Spätphase - Neuzeitliche Waldglashütte

Klaus A.E. Weber

 

1. Hälfte 18. Jahrhundert "… uff der Steinbeker Glashütten"

 

Übergang von der Wanderglashütte zur ortsfesten Glasmanufaktur

Während des 18. Jahrhunderts veränderte sich das Glashüttenwesen insofern als technologisch weiterentwickelte und auf einen größeren Glaswarenabsatz ausgelegte Betriebe errichtet und vorwiegend unter landesherrschaftlicher Verwaltung betrieben wurden.

Die Zeit saisonal betriebener Waldglashütten ging damit zu Ende und in der Folge entstanden größere, ortsfeste Manufakturen, die einen neuen Zeitabschnitt der Glashüttengeschichte im Weser-Leine-Bergland ankündigten.

In jener Zeit des ökonomischen Wandels trat das Herzogtum Braunschweig unter Herzog Carl I. (1713-1780) erstmals als Wirtschaftsförderer und staatlicher Unternehmer auf.

Dabei wurde auch der bedeutende Wirtschaftszweig der Glasherstellung in die staatliche Eigenregie übernommen.

So entstanden um 1744 im alten Braunschweiger Weserdistrikt merkantilistische Staatsbetriebe mit dauerhaft angelegten Glashüttensiedlungen - Grünenplan, Holzen, Schorborn.

 

Die "Söllinger Glasshütte" des Herrn Jobst Henrich Gundelach

In einem für die Glasherstellung topografisch und kleinklimatisch günstigen Seitental des nördlichen Hellentals betrieb der 1676 in Mecklenburg geborene Jobst Henrich Gundelach gemeinsam mit anderen traditionellen, rückwandernden Glasmacherfamilien (u.a. Wenzel, Seitz, Schlieker, Hesse, Kauffelt, Runge) während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der Merxhäuser Forst eine große, privatwirtschaftlich geführte Waldglashütte.

Die erste urkundliche Erwähnung der Glasmacher "uff der Steinbeker Glashütten" ist einem Taufeintrag im Kirchenbuch Heinade von "Anno 1717" zu entnehmen.

Es war just jenes Jahr, in dem der spätere Schwiegervater Christian Heinrich Behm des Hüttenmeisters Gundelach als Abt des Klosters Amelungsborn eine größere Umgestaltung seiner Klosterkirche veranlasste.

 

Der Abt von Amelungsborn und sein Schwiegersohn, "Glasermeister im Sölling"

Jobst Henrich Gundelach führte die Glashütte "uff der Steinbeke" als erfahrener Hüttenmeister und Kaufmann in hoch geachteter sozialer Stellung mit dem Prädikat „Herr“.

Er heiratete im Februar 1719 in der evangelischen Kirche in Holzminden Elisabeth Juliane Sophia Behm, Tochter des 1732 zum Konsistorialrat ernannten Theologen Christian Heinrich Behm.

Aus der Ehe von Jobst Henrich Gundelach und Elisabeth Juliane Sophia Behm gingen zahlreiche Kinder hervor.

Der 1662 in Bodenwerder geborene Christian Heinrich Behm avancierte 1711 in Holzminden zum Generalsuperintendenten des Weserdistrikts und war von 1712 bis zu seinem Tod 1740 fürstlich-braunschweigischer Abt des Klosters Amelungsborn.

Jobst Henrich Gundelach verließ später samt seiner Familie für immer das Hellental und wurde herzoglicher Amtmann in Lichtenberg bei Salzgitter, wo er 1740 verstarb – im gleichen Jahr wie sein Schwiegervater.

 

Von der "Hölthal Glas Hütte" zur planmäßigen Anlage der "Dorfschaft Hellenthal"

Die "Steinbeker Glashütte" hat insofern regionale glashistorische Bedeutung, als sie den produktionstechnischen Übergang von der mittelalterlich geprägten Waldglashüttenzeit zur vorindustriellen Produktionsweise in Manufakturen mit dauerhafter Glashüttenansiedlung markiert.

Wahrscheinlich holzwirtschaftlich bedingt, wurde nach über zwei Jahrzehnte währendem Betrieb die Glashütte im Hellental stillgelegt.

1743 erwarb der Braunschweiger Staat brauchbare Teile der Hüttenanlage und verbrachte sie an den nahen "Schorbornsteich" im Solling.

Dort ließ 1744 Herzog Carl I. (1713-1780) - ganz im Geiste des Merkantilismus – die bedeutende „Fürstlich-Braunschweigisch-Lüneburgische Hohl- und Tafelglashütte“ errichten, die bis 1842 betrieben wurde.

Ab den 1750er Jahren wurde siedlungstypisch für die vorindustrielle Epoche die "Colonie im Hellenthal" durch staatlich geförderte Arbeitsmigration unter Herzog Carl I. – im Zusammenwirken mit seinem Hofjägermeister Johann Georg von Langen (1699-1776) - planmäßig "um die Quelle" angelegt und in den Folgejahren systematisch zum Landhandwerker- unf Waldarbeiterdorf Hellental ausgebaut.