Kleinbäuerliches Wirtschaften im Hellental

Klaus A.E. Weber

 

„Hellental ist steinreich”

Bis in unserer Zeit hinein bildet das Grünland mit seinen Wiesen das charakteristische Landschaftsbild des lang gestreckten Hellentals.

Die meisten Hellentaler Dorfbewohner waren in dem hier betrachteten Zeitraum des 18./19. Jahrhunderts Holzhauer, Holzschläger/Holzhauer bzw. Waldarbeiter, die nebenerwerblich eine kleinbäuerliche Landwirtschaft mit

  • je 1-2 Kühen,

  • seltener Schweinen,

  • Ziegen oder

  • Schafe

betrieben.

Es waren Kleinstellenbesitzer (Brinksitzer) mit einem Mischeinkommen in Familienwirtschaft, aus heutiger Sicht Inhaber kleiner, landwirtschaftlicher Nebenerwerbsbetriebe.

 

Der alte Fahrweg mit Blick in das südwestliche Hellental, Ende der 1940er Jahre

Louise Timmermann (geb. Gehrmann), der Tischler August Schulte und dessen Ehefrau Lina Schulte (geb. Brakmann, verw. Mengeler), Anna Hempel (geb. Frohme), im Hintergrund rechts der Holzschuppen, die „Villa Hutschebank“, von August Schulte

 

Die Böden der aus der staatlichen Forst den Kleinstellenbesitzern im Hellental zugewiesenen Wiesen und Ackerflächen wiesen als Folge der Verwitterung sehr viele Buntsand- und Muschelkalksteine auf, so dass es damals sprichwörtlich hieß: ”Hellental ist steinreich!”

Die losen Steine wurden mühsam abgesammelt und als Lesesteine randständig zu Wällen oder Mauern aufgeschichtet.

Die Zeugnisse der früheren kleinbäuerlichen Landwirtschaft findet man noch heute in Waldgebieten des oberen Hellentales, wo sie anschaulich verdeutlichen, dass diese Flächen zuvor einmal offen gewesen und von Kleinstellenbesitzern aus Hellental und Bauern der näheren Umgebung als Wiesen genutzt worden waren.

Im Vergleich zur Grünlandnutzung hatte in der Gemarkung von Hellental der Ackerbau eine eher nachrangige Bedeutung.

Die wenigen flach gründigen Ackerflächen mussten den mehr oder minder steilen Hanglagen äußerst mühsam abgerungen werden.

Die Erträge auf den Buntsand- und Muschelkalksteinböden waren eher minimal.

 

Wiesentypen im Hellental - Darstellung im WildparkHaus bei Neuhaus

 

Die in der Forst beschäftigten Holzhauer und Waldarbeiter erhielten anfangs auf ihren Lohn angerechnetes Zeitpachtland.

Im Hellental, vom „Birkenweg” zum „Mittelweg” hochziehend, besaßen Holzhauer und Waldarbeiter ehemals kleine Flurstücke, die in den oberen Abschnitten als Ackerflächen, in den unteren als Wiesen landwirtschaftlich genutzt wurden.

Auf den wenigen Ackerflächen wurden, neben Getreide, wie Weizen und Roggen, auch Kartoffeln und Rüben angebaut.

Auch wurden Holzhauern und Waldarbeitern in der Gemarkung von Hellental schmale Wiesenstreifen im oberen, südwestlichen Hellental, dem meist sumpfigen „Hülsebruch”, zur Grünlandnutzung übereignet (heute Naturschutzgebiet).

Zum Einfahren des Heues und Getreides wurde ein von Kühen gezogener Leiterwagen benutzt.

 

 

Die Einlagerung von Heu und Getreide erfolgte über die Ladeluke der Zwerchgiebel auf den Dachböden der alten „Sollinghäuser” im Hellentaler Oberdorf.

 

Viehbestand um 1895

Im Jahr 1895 umfasste der Viehbestand der Hellentaler Kleinstellenbesitzer insgesamt

  • 9 Pferde
  • 117 Stück Rindvieh - davon 7 Kälber, 20 Jungtiere im Alter bis 2 Jahre, 90 Kühe über 2 Jahre
  • 1 Schaf
  • 134 Schweine - davon 129 unter einem Jahr
  • 99 Ziegen
  • 11 Bienenstöcke.

 

Noch zur Mitte des 20. Jahrhunderts, wo jeder Haushalt mindestens über eine Kuh verfügte, wurde das Dorf Hellental von Nachbarorten spöttisch auch als „Kuhscheißerrode“ bezeichnet.

Der Grund hierfür war der Umstand, dass die von ihren Weidegründen im oberen Hellental abends zurück in ihre Stallungen im steil ansteigenden Oberdorf getriebene Kühe, wohl sehr zahlreiche Kuhflaten auf der Dorfstraße hinterließen.

 

Trockenmauerrelikt mit Hainbuchen im mittleren Hellental

 

Als noch heute sichtbare Zeichen des kleinbäuerlichen Wirtschaftens im Hellental kommt den vielfach, kilometerlang im Hellental vorhandenen Trockenmauern wie den an östlichen Wiesenhängen erkennbaren Geländespuren eines früheren Bewässerungssystems zum „Fleuen“ von wasser- und nährstoffärmeren Hangwiesen eine besondere kulturlandschaftliche Bedeutung zu.

Ausgedehnte, zwischen 1-3 m hohe Trockenmauern aus ortständigem Buntsandstein wurden 1984 kartiert und noch weitere zugeschüttete und überwachsene Bereiche von ca. 2,5–3 km Länge erwartet.

Wie noch heute in Hellental vielfach erzählt wird, soll es in den schlechten Zeiten des 19./20. Jahrhunderts häufig vorgekommen sein, dass manch einer dem anderen buchstäblich nicht den Grashalm für das wenige weidende Vieh gönnte. Andere gruben dem Nachbarn auf den wasser- und nährstoffarmen Hangwiesen im Tal regelrecht das Wasser ab.

 

 

Text: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental

Fotografien: Privatsammlung Elisabeth Dittrich, Holzminden / Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental