sodann wurde der dicke Brotstreicher auf den „Gersterbock“ gelegt - ein Metallgestell mit kleiner Blechwanne, der „Wassermolle“ - zum Nassmachen der Teiglinge.

Durch das Bestreichen mit Wasser vor dem Backen erreichte man eine glänzende Oberfläche.

An den Rändern der Herdplatte des Holzbackofens war zuvor meterlanges Buchenholz aufgeschichtet und entfacht worden.

War das Backholz ringsum entflammt, wurden die beiden Teiglinge auf dem „Brotstreicher“ in den Ofen bei etwa 260° C Backtemperatur eingebracht und dicht an die offenen, züngelnden Flammen gehalten – zunächst auf der rechten, dann auf der linken Seite des Backofens.

Durch das kurze Anbacken mit beidseitigem Abflämmen bildeten sich typische Brandbläschen auf der Brotoberfläche, wodurch man das brottypische „bunte“ Aussehen des Gersterbrotes erreichte - mit seinen kleinen dunklen Sprenkeln.

 

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[1] Schenkung der Ehefrau Elisabeth Dittrich am 03. Juni 2020, Holzminden.