„Contracte“ & Notizen aus dem 19. Jahrhundert

Klaus A.E. Weber

 

1825

Der Brinksitzer und Leinenweber Wilhelm Leo „zu Merxhausen“ war um 1825 in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten geraten und zahlungsunfähig geworden.

Er hatte daher beim Kreisgericht Eschershausen "sein Unvermögen zur Bezahlung seiner Schulden" erklärt.

Um ausstehende Ansprüche und "Forderungen irgend einer Art" an denselben gerichtlich zu erfassen, wurde ein öffentlicher Anhörungstermin am 30. August 1825 beim Fürstlichen Braunschweigisch-Lüneburgischen Kreisgericht in Eschershausen angesetzt.[1]

 

1835

In der Nacht vom 07./08. Januar 1835 wurde in Merxhausen "mittelst Einsteigens in einen Schafstall drei Schafe, weißer Wolle" entwendet, ein etwa dreijähriges trächtiges Mutterschaf, ein etwa ¾-jähriges Schaflamm und ein ebenso altes Hammellamm.

Der Tierdiebstahl wurde am 10. Januar 1835 beim Herzoglichen Braunschweigisch-Lüneburgischen Amt in Stadtoldendorf zur Anzeige gebracht.

Sämtliche „Militair- und Civilbehörden“ wurden daher am 16. Januar von diesem "geziemend ersucht, zur Entdeckung des Thäters thunlichst mitzuwirken, Jedermann aber, dem Etwas von den gestohlenen Gegenständen vorkommen sollte, aufgefordert, solches nebst dem verdächtigen Inhaber sofort anzuhalten und seiner Obrigkeit oder der unterzeichneten Behörde unverzüglich Anzeige davon zu machen."[2]

 

1872

Der Arbeiter Heinrich Campe aus Merxhausen wurde im April 1872 von der "Herzoglichen Polizei-Direction" öffentlich steckbrieflich gesucht, da er "von der Arbeit im Freien" aus der Strafanstalt in Helmstedt entwichen war.

Wegen Diebstahls war der 27-jährige Heinrich Campe vom Herzoglichen Kreisgericht zu Helmstedt zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt worden.[3]

 

1882

Am 31. Dezember 1882 legte Herr Linnemann sen., der betagte Vorsteher der Gemeinde Merxhausen, sein öffentliches Amt nieder, welches er seit 1850 ununterbrochen innehatte.

Zuvor begleitete Linnemann sen. 19 Jahre lang die vor 1850 bestehende Stelle eines „Feuerwehrgeschworenen“.

Zu seinen Ehren war von der Gemeinde am Neujahrsabend ein Fackelzug veranstaltet worden, verbunden mit einem Feuerwerk.

Der Cantor Lohmann, der in „warmen, würdigen Worten“ dem sichtlich bewegten Linnemann sen. die Anerkennung der Gemeinde Merxhausen aussprach, lies den Gesang „Bis hierher hat uns Gott gebracht“ anstimmen.

Es soll eine "ebenso schöne als seltene Feier" gewesen sein.[4]

 

1899

Im Januar 1899 hielt der „Kriegerverein“ von Merxhausen in der "Kroppschen Gastwirtschaft" eine „sehr gut besuchte“ Generalversammlung ab.

Die Vorstandswahl ergab folgende Zusammensetzung:

Heinrich Oberg

1. Präsident

Hermann Schattenberg

2. Präsident

Heinrich Linnemann

1. Schriftführer

Salomon Rothschild

2. Schriftführer

Heinrich Kraus

1. "Kassirer"

Karl Schattenberg

2. "Kassirer"

Hermann Schattenberg

Beisitzender

August Kropp          

Beisitzender

Bei der Generalversammlung wurde zudem zeittypisch beschlossen, den Geburtstag von Kaiser Wilhelm II. am 29. Januar in der "Kroppschen Gastwirtschaft" „durch Concert, Theateraufführungen und Ball“ festlich zu begehen.[5]

Bei der Generalversammlung des „Handelsvereins“ von Merxhausen wurde im Januar 1899 als Vorstand gewählt[6]:

Heinrich Kraus

1. Präsident

August Kreiter

2. Präsident

Karl Brömsen          

Schriftführer

Karl Becker

"Kassirer"

 

Aufschlussreiche Vertragsabschlüsse (Contracte)

1832

Den Braunschweigischen Anzeigen vom Mai 1832 [11] ist das folgende hinsichtlich des Grundbesitzes, dessen Größe und Lage Aufschluss reiche Vertragswerk für Merxhausen zu entnehmen:

"11. Zufolge des am 1. März d. J. [Anm.: 1832] bestätigten Ehe- und resp. Cessions-Contracts

a) ein Erbenzinsgarten an der Winterliet vor Merxhausen zwischen Friedr. Müller und Schomburg,

b) ein dito daselbst, über ½ Waldmorgen groß, zwischen Pellecke und Heinrich Müller belegen,

bisher der Witwe des Einwohners Friedrich Kunkel, Louise geb. Engelbrecht zu Merxhausen gehörig, so wie

c) die Brinksitzerstelle Nro. assec. 42 zu Merxhausen sammt Zubehör,

d) ½ Waldmorgen großer Erbenzinsgarten an der Winterliet, zwischen Schattenberg und Pellecke,

e) eine 1 Waldmorgen große Erbenzinswiese in der Steinlade, an Floto und Strohmeyer, und

f) die Hälfte des beim Hause und dem Nebengebäude belegenen kleinen Gartens an Schattenberg belegen,

bis jetzt der Ehefrau des Brinksitzers Friedrich Bertram, verwittwet gewesene Tospan geb. Büngener zu Merxhausen gehörig, resp. Auf den Leineweber Aug. Tospan und dessen Braut die unverehelichte Friederike Kunkel zu Merxhausen."

