Das Hellentaler Armenhaus mit „Karenz-Zimmer“

Klaus A.E. Weber

 

Armenhaus │ Gemeindehaus │ Dorfschule │ Wohnhaus

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte Hellental zu den ärmsten Dörfern des Herzogtums Braunschweig.

Neben dem Schul-, Spritzen- und Gemeindebackhaus war das so genannte Armenhaus und spätere Gemeindehaus eines der wenigen Gebäude im Eigentum der ehemals selbständigen Gemeinde Hellental.

Da für die ordnungsgemäße Beschulung der zahlreichen Hellentaler Kinder das Schulhaus Ende des 19. Jahrhunderts nicht ausreichte, wurde das später als „Gemeindehaus“ geführte kommunale Gebäude auch als Dorfschule mitgenutzt.

Das heutige, zweistöckige Wohnhaus Hauptstraße 23 ist aus dem ehemaligen „Armenhaus“ und späteren „Gemeindehaus“ hervorgegangen.

Das zunächst als Armenhaus errichtete, massive und relativ große Gebäude steht am steilen Berghang, gelegenen am westlichen Ortsausgang und somit - wie zeittypisch - außerhalb des bewohnten Kernbereiches des Hellentaler Oberdorfes.

Wie im Dorf erzählt wurde, habe sich im ersten Geschoss des Gemeindehauses ein volkstümlich „Karenz-Zimmer“ genannter Wohnraum befunden, in dem Dorfbewohner mit schwerwiegenden Infektionskrankheiten zur Absonderung (Quarantäne) einquartiert worden seien.

1962/1963 sei das Gemeindehaus unter dem Bürgermeister Meyer durch die Gemeinde Hellental an eine Privatperson außerhalb von Hellental verkauft worden, wobei mit Hilfe des erzielten Verkaufserlöses die heutige Friedhofkapelle am südwestlichen Ortsausgang in dörflicher Eigenleistung errichtet worden sei.

 

 

Text: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental