Zum Bautyp "Sollinghaus"

Klaus A.E. Weber

 

Museumshaus | Dr. Weber in Hellental (Ass.-№ 40)

 

"Sollinghaus"

Der Begriff der Bauweise „Sollinghaus” wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von REDDERSEN eingeführt.[1][2]

Im 18. Jahrhundert soll nicht zuletzt auf Anregung der landesherrlichen Obrigkeit der Bautyp „Sollinghaus” entstanden sein [4][8], der für jene Anbauer (meist Tagelöhner) und ihre Familien errichtet wurde, die als Kleinstellenbesitzer eine Nebenerwerbslandwirtschaft betrieben.

Bereits 1744 war eine landesherrliche Bauordnung erlassen worden.

In der Bauverordnung für den „Weser-Distrikt“ war 1750 von Herzog Carl I. u. a. festgelegt worden, dass das Erdgeschoss von solchen Gebäuden möglichst mit massivem Mauerwerk ausgeführt werden sollte.[5]

Ein Haus dieser Art ist das erhalten gebliebene Gemeindebackhaus im Dorfzentrum von Hellental (Ass.-№ 53), wie das ehemalige Gemeindebackhaus (Ass.-№ 64) in der Dorfmitte von Deensen.[5]

Aus der Dorfbeschreibung „Hellenthal“ von STEINACKER geht hervor, dass die Tagelöhnerhäuser aus Fachwerk keine Dälen (Hausdielen) hatten und "meist Längsfronten mit zwei Geschossen, dürftigen Profilen unter dem oberen Geschoß und Kröppelwalm" seien.[6]

 

 

Westlich gelegene "Sollinghäuser" im Oberdorf von Hellental - gestern und heute

 

Übertragen auf das Museumshaus│Weber Ass.-№ 40 bedeutet dies ein eher schlichtes, zweigeschossiges, traufenständiges Fachwerkhaus zum Wohnen und Wirtschaften ehemals staatlich geförderter Anbauer (Waldarbeiter, Leinenweber, andere Gewerbetreibende).

Das Museumshaus wurde, wie die meisten halbmassiven "Sollinghäuser" im Hellentaler Oberdorf, durch Neu-, Um- und Anbaumaßnahmen wesentlich baulich verändert, zudem ergänzt durch einen Scheunenanbau.

Wie die Vermessungskarte von 1792 ausweist, bestand zum Ende des 18. Jahrhunderts im ansonsten besiedelten Hellentaler Oberdorf keine Hausstelle auf dem Flurstück 19.[7]

Das Fachwerkhaus wurde erst 1884 wahrscheinlich auf den Grundmauern eines abgebrannten Vorgängergebäudes (Keller und Stallraum) errichtet.

Erstmals ist es 1834 als Liegenschaft mit der Ass.-№ 40 nachweisbar.

 

 

Text: Dr. Klaus A. E. Weber, Hellental

Fotografien: Archiv HGV-HHM; Dr. Klaus Weber, Hellental

 


[1] REDDERSEN 1934.

[2] Erika Reddersen: Die Veränderungen des Landschaftsbildes im hannoverschen Solling  und seinem Vorlande seit dem frühen 18. Jahrhundert von H. Voges │ Buchbesprechung in den Göttinger Blättern für Geschichte und Heimatkunde Südhannovers, 1. Jg. 1935, Heft 3, S. 53.

[4] LILGE 1997; BRODHAGE/MÜLLER 1996.

[5] RAULS 1983, S. 139.

[6] STEINACKER 1907, S. 178.

[7] NStAWb K 3344.

[8] LILGE 1993a, S. 17.