Hammerwerke an der Spülig │ Merxhäuser Eisenhütte

Dr. Klaus A.E. Weber │ Rolf Clauditz

 

Im grenznahen Umfeld von Merxhausen lagen einst drei Hammerhütten


Stückofen nach Agricola, 1557 [3]

 

Merxhäuser Eisenhütten [11] verhütteten [6] in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts Eisenstein von der Lagerstätte Steinberg bei Markoldendorf - vermutlich mit verbessertem Rennofen (Stückofen).

Schlackenfunde bei Lüthorst belegen einen dortigen Schmelzplatz in der Waldschmiedezeit (1000-1300 n. Chr.).[10]

Bei Heinade und vor allem bei Merxhausen wurde bereits seit dem Mittelalter, vermutlich ab dem 12./13. Jahrhundert, eine Eisenverhüttung von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung im südniedersächsischen, braunschweigschen Gebiet betrieben.[1][3]

Hierbei soll vornehmlich Raseneisenstein aus Markoldendorf (Steinberg) verwendet worden sein.

Beschrieben ist im Sollingvorland bei Markoldendorf eine Eisenstein-Lagerstätte im Jura mit Raseneisenstein-Knollen bis 22 %.[9]

Eine kurzgefasste Übersichtsarbeit zum historischen Eisenhüttenwesen im Solling findet sich bei HILLEGEIST 1974.

 

Eisen- & Hammerhütten bei Merxhausen

In der Frühzeit der Eisenverhüttung wurde das Eisen wahrscheinlich im so genannten Stückofenverfahren gewonnen.

Schlacke aus der Eisenverhüttung einer Merxhäuser Eisenhütte um 1560–1580, glasig erstarrte, massive bis poröse Schmelzrückstände bei der Verhüttung regionalen eisenhaltigen Erzes, sowie eine Keramikscherbe des 12./13. Jahrhunderts befindet sich in der Sammlung des Museums im Backhaus ⎸Hellental, dazu auch eine kleine angeschnitte Luppe ("Renneisen", "Eisenschwamm"), experimentell erzeugt durch Direktreduktion von Raseneisenerz in einem Rennofen aus Lehm (Nachbau Heidbrink).

Verhüttungstechnik, die die Verfügbarkeit von Wasserkraft und Holzkohle voraussetzte:

  • Erz + Holzkohle + Kalk + Sauerstoff → Stück Eisen 3-10 Zentner → erkalteter Eisenklotz wird von Schlacke befreit → 4 Teile Amboss zerlegt → in der Esse erneut geschmolzen und weiterverarbeitet in Stabeisen zu Pflügen, Radreifen, Werkzeugen

Auf dem Schmiedebrink in Merxhausen konnte eine Schlackenhalde mit renaissancezeitlichen Keramikscherben der Jahre um 1560–1580 nachgewiesen werden.[3][8]

Hammerwerke dienten nach HILLEGEIST [12] der Herstellung verschiedenster Profile (Flach- Quadrat-, Rundstäbe), umgeformt aus "gefrischtem Eisen unter mit Wasserkraft angetriebenen Aufwerf- oder Schwanzhämmern".

 

Reste der Schlackenhalde Schmiedebrink (Haus Dörries), 2018

 

Grenzbeschreibung 15811596

Bereits um 1581 wurden in einer Grenzbeschreibung des Amtes Fürstenberg „Hammerhütten“ erwähnt, die unterhalb von Merxhausen im Solling gelegen haben sollen, "das Heldahl hinunter bis uff die Hammerhütten und von dar bis in das Dorf Mackensen ..."[5]

Möglicherweise handelt es sich hierbei sogar um eine eigenständige Hüttensiedlung in der Nähe der alten Dorfanlage von Merxhausen, die später wüst gefallen sei („Wüstung Hammerhütten“).

Johannes Letzner (1531-1613) berichtete wenige Jahre später, 1596, in seinen Aufzeichnungen, dass "das Dorf Merxhausen vorzeiten neben diesem Wasser [Spülig-Bach] ein grosser Hütten handel gewesen ist, wie das daselbst die vestigia [Gebäudereste] und die grossen gewaltigen Schlackenhauffen anzeigen."

Um 1637 sollen die Hammerhütten bereits außer Betrieb gewesen sein.[2]

 

1654

Der Aufzeichnung eines Mitarbeiters von Matthäus Merian (1593-1650) von 1654 ist zu entnehmen, dass "Merxhausen daselbst findet sich ein Ort, die Hammerhütten genannt und gibt es ocularis inspectio, dass daselbst Eisenhütten gelegen, ..."[1]

Tuschezeichnung von 1708 mit den Grenzorten Mackensen und Merxhausen - Blick vom Steinberg

Grenzgraben, Grenzbaum, Palisadenzaun Kennzeichnung der drei "Hammerschläge" [7]

 

1707/1708

Grenzstreitgkeiten um das Grenzzeichen am "3. Hammerschlag"

Eine 1708 angefertigte schwarze Tuschezeichnung [7] zeigt im Grenzgebiet zwischen den Orten Mackensen und Merxhausen einen Grenzgraben, einen Grenzbaum und einen Palisadenzaun sowie oberhalb und unterhalb des Grenzkruges insgesamt drei "Hammerschläge":

  • 1. Schlag (Hammerschlag) - Höhe Saakelsche Mühle
  • 2. (Hammerschlag) - Mühlgarne Spülig
  • 3ter Hammerschlag - unterhalb des Grenzkruges

 

 

Fotografie: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental

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[1] nach den anlässlich des Vortrages „Mittelalterliche Eisenverhüttung am östlichen Solling von 1450 bis 1714“ in Merxhausen von Detlef Creydt am 06.04.2005 überlassenen Aufzeichnungen.

[2] KNOLL/BODE 1891, S. 395.

[3] CREYDT 2013, S. 83-92.

[4] Fund Schmiede Dörries, Merxhausen.

[5] StAWb 26 Alt Nr. 1405.

[6] vergl. Verhüttung bei BAYERL 2013, S. 150-152.

[7] StAWb K13341 CREYDT 2013, S. 84 Abb. 1Kennzeichnung: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental.

[8] Archäologische Denkmalpflege des Landkreises Holzminden (Kreisarchäologie).

[9] HILLEGEIST 1974, S. 5.

[10] HILLEGEIST 1974, S. 22.

[11] HILLEGEIST 1974, S. 30.

[12] HILLEGEIST 1974, S. 34.