Fachwerk-Gebäudeensemble von 1884 Ass.-№ 40

Klaus A.E. Weber

 

Vom stattlichen "Sollinghaus" zum "SOLLINGHAUS Weber│Museum zur Alltagskultur"

Mit seinen regionalen Unterschieden in Konstruktion und Verzierung ist das Fachwerk nicht nur schön anzusehen, es bereichert im Alltag selbstverständlich auch unsere Städte und Dörfer.

Fachwerkbauten [4] haben eine enorm lange Lebensdauer und ein ausgesprochen angenehmes Wohnklima.

Im der um 1753 durch Migration entstandenen Arbeitersiedlung (Arbeiterkolonie) Hellental spiegelt ein authentisches, ehemals landwirtschaftlich basiertes Gebäudeensemble die regionale ländliche Baukultur wider, bestehend aus dem Haupthaus (Wohnhaus), einem Wirtschaftsgebäude (Scheune), einem Nebengebäude (Stallgebäude mit Holz- und Kohlenlager) und einem Hof.

Diese typische Bauweise der Holzarchitektur ist mit dem SOLLINGHAUS Weber│Museum der Alltagskultur weitgehend präsent und spiegelt daher ein architektonisches regionales Erbe des Fachwerkdorfes Hellental im Solling wieder.

Bei den im Jahr 2017 begonnenen Sanierungen sind die Wahl geeigneter Baustoffe und museumsspezifische Nutzungsanforderungen zu berücksichtigen.

 

 

Blick von Osten auf das "Haus Hempel" (Bildmitte), Ass.-№ 40, in Hellental im Jahr 1900

Bleistiftzeichnung [2] und Fotografie

 

Das im Aufbau befindliche, privat geführte SOLLINGHAUS Weber│Museum für Alltagskultur ist ein mit dem historischen Hellentaler Ortsbild im Einklang stehendes Fachwerkgebäude.[1]

Es wurde 1884 in schlichter Fachwerkbauweise (ohne Ornamentierung) als noch heute imposant wirkendes, traufenständig ausgerichtetes Wohnhaus errichtet.

Das vorherrschende Bauelement ist hierbei das Eichenfachwerk (Eichenholz für Balken und Ständer) „in enger Anlehnung an die überlieferte landschaftsgebundene Bauweise“.[5]

 

 

Schauwand des "Hauses Hempel" in den 1950er Jahren und im April 2013

 

Ortstypisch und auch als Zeichen im Wandel der Lebensformen in der Solling-Region ist der historische Fachwerkbau

  • in Stockwerksbauweise
  • mit eher schlichter Schmuckfassade (ohne Schnitzwerk) in Form hellverputzter Ausfachungen
  • und einfach vorkragendem Obergeschoss

auf den Grundmauern eines um 1795/1800 errichteten und später abgebrannten Vorgängergebäudes (Keller und Stallraum) zurückzuführen.

Die Konstruktion wird von einem großen Dachboden gekrönt, der einst als Getreidespeicher und/oder als Heulager diente.

Zur Ein- und Auslagerung diente hierbei eine an einem vorspringenden Holzbalken befestigte Seilrolle oder ein Flaschenzug.

Wie für die Häuser und die Gegend typisch, war bis in die 1980er Jahre das Dach mit großformatigen Buntsandsteinplatten gedeckt.

In späterer Zeit wurden großformatige Buntsandsteinplatten auch zur zierlosen Behängung des Wohnhauses im Hofbereich verwendet.

Das Fachwerkgebäude liegt traufenständig zur alten Dorfstraße, betont durch einen mittigen Zwerchgiebel.

In klarer Linienführung zeigt sich das Fachwerk mit Gefachen, die zwar fachwerkbündig eingeputzt sind, hingegen nach dem Beistrich mit vorstehenden, farblich abgesetzt Kassetten imponieren. 

 

An der "Dorfstraße" gelegenes Gebäudeensemble Ass.-№ 40 (grün markiert) im Mai 1930 [3]

 

Gebäudeensemble │ Ass.-№ 40

Erstmals ist das holzarchitektonisch schmucklose Fachwerkgebäude im Jahr 1834 als Liegenschaft von Ferdinand Meyer mit der Ass.-№ 40 nachweisbar.

Es kann als Beleg für das eher bodenstängige Leben seiner einstigen Bewohner*innen angesehen werden.

Zu dem auf einem Gelände mit ca. 15 % Gefälle errichteten, landwirtschaftlich basierten Gebäudeensemble mit Hof zählen

  • das Wohnhaus (1884) - "Buntsandsteinmauerwerk" und Holzarchitektur "Eichen- und Tannen-Steinfachwerk" / "Backsteinmauerwerk" │ Sockelmauerwerk als regelmäßiges Schichtmauerwerk aus Sollingsandsteinen │ Freitreppe mit Podest aus massiven Blockstufen aus Sollingsandstein │ Kellergewölbe mit "Preußischer Kappendecke"

  • die Scheune│Tenne (1884) - "Bruchsteinmauerwerk" und Holzarchitektur "Tannen-Steinfachwerk" / "Backsteinmauerwerk" │ "Holzbalkendecke" │ "Sollinger Sandsteinplatten"

  • ein Scheunenanbau (1900) - "Bruchsteinmauerwerk" │ "Holzbalkendecke" │ Holzschleppdach

  • ein Stallgebäude (Kühe) mit Holz- und Kohlenlager (1930) - "Bruchstein- und Backsteinmauerwerk" │ "Tannen-Steinfachwerk" │ "Massivdecke"

Nach einem Brand des Vorgängergebäudes wurde das Wohnhaus im Jahr 1884 durch den in Grünenplan geborenen, in Pilgrim zum Forstwart ernannten von Carl Friedrich Wilhelm Hempel (1837-1916) wieder errichtet, ein Sohn des Waldarbeiters und Brinksitzers Johann Heinrich Friedrich Hempel in Grünenplan.

 

 

"Eichen-Steinfachwerk / Backsteinmauerwerk" & "Sollinger Sandsteinplatten" │ Mai 2019

 

Baustoffe

Meist verwendete Baustoffe in dem Fachwerkbau:

  • Eichen- oder Nadelholz (Fachwerkkonstruktion, Klappen, Türen und Tore)
  • Lehm (Wände) und Stroh als Zuschlag für Lehm
  • Kalk (Putze im Innenbereich)
  • Ziegel (Mauerwerksbau und Gefachausmauerungen)
  • Tonpfannen (Dach)
  • Leinölfarbe (Holz im Außenbereich)

 

Sanierung & Konzeption 2016-2019

Heute wird das in Sanierung befindliche "Sollinghaus" als CO2 -neutrales Gebäudeensemble betrieben.

Dabei dient im Rahmen einer naturnahen Sanierung die teils großflächige Holzverbauung als CO2-Specher.

Bedingt durch Verzögerungen bei den Sanierungs- und Umbaumaßnahmen kann das Museumshaus erstmals seine Pforten am "Tag des offenen Denkmals" am 08. September 2019 öffnen.

 

 

Fotografien: Archiv HGV-HHM; Dr. Klaus Weber, Hellental

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[1] Monumentendienst Weserbergland │ Untersuchungsbericht │ Gebäude Lönsstraße 6, 37627 Hellental │ Untersuchungsbereich Hauptgebäude │ Auftraggeber: Dr. Klaus Weber, Sollingstr. 17, 37627 Hellental │ Ausführung: Björn Toelstede, Restaurator im Zimmerhandwerk i. A. │ Juli 2013.

[2] Ausschnitt aus einer Bleistiftzeichnung von H. Meyer aus Hannover, im September 1900 - im Privatbesitz von Rudolph Timmermann, Hellental.

[3] Auszug aus der Bauakte Landkreis Holzminden, Aktenzeichen: 257/30, Antragsbeschreibung: Stallgebäude, Gemarkung, Hellental, Lönsstr. 6 │ Bauherr: Hempel, Friedrich │ eingesehen am 22. Juli 2013.

[4] Zum "Fachwerkbau undFachwerkkunst im Weserraum" wird verwiesen auf  HANSEN 1980, S. 9-24.

[5] TACKE 1943, S. 142.