Abt Christian He(i)nrich Behm (1662-1740) 

Klaus A.E. Weber

 

Schwiegervater von Jobst Henrich Gundelach & baufreudiger Prälat des Klosters Amelungsborn

Das Jahr 1717 war just jenes Jahr, in dem der spätere Schwiegervater des Hüttenmeisters Jobst Henrich Gundelach als bauaktiver Abt des Zisterzienserklosters Amelungsborn eine größere Umgestaltung der alten Klosterkirche veranlasste.[14]

Der stark verwitterte, 13-zeilige Inschriftenstein (Buntsandstein) an der Westfassade der Klosterkirche von Amelungsborn weist aus, dass 1717 Abt Behm diesen Giebel neu von Grund auf errichtet und denselben inwendig erneuert hat.

Neben der Erneuerung der Westfassade der Kirche wurde auch das romanische Mittelschiff eingewölbt.

Vieles deutet darauf hin, dass "Herr" Jobst Henrich Gundelach [15] seine Glashütte als erfahrener Hüttenmeister und Kaufmann („Hüttenmanager“) in hoch geachteter sozialer Stellung führte und dabei unternehmerische Kontakte nach der sollingnahen „Ackerbürgerstadt“ Holzminden [16] an der Weser pflegte.

So heiratete er 42-jährig am 07. Februar 1719 in der evangelischen Kirche der Kleinstadt die 22-jährige Elisabeth Juliana Sophia Behm [* 23. Juli 1696 - † um 1755/56] [17], älteste Tochter aus der ersten Ehe von Christian Heinrich Behm (Behme) [1662-1740], verheiratet mit Johanna Dorothea Behrens [1676-1708].

Christian Heinrich Behm zählte in jener Zeit zu den bemerkenswerten Persönlichkeiten von Holzminden.[18][23]

Als "Pastor primarius" (Primariatspfarrer/Prediger an der Holzmindener Stadtkirche) avancierte "Ihre Hochwürden Herr" Christian Heinrich Behm 1711 zum General-Superintendenten des Wolfenbütteler Weser-Distrikts und damit zugleich auch zum 43. fürstlich-braunschweigischen Abt des Klosters Amelungsborn.

1732 wurde er zum braunschweigisch-lüneburgischen Konsistorialrat ernannt.[19]

Vermutlich für betriebswirtschaftliche Zwecke stellte Abt Behm um 1721 seinem Schwiegersohn, dem Glasermeister im Sölling, ein beachtlich großes klösterliches Darlehen [20] von 1.000 Talern zur Verfügung.[21]

1740 wurde der Holzmindener Pfarrherr und "Herr Abt und Consistorial Rath Behm" in der Kirche des "Closters Amelunxborn" beigesetzt.[22]

Ein spätbarockes Ölgemälde zeigt ein zeitgenössisches Bildnis des Abtes Heinrich Christian Behm.[1]

 

Christian Heinrich Behm (1662-1740)

Am 03. Dezember 1662 als Kind armer Leute in Bodenwerder im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel geboren [3], wurde Christian Heinrich Behm später ein Nachkomme des Helmstedter Theologieprofessors Lorenz Scheurl (1558-1613).

Im 77. Lebensjahr verstarb Christian Heinrich Behm in Holzminden am 16. Januar 1740 als Generalsuperintendent des braunschweigischen Weserdistriktes und als 43. Abt des Zisterzienserklosters Amelungsborn.[8][9]

Hierzu wurde vom damaligen Amelungsborner Klosterpfarrer Georg Johann Erich Herweg (Pastor 1749-1753) in seinem vermutlich zwischen 1750 und 1753 verfassten "Haupt Buch" - Beschreibung der Klosterkirche und deren Ausstattung - dokumentiert [7]:

"Gleich unter dem Hohen Chor ist das Begräbniß des Abts Behm mit seinen beyden Frauens und einem Kinde."

Sowohl die Spuren seiner Gruft als auch jene des Gedenksteines haben sich nicht erhalten.

 

1717 - Beginn der Erneuerung der romanischen Westfassade der Klosterkirche

Christian Heinrich Behm ist der 11. Abt des Klosters seit der Reformation.

Die besondere baugeschichtliche Leistung des bauaktiven Abtes Behm - 1712-1740 - bestand "in der Sanierung und Umgestaltung des romanischen Langhauses der Amelungsborner Klosterkirche sowie des nördlichen Kreuzgangbereiches", der letzten größeren Umgestaltung der Klosterkirche.[2][10][11][23]

Hiervon zeugt noch heute eine in die Westfassade der Klosterkirche eingelassene, inzwischen stark verwitterte 13-zeiliger Inschriftenplatte aus Buntsandstein sowie eiserne Maueranker, welche sich zu der Jahreszahl 117 ergänzen, vermutlich dem Beginn der klösterlichen Bauarbeiten:

 

1         FAVORE                    SECUNDO

           Mit günstigem Gewogensein

2         D. T. O. T. M.

            ?

3         - - ONG ESS : BEN - -

            ?

4         (T)EGIMIN.  COEN - -

            Bedeckung

5         CURA

            Sorge

6         ABBATIS CHRISTIANI

            Abt Christian

7         - - TEMPO - -

            Zeit

8         FASTIGIUM

            Giebel

9         HOC DENUO

            ?

