Etrurien: Antike Spuren der Etrusker ⦋"Ras(en)na"⦌ & Glas in der Toscana

Klaus A.E. Weber

 

Erste eigenständige Hochkultur auf antikem mittelitalienischem Boden


    

Was wir den Etruskern heute zu verdanken haben: Wein & Olivenöl

 

"Ras(en)na"│"Tyrrhener" (griech.)│"Tusci" oder "Etrusci" (röm.) im vorrömischen Mittelitalien

  • Dominante politische Gruppierung
  • Weltkultur im antiken Italien ⦋63⦌
  • Eines der faszinierendsten, innovativsten & wichtigsten Kulturvölker der Antike

 

Kurze Chronologie [3][24]⦋30⦌ ⦋59⦌⦋63⦌

  • 9.-8.Jahrhundert v. Chr. (900-725 v. Chr.): frühe Eisenzeit - "Villanova-Kultur/-Periode")

  • ab 1000 v. Chr.: erste archäologisch gesicherte Spuren der Etrusker

  • um 900-509 v. Chr.: Frühes Italien und "Die Zeit der Könige"
  • um 800 v. Chr.: Aufstieg der etruskischen Zivilisation
  • ab 800 v. Chr.: Gründung etruskischer Stadtstaaten, wie Populonia, Fiesole, Arezzo oder Volterra; später "Zwölfstädtebund" und Ausdehnung des Machtbereichs bis nach Rom

  • 7. Jahrhundert: erste Blüte im Zeitalter der Fürsten
  • 725-625 v.Chr.: Orientalisiereinde Zeit

  • 753 v. Chr.: Gründung Roms
  • 600 v. Chr.: Bildung des Forum Romanum
  • 625-500/475 v. Chr.: Blütezeit der Stadtstaaten

  • 6.-2. Jahrhundert v. Chr.: vielfältige und reiche Kultur

  • 510/509 v. Chr.: Vertreibung des letzten etruskischen Tarquinierkönigs aus Rom

  • 509 v. Chr.: Ausweisung des letzten Königs von Rom │ Gründung der Republik
  • um 509-27 v. Chr.: Römische Republik
  • 474 v. Chr.: Niederlage der Etrusker in der Schlacht von Cumae
  • ab 350 v. Chr.: Rom erobert Etruria und gründet zahlreiche römische Kolonien

  • Beginn des 1. Jahrhunderts v. Chr. Aufgehen der etruskischen Stadtstaaten im römischen Staat

  • 88 v. Chr.: Etrurien wird in den römischen Staatsverband eingegliedert

  • ab 400 n. Chr.: Völkerwanderung mit Verwüstungen in der Toskana

 

Fundament des Römischen Reiches mit emanzipierten "trinkfesten, schönen Frauen und genialen Planern" ⦋52⦌

Die Landesbezeichnung Toskana geht auf die Etrusker zurück; hier befindet sich zugleich auch die "Wiege" der Renaissance.[25]

Ausgehend von der südlichen Toskana beherrschte das durch "Mythen der anderen" (Griechen, Römer) als geheimnisvoll-rätselhaft erscheindende, außergewöhnliche Volk der Etrusker Nord- und Mittelitalien vor den Römern - große Teile von Mittelitalien vom 8. Jahrhundert bis zum 1. Jahrhundert v. Chr.⦋56⦌

Etwa ab dem 8. Jahrhunder v. Chr. treten die Etrusker aus dem Dunkel der antiken Geschichte hervor, indem sie die erste Hochkultur mit einem repräsentativen Lebenstil in Mittelitalien gestalteten.

Dabei übernahmen die Etrusker zahlreiche Motive aus dem vorderen Orient.

Das Volk der Etrusker war gleichermaßen Vorbild wie Rivale des frühen antiken Roms, in welchem letztlich die Etrusker etwa 100 Jahre lang herrschten.

Als Vorläufer des römischen und christlichen Italiens besaßen die Etrusker über 1.000 Jahr lang eine große und kulturell reiche Zivilisation - mit früher Rechtsordnung und Besonderheiten in den Lebensumständen, bei den Sitten, in der Sprache und in der Religion, einhergehend vielfältigem Kunstschaffen.

Die Lebensspuren wie die Kunsthandwerke und das Kunsthandwerk der Etrusker umfassten vornehmlich, teils kunstvoll gefertigte Plastiken, Gefäße, Geräte, Reliefs, Statuetten, Spiegel und figürlichen Schmuck, aber auch gewaltige Grabanlagen (Nekropolen) mit Wandmalereien und Sarkophagen, Ascheurnen und Totenbetten.⦋24⦌

Wie die einschlägige Literatur und die Entdeckung und Erforschung aufwändiger Grabanlagen im 19. und 20. Jahrhundert nahe legen, waren Kunstschätze der Etrusker zumeist aus Bronze, Gold und Keramik, auch aus Elfenbein, gefertigt worden, wobei die etruskische Kultur eine Vorliebe für Edelmetall und Bronze aufgewiesen habe.⦋35⦌

Dem hingengen ist darauf hinzuweisen, dass in Frattesina bei Rovigo zwischen 1100 und 900 v. Chr. eines der wichtigsten europäischen Zentren der Glasherstellung gelegen haben dürfte.

Gleichwohl archäologische Nachweise für früheisenzeitliches Glas und Glasfunde Mittelitaliens (gläserne Ojekte der Villanovazeit und des Orientalizzante) bestehen ⦋37⦌, soll die Tradition der Glasbearbeitung in der historischen Landschaft der Toskana ihren Ursprung allerdings erst im Mittelalter gehabt haben.

Nach dem sie ihre ethnische Identität verloren hatten, verschwanden die Etrusker als eines der interessantesten Völker des Altertums größtenteils im Nebel der Geschichte - erst in der Renaissance sollte das Interesse an den Etruskern wieder erwachen.

  • Aktuelles Porträt der spannenden Etrusker-Kultur: Etrusker-Spezialistin BUBENHEIMER-ERHARDT, Universität Wien ⦋12⦌

Etrusker Wikipedia

Die Etrusker - Weltkultur im antiken Italien

Das Badische Landesmuseum Schloss Karlsruhe präsentierte in Kooperation mit dem italienischen Kulturministerium vom 16. Dezember 2017 bis 17. Juni 2018 in einer außergewöhnlichen Sonderausstellung ein umfassendes Porträt der etruskischen Kultur - mit hochkarätigen Originalen, Modellen und begehbarer Landkarte.⦋52⦌⦋58⦌

 

Zur "Herkunftsproblematik"

Zwar liegen die Anfänge der Etrusker im Dunkeln und sind als ethnische, sprachliche und kulturelle Gemeinschaft nur in Italien fassbar. ⦋26⦌⦋63⦌

Nicht unumstritten, deuten genetische DNA-Analysen auf die wahrscheinliche "Herkunft" der Etrusker aus dem westlichen Anatolien hin.

Von da aus sollen die Etrusker über Griechenland nach Italien eingewandert sein und sich im westlichen Mittelitalien ab etwa 1000 v. Chr. in einem überaus fruchtbaren Landstrich angesiedelt haben.

Nach einer weiteren These soll sich die etruskische Zivilisation aus der früheisenzeitlichen "Villanova-Kultur" heraus in Mittelitalien entwickelt haben.

In die vorgeschichtliche Kultur der "Villanova-Zeit" datiert die Frühphase der etruskischen Zivilisation des 9.-8. Jahrhunderts v. Chr.

Hier liegt der spätere Siedlungsraum der Etrusker als Ergebnis vielfältiger regionaler Kulturstufen der frühen Eisenzeit.⦋63⦌ 

Nach anderen, ebenso wissenschaftlich umsritttenen Interpretationen sei die Bevölkerung Etruriens exklusiv in Italien oder/und durch Kulturströme aus Griechenland und Kleinasien enstanden.

Als geschlossene ethnische Einheit traten die Etrusker erst im Verlauf des 8. und frühen 7. Jahrhunderts v. Chr. auf - mit gemeinsamer Sprache, Religion und Kunst.⦋29⦌⦋60⦌

Etrurien Wikipedia

 

Zwischen östlichem und westlichem Mittelmeerraum

Die weit ins Zentrum des Mittelmeeres hineinragende italienische Halbinsel war seit altersher prädestiniert für eine Mittlerstellung zwischen dem östlichen und westlichen Mittelmeerraum - mit der Folge, dass verschiedene Kultureinflüsse auf die italienischen Kulturen trafen, besonders markant in der Früheisenzeit seit dem 10. Jahrhundert v. Chr. bis in das 7. Jahrhundert v. Chr.⦋37⦌

Am Beginn der Eisenzeit - 9.-8. Jahrhundert v. Chr. - bestanden im antiken Italien neben Etrurien verschiedene Kulturräume von Italikern - mit voretruskischen Kulturen in der jüngeren Bronzezeit um 1400 v. Chr.

Im vor- und frühgeschichtlichem Kontext der etrurischen Perioden der Subapennin- und Protovillanova-Kultur (12.-10. Jh. v. Chr.) sowie der Villanova-Kultur des 9. und 8. Jahrhunderts v. Chr., einer frühen eisenzeitlichen Kultur mit eher einfachen dörflichen Siedlungen, entwickelte sich ungebrochen die Kultur der Etrusker.⦋20⦌⦋29⦌

Als antikes Volk ließen sich die Etrusker ab etwa 1000 v. Chr. in Etrurien, im nördlichen Mittelitalien im Raum der heutigen Regionen Toskana, Umbrien und Latium als differenziertes Gemeinwesen nieder, in einem von der Natur begünstigten Gebiet.

Der Übergangszeitraum von der Villanova-Kultur zu den frühen Etruskern - Ende 8. bis Anfang 6. Jahrhundert v. Chr. - wird als „Periodo Orientalizzante“ (Orientalisierende Zeit) bezeichnet, da infolge von Migrationsbewegungen und Handelsbeziehungen sich zunehmend kulturelle Einflüsse aus dem vorderasiatischen Raum der altorientalischen Reiche entfalteten.

Einhergehend mit dem Höhepunkt der Macht bestand üm das Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. im antiken Italien die größte etruskische Ausdehnung.

Seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. beherrschten die Etrusker durch Expansion und Kolonisation große Teile Italiens, wie auch den Fernhandel mit Phönikern und Griechen.[2]⦋24⦌

Nach CAMPBELL erwiesen sich die Etrusker zwischen dem 8. und 6. Jahrhundert v. Chr. als exzellente Seefahrer und profitierten von Handel und Kolonisation.⦋60⦌

Im Übergang vom 8. zum 7. Jahrhundert v. Chr. entstehen erste nachweisbare Schriftzeugnisse (formelhafte Grab- oder Weihinschriften) auf etruskischem Gebiet, wobei die etruskische Schrift letztlich auf dle phönizische Alphabetschrift zurückgehen soll.⦋22⦌⦋30⦌

Die Etrusker gelten als frühe, facettenreiche Hochkultur mit besonderem sozialen und kulturellen Leben im antiken, vorrömischen Italien mit kulturellem Höhepunkt im 7. bis 6. Jahrhundert v. Chr. - einhergehend ausgedehntem Binnen- und Fernhandel, florierendem wirtschaftlichem und kulturellem Austausch mit der Vielzahl anderer Mittelmeerkulturen; aber auch mit Völkern nördlich wie westlich der Alpen bestand schon früh enge Handelskontakte (Kelten).⦋30⦌

Als wichtige politische und militärische Kraft bestimmten versierte Etrusker dann etwa ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. zunehmend das Schicksal des zentralen und westlichen Mittelmeerraums - bei größter Machtentaltung im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr.

Neben der Binnenschifffahrt mit Binnenhandel im Landesinneren unterhielt die etruskische Seefahrt über ihre großen Städte mit Hafenanlagen nahe der tyrrhenischen Küste über ihre Seefahrtsrouten zahlreiche Kontakte und Handelsbeziehungen mit Völkern des Mittelmeerraumes, u.a. Handel mit Griechenland und dem Vorderen Orient (z.B. Ägypten, Syrien, Phönikien, Zypern).

Ausführungen über die Auseinandersetzung der Etrusker mit den Griechen finden sich bei PRAYON.⦋31⦌

 

Vielseitige handwerkliche Aktivitäten, innovative Metallverarbeitung & wachsender Wohlstand

Neben Steinmetzarbeiten und dem Holzvorkommen aus den ausgedehnten Wälder bestimmten reiche Erzvorkommen hauptsächlich in Nordetrurien die wirtschaftliche und kultuerelle Entwicklung im etruskischen Kerngebiet, denn es gab beträchtliche Lagerstätten von Kupfer, Eisen, Blei und Silber, in geringerem Maß von Zinn.⦋17⦌

In der Umgebung von Vetulonia, Populonia und Volterra bestand ein Erzbergbau.⦋17⦌

Hier konnte Kupfer, Eisen, Zinn und Silber abgebaut und ein geschätztes Metallhandwerk betrieben werden - mit Populonia als Zentrum der Verarbeitung.

 

 

Versilberte etruskische Bronzeflasche mit ornamentaler Verzierung (1) - 4.-3. Jh. v. Chr.

Etruskische Amphora mit Ständer, Aphrodite auf Schwan (3) - Grab in Vulci, 4. Jh. v. Chr.

Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) Mainz

 

Vielerorts entstanden Bronzewerkstätten, in denen Kupfer mit Zinn zu Bronze legiert und Bronzegegenstände gegossen oder getrieben wurden.⦋17⦌

Aus Bronze wurden Schmuck, Waffen, Gefäße, Geräte, Statuetten und Statuen gearbeitet, wobei die Werkstätten im 8. Jahrhundert v. Chr. eine erste Blütezeit erreichten.

Unter dem Einfluss orientalischer und griechischer Importe kam es dann im 7. Jahrhundert v. Ch. zu einer Vielzahl neuartiger Formen und Verzierungen.

Wie das Einzelwerk einer Statuette aus Bronze einer kleinen etruskischen Tänzerin der Zeit um 520 v. Chr. vor deutlich Augen führt, waren es vor allem die Goldschmiedekunst und die Bronzegießtechnik, die hochentwickelt waren und hervorragende Schmuck- und Kunstgegenstände hervorbrachten.

Als versierte Metallbearbeiter und "Herren des Eisens" beherrschten die Etrusker mit ihren Verhüttungsanlagen und Metallwerkstätten schon früh die Metalltechnologien (Legieren, Schmieden, Gießen), insbesondere die Eisenverhüttung und -verarbeitung.

Dies ermöglichte ihnen in den Wirtschaftskreislauf der Antik einzutreten.

Der antike Handel mit Metallen (Bronze, Eisen), teils als Rohstoffe, teils als hochgeschätzte Fertigprodukte in Form von Metallgeräten, machte die Etrusker wohlhabend, wobei mit Metallexporten insbesondere Handel mit Griechen und Phönikern bzw. um 600-500 v. Chr. mit den Punier in Nordafrika (Karthago) und in der Levante betrieben wurde - mit einem Höhepunkt erst im 5. Jahrhundert v. Chr.

 

Etruskischer Bronzehelm

Antikenmuseum Basel

 

Goldarbeiten & Meisterleistung in der Technik der Granulation

Mit der Goldschmiedekunst und der Herstellung filigraner Schmuckstücke begann das "goldene Zeitalter" der Etrusker, wobei orientalische Motive und Techniken übernommen wurden.

Da es keine natürliches Goldvorkommen in Etrurien gab, gelangte das Edelmtall erst mit dem Schiffshandel im östlichen Mittelmeergebiet nach Italien.

Als weltberühmt und einzigartig gilt dabei die etruskische Goldschmiedekunst mit ihrer antiken Technik der Granulation und höchst filigranen, detaillreichen Ausarbeitung.

Bei dem aus dem vorderen Orient erlernten Handwerk der Granulation werden zur Verzierung kleinste Goldkügelchen bis Staubkorngröße aufgebracht.

Granulation (Goldschmiedekunst) Wikipedia

 

Etruskischer Goldschmuck

7 - Körbchenohrring mit zwei Sphingen als Bekrönung, 6. Jh. v. Chr. │ 8 - Körbchenohrring, 6. Jh. v. Chr.

10 - Fibel mit aufgesetzten Rosetten und Panthern │ 13 - "Certosafibel", 1. Hälfte 4. Jh. v. Chr.

  Badisches Landesmuseum Schloss Karlsruhe - Archäologische Sammlungen

 

In Tongefäßem reisten Kulturprodukte wie Wein & Öl

Die fruchtbaren Böden Etruriens erlaubten in Verbindung mit der künstlichen Bewässerung eine intensive landwirtschaftliche Nutzung, die eine der Quellen des etruskischen Reichtums darstellt.

Seit der Etruskerzeit ist die Toscana ein Rebenland (prominente Weinsorte: Sangiovese ⦋70⦌).

Aus dem Osten wurde die Sitte übernommen, bei Tisch auf einem Sofa zu liegen ⦋57⦌ und dabei als genussfrohe Feinschmecker mit Ziegenkäse aromatisierten Wein zu trinken.

Überhaupt war der etruskische Käse begehrt; Fleisch konnte sich wohl nur die Oberschicht leisten.

Die breite Palette etruskischer Ernährung wurde zudem bestimmt von

  • Getreide (Emmer),

  • Gemüse (Bohnen, Erbsen, Linsen)

  • Obst (Granatäpfel für Reiche).

Auf der Kultivierungsgrundlage von aus Griechenland und aus dem östlichen Mittelmeerraum (Phönikern) eingeführten Kulturpflanzen (Olivenbäume, Weinstöcke), konnte landwirtschaftlich ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. Olivenanbau und Weinbau betrieben werden; vom ausgehenden 7.  bis ins frühe 5. Jahrhundert v. Chr. wurde Wein und auch aus Öl hergestellte parmümierte Salben exportiert, Wein wurde auch bis nach Südfrankreich verschifft.⦋18⦌⦋26⦌

Damit einhergehend wurde in der Folge eigens zur Aufbewahrung, zum Transport und zum Verzehr von Öl und Wein in verschiedenen Töpferwerkstätten teils hochwertige Tonware hergestellt und verhandelt (exportiert) - unterschiedliche Tongefäße, wie Vorratsbehälter, Küchenware und  Tafelgeschirr.⦋18⦌⦋27⦌⦋67⦌

 

Etruskischer Doppelhenkelbecher (kantharos) aus Ton

Italien, 3. Jh. v. Chr.

Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) Mainz

 

Buccheroware

Um etwa 675/650 v. Chr. trat eine typische, spezifisch etruskische Keramikgattung in Erscheinung.⦋67⦌⦋68⦌

Das markante Zeugnis der schwarzen etruskischen Keramik wird als “Bucchero” ⦋65⦌ bezeichnet.

Bucchero Wikipedia

Die Buccheroware zeichnet sich durch ihre Eleganz in den Formen, eine tiefschwarze, glänzende Oberflächenfärbung (Metallcharakter imitierend) und den besonderen Dekor in Form figürlicher Stempel oder in Form von eingeritztem oder reliefartigem Dekor aus.⦋36⦌⦋63⦌

Diese Keramik war in der Blütezeit der etruskischen Stadtstaaten im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. weit verbreitet und als Exportware begehrt - im 7. Jahrhundert v. Chr. schwerpunktmäßig hergestellt zunächst in Cerveteri, dann in Vulce im 6. Jahrhundert v. Chr. sowie im Landesinneren (Chiusi, Cortona, Orvieto).

Der aus früher Herstellung stammende Bucchero fine war durch seine metallische Härte, die Dünnwandigkeit des Tonmaterials und die Schwärze im Inneren charakterisiert.

Etwa ab 630 v. Chr. erfolgte in Südetrurien eine rege Herstellung etruskischer Amphoren als Transportbehälter für Wein.⦋27⦌

Bereits im späten 8. und in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts v. Chr. waren bedeutende Keramikwerkstätten in den aufblühenden, handelsaktiven südetruskischen Künstenstädten entstanden (Vulci, Tarquinia, Cerveteri).⦋35⦌

 

"Schwarze" Kunst der spezifischen Etruskerkeramik mit Metallcharakter:

Eleganter, dünnwandiger Kantharos (Trinkgefäß) aus Bucchero fine, Vulci

Letztes Viertel 7. Jh. bis erstes Viertel 6. Jh. v. Chr.

Antikenmuseum Basel

 

Als das Herrschervolk der Etrusker im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. in der Blüte ihrer kulturellen Entfaltung standen und im 7. bis 6. Jahrhundert ihre größte Machtentfaltung aufwiesen, war das erst im 8. Jahrhundert v. Chr. gegründete Rom noch eine eher unbedeutende Siedlung, die von den Etruskern zivilisiert wurde.

Unter Erhalt des spezifische Etruskischen wurde das etruskische Kunstschaffen (Tempel, Rundplastik, Wandmalerei, Form und Dekor der Keramik, Werke der Kleinkunst und das Kunsthandwerk) von der dominierenden griechischen Kunst beeinflusst und geprägt, wobei die Kunstentwicklung in Etrurien parallel zur griechischen verläuft:⦋35⦌⦋71⦌

  • 9./8. Jahrhundert v. Chr. ⟶ griechisch-geometrische Epoche │ geometrischer Stil ca. 1100 - ca. 700 v. Chr. │ entsprechend in der eisenzeitlichen "Villanova-Kultur" ⎸italienisch-geometrische Keramik als Variante der älteren "Villanova-Ware"
  • 7. Jahrhundert - Anfang 5. Jahrhundert v. Chr. ⟶ Archaik │ Früh- bis Spätachaiische Epoche │ ca. 600 - 480 v. Chr.: eigentliche Blütezeit Etruriens (7. Jahrhundert v. Chr.), geprägt durch den dominierenden Einfluss altorientalischer Kulturen ⎸"Orientalisierende Phase" 725-625 v. Chr. │ Orientalisierender Stil ca. 710 - ca. 600 v. Chr.
  • ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. ⟶ griechische Kunst als Vorbild in Etrurien
  • 5.-4. Jahrhundert v. Chr. ⟶ Klassik │ Früh-, Hoch- und Spätlklassik │ ca. 480 - ca.323 v. Chr. │ in Griechenland Höhepunkt des antiken Kunstschaffens, nur bedingt in Etrurien wirksam: "subarchaische Kunst" ⎸"Übergangszeit" ⎸"Interimsperiode"
  • 3. Jh. - Anfang 1. Jahrhundert v. Chr. ⟶ Hellenismus │ ca. 323 - ca. 100 v. Chr. │ letzte kulturelle Blüte des Griechentums, in Etrurien umfassend und in voller Blüte ausgeprägt

 

⟶ Aktueller Objektüberblick bei CAMPBELL ⦋63⦌

 

»Das Volk, welches sich am meisten von allen den religiösen Dingen hingibt« (Livius V, 1, 4) [54]

Die Etrusker verehrten mit eigener Frömmigkeit und größter Gewissenhaftigkeit ihre Götter, die aus der griechischen Welt entlehnt worden waren, in Räumen wie auch unter freiem Himmel (Himmelsschau).

Jenseitsvorstellungen und Ahnenkult - im Hinblick auf Bestattungspraktiken, Opferriten und Totenkult (Tempel, Hügelgräber (Tumuli) bzw. Grabbauten mit Kammergräbern und reichen Wandmalereien, Nekropolen ⦋14⦌) der Etrusker galten schon in der Antike als einzigartig; für sie bildeten Religion und Kult feste Bestandteile des Alltags mit hohem Lebensniveau.[55]

Neben der Sprache gilt die Religion als das genuinste Element der etruskischen Kultur.

Ausführungen zur Offenbarungsreligion der Etrusker, ihrer Götterwelt und der "etruskischen Disziplin" finden sich bei PRAYON.⦋33⦌

Die mit prächtigen Wandmalerein der Jagd, fröhlichen Feste, wie Symposiumszenen ⦋10⦌ und Etappen der gefährlichen "Jenseitsreisen" der Verstorbenen in eine andere Welt, und Wettkämpfe ausgestatteten Grabkammern bildeten im Inneren das Wohnhaus nach und dienten zugleich auch dem Totenkult und einer spezifischen Ahnenverehrung.⦋33⦌

Der Ahnenkult verdeutlicht zugleich auch, dass die Familie bei den Etruskern höchstes Ansehen genoss, Ehepaaren eine partnerschaftliche Wertschätzung zuteil wurde und etruskische Frauen emanzipiert waren.

Gleichwohl ging aber das Wissen um die Religion, die Philosophie und die Ethik der Etrusker verloren, so auch das Wissen um Heilpflanzen.[5]

Mit der Hochkultur der Etrusker ging die Praxis der Heilkulte, vermutlich auch eine hochentwickelte Heilkunde (Medizin/Zahnmedizin) auf italienischem Boden einher, wie ärchäologische Funde belegen.

Neben wenigen ärztlichen Instrumentenfunden konnten zahlreiche anatomische Votivfunde (Viotivgaben, 2.-1. Jh. v. Chr.) mit Abbildungen verschiedener Körperteile und kunstvoll ausgeklügelte Goldschmiedearbeiten etruskischer Prothesen aus Menschen- und Tierzähnen (Goldstreifenbrücke) nachgewiesen werden, die später von den Römern übernommen wurden.[5]

Im Kontext technischer Errungenschaften war für die Etrusker die persönliche wie die öffentliche Hygiene wichtig (Bäder, Latrinen).

In der Hydrauliktechnik Rom übertreffend, bauten die Etrusker Aquaedukte und raffinierte unterirdische Kanalsysteme mit Abwasserkanälen, wie in Rom die Cloaca maxima, die später die Römer übernahmen.[5]

 

Römisches Marmorrelief: Le fatiche di Ercole (Abenteuer des Herkules), 2. Jh. v. Chr.

Galleria degli Uffizi, Florenz

 

Zwischen Etruskern, Griechen und Karthager bestand ehemals ein Gleichgewicht der Mächte.

Das 6. und frühe 5. Jahrhundert war von einem ausbalancierten Miteinander und intensiven großräumigen Handelskontakte gekennzeichnet, wobei sich die Etrusker im Zenit ihrer Macht befanden.

Sie übten während des 6. Jahrhunderts im nordwestlichen Mittelmeerraum die maritim-kommerziell ausgerichtete Seeherrschaft (Thalassokratie) aus.

