Töpferlehre im Pottland 1885-1889

Klaus A.E. Weber

 

Die Geschichte der Keramik ist lang und immer auch eine Geschichte von ästhetischen und technischen Veränderungen.“ [1]

 

Röhrenkanne │ Duinger Steinzueg │ 18. Jahrhundert

Töpfermuseum Duingen

© HGV-HHM, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Über 850-jährige Töpfertradition zwischen Weser & Leine

Einst gab es in der Töpferregion - dem Pottland - zwischen Duingen, Springe und Bad Münder überproportional viele Dörfer, die Jahrhunderte lang große Mengen an Keramik für den Export produzierten.

Einen umfassenden Überblick der landesgeschichtlich bedeutsamen, facettenreichen Geschichte des Pottlandes mit seiner 850-jährigen Tradition des Töpferhandwerks zwischen Weser und Leine liefert das Katalogbuch zur Ausstellung „Aus dem Pottland in die Welt“ im Jahr 2012.

Dabei gilt Duingen als der größte Töpferort dieser Region, die wegen ihrer umfangreichen Keramikproduktion „Pottland“ genannt wurde (Töpfermuseum Duingen) - eine landesgeschichtlich bedeutende Region mit über 850-jähriger Töpfertradition zwischen Weser und Leine.

Hier entwickelte sich seit dem Mittelalter ein Zentrum der Steinzeugproduktion in Deutschland, das bis zum Ende des 19. Jahrhunderts bestand.

Der Hellentaler Junge Carl Heinrich August Bröseke wird Ende des 19. Jahrhunderts Töpfergeselle im großen Töpferort Duingen,


Coppenbrügge │ 2012

© HGV-HHM, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Heinrich Bröseke - Hellental ⎸Duingen

Duingen gilt historisch als der größte Töpferort der Region zwischen Oberweser und Leine, die wegen ihrer umfangreichen Keramikproduktion „Pottland“ genannt wurde.

Hier entwickelte sich seit dem Mittelalter ein Zentrum der Steinzeugproduktion in Deutschland, das bis zum Ende des 19. Jahrhunderts bestand.[3][6]

 

 

Kiepe mit Töpferwaren │ Verzierter Sauerkohltopf

Töpfermuseum Duingen

© HGV-HHM, Fotos: Klaus A.E. Weber


Heinrich August Bröseke als Töpfergeselle in Duingen 1885-1889

Im Solling am 01. März 1877 in Hellental als jüngstes von fünf Kindern in einer Waldarbeiterfamilie geboren, kam Carl Heinrich August Bröseke  zur Welt als dessen 31-jähriger Vater nur wenige Monate zuvor in Hellental verstorben war.[4]

Als achtjähriger Junge ging er nach Duingen, wo er von Ostern 1885 bis Ostern 1889 die Töpferlehre beim dortigen Töpfermeister Fritz Albrecht absolvierte.

Dem 12-jährigen Heinrich August Bröseke wurde die Töpfergesellen-Bescheinigung des Vorