Der hartherzige Bauer von Heinade

Der hartherzige Bauer von Heinade“[1] oder „Der arme Mann und der reiche Bauer[2]

Nach einer aufschlussreichen Nacherzählung von KOLLMANN [o. J., S. 138f.] herrschte einst im Lande so große Not und schlimme Teuerung, dass ein Scheffel Korn drei Taler kostete. Da kam ein armer Tagelöhner (Mann) zu einem wohlhabenden Bauern in Heinade, um für seine hungerleidende Familie einen Scheffel Roggen (Korn) zu kaufen. Nachdem das Getreide bereits eingemessen und eingesackt war, begann der Käufer, das Geld dafür in kleiner Münze aufzuzählen; doch fehlten am Schluß drei Groschen an den drei Talern. Daraufhin versprach der Mann hoch und heilig, die fehlenden Groschen sofort nachzubringen, soblad er wieder Geld verdient hätte. Aber der Bauer (Reiche) wollte davon nichts wissen. So musste der Arme alles Korn wieder aus dem Sack schütten. Alles Betteln und Bitten nicht half, verwünschte er den hartherzigen (reichen) Bauern, dass er nach seinem Tode ewig zwischen Himmel und Erde schweben müsste. Noch im gleichen Jahr starb der Bauer, und der Fluch ging wirklich in Erfüllung.

Zur Strafe für seine Unbarmherzigkeit musste er als Glühender Mann („glü Kerel“) im Hessengrund bei Heinade umgehen, wo ihn mache Leute auch gesehen haben wollen. Eines Abends gingen mehrere Männer durch den Hesengrund. Unter ihnen befand sich auch der Pastor von Heinade. Da erschien ihnen der Glühende Mann. Unerschrocken trat ihm der Pastor entgegen und fragte ihn, was er von ihm wolle. Da sagte der Geist:

„Vor einiger Zeit kam ein armer Mann zu mir, der Korn kaufen wollte. Da ihm aber drei Groschen am Kaufpreis fehlten, mußte er alles wieder ausschütten und unverrichteter Dinge zu seiner notleidenden Familie zurückkehren. Dies tut mir jetzt sehr leid, und ich bitte dich, zu ihm zu gehen und ihn für mich um Verzeihung zu bitten. Wen er bereit ist, mir zu vergeben, möchte er morgen Abend hierherkommen.“ Der in seiner Not damals abgewiesene Mann (Arme) war gern bereit zu verzeihen. So kam er dann am nächsten Abend gemeinsam mit dem Pastor in den Hessengrund, wo der Glühende Mann schon auf ihn wartete. Der Tagelöhner (Arme) erklärte daraufhin dem Geist, dass er ihm vergeben würde. Nun verlangte der Geist aber noch, dass er ihm darauf die Hand geben müsste. Der Pastor jedoch hatte den Mann vorher gewarnt, dass er den Geist auf keinen Fall berühren dürfe. So wurde dem Glühenden Mann, da kein anderer Gegenstand zur Hand war, der Zipfel (Timpen) seiner Jacke gereicht. Und kaum hatte der die Jacke berührt, ging sie in Flammen auf und fiel als Asche zu Boden. Seit jener Zeit ist der Geist des (reichen) Bauern im Hessengrund nie wieder gesehen worden.



[1] nach SCHAMBACH und MÜLLER „Niedersächsische Sagen und Märchen“, 1854 - in: KOLLMANN-GÜMMER/KOLLMANN: Sagen und Geschichten aus dem Landkreis Holzminden

[2] Titel einer vergleichbaren Veröffentlichung im Stadtoldendorfer Raum, als „Sage aus Heinade“