Historisches Fachwerkgebäude von 1884 Ass.-№ 40

Klaus A.E. Weber

 

Vom stattlichen "Sollinghaus" zum Museumshaus | Dr. Weber

Mit seinen regionalen Unterschieden in Konstruktion und Verzierung ist das Fachwerk nicht nur schön anzusehen, es bereichert im Alltag selbstverständlich auch unsere Städte und Dörfer.

Fachwerkbauten haben eine enorm lange Lebensdauer und ein ausgesprochen angenehmes Wohnklima.

Diese typische Bauweise ist mit dem Sollinghaus│Hellental in Form eines historischen Gebäudes in Hellental präsent.

Bei den im Jahr 2017 begonnenen Sanierungen sind die Wahl geeigneter Baustoffe und museumsspezifische Nutzungsanforderungen zu berücksichtigen.

 

 

Blick von Osten auf das "Haus Hempel" (Bildmitte), Ass.-№ 40, in Hellental im Jahr 1900

Bleistiftzeichnung [2] und Fotografie

 

Das im Aufbau befindliche, privat geführte Museumshaus│Weber ist ein mit dem historischen Hellentaler Ortsbild im Einklang stehendes Fachwerkgebäude.[1]

Es wurde 1884 in schlichter Fachwerkbauweise als noch heute imposant wirkendes, traufenständig ausgerichtetes Wohnhaus errichtet.

 

 

"Haus Hempel" in den 1950er Jahren und im April 2013

 

Ortstypisch für Solling-Region ist das historische Fachwerkgebäude

  • in Stockwerksbauweise
  • mit eher schlichter Schmuckfassade in Form hellverputzter Ausfachungen
  • und einfach vorkragendem Obergeschoss

auf den Grundmauern eines um 1800 errichteten und später abgebrannten Vorgängergebäudes (Keller und Stallraum) zurückzuführen.

Die Konstruktion wird von einem großen Dachboden gekrönt, der einst als Getreide- und/oder Heulager diente.

Wie für die Häuser und die Gegend typisch, war bis in die 1980er Jahre das Dach mit großformatigen Buntsandsteinplatten gedeckt.

In späterer Zeit wurden großformatige Buntsandsteinplatten auch zur zierlosen Behängung des Wohnhauses im Hofbereich verwendet.

Das Fachwerkgebäude liegt traufenständig zur alten Dorfstraße, betont durch einen mittigen Zwerchgiebel.

In klarer Linienführung zeigt sich das Fachwerk mit Gefachen, die zwar fachwerkbündig eingeputzt sind, hingegen nach dem Beistrich mit vorstehenden, farblich abgesetzt Kassetten imponieren.  

Mit der im Jahr 1900 hinzu gekommenen Scheune und dem im Jahr 1930 erbauten Stall ist das baulich imposante Fachwerkensemble ein kulturhistorischer Entdeckerstandort im Solling.

 

Erstmals ist das nahezu schmucklose Fachwerkgebäude im Jahr 1834 als Liegenschaft von Ferdinand Meyer mit der Ass.-№ 40 nachweisbar.

Es kann als Beleg für das eher bodenstängige Leben seiner einstigen Bewohner*innen angesehen werden.

Zu dem historischen, landwirtschaftlich genutzten Gebäudeensemble zählen

  • das Haupthaus (Wohnhaus)
  • ein Wirtschaftsgebäude (Scheune)
  • ein Nebengebäude (Stallgebäude)

 

Nach einem Brand des Vorgängergebäudes wurde das Wohnhaus im Jahr 1884 durch den in Grünenplan geborenen, in Pilgrim zum Forstwart ernannten von Carl Friedrich Wilhelm Hempel (1837-1916) wieder errichtet, ein Sohn des Waldarbeiters und Brinksitzers Johann Heinrich Friedrich Hempel in Grünenplan.

 

 

Meist verwendete Baustoffe in dem Fachwerkbau:

  • Eichen- oder Nadelholz (Fachwerkkonstruktion, Klappen, Türen und Tore)
  • Lehm (Wände) und Stroh als Zuschlag für Lehm
  • Kalk (Putze im Innenbereich)
  • Ziegel (Mauerwerksbau und Gefachausmauerungen)
  • Tonpfannen (Dach)
  • Leinölfarbe (Holz im Außenbereich)

 

 

Text: Dr. Klaus A. E. Weber, Hellental

Fotografien: Archiv HGV-HHM; Dr. Klaus Weber, Hellental

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[1] Monumentendienst Weserbergland │ Untersuchungsbericht │ Gebäude Lönsstraße 6, 37627 Hellental │ Untersuchungsbereich Hauptgebäude │ Auftraggeber: Dr. Klaus Weber, Sollingstr. 17, 37627 Hellental │ Ausführung: Björn Toelstede, Restaurator im Zimmerhandwerk i. A. │ Juli 2013.

[2] Ausschnitt aus einer Bleistiftzeichnung von H. Meyer aus Hannover, im September 1900 - im Privatbesitz von Rudolph Timmermann, Hellental.