Schorborner Glashütten-Wiesen – „ohnweit dem Hellenthale“

Klaus A.E. Weber

 

Die "Buchholtz Wiese" und andere Wiesen der Schorborner Glasmanufaktur

 

Kartenausschnitt aus dem „Abriss der Forstorte zwischen Holzminden und dem Hellental“ [1]

- rot umrissenes Areal der „Neuen Glasehütten – Wiese“ in der Forstabteilung III│29

- Areal "Glase Hütte Teich Schorborn"

 

[„Neue Glasehütten – Wiese“] - Forstabteilung III│29

Ein im Staatsarchiv Wolfenbüttel archivierter „Abriss der Forstorte zwischen Holzminden und dem Hellental“ [1] entstand wahrscheinlich um 1745-1750 im Zusammenhang mit der Vermessung und Einrichtung der braunschweigischen Landesforsten im Solling durch den Hof-Jägermeister Johann Georg v. Langen (1699-1776) im Auftrag des Herzogs Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel (1713-1780).

In der nur skizzenhaft ausgeführten Forstkarte (Handzeichnung) sind zwischen dem "Hellen Thal" und der "Heer-straaße von Merxhausen nach Holtzmünden" neben dem Weiler Schießhaus drei Areale im Kontext von Glashüttenstandorten im Solling  kartiert:

  • Forstabteilung III│29: „Neue Glasehütten – Wiese“

Bei Interrpretation des "Abrisses der Forstorte zwischen Holzminden und dem Hellental" im Hinblick auf das in der Forstabteilung III│29 erfasste Areal „Neue Glasehütten – Wiese“ ist davon auszugehen, dass die von der Fürstlichen Glasmanufaktur Schorborn - hier als landesherrlich eben neu errichtete "Neue Glasehütte" kartografisch ausgewiesen -  um 1774 zur Heuernte "ohnweit dem Hellenthale" genutzte "Buchholtz Wiese", auf der "6 bis 7 Fuder Heu jährlich geerntet" wurden, in Frage kommt.[5] [6]

Im Vergleich verfügbarer historischer (NStAWb) und moderner Kartenwerke kommt am ehesten ein relativ ebenes Gelände westlich des Berges "Buchholz" (422 m) oberhalb von Hellental im Bereich "Donenstieg" und "Pott-Busch" als ehemalige Nutzfläche im "Zweiten Haupt-Theil │ III" in Betracht - "ohnweit dem Hellenthale".

 

"Alte Glase Hütte"

Topografisch entspricht die mit Umrissen skizzierte Glashüttenlage dem Standort der 1743 von Braunschweiger Hof erworbenen Glashütte "Zur Steinbeke".

Die Lage des Hüttenwerkweilers in der Forstabteilung 22 entspricht weitgehend den Umrissen in der Forstkarte "Geometrischer Grundriss Der Merxhäuser-Forst - Wie selbiger in Anno 1745 aufgenommen worden von Ludwig August Müller" in der alten Forstabteilung III/IV mit dem Namenszug "Hölthal Glas Hütte".[9]

Ab 1748 findet sich für den Glashüttenstandort im Kirchenbuch Heinade die Ortsbezeichnung "alte Hütte".

 

„Neue Glasehütten – Wiese“

Die „Neue Glasehütten – Wiese“ ist in der damaligen Forstabteilung 29 nur skizzenhaft positioniert [8], zwischen den nur unpräzise namentlich hinterlegten Flurangaben

  • "Der Steinbecker Berg" (Kleiner Hellentaler Berg),

  • "Die Steinlade" (Steinlade) und

  • "Der Buchholz" (Buchholz).

Der Karte der "Merxhäuser Forst" von 1745 [3] ist zwar die "Höllthal Glas Hütte" zu entnehmen, jedoch ohne Hinweis auf einen weiteren Glashüttenstandort in der näheren Umgebung.