Der nachstehende Kaufvertrag zwischen dem Leinenweber Wilhelm Schacht und dem Kaufmann Samson Rothschild in Merxhausen wurde in den Braunschweigischen Anzeigen vom Mai 1832 [12] bekannt gegeben:

"16. Mittelst Kauf-Contracts d. d. conf. Den 25. März c. des Leinewebers Wilhelm Schacht in Merxhausen gehörige Wiese oder Grasgarten, etwa ¾ Morgen groß, dicht vor gedachtem Orte an der Brinksitzerstelle des Kaufmanns Samson Rothschild belegen, auf den ebengenannten Kaufmann Samson Rothschild in Merxhausen."

 

1835

Zwei weitere Kaufverträge aus Merxhausen weisen 1835 aus[7]:

"5. Durch den Kaufcontract d. d. conf. den 13. Jan. d. J. der dem Köhlerknecht Georg Wilh. Bremer zu Merxhausen gehörige, vor dem sg. Buchholze zwischen Ludewig Kropp und Wilhelm Leo belegene, 107 Ruthen haltende Erbenzinsgarten auf den Schuhmachermeister Heinr. Köke daselbst.

6. Durch den am 13. Januar a. c. confirmirten Kaufcontract eine dem Köhlerknechte Georg Bremer zu Merxhausen gehörige, im sg. Hülsebruch belegene, 2 Waldmorgen 35 Ruthen haltende Erbenzinswiese an Linnemann und Timmermann auf den Kuhhirten Carl Keime zu Hellenthal."

 

1837

Gemäß einer Bekanntmachung in den Braunschweigischen Anzeigen vom Juli 1837 [13] wurde nach dem „Cessionscontracte“ vom 1. März 1837 "ein dem Häusling und Leineweber Friedrich Hagedorn zu Merxhausen gehörender früherhin erbenzinspflichtig gewesener Garten an der Winterliet von 80 Q.-Ruthen auf seinen Sohn, den Maurergesellen Carl Hagedorn daselbst" übereignet, nach einem Kaufvertrag vom 22. April des gleichen Jahres von dem Garten des Großköthers Carl Bremer zu Merxhausen ein Platz von 30 Fuß Länge und 30 Fuß Breite "zum Bauplatze".

1837 wurde "laut Testament" der verstorbenen Ehefrau (geb. Schlieker zu Merxhausen) des Schuhmachermeisters und Leibzüchters Heinrich Deneke die von ihr "nachgelassene Wiese am Anger zwischen Köke und Saakel belegen", auf den Brinksitzer und Schuhmachermeister Heinrich Köke übertragen.[8]

 

1842

Am 09. Juni 1842 übertrug laut „Verlastcontract“ der Großköther Carl Bremer zu Merxhausen seinen Großkothof (Ass.№ 1) "sammt Zubehör eigenthümlich" auf seinen Sohn, den unverehelichten Carl Bremer.[9]

 

1868

Am 24. April 1868 übertrug "zufolge Erbtheilungsvertrag" der Brinksitzer Carl Floto zu Merxhausen folgende "nachgelassene Grundsücke" als Eigentum auf den Stellmacher Carl Floto zu Merxhausen[10]:

"1) das zu Merxhausen sub Nro. ass. 18 belegene Brinksitzerwesen nebst dem beim Hause belegenen Garten zu 24 Ruthen,

2) ein Garten an der Winterlied, Merxhäuser Feldmark, zu 45 Ruthen, 1. Abtheil. № 13,

3) ein Garten daselbst zu 44 Ruthen, 1. Abtheil. № 37,

4) ein Garten daselbst zu 65 Ruthen, III. Abtheil. № 6,

5) zwei Gärten am Steinberge, № 17 und 18, zu resp. 10 und 44 Ruthen,

6) ein Hudecamp am Heukenberge zu annoch 2 Morgen 100 Ruthen,

7) ein Areal von 3 Morgen 40 Ruthen rect. nach dem betr. Recesse 3 Morgen 68 Ruthen, auf der Weide vor dem Sollinge, welches Grundstück gelegentlich der Weideseparation mit den herrschaftlichen Forsten dem obigen Brinksitzerwesen als Pertinenz beigelegt ist."


Text: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] Braunschweigische Anzeigen, Juli 1825, 56. Stück, 2509/2510.

[2] Braunschweigische Anzeigen, Januar 1885, 18. Stück, 306.

[3] Braunschweigische Anzeigen, April 1872, 94. Stück, 5325/5326.

[4] Braunschweigische Anzeigen, Januar 1883.

[5] Braunschweigische Anzeigen, Januar 1899.

[6] Braunschweigische Anzeigen, Januar 1899.

[7] Braunschweigische Anzeigen, Mai 1835.

[8] Braunschweigische Anzeigen, 167. Stück, 2948.

[9] Braunschweigische Anzeigen, 155. Stück, 3870.

[10] Braunschweigische Anzeigen, 97. Stück, 5883/5884.

[11] Braunschweigische Anzeigen, 59. Stück, 1825/1826.

[12] Braunschweigische Anzeigen, 59. Stück, 1827.

[13] Braunschweigische Anzeigen, 167. Stück, 2945, 2948/2949.