Niederdeutsche Mundart „Ostfälisch”

Klaus A.E. Weber

 

Die gesamte Sollingregion mit angrenzenden Bereichen lag in ursprünglich niederdeutschem Sprachgebiet.

Das Niederdeutsche wurde dann während des 16. Jahrhunderts und vornehmlich im beginnenden 17. Jahrhundert allmählich vom Hochdeutschen abgelöst.[2]

Sprachgeografisch gesehen, zählt die hier betrachtete Dorfregion zur niederdeutschen Mundart „Ostfälisch”, einem von drei Dialektverbänden - mit der Dialektgruppe „Göttingisch-Grubenhagensch”.

Bedauerlicherweise kann man heute in den Dörfern der Region kaum noch die besondere niederdeutsche Umgangssprache vernehmen.

Sie wird gelegentlich nur noch von wenigen älteren Dorfbewohnerinnen oder Dorfbewohnern gesprochen – aber meist nur dann, wenn sie ganz unter sich sind.

 

„Platt ist nun einmal Platt und muss auch unbedingt Platt bleiben bleiben!“

Obgleich dies der Hellentaler Willi Leßmann noch 1984 geradezu „apodiktisch“ forderte, sind dennoch die Hellentaler Erzählungen „Helldahlsche Vertellesche” & Döneken aus dem Plattdeutschen in das Hochdeutsche unserer Tage übertragen worden, zum einen, um sie „überdauerungsfähig“ zu dokumentieren, zu anderen zum besseren Verständnis für interessierte jüngere Leserinnen und Leser, die heute meist kein Plattdeutsch mehr sprechen.

Ergänzend ist anzumerken, dass auch im Solling „Platt nicht gleich Platt“ ist, sondern früher jedes Sollingdorf seinen eigenen plattdeutschen Dialekt ausprägte.

In Hellental sprach man „Helldahlsch“, jeweils das „a“ betonend.

Wer in plattdeutscher Mundart humorvoll abgefasste Erzählungen aus der Region um Stadtoldendorf, insbesondere solche in und um Schorborn, lesen möchte, dem sei das Buch „Dä dicke Anton aut’n Sollje - Schicksal, Streiche un Galöppe“ sehr empfohlen.

Es erschien in 1. Auflage 1936, geschrieben von dem in Schorborn geborenen STILLE (*28.05.1886 - † 04.07.1965).

1969 wurde von der Stadt Stadtoldendorf die 2. Auflage herausgegeben.

Auch das Stille’sche Nachlasswerk „Dä Dörpspaigel - Der Dorfspiegel“, erst 1990 veröffentlicht, ist lesenswert.

 

Zwei amüsante lokale Beispiele, die einer umfasssenden Sammlung von DROPE [1] entnommen wurden:

In Negenborn woll’n se en neuen Pastor hebben. Dä Stie was wakant, se harren all joahrelang kainen. Nuin harret se dä iuteschreiwen un doa soll’n sek annere melden. Under anderen kümmt auk von Hainoae dä Pastoer un meldt’sek. In’n Kerkengemaineroat wird denn dat besproaken, dat hai niun wech will, noa Negenborn. Doa sächt dä aane von’ Kerkengemaineroat: „Herr Pastoer, ek will sei wat seggen, blaiwen se haier in Hainoae, doa is et better wi anderwaigen denn et het doch: Un da sproach der Herrgott in sainen Zorn, huitet Euch vor Negenborn!“ Un dat het sek dä Pastoer soa tau Harten enoumen un het esächt: „Denn will ek doa auk nich hen! Ek blaiwe haier in Hainoae!“

Freuer hebb ek boi dä Firmoa Eberhard in Holzminne gearboit’, inner Modelltischleroie. In’ Joahre nigentaihnhundertdraientwintich was dat. Huite jammert se alle rümmer, dat se seauvil Schulden hebbet. Dat is alles nix gigen doamoals. Kiken se, hoier is moin Stuierbeschoid von doamoals. Ek moste sesshundertainunachzig Milliarden, twaihundertvörtaihn Millionen draihundertfaifunförtichdausend virhundertunachzich Mark Stuiern betoahlen. Dat was ‚ne Schuld, huite moaket se schon boi ainer Million Schulden Plaite!“

 

 

Text: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental

 


[1] DROPE 1983, S. 37, 64.

[2] CASEMIR 2004, S. 26.