Glaskultur im Alt- und Neupersischen Reich │ Iran

Klaus A.E. Weber

 

Fortlaufende Entwicklung in der persischen Glasgeschichte - mit neuer iranischer Glaskunst

 

Recherchierbarer digitaler Sammlungskatalog der WLM Glassammlung Ernesto Wolf:

Gläser 4. Jh. v. - 1. Jh. n. Chr.

 

Schale - Achämenidisches Reich, Persien [3]

Ende 5. / Anfang 4. Jh. v. Chr.

Glasmuseum Hentrich im Museum Kunstpalast, Düsseldorf

 

Perserreich Wikipedia │ ◼ Iran Wikipedia


Altpersisches Großreich der Achämeniden - 6.-4. Jh. v. Chr.

Bereits während des altpersischen Großreiches der Achämeniden - 6.-4. Jh. v. Chr. - wurde in Glaswerkstätten Glas technisch bearbeitet.[2][5]

Achämenidenreich Wikipedia

 

So zählen Trinkgefäße, wie der reich geschliffene Lotusbecher, zu den bedeutendsten Glaserzeugnissen der achämenidischen Zeit in Persien (5./4. Jh. v. Chr.).

In Folge des Niedergangs der Macht des Römischen Reiches im Westen (476/480) und des Übergangs zum Byzantinischen Reich im Osten (frühes 7. Jahrhundert) verlagerte sich das Zentrum der Glasherstellung wieder nach Osten - in den Vorderen Orient.

 

Napf, Naher Osten, Iran oder Irak

7./8. Jh. n. Chr.

Glasmuseum Hentrich im Museum Kunstpalast, Düsseldorf [8]

 

Neupersisches Großreich der Sas(s)aniden – 226- 651 n. Chr.

Die iranischen Völker unter sich vereinend, entstand im 3. Jahrhundert der neue, zentralistisch organisierte Staat unter der Führung der Sasaniden.

Das Neupersische Reich der Sasaniden war nach dem Altpersischen Reich der Achämeniden und Teispiden das zweite antike persische Großreich und über Jahrhunderte hinweg ein Rivale des Römischen bzw. Oströmischen Reiches (Römisch-Persische Kriege) mit gegenseitiger Beeinflussung.

Sassanidenreich Wikipedia

 

Die bedeutende Großmacht bestand über vier Jahrhunderte zwischen dem Ende des Partherreichs ((3. Jh. v. Chr. - 3. Jh. n. Chr. - Iran, Mesopotamien) und der arabischen Eroberung Persiens (226) bis zur Schlacht von Nehawend im Jahr 642 bzw. bis zum Tod des letzten Großkönigs Yazdegerd III. im Jahr 651.

In der Spätantike erstreckte sich das Reich der Sasaniden etwa über die Gebiete der heutigen Staaten Iran, Irak, Aserbaidschan, Turkmenistan, Pakistan und Afghanistan sowie einige Randregionen.

Einst im Imperium Romanum durch lebhafte Handelsbeziehungen bzw. Importe (auch römische Glaswaren) geprägt, entwickeln auf der Grundlage antiker Glastechniken in den ehemaligen römischen Provinzen die Reiche der Parther und der neupersischen Sasaniden schrittweise neue Gefäßformen - in der Frühphase zunächst noch vom römischen Glas geprägt.[1][2]

Mittels der aufgenommenen römischen Bearbeitungsverfahren und in Verbindung mit der ohnehin seit alters her in Mesopotamien konzentrierten glastechnischen Kenntnissen, kam es in dem Zweistromland "zu einer bemerkenswerten Blüte der Glaskunst".[7]

Dabei entstanden in den Hofwerkstätten der Machtzentren des Reichs der Sasaniden (Ktesiphon - Doppelmetropole als Hauptresidenz der Könige) neben großartigen, aufwändig gearbeiteten höfischen Luxusgläsern gerade auch farbige und fast farblose Gebrauchsgläser mit innovativen Zierformen.

Hierzu zählen einfache Schalen und Näpfe mit kräftig ausgebildetem Reliefdekor (Dornscheibendekors, "Reliefgestaltungen mit getreideähnlichen Motiven"), an östliche Metallarbeiten erinnernd.[7]

 

Flasche │ Flakon mit Schichtaugendekor

Iran, 7.-9. Jh. n. Chr.

Glasmuseum Wertheim

 

Technisch gibt es zwei Arten von Glasgefäßen:[2]

  • dickwandige Gefäße mit Schliffdekor (Trinkschalen, Becher, Flaschen)

  • dünnwandige in Form geblasene Gefäße

Dieser glaskulturelle Prozess wurde nicht durch die Eroberung des Nahen Ostens durch die Araber um die Mitte des 7. Jahrhunderts unterbrochen, die es gechickt verstanden, sich die vorgefundenen Kunstfertigkeiten anzueignen.[1]

 

 

Kanne - Nordwest-Iran │ Amlash-Gebiet │  4.-9. Jh. n. Chr.

Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) Mainz

Kannen mit birnenförmigem Körper aus blauem Glas │ Iran │ ~ 1700 - ~ 1900

Rjiksmuseum Amsterdam

 

Vom 8. Jahrhundert bis zum 10. Jahrhundert besteht eine fast fortlaufende Enwicklung in der Geschichte des persischen Glases.[2]

In den islamischen Reichen des Nahen Ostens entwickelt sich dann im frühen und hohen Mittelalter eine hochstehende wie auch recht einheitliche Glaskultur.[1][2]

 

Iranische Schalen aus Quarz-Paste

perforiert, mit Kobaltbemalung │ glasiert mit Quarz- und Glaspulver │ Iran │ 1175-1225 n. Chr.

Iranische Imitation von importiertem, feinem durchscheinenden chinesischen Porzellan

Rjiksmuseum Amsterdam

 

  

Kannen - Naher Osten, vermutl. Iran │ 10.-12. Jh. │ 7.-9. Jh. [4]          Blaue Flasche - Nischapur (Neyschabur) ? - Iran │ 9.-10. Jh. [6]

Glasmuseum Hentrich im Museum Kunstpalast, Düsseldorf

 

Flasche mit abgeflachtem, kugelförmigem Körper aus Grünglas │ Iran │ ~ 1700 - ~ 1900

Rjiksmuseum Amsterdam

 


Blaue Flasche mit Bienenwabendekor, Iran (vermutl.)

10.-12. Jh. n. Chr.

Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) Mainz

 

   

Glasperlenketten des späten 6.-7. Jh.

Frauenschmuck der Sasaniden aus dem Iran

Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) Mainz

 

Die islamische Glaskunst des Mittelalters zeigt in Persien eine späte Nachblüte.[1]


Geschwungene Sprengler ("swan-necked" bottles) aus blauem Glas │ Iran │ ~ 18.-19. Jh.

Rjiksmuseum Amsterdam

 

 

Fotografien: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental

 


[1] Dauerausstellung Glasmuseum Hentrich im Museum Kunstpalast.

[2] SCHLOSSER 1977, S. 53-66.

[3] RICKE 1995, S. 18 (5).

[4] RICKE 1995, S. S. 42 (57), 49 (77).

[5] RICKE 1995, S. 16.

[6] RICKE 1995, S. 44 (64).

[7] RICKE 1995, S. 36-38.

[8] RICKE 1995, S. 37 (48).

[9] RICKE 1995, S. 48 (74).