Sommerfrischler & Feriengäste - Ehemalige Pensionen in Merxhausen

Dr. Klaus A.E. Weber │ Rolf Clauditz

 

„Haus Berlin“ │ Saakel’sche Mühle


Hinweisschild der „Saakel’schen Mühle“ *

 

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die „Sommerfrische“ ein fester Bestandteil des Sommerlebens des wohlhabenden Bürgertums, indem sich Sommergäste - „Sommerfrischler“ - in Gasthäusern und zunehmend in Privatunterkünften einquartierte.

Mit Hermann Löns kann man hierzu anhand seines Dorfromans "Die Häuser von Ohlenhof" plastisch werden lassen:

„Er riß das alte, baufällige Haus ab und stellte einen stattlichen Neubau hin, der eine freundliche Gaststube, ein Vereinszimmer, einen hübschen Laden und im Dachgeschosse drei Fremdenzimmer enthielt, die er sofort an Sommerfrischler vermieten konnte.“ [1]

Dabei spielte sich der Fremdenverkehr als früher Tourismus mit seinen Feriengästen teilweise noch in ländlich-heimatlichen Gefilden ab.

Von diesem Gastgewerbe profitierte letztlich auch das Dorf Merxhausen am Sollingrand duch einige Pensionen, die wohl im Zeitraum der 1950/1960er - 1980/1990er Jahre betrieben wurden.

 

 

Ehemalige Pension und Cafe „Haus Berlin“ - ungenutzt und wieder bewohnt nach aufwändiger privater Restaurierung **

 

Pension & Cafe „Haus Berlin“

Im Dorfzentrum befanden sich in dem ehemaligen Schulhaus als Nachbargebäude (Merxhausener Str. 8) zur alten Kapelle ehemals während einer kurzen Zeitspanne, ab etwa Ende der 1970er Jahre, gastgewerblich die Pension und das Gartencafé „Haus Berlin“ (Friese).

Entstehungsgeschichte nach den Archivakten:

  • 1826 Neubau eines Schul- und Kapellengebäude
  • 1877 Schulwohnhaus, heutiges Dachgeschoss: Schulkasse ("Classe")
  • 1881 gründliche Restaurierung: ganz zur Lehrerwohnung eingerichtete, ein neues Lehrzimmer in Nebengebäude daneben gebaut
  • Nach 1945 wegen der hohen Flüchtlingszahl zusätzliches Klassenzimmer bis in die 1950er Jahre

In den 1960er Jahren wurde das alte Schulgebäude von der Gemeinde Merxhausen an Karl Engelke verkauft.

Der Erlös diente zur Finanzierung der Straßenbeleuchtung.

Der Vater von Karl Engelke kam aus Berlin; daher die Benamung "Haus Berlin".

Feriengäste aus Berlin kamen über die damalige Interzonenautobahn nach Merxhausen.

"Hellebinke (neben Harfenjule und Rekenaugust in Brunswik) ut Merxhusen undern Sollige (nit wu ne Irrenanstalt).

Dat Dörp wird ok „Klein Berlin“ enennt weil dä Inwohners meistens Handelslühe sind, dä wiet herum komet."[3]

 

Saakel’sche Mühle Klein Herrenhausen

"Pension zur Mühle, eine Oase der Ruhe und Stille, Zimmer mit fließendem Kaltwasser. Liegewiese."

Die Saakel’sche Mühle in Merxhausen wurde bis 1972 nur noch zeitweilig zur Eigenbedarfsdeckung betrieben.

Die Familie Saakel sicherte ihr Einkommen durch den Betrieb einer kleinen, gern besuchten Pension.

Dazu wurden vier Räume im Obergeschoss des Wohntraktes mit fließend kaltem Wasser ausgestattet und Feriengästen, wie folgt, mit dem Werbetext öffentlich angeboten [2]:

"Pension zur Mühle, eine Oase der Ruhe und Stille, Zimmer mit fließendem Kaltwasser. Liegewiese."

In jener Zeit muss „Klein Herrenhausen“, wie der Name nahe legt, beeindruckend neu gestaltet worden sein, denn der Garten war parkähnlich angelegt - mit Ligusterhecken eingefasstem Weg, mit einer angelegten Baumallee, mit einem Springbrunnen, mit Blumenbeeten, mit einer Gartenlaube und mit einer Liegewiese.

Der Pension soll bis 1962/1963 betrieben worden sein.

 

 

Text: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental │ Rolf Clauditz, Merxhausen

* Fotografie: Michael Felder, Merxhausen

** Fotografien: Dr. Klaus A. E. Weber, Hellental

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[1] Hermann Löns: Die Häuser von Ohlenhof. Der Roman eines Dorfes. In: Hans A. Neunzig (Herausgeber): Hermann Löns, Ausgewählte Werke IV. Nymphenburger, München 1986, S. 195-318, Zitat S. 198 f.

[2] aus einem Brief von Hertha Kerstein aus Sternberg vom 10.10.1991 an Elke Fehrensen.

[3] Zitat aus "Der blaue Engel" - US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 1959.