Die Kraft der syrischen Glaskunst

Klaus A.E. Weber

 

Übergang von dickwandigen zu feinen, dünnwandigen Glasgefäßen

 

Recherchierbarer digitaler Sammlungskatalog der WLM Glassammlung Ernesto Wolf:

Gläser 1. Jh. v. - 5. Jh. n. Chr. │ ◼ Gläser 4. Jh. - 7. Jh. n. Chr.

 

Schlangenfadenflasche (Ausschnitt)

Römisches Reich, Östl. Mittelmeergebiet, Syrien

1. Hälfte 3. Jh. v. Chr.

Glasmuseum Hentrich im Museum Kunstpalast Düsseldorf [5]

 

Wenngleich ähnliche Glasformen in kaum abweichender Qualität in zahlreichen Werkstätten im Römischen Imperium erzeugt werden konnten, so lagen die Glas produzierenden Zentren doch weiterhin vornehmlich auch in Syrien und Palästina aufgrund der vorzüglich geeigneten Sande und der natürlichen Lagerstätten von Natursoda ⦋Natriumcarbonat (Na2CO3)⦌, das bei der Glasgewinnung als Flussmittel eingesetzt werden konnte.[3]

 

    

                                             Fußschale                                                                                    Sattelflasche

Römisches Reich, östl. Mitttelmeergebiet, Syrien

4.-5. Jh. n. Chr.

Glasmuseum Hentrich im Museum Kunstpalast Düsseldorf

 

Glasimporte aus der Zeit um Christi Geburt gelangten als kostbares mediterranes Handelsgut aus Syrien in das Römische Reich.

Das Handelsgut Glas wurde bis in die niedergermanische Provinz importiert.

Glas formen mit der Glasmacherpfeife war eine folgenreiche technische Neuerung im späten 1. Jahrhundert v. Chr. (um 50 v. Chr.) in der römischen Provinz Syrien.

Es ist der Beginn der manuellen Herstellung von Hohlglas im engeren Sinne mit Übergang von dickwandigen zu feinen, dünnwandigen Glasgefäßen.

Die aus einem längeren (Metall-)Rohr bestehende Glasmacherpfeife ermöglichte durch das Mundblasverfahren gläserne Kugelhohlformen zu erzeugen.

Erstmals war dadurch eine große Gefäßvariabilität für unterschiedliche Verwendungszwecke möglich.

 

Vasen

vermutl. Syrien

4. Jh. n. Chr. (?)

Glasmuseum Hentrich im Museum Kunstpalast Düsseldorf 

 

Von den führenden syrischen Glashütten in den phönikischen Städten, wie Sidon und Tyros, ausgehend, breitete sich die manufakturmäßig betriebene Glasherstellung über das gesamte römische Herrschaftsgebiet aus.[3]

Syrisch-islamische Glaszentren des 6.-14. Jahrhunderts n. Chr. befanden sich in

  • Aleppo
  • Raqqa
  • Al Mina
  • Hama
  • Sidon
  • Tyrus
  • Damaskus
  • Usais.[1]

 

 

Doppelhenkelflasche (blaues Glas) und Götterbecher (violettes Glas) - jeweils in eine Form (Model) geblasen

Römisches Reich, Syrien

~ Ende 1. Jh. v. Chr.   │   2. Hälfte 1. Jh. n. Chr.

Glasmuseum Hentrich im Museum Kunstpalast Düsseldorf [4]


Hoher Becher mit umlaufendem Spiralglasfaden

Syrien

 3.-4. Jh. n. Chr.

AhrWeinForum Ahrweiler

 

Fotografien: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental

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[1] RICKE 1995, S. 348-349.

[2] TRIER/NAUMANN-STECKNER 2016, S. 32.

[3] RICKE 1995, S. 20.

[4] RICKE 1995, S. 23 (12), 24 (15).

[5] RICKE 1995, S. 31 (33).

[6] RICKE 1995, S. 35 (44).

[7] ALMELING 2006, S. 15.