Holzen am Hils - Außenlager des KZ Buchenwald

Klaus A.E. Weber

 

Von italienischen Militärinternierten 1945 gesetzter Gedenkstein

Mahnmal auf dem Ehrenfriedhof Holzen

 

Ehrenfriedhof Holzen │ Kriegsgräberstätte │ Gedenkstätte

Antonio Antoni und weitere italienische Militärinternierte (I.M.I) bestatteten im Mai 1944 ihren an Unterernährung verstorbenen Kameraden Virgilio Antonio auf einer Freifläche südwestlich des "Stollen Gustav" am Weg nach Holzen.[10]

Holzen wird später am 07. April 1945 durch US-amerikanische Soldaten befreit.

Im Juli 1945 erricheten verbliebene Italiener an der höchsten Stelle des Friedhofs einen in Eschershaus angefertigten Gedenkstein aus Dolomit für ihre verstorbenen Kameraden. [3][10]

 

 

Der Gedenkstein trägt unterhalb des christlichen Kreuzes den Inschriftentext:

DIESER STEIN ERINNERT 

AN JENE, DIE IN DER 

GRAUEN GEFANGEN-

SCHAFT FIELEN, WEIL 

SIE DIE FREIHEIT DES 

MENSCHEN NICHT 

VERLEUGNETEN.

JULI 1945 

GEWIDMET VOM I.M.I.

 

Die 1988 im Rahmen eines Internationalen Jugendcamps des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge instandgesetzte Kriegsgräberanlage - der Ehrenfriedhof und die Gedenkstätte - wurden zu einem außerschulischen Lernort.

Seit April 1995 ist die Kriegsgräberstätte in Holzen die zentrale Gedenkstätte des Landkreises Holzminden.

 

Buntsandstein-Grabsteine von Umgebetteten auf dem Ehrenfriedhof Holzen [4][6]


Grabsteine von Einzelgräbern


  • Schulte, Wilhelm  ⃒  19. Oktober 1909 - 28. Dezember 1944  ⃒  Deutscher  ⃒  Zuchthaus [11]

  • Nielsen, Sven  ⃒  18. November 1915 - 18. Februar 1945  ⃒  Däne  ⃒  Zuchthaus [11]

  • Praczak  ⃒  (?) - 06. April 1945  ⃒  Tscheche  ⃒  Zwangsarbeiter

  • ...

 

Während des Zweiten Weltkrieges existierte ab September 1944 im nahen Holzen am Hils unter dem Decknamen "Hecht" [1] das Außenlager Holzen des Konzentrationslagers Buchenwald (1937–1945).[2][5][9][12]

In NS-Zwangsarbeit wurden Kriegsgeräten unter Leitung der Firma Minette G.m.b.H., Eschershausen, mit dem Hauptgesellschafter Volkswagenwerk untertage gefertigt.

Die Zwangsarbeit für die Rüstung im Zweiten Weltkrieg im Raum Eschershausen wird als lokal- und regionalhistorisches Themenfeld in der Wanderausstellung „Das Braunschweigische Land im Nationalsozialismus“ beleuchtet.[7]

 

 

 

Grabstein mit Inschriftentext eines der beiden Massengräbern für umgebettete, unbekannte Verstorbene

 

HIER RUHEN 26 UNBEKANNTE EINES

KONZENTRATIONSLAGER-EISEN-

BAHNTRANSPORTES IM APRIL 1945

ZUNÄCHST BEI TETTENBORN AUS DEM

KREIS OSTERODE AM HARZ

 

 

Im Sommer 2012 wurden Zeichnungen von Camille Delétang aus seiner Zeit als französischer KZ-Häftling des Buchenwalder Außenlagers als Zeugnisse aus dem Konzentrationslager Holzen wiederentdeckt.

 

Drohender Zerfall der Gedenkstätte

Das Mauerwerk der abgelegenen und nicht durch eine Umzäunung geschützte Gedenkstätte ist seit Frühjahr 2019 erheblich beschädigt.[10]

Zudem sind seit Beginn des Jahres 2020 die Grabsteine vom Zerfall und von weiterer Verwitterung bedroht.[8]

 

 

Fotografien am 27. Januar 2019:

© Klaus A.E. Weber, Hellental

 

Literatur

Hg. im Auftrag der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora von JENS-CHRISTIAN WAGNER: Wiederentdeckt - Zeugnisse aus dem Konzentrationslager Holzen. 2013.

ROUX, ARMAND: Im Zeichen des Zebras. Aufzeichnungen eines Überlebenden über das KZ-Außenlager Holzen und den Todesmarsch in das KZ Bergen-Belsen. Buchenwald - Holzen - Drütte - Celle - Bergen-Belsen. Holzminden 2015.

 


[1] CREYDT/MEYER 1993, S. 23-63.

[2] CREYDT/MEYER 1993, S. 115-159.

[3] CREYDT/MEYER 1993, S. 231-236.

[4] von Herbert Schlotter erstelltes Personenverzeichnis in CREYDT/MEYER 1993, S. 234-235.

[5] CREYDT 2001, S. 127-156.

[6] CREYDT 2001, S. 353-390.

[7] BRAUNSCHWEIGISCHE LANDSCHAFT 2018, S. 35-37.

[8] TAH 2020a.

[9] MÜNTEFERING 2020a.

[10] HENZE 2020.

[11] Zuchthauslager Außenstelle Hameln/Celle im Hils.

[12] TAH 2020b.