Im Zeitraum 5. bis 3. Jahrhundert v. Chr. wurde die Toskana dann nach und nach von den machtpolitisch expansiven Römern eingenommen; so stand Etrurien im 2. Jahrhundert v. Chr. faktisch unter römischer Kontrolle.

Bie Bewohner Erruriens erhielten 88 v. Chr. das Römische Bürgerrecht und gingen somit in dem römischen Staat auf.⦋35⦌

Mit der territorialen Erweiterung des römischen Herrschaftsgebietes wurde der örtlich unterschiedliche politische und kulturelle Prozess der allmähliche Romanisierung in Etrurien eingeläutet (Assimilierungsprozess).⦋32⦌

Im Laufe der Spätantike verloren die Etrusker in dem Verschmelzungsprozess zwar ihre ethnische Idendität, wirkten aber durch ihren großen kulturellen Einfluss auf die Zivilisation von Rom und des anatiken Italiens (Imperium Romanum) bishin zur keltisch-eisenzeitlichen Hallstatt-Kultur fort, wie es einzelne Denkmäler mit religösem Bezug, Gräber und Bautypen in Mittelalter und Renaissance belegen.⦋12⦌⦋24⦌

 

Goethe in der Campagna

Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, 1787

Städel Museum in Frankfurt a.M.

 

Internet-Hinweise


 

Urbane Siedlungen & innovative Stadtgründungen der "Ras(en)na" - Die "Stadtstaatlichen" im Land zwischen Arno & Tiber

Spätestens ab dem frühen 6. Jahrhundert v. Chr. lebten die Etrusker, die sich selbst als "Ras(en)na" (Sammelbegriff, möglicherweise "Die Staaten" oder sinngemäß "die Stadtstaatlichen") bezeichneten ⦋26⦌⦋58⦌, in zahlreichen Stadtstaaten, die politisch, militärisch und wirtschaftlich unabhängig waren - miteinander praktierend oder auch konkurrierend.

Als innovative Stadtgründer in der Antike hatten die zwischen den Flüssen Tiber und Arno angesiedelten Etrusker

  • Atriumhäuser

  • gepflastere Straßen

  • Hafenanlagen

  • Wasser- und Kanalsysteme

  • Stadtmauern mit Toren.

Eine vielfältige urbane Kulturlandschaft kennzeichnete das vielfältige Städtewesen und die Stadtstaaten in Etrurien, dem Kerngebiet des ältesten antken Kulturvolk Mittelitaliens.

Zu Details etruskischer Gebäude/Häuser, Siedlungen und Siedlungsarealen und (befestigten) Städten wird auf BUBENHEIMER-ERHARDT verwiesen.⦋19⦌

Der etruskische Siedlungsraum in der vielfältigen mittelitalienischen Landschaft umfasst die Region zwischen dem Arno im Norden, dem Tiber im Süden und Osten, den steilen Berghängen der Apenninen im Osten und dem Tyrrhenischen Meer im Westen.⦋66⦌

Zumeist wurden die Städte - als heilige, Göttern geweihte und unter deren Schutz stehende Anlagen - auf Tuffplateaus steil abfallender Berge angelegt, hoch über den malariaträchtigen Sümpfen.⦋35⦌

Das Kernland der Etrusker war nie ein Einheitsstaat, vielmehr bestand es "förderalistisch" aus mehreren politisch selbstständigen Stadtstaaten mit monarchischem System.⦋28⦌

Da Etrurien zu keinem Zeitpunkt ein "Nationalstaat" oder "Territorialstaat" gewesen war, fehlte eine zentralisierte politische Einheit.

Der Stadtstaat war letzlich der Bezugspunkt etruskischer Identität.

Zwölfstädtebund Wikipedia

Die Stadtstaaten waren in einem reichen und mächtigen Staatenbund ("Zwölferbund") zusammengeschlossen, wobei zunächst die Städte in Küstennähe dominierten und nach dem Verlust der Seeherrschaft die Siedlungen im Landesinneren an Bedeutung gewannen:⦋19⦌

  • Arezzo

  • Cerveteri

  • Chiusi

  • Cortona

  • Fiesole

  • Marzabotto

  • Orvieto 

  • Perugia

  • Pisa

  • Populonia

  • Roselle

  • Tarquinia

  • Tuscania

  • Veji

  • Vetulonia

  • Volterra

  • Vulci

Im 9. bis 5. Jahrhundert v. Chr. kam es zur Expansion und Kolonisation etruskischer Städte, wobei der Norden wesentlich weniger besiedelt war als der Süden.

Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. wurden die Städte zunehmend befestigt und Stadtmauern mit Toren angelegt.

Neben der Existenz regional vielfältiger Nekropolen (Totenstädte) ist für etruskische Siedlungen kennzeichnend, dass sie fast alle, bis auf die küstennahen Orte, auf strategisch günstigen, hoch gelegenen Plateaus angelegt wurden; in der Frühzeit ohne umlaufende Befestigungsmaüern.⦋27⦌

Die etruskischen Metropolen lagen zumeist auf Tuffsteinanhöhen/-plateaus und waren von ländlichen Siedlungen mit dörflichem Charakter umgeben.⦋19⦌

Liste etruskischer Ortsnamen Wikipedia

 

 

Arezzo

Fläche von 300-350 km²

Die singuläre Großbronze der "Chimäre aus Arezzo" ist das berühmteste Bronzewerk der Etrusker aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. (ca. 400 v. Chr.), dem obersten Etrusker-Gott Tin geweiht.⦋13⦌

 

Bisenzio

Das etruskische Bisenzio, das für die Zeitspanne von ca. 1000-500 v. Chr. florierte, zählt zu den Hauptzentren der Villanova- und der frühetruskischen Kultur.

Es gilt als ein bedeutendes etruskisches Zentrum der jüngeren Bronzezeit, da es sich vermutlich als einzige etruskische Zentrum aus einem Siedlungskern der Spätbronzezeit entwickelte.

 

Cerveteri

Ab dem späten 9. Jahrhundert v. Chr. bestand ein Seehandelsplatz mit drei Hafenanlagen und direktem Anschluss an das Tyrrhenische Meer.

Die etruskische Stadt mit schätzungsweise 25.000 Einwohner*innen erstrecke sich auf einer Fäche von 1.200 km².

Nach KOCH tritt das große Küstenzentrum Cerveteri quatitativ wie auch in zeitlicher Tiefe unter den Fundorten etruskischer Glasverarbeitung deutlich hervor.⦋50⦌

Im Umfeld von Cerveteri nördlich von Rom liegt die rießige Totenstadt mit Prunkgräbern der Grablege führender Geschlechter, orientiert an Vorlagen aus dem vorderen Orient.

Hier befindet sich die Banditaccia-Nekropole, die zahlreiche unterirdische Gräber mit mehreren in Tuffstein gegrabenen Kammern (etruskische Tumuli) des 7. bis 2. Jahrhunderts v. Chr. umfasst. ⦋34⦌

- "Tomba della Capanna"

- "Tomba dei Rilievi"

- "Tomba degli Scudie e delle Sedie", Grabhaus mit Kammern - Anfang 6. Jh. v. Chr.

- spätarchaischer "Ehepaar-Sarkophag" / Tonurne mit Ehepaar - Ende 6. Jh. v. Chr.

- bemalter "Terracotta-Sakophag der Eheleute" - um 520 v. Chr. ⦋62⦌

- Steinplastiken aus Tuff oder Nenfro

 

Chiusi

Chiusi zählte zu dem "12-Städtebund"

Hier befindet sich das Grabmonument des militärisch in Mittelitalien dominierenden Lars Porsenna, Herrscher von Chiusi um 509/508 v. Chr.

In Città della Pieve bei Chiusi fand sich eine Halskette aus der Zeit um 500 v. Chr., die sich aus Glasperlen im Wechsel mit Goldgliedern zusammensetzte.⦋69⦌

- Etruskischer polychromer Sarkophag von Letitia Saeianti, 3. Jahrhundert v. Chr.

- bemalter Sarkophag der Thanunia Seianti (Sarkophag der Seianti Hanunia Tlesnasa) - um 150-140 v. Chr.

- "Grab des Affen"

 

Cortona

Fläche von 300-350 km²

 

Florenz

Die Gründung der heutigen mittelitalienischen Großstadt Florenz (Firenze) im fruchtbaren, aber sumpfigen Arnotal geht wahrscheinlich auf die Etrusker aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. zurück.

 

Lari

Das auf einem Hügel der pisianischen Landschaft liegende Zentrum der toskanischen Kleinstadt Lari kann auf etruskische Ursprünge zurückgeführt werden.

Im Untergrund des dortigen Castello dei Vicari nachgewiesene Keramikscherben belegen dies für die Zeit bis zum 5. Jahrhundert v. Chr.

 

Lucca

Das nordöstlich von Pisa und östlich der toskanischen Küste gelegene antike Lucca hat etruskische Wurzeln, die bis in das 8. Jahrhundert v. Chr. reichen.

Ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. bis ins Mittelalter entstand eine Stadtmauer, wobei Reste der Stadtmauer aus jener vorrömischen Zeit noch heute zu erkennen sind.

 

Orvieto - Volsinii/Orvieto

Keramikfunde reichen bis in die Späte Bronzezeit (14.-12. Jh. v. Chr.) zurück.⦋26⦌

In Orvieto befand sich, geschützt durch eine Hafen- und Stadtmauer, das wichtigste rituelle Zentrum des etruskischen Städtebundes mit Zentralheiligtum.

Das mächtige Volsinii, 264 erobert, stand seit etwa 280 v. Chr. faktisch unter römischer Kontrolle.⦋32⦌

- Terrakottakopf eines alten Mannes, aus dem Giebel des Belvedere-Tempels, spätes 5. Jahrhundert v. Chr.

 

Perugia

Fläche von 300-350 km²

 

Pisa

Als etruskisch gegründete Hafensiedlung liegt Pisa nahe der Mündung des Arno in die Ligurische See.

Bei Bauarbeiten in der Nähe des Pisaner Bahnhofs "San Rossore" wurden etwa 500 m vom Dom entfernt Teile der antiken etruskisch-römischen Hafenanlagen (Flußhafen) entdeckt.

Bei dem Ankerplatz konnten bislang 30 Schiffwracks (teils mit Schiffsladungen) aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. bis zum 7. Jahrhundert n. Chr. geborgen werden.

 

  

Das unvollständige römische Mamor-Relief (Sarkophag), unscheinbar eingemauert in die rechte Westfassadenseite des pisanischen Doms Santa Maria Assunta, weist auf die antike (etruskische/römische) Seeschifffahrt im Mittelmeerraum hin.

Zum Vergleich nach STEINGRÄBER: Römischer Reliefsarkophag des 3.-4. Jh. n. Chr., eingemauert über dem gotischen Mittelportal der mittelalterlichen Kirche San Giovanni Battista (Gerosolomitano, 13. Jh.). ⦋23⦌

 

Pistoia

Der Ursprung der Stadt Pistoia (Capitale della Cultura 2017) in der Nordtoskana – nahe der ehemals etruskischen Städte Lucca und Florenz – soll auf die Etrusker zurückzuführen sein; archäologische Spuren reichen bis in das 4. Jahrhundert v. Chr. zurück.

Die früheste Siedlung wurde vermutlich als ein Vorposten von Etruskern gegründet, um das Apennin-Gebirge durchqueren zu können.

 

Palazzo dei Vescovi, Pistoia

 

Populonia

Die antike Ansiedlung war die einzige etruskische Stadt, die sich an der toskanischen Küste entwickelte.

In Populonia, dem größten Zentrum der Eisenverarbeitung des gesamten Mittelmeerraumes, wurde Eisenerz verhüttet, welches von der nahe gelegenen Insel Elba stammte.

 

Roselle ("Rusellae")

Eine Ausgrabungsstätte ist die ehemalige Etruskerstadt Ruselle (Parco Archeologico di Roselle), die zum politischen Verbund der etruskischen Stadtstaaten gehörte.

Hier finden sich insbesondere archäologische Spuren der etruskischen Architektur und Wohnkultur.

 

San Gimignano

Bereits um 300-200 v. Chr. soll San Gimignano von den Etruskern besiedelt worden sein.

Die Kulisse der in voller Höhe erhaltenen, spätmittelalterlichen „Geschlechter-Turmhäuser“ (Wohn- und Verteidigungswerk einflussreicher städtischer Familien) prägt den historischen Altstadtkern (seit 1990 UNESCO-Welterbe).

 

"Ricostruzione della Città in Miniatura"

Miniaturmodell aus Ton, welches das San Gimignano des 14. Jahrhunderts detailgetreu im Maßstab 1:100 abbildet

Museo San Gimignano 1300

Siena 

Die auf Hügeln erbaute, gotisch-mittelalterliche Altstadt von Siena geht auf eine um 300 v. Chr. von Etruskern gegründete Siedlung namens „Saena“ zurück.

Etruskische Gräber sind außerhalb des Stadttors „Porta Camollia“ der mittelalterlichen Stadtmauern von Siena gefunden worden.

 

 

Tarquinia

  • Stephan Steingräber (Hg.): Tarquinia. Stadt und Umland von den Etruskern bis heute. Darmstadt/Mainz 2012, S. 8-84.

Keramikfunde reichen bis in die Späte Bronzezeit (14.-12. Jh. v. Chr.) zurück.⦋26⦌

Nach etruskischer Überlieferung ist Tarquinia die älteste Stadt, verbunden mit einem Gründungsmythos ("Tarchonspiegel" aus Tuscania, 3. Jahrhundert v. Chr.).

Ab dem späten 9. Jahrhundert v. Chr. bestand hier eine Hafenanlage - mit noch heute erhaltenen Mauerresten.

Der Seehandelsplatz hatte einen direkten Anschluss an das Tyrrhenische Meer.

Die Stadt war von einer 8 km langen Mauer befestigt.

Der nördliche Nachbar von Cerveteri stieg ab dem späten 5. Jahrhundert v. Chr. zur mächtigsten Stadt Etruriens auf, war vom 9. bis zum mittleren 7. Jahrhundert v. Chr. die bedeutenste kulturelle, religiöse und wirtschaftliche Metropole Etruriens mit dem größten Tempel Etruriens und wurde vom 6. bis zum 3. Jahrhundert v. Chr. zum Zentrum der etruskischen Grabmalerei (Wandmalerien seit 2004 Welterbe der UNESCO).⦋32⦌⦋51⦌

Nach KOCH tritt das große Küstenzentrum Tarquinia quatitativ wie auch in zeitlicher Tiefe unter den Fundorten etruskischer Glasverarbeitung deutlich hervor.⦋50⦌

- "Tomba della Caccia e Pesca", spätes 6. Jahrhundert v. Chr.

- "Tomba dei Demoni azzurri", frühes 4. Jahrhundert v. Chr.

- "Tomba Querciola II", 3. Jahrhundert v. Chr.

- "Tomba degli Auguri", Ende 6. Jh. v. Chr.

- "Tomba dei Leopardi"

 

Tuscania

  • Stephan Steingräber (Hg.): Tarquinia. Stadt und Umland von den Etruskern bis heute. Darmstadt/Mainz 2012, S. 85-138.

Die auf einer Tuffanhöhe liegende Siedlung gilt als die bedeutendste Stadt im Territorium und Hinterland von Tarquinia bereits während der spätorientalisierenden und archaischen Zeit; Gräber und Beigaben aus dem 6. Jahrhundert v. Chr.

 

Veji (Veio)

Fläche von 1.900 km²

In der Landschaft bei der mit 190 Hektar einst größten etruskischen Metropole befinden sich die Ponte Sodo, eines der gewaldigsten bewässerungstechnischen Bauwerke der Etrusker, Beginn 5. Jahrhundert v. Chr. sowie die etruskische Brücke Ponte dell’Abbadia, 1. Jahrhundert v. Chr. ⦋16⦌

In einem der voretruskischen Villanova-Kultur zugeordeneten, reich ausgestatteten Grab der Nekropole (Gräberfeld) der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. von Quattro Fontanili wurden bei einer Mädchenbestattung u.a. auch 14 farbige Glasperlen ägyptischer Herkunft gefunden.⦋21⦌

Das einst mächtige Veji ist die erste Stadt, die von dem expandierenden Rom nach längerer Belagerung erobert und vernichtet wurde; sie ging mit gutnachbarlichen Billigung der etruskischen Stadtstaaten Cerveteri und Chiusi 396 v. Chr. unter.⦋19⦌⦋32⦌

- "tuskischer" Tempel von Veji, Portonaccio-Heiligtum, Ende 6. Jh. v. Chr. - Ausgrabungen belegen die Kunstfertigkeit der Vejenter Künstler

- lebensgroßer Holzkopf einer weiblichen Grabstatue, zugeordnet der Ati Velaruna, Mitte 7. Jh. v. Chr.

 

Vetulonia

Die ebenfalls dem etruskischen Städtebund angehörige Stadtstaat Vetulonia ist etruskischen Ursprungs („Vatluna“), gelegen auf einem Hügel in der südlichen Toskana.⦋11⦌

In der als eine der größten alten Siedlungen geltenden Stadt bestand ab dem späten 9. Jahrhundert v. Chr. ein florierender Seehandelsplatz, da zu jener Zeit hier eine direkte Anbindung an das Tyrrehnische Meer bestand.

 

Volterra

Die Geschichte Volterras ist bis in die Jungsteinzeit durch Ansiedlungen nachgewiesen.

Volterra gilt als eine der ältesten und größten der Bundesstaaten Etruriens, im 4. Jahrhundert v. Chr. entstanden aus der Verbindung mehrerer kleiner etruskischer Ansiedlungen.

Zentral auf einem Bergrücken errichtet, nahm Volterra im Städtebund der etruskischen Fürstentümer eine bedeutentende Rolle ein, nicht zuletzt wegen der dortigen Kupfervorkommen.

Deren Bestand kann bis ins 7. Jahrhundert v. Chr. zurückverfolgt werden.

Während des 4. Jahrhunderts v. Chr. errichteten die Etrusker eine sieben Kilometer lange Ringmauer.

Die unteren Steinlagen der Stadtmauer und des Stadttores stammen aus dem 4. Jahhundert v. Chr.

Der feldseitig mit drei Götterköpfen verzierte Torbogen der Porta dell'Arco geht auf eine Erneuerung des 3. oder 2. Jahrhunderts v. Chr. zurück.⦋15⦌

Noch heute ist das Bogentor der Haupteingnag zur mittelalterlichen Stadt.

An einigen Stellen außerhalb des mittelalterlichen Stadtringes sind noch Teile des etruskischen Mauergürtels erhalten.

Im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde Volterra dem Römischen Reich angegliedert.

- späthellenistische Tonurne mit Ehepaar, 2. Jahrhundert v. Chr.

 

Ein außergewöhnlicher Gips aus Volterra

Seit jeher ist Volterra berühmt durch den Abbau und die Bearbeitung von Alabaster.

Bei dem Werkstoff handelt es sich um eine Gipsvariante (Calciumsulfat), die bereits den Etruskern genutzt wurde.

So stellten die Etrusker aus Alabaster beispielsweise Aschenurnen her.

Noch heute bestehen Alabastergruben bei Volterra.

Das Museo Etrusco Guarnacci gilt ob seiner bereits im 18. Jahrhundert angelegten, öffentlichen archäologischen Sammlung als das bedeutendste etruskische Museum der Toskana.

 

Vulci

Vulci gilt als die dritte der großen südetruskischen Küstenstädte, errichtet ab dem 9. Jahrhundert v. Chr., etwa 8 km vom Tyrrhenischen Meer entfernt.

Sie gilt somit als die älteste städtische Ansiedlung, wobei zugleich das Fundament des Städtewesens in Italien gelegt worden sei.

Im späten 6. Jahrhundert und während des 5. Jahrhunderts v. Chr. entstanden in Bronzewerkstätten in Vulci besondes qualitätsvolle Meisterwerke.  

Seine Glanzzeit erreichte Vulci im 6. Jahrhundert v. Chr.

Nach KOCH tritt das große Küstenzentrum Vulci quatitativ wie auch in zeitlicher Tiefe unter den Fundorten etruskischer Glasverarbeitung deutlich hervor.⦋50⦌

- "Tumulo della Cuccumella", spätes 7. Jahrhundert v. Chr.

- Bronzebüsten aus dem frühen 7. Jahrhundert v. Chr.

 

Internethinweise

 

Fotografien: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental

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[1] PALLOTTINO 1992, S. 58, KOCH 2011, S. 122.

[2] PALLOTTINO 1992, S. 63.

[3] PRAYON 2015, S. 113-114.

[4] EINE WELT AUS GLAS - Buchbesprechung zu Christiane Herb und Nina Willburger, Glas. Von den Anfängen bis ins Frühe Mittelalter; KOCH 2011, S.96.

[5] ACHNER 2009, S. 47-49.

[6] LIERKE 2005.

⦋7⦌ LIERKE 2005, S. 62 (Abb. 33), 100; MacGREGOR 2012, S. 435, 436 (Abb.), 437-440.

⦋8⦌ LIERKE 2005, S. 19 (Tafel 2.8), 105.

⦋9⦌ LIERKE 2005, S. 29.

⦋10⦌ Symposium (griechisch) = "gemeinsamesw Trinken".

⦋11⦌ Entdeckt und ab 1880 untersucht vom archäologischen „Außenseiter“ Isidoro Falchi (1838-1914), Arzt und Stadtrat.

⦋12⦌ Bildband (Sonderausgabe) von BUBENHEIMER-ERHARDT 2017.

⦋13⦌ BUBENHEIMER-ERHARDT 2017, S. 11.

⦋14⦌ BUBENHEIMER-ERHARDT 2017, S. 22-27.

⦋15⦌ BUBENHEIMER-ERHARDT 2017, S. 29.

⦋16⦌ BUBENHEIMER-ERHARDT 2017, S. 30-33.

⦋17⦌ BUBENHEIMER-ERHARDT 2017, S. 32.

⦋18⦌ BUBENHEIMER-ERHARDT 2017, S. 33-35.

⦋19⦌ BUBENHEIMER-ERHARDT 2017, S. 35-45.

⦋20⦌ BUBENHEIMER-ERHARDT 2017, S. 47-53.

⦋21⦌ BUBENHEIMER-ERHARDT 2017, S. 53.

⦋22⦌ BUBENHEIMER-ERHARDT 2017, S. 57.

⦋23⦌ STEINGRÄBER 2012, S. 2-3, 78-79 (Abb. 13/14).

⦋24⦌ PRAYON 2015, PRAYON 2017.

⦋25⦌ PRAYON 2015, PRAYON 2017, S. 9.

⦋26⦌ PRAYON 2015, PRAYON 2017, S. 30-34.

⦋27⦌ PRAYON 2015, PRAYON 2017, S. 17-24.

⦋28⦌ PRAYON 2015, PRAYON 2017, S. 24-26.

⦋29⦌ PRAYON 2015, PRAYON 2017, S. 34-38.

⦋30⦌ PRAYON 2015, PRAYON 2017, S. 38-44.

⦋31⦌ PRAYON 2015, PRAYON 2017, S. 56-59.

⦋32⦌ PRAYON 2015, PRAYON 2017, S. 59-63.

⦋33⦌ PRAYON 2006, PRAYON 2015, PRAYON 2017, S. 64-83.

⦋34⦌ PRAYON 2015, PRAYON 2017, S. 70-71 (Abb. 6).

⦋35⦌ PRAYON 2015, PRAYON 2017, S. 84-110.

⦋36⦌ PRAYON 2015, PRAYON 2017, S. 103-104.

⦋37⦌ KOCH 2011.

⦋38⦌ KOCH 2011, S. 13-16, 103-108.

⦋39⦌ KOCH 2011, S. 23

⦋40⦌ Spezielle "europäische" Glas-Gruppe mit geringem Magnesium- und hohem Kalium-Anteil - LMHK-Glas im 12.-10. Jh. v. Chr.

⦋41⦌ KOCH 2011, S. 28-37.

⦋42⦌ KOCH 2011, S. 38-43.

⦋43⦌ KOCH 2011, S. 43-45 (Abb. 22).

⦋44⦌ KOCH 2011, S. 43-94.

⦋45⦌ KOCH 2011, S. 94-137.

⦋46⦌ KOCH 2011, S. 91.

⦋47⦌ KOCH 2011, S. 92.

⦋48⦌ KOCH 2011, S. 115, 117 (Abb. 67), 135 .

⦋49⦌ KOCH 2011, S. 135.

⦋50⦌ KOCH 2011, S. 136.

⦋51⦌ STEINGRÄBER 2012.

⦋52⦌ KUPKE 2017.

⦋53⦌ TRIER/NAUMANN-STECKNER 2016, S. 30.

⦋54⦌ PRAYON 2006.

⦋55⦌ Die Etrusker - Jenseitsvorstellungen und Ahnenkult. Ausstellung über Totenkult der Etrusker im Schloss Hohentübingen (Museum Alte Kulturen der Universität Tübingen) 01. April - 30. September 2006.

⦋56⦌ ANTIKE WELT1/2006, S. 68.

⦋57⦌ s. hierzu: Terrakottafiguren als Schmuck von Urnen und Sarkophagen.

⦋58⦌ BÄTZ 2017.

⦋59⦌ CAMPBELL 2018, S. 8-9.

⦋60⦌ CAMPBELL 2018, S. 15-17.

⦋61⦌ CAMPBELL 2018, S. 32.

⦋62⦌ CAMPBELL 2018, S. 62-63.

⦋63⦌ CAMPBELL 2018, S. 18-135.

⦋63⦌ BADISCHES LANDESMUSEUM KARLSRUHE 2017.

⦋64⦌ BADISCHES LANDESMUSEUM KARLSRUHE 2017, S. 117, 121 Abb. 7o/7p.

⦋65⦌ port./span. für "wohlriechende Töpfererde".

⦋66⦌ BADISCHES LANDESMUSEUM KARLSRUHE 2017, S. 40-41.

⦋67⦌ BADISCHES LANDESMUSEUM KARLSRUHE 2017, S. 90-94.

⦋68⦌ BADISCHES LANDESMUSEUM KARLSRUHE 2017, S. 156-157 Abb. 60, 61.

⦋69⦌ BADISCHES LANDESMUSEUM KARLSRUHE 2017, S. 271 Abb. 80.

⦋70⦌ Sangiovese ist die wichtigste und häufigste Rotweinrebe aus Italien (auch Brunello oder Brunello di Montalcino genannt).

⦋71⦌ NEER 2013.