10       FUNDITUS EXTRUCTUM

            gegründet

11       IPSUMQUE INTUS RENOVATUM

            hat er innen erneuert

12       A. D.  MDCCXVII

            anno domini 1717

13       - D- -      QVAE  DEISUNT.

            diese ... sind des Gottes

 

Übertragen nach GÖHMANN [2]: "... fastigium hoc denuo funditus exstructum ipsumque intus renovatum a.D. MDCCXVIII"

Nach SCHEURING [6]: "... diesen Giebel neu von Grund auf errichtet und denselben inwendig (und ihn im Innern) erneuert hat im Jahre des Herrn 1717 ..."

 

Verwitterter Inschriftenstein, gewidmet dem bauaktiven Abt Christian Heinrich Behm [1662-1740]

Westfassade der Klosterkirche von Amelungsborn, 1717 [10]

 

"Mons. Behm aus Holzminden"

Als "Pastor primarius" an der Holzmindener Stadtkirche avancierte Christian Behm [1]

  • 1711 zum General-Superintendenten des evangelischen Wolfenbütteler Weser-Distrikts,

  • 1712–1740 zum Fürstlich-Braunschweigischen Abt des Klosters Amelungsborn auf dem Odfeld; 11. Abt seit der Reformation.

Holzminden war in jener Zeit bedeutungsvoller Sitz der (evangelischen) General-Superintendentur.[4]

Standesangemessen wählte der Glasermeister "Herr" Jobst Henrich Gundelach ranghohe Persönlichkeiten als Paten von Kindern seiner Familie.

So war "Mons. Behm aus Holzminden" auch einer der Paten bei der Taufe von Henrich Julius Wentzel am 22. März 1720 in der "Steinbecker Glashütte", Sohn von Christian Wentzel und Ilse Martha Garmelin.[5]

Des Weiteren bei der Taufe einer Tochter von Jobst Christoff Gundelach, einen Bruder von Jobst Henrich Gundelach:

"Anno 1724 den 29 ten augusti auf der Steinbecker Glasehütten Herr Jobs Christoff Gundelachs Töchterlein getauft und ist dasselbe Johanna Sophia Christina genannt worden, die Gevattern waren des Fürstlich-Braunschweigisch-Lüneburgischen Herrn Abt Brehms uxor und des Fürstlich-Braunschweigisch-Lüneburgischen Haus Hofmeisters des Stifts Gandersheims Herrn Wetbergs uxor."

 

1721-1731  - Klösterliches Darlehen & Aufkündigung von Obligationen

Im „Schuldenwesen der Kammer des Klosters Amelungsborn“ wird 1721 der „Glasermeister im Sölling Jobst Henrich Gundelach“ unter der Aufkündigung von Obligationen gelistet.[5]

Ein handschriftliches Dokument vom 23. Dezember 1731 - mit Siegel von Jobst Henrich Gundelach - steht im Zusammenhang mit der "Obligation".

Vermutlich für betriebswirtschaftliche Zwecke hatte Abt Christian Heinrich Behm um 1721 seinem Schwiegersohn Jobst Henrich Gundelach im Hellentasl ein beachtliches klösterliches Darlehen von 1.000 Talern zur Verfügung gestellt.

 

 

Text & Fotografie: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] Barockgemälde im Privatbesitz von Dr. Hans-Christian v. Wedemeyer in Eldagsen; s. auch KAUFMANN 2010, S. 17 Abb. 1.

[2] GÖHMANN 2004, S. 9.

[3] GÖHMANN 2004, S. 1.

[4] KNOLL/BODE 1891, S. 175.

[5] NÄGELER/WEBER 2004; RAULS 1983.

[6] dokumentiert von Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental - Transliteration: Michaela Scheuring 2012, Universität Mainz.

[7] GÖHMANN 1991, S. 57; GÖHMANN 2004, S. 11.

[8] hierzu auch GÖHMANN 1991.

[9] nach GÖHMANN 1991, S. 36, vereinigte die Wolfenbütteler Klosterordnung Herzog Augustus d. J. von 1655 "die Amelungsborner Abtswürde, die fortan vom Herzog verliehen wurde, mit der eines Generalsuperintendenten für den braunschweigischen Weserbezirk mit Wohn- und Amrtssitz in Holzminden."

[10] GÖHMANN 1991, S. 43-44 Legende 14) A.

[11] GÖHMANN 1982, S. 79.

[14] GÖHMANN 1991, S. 43.

[15] Vater: Jobst Gundelach: * 13. August 1645 in Toddin/Mecklenburg, † 29. April 1710 in Krembz/Mecklenburg; Mutter: Elisabeth Wentzel: * 1653, † 28. November 1728 in Torisdorf/Mecklenburg

[16] KRETSCHMER 1981.

[17] Kirchenbuch Holzminden N 866 Seite 00007.

[18] biografische Angaben bei JARCK 2006, S. 74-75.

[19] Zur Familie und zum Verwandtenkreis von Christian Heinrich Behm: s. KAUFMANN 2010, S. 15-35.

[20] Obligation

[21] StAWb 4 Alt 3 Amelb. 5381.

[22] GÖHMANN 1998, S. 57, 64-65.

[23] KIECKBUSCH 2009, S. 54-55.