Die topografische „Gerlachsche Karte des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel“ von 1763-1775 weist 1768 im näheren Umfeld des Dorfes "Höllenthal" keinen Glashüttenstandort aus.[4]

 

Kartenausschnitt "Buchholtz Wiese" - "ohnweit dem Hellenthale" um 1767 Forstabteilung III│29 [10]

 

Von der Schorborner Glasmanufaktur genutztes Grünland

Weder archäologisch noch archivalisch ist, trotz intensiver Untersuchungen, eine Hüttengründung mit produktionsparallelem Glashüttenbetrieb gesichert nachweisbar.

Hiernach dürfte es sich bei der „Neuen Glashütte“ nicht, wie zunächst angenommen, um eine (landesherrlich) geplante, aber letztlich nicht errichtete und betriebene Glashütte in der Nähe von Hellental handeln.

Vielmehr diente die bei BLOSS [5] zitierte "Buchholtz Wiese" - "ohnweit dem Hellenthale" in den Jahren um 1774 dem Glashüttenbetrieb der „Fürstlichen Hohl- und Tafelglashütte am Schorbornsteich“ als landwirtschaftlich genutztes Dauergrünland, auf dem jährlich 6 bis 7 Fuder Heu für den Hüttenbetrieb geerntet wurden.

Diese Interpretation unterstreichend sind zudem im Zusammenhang mit der Wiesennutzung durch die fürstlichen Administratoren der Schorborner Glasmanufaktur weitere Wiesenflächen im Umfeld des Dorfes Hellental bei BLOSS [5] beschrieben:

  • "Eine Wiese zum Hellenthale unter der Schule belegen ... sonst an den Jäger Meyer verpachtet worden."

  • "Eine kleine Wiese daselbst über der Schule ist der Witwe Conrad Meyers als eine Erbenzinswiese für eine jährliche Recognation von 18 g eingethan."
Auch wird in dem kolorierten Kartenriss von 1832 die in der Schorborner Ortsmitte befindliche Glasmanufaktur als "Neue Glas-Hütte" ausgewiesen.

Als später Pächter die fürstlichen Administratoren in der Hüttenverwaltung ablösten, wurden nach BLOSS [2] auch "die in Hellental liegenden Wiesen aus der Zeit des Ankaufs der Gundelach'schen Hütte" aus der Pachtbeschreibung herausgenommen.

So wurden auf Vorschlag des Hüttenpächters die in Hellental liegenden Wiesen an "geeignete" Hellentaler Einwohner*innen "zu Erbenzins ausgethan".



[1] NStAWb  K 9507 / K 14814 (ca. 1750) Hellental, Forstorte, Abriss │ Abriss der Forstorte zwischen Holzminden und dem Hellental │ Vermerk: [bislang um 1692 – neu aufgrund meiner Angaben: ca. 1750] │ sw-Handzeichnung │ „Alte Glasehütte“/„Neue Glasehütten – Wiese“ │ Die Karte wurde in den 1980er Jahren der folgenden Akte entnommen │ 4 Alt 10 XIV Nr. 2-3, Seite 4.

[2] BLOSS 1950a, S. 22,

[3] NStAWb 92 Neu F 501.

[4] ARNOLD/CASEMIR/OHAINSKI (Hg.) 2006.

[5] zitiert in BLOSS 1950a, S. 16.

[6] Fuder (Fuhre, Fahrt): jene Ladung Heu, die ein zweispänniger (Leiter-)Wagen damals laden konnte - danach also 6-7 Wagenladungen Heu j#hrlich,

[8] fragliche Lage in der Forstabteilung 56/60 im Revier VII Merxhausen.

[9] NStAWb 92 Neu F 501; NStAWb 4 Alt 10 XIV Nr. 2; NStAWb Ausschnitt 3 Karte Bl. 2 Teil 2.

[10] NStAWb 4 Alt 10 XIV Nr. 2-3.