Glaube & Macht - Martin Luthers Thesen und die Folgen der konfessionellen Polarisierung 1517-1648

Klaus A.E. Weber

 

2017: 500 Jahre Reformation & "Der große Leitkulturstreit"[3]

 

Rebellischer Mönch ⎸Entlaufene Nonne ⎸Größter Bestseller aller Zeiten, die Bibel ⎸Die Kunst des Buchdrucks

Im Jahr 2017 wurde das 500. Reformationsjubiläum begangen (Evangelische Kirche in Deutschland: reformation2017), so auch in Kirchengemeinden des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Holzminden-Bodenwerder.

Dabei gilt der Wittenberger Theologe Dr. Martin Luther, einer städtischen Oberschicht entstammend (Mansfeld), gemeinhin als theologischer Urheber der Reformation.

Luther veröffentlichte im Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen die römisch-katholische Praxis des Ablasswesens.

Es folgten Luthers Bibelübersetzungen ins Deutsche.

 

Der Buchdruck des Johannes Gutenberg (1394/1404 - 1468) - "Gutenbergjahr 2018" in Mainz

Der um 1400  in Mainz geborene, facettenreiche Patriziersohn Henne Gensfleisch zur Laden - genannt Gutenberg - gilt als Entwickler bzw. Erfinder des bahnbrechenden Buchdruckens mit Druckerpresse und beweglichen Lettern/Typen - Buchstaben und Zeichen ("Figuren").

Mit den Frühdrucken nach Gutenberg - dem "Mann des Jahrtausends" [2] - setzte weltweit eine "Medienrevolution" ein, die die Welt veränderte.

 

Rekonstruierte Gutenberg-Werkstatt im Mainzer Gutenberg-Museum                 Auf einem "Schiff" zur Form gesetzte Buchseite eines Bibeltextes

Gutenberg-Museum Mainz

 

Gutenbergs Meisterwerk war der Druck der 1.282-seitigen, 42-zeiligen lateinische „Vulgata“ in den Jahren 1452-1455 - der in Mainz gedruckten Gutenberg-Bibeln.

 

Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553)

Die "Luther-Bibel" von 1534 ist als Vollbibel die erste Gesamtausgabe mit Holzschnitten und Bildinitialen aus der Werkstatt von Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553).[30]

 

  

Dr. Martin Luther                                    Katharina von Bora

von Lucas Cranach d. Ä. 1529 erstellte Porträts

Galleria degli Uffizi, Florenz (2017)



"Am Anfang war das Wort" - Reformator & Mediengigant Dr. Martinus Luther (1483-1546)

Durch die von Martin Luther ausgehende Reformation wurde „die Sicherheit eines einigen, christlichen Glaubens, die im Mittelalter alle Lebensbereiche durchdrungen hatte“, radikal in Frage gestellt.

Das jahrhundertalte christliche Bild des übermächtigen „strafende Gottes“ wandelte sich hierbei in das eines nahen „gnädigen Gottes“.[6]

Der Mönch und Theologieprofessor Dr. Martin Luther hatte mit seinen "95 Thesen" zum Ablasswesen seiner Zeit (Ablassthesen „Disputation zur Erläuterung der Kraft des Ablasses“) im Oktober 1517 in der Universitätsstadt Wittenberg eine Erneuerung der Kirche gefordert.

Indem Luther die Praxis des Ablasshandels kritisierte und die Kraft des Glaubens, der allein auf die Gnade Gottes vertraut, dagegen stellte, stieß er eine Entwicklung an, die Bauern, Bürger und Fürsten gleichermaßen kritisch bewegte.

„Misstrauisch geworden gegen die Priesterschaft, begann man nun selbst nach den Worten und der Bedeutung der Bibel zu forschen.“

Dadurch wurde die Autorität der machtvollen katholischen Kirche in ihren Fundamenten bedroht und aus der Glaubensfrage alsbald eine Machtfrage, die sowohl den Papst als auch den Kaiser zu beschäftigten wusste.[8]

Martin Luther wurde zur Leitfigur für unerwünschte Veränderungen und deshalb von Kaiser Karl V. und Papst gleichermaßen bekämpft.

1520 erging die Bannbulle von Papst Leo X. gegen den Priester Martin Luther.

Die sächsischen Kurfürsten, u.a. Friedrich III., der Weise (1463-1525), hielten hingegen ihre schützende Hand über Martin Luther und sein Werk.[9]

Im Schutze und durch Förderung der sächsischen Kurfürsten konnte sich die reformatorische Bewegung entwickeln und verbreiten.[11]

 

Katharina von Bora (1499-1552) - Die Frau an Luthers Seite

Damit nicht genug der öffentlichen Provokation von kirchlichen wie weltlichen Machtstrukturen, denn am 13. Juni 1525 heiratete der 42-jährige Priester Dr. Martinus Luther in Wittenberg die 26-jährige Adlige und Ordensschwester Katharina von Bora.

Es war die berühmteste Hochzeit jener Jahre.

Als polarisierende "Lutherin" wurde Katharina Luther zur bekanntesten Frau ihrer Zeit.

In einem kühnen Schritt war zuvor die junge Nonne Katharina von Bora Anfang April 1523 mit elf Mitschwestern aus dem Kloster Marienthron in Nimbschen bei Grimma in einem Planwagen in die Residenzstadt Wittenberg geflohen und hatte die Ordenstracht abgelegt - eine erste Weichenstellung hin zur Gleichberechtigung der Frau.

 

2017 - Dr. Martin Luther & das "Ainpöckisch Bier"

Erstmals wurde die Einbecker Brauerei im Jahr 1378 erwähnt.

Offenbar gilt das besondere "Ainpöckisch Bier" aus der hiesigen Region als des Reformators Lieblingsbier.

Angeblich soll Martin Luther vor 500 Jahren ausgesprochen haben:

"Der beste Trank, den einer kennt, der wird Einbecker Bier genennt"

 

"Von der Freyheyt eyniß Christenmenschen."

Der Reformator Martin Luther entwickelte sich schließlich zum "Mediengiganten" indem er für seinen raschen Aufstieg wie kein anderer vor ihm Print-Produkte nutzte (Bücher und Flugblätter).[29]

Die Theologie und Religionswissenschaft an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) Göttingen verfügt über wertvolle historische Bestände u.a. im Bereich der Reformationszeit mit zahlreichen Luther- und anderen Reformationsdrucken (s. auch Handbuch der historischen Buchbestände).

Das geistige Zentrum des neuen Glaubens und der Reformation war die Wittenberger Universität.

Das politische Zentrum entwickelte sich am kursächsischen Hof in der Residenzstadt Torgau an der Elbe.[11]

Der rasch und heftig entbrannte Streit um den „richtigen Glauben“ führte zur militärischen Eskalation und wurde gewaltsam auf den Schlachtfelden entschieden.

Die religiös-sozialen Unruhen, vor allem die große Erhebung süd- und mitteldeutscher Bauern, wurden in den Bauernkriegen 1524/1525 von den Fürsten blutig niedergeschlagen.

Um 1546/1547 kam es im „Schmalkaldischen Krieg“ zu einem bewaffneten Kampf zwischen den Heeren der Protestanten (Johann Friedrich der Großmütige) und der Papsttreuen (Kaiser Karl V., Moritz von Sachsen).

1552 folgte der so genannte Fürstenaufstand, der die Wende bringen sollte.

Schließlich fanden die Gegner im Augsburger Religionsfrieden die bekannte Kompromissformel „Cuius regio, eius religio“.[10]

Der 1555 in Augsburg geschlossene Religionsfrieden führte einerseits zur reichsrechtlichen Anerkennung des „Augsburger Bekenntnisses“ von 1530, andererseits wurde die Trennung in zwei Konfessionen Reichsgesetz.

Damit war für die Protestanten Rechtssicherheit geschaffen und die christliche Kirche endgültig gespalten.

Herzog Julius führte in seinem Fürstentum Braunschweig, nach frühen reformatorischen Bestrebungen, 1568 endgültig die Reformation ein.

 

Luthers Thesen & die Folgen - Deutsche Geschichte im Zeichen der konfessionellen Polarisierung

 

Gottesdienst "500 Jahre Reformation" in der Klosterkirche Amelungsborn

Am Montag, 30. Oktober 2017, 18:00 Uhr,, wurde auf Einladung des Kirchenkreises Holzminden-Bodenwerder und des Klosters Amelungsborn in der Klosterkirche Amelungsborn der (Abschluss-)Gottesdienst "500 Jahre Reformation" mit Abt Eckhard Gorka und Superintendent Ulrich Wöhler begangen.

Die auch kirchenhistorisch beeindruckende Predigt hielt Horst Hirschler (* 1933), Abt des 1163 gegründeten Zisterzienserkloster Loccum und Landesbischof i.R. der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover.[1]

 

 

Text & Fotografien: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] JBO 2017.

[2] "Time"-Magazin 1999.

[3] THOMAS 2017b.

[6] Informationsunterlagen zur 2. Sächsischen Landesausstellung in Torgau, Schloss Hartenfels (24.05. – 10.10.2004): „Glaube & Macht – Sachsen im Europa der Reformationszeit“.

[8] Informationsunterlagen zur 2. Sächsischen Landesausstellung in Torgau, Schloss Hartenfels (24.05. – 10.10.2004): „Glaube & Macht – Sachsen im Europa der Reformationszeit“.

[9] BORNKAMM/EBELING 1983.

[10] „Wessen das Land, dessen die Religion“.

[11] STAATLICHE KUNSTSAMMLUNGEN DRESDEN 2015a/b.

[29] TIEKE, HENDRIK: Der Mediengigant. Martin Luther nutzte für seinen raschen Aufstieg wie kein anderer vor ihm Print-Produkte - Seine Gegner konterten zu spät, um ihn noch aufhalten zu können. In: Frankfurter Rundschau, Nr. 306, Silvester 2016, S. 32-33.

[30] Biblia/das ist/die gantze Heilige Schrift Deudsch. Mart. Luth. Wittemberg. Begnadet mit Kürfürstlicher zu Sachsen freiheit. Gedruckt durch Hans Lufft. A. D. XXXIIII. Die Propheten alle Deudsch. D. Mar. Luth. Gedrückt zu Wittemberg durch Hans Lufft. A. D. XXXIIII. Weltdokumentenerbe der UNESCO 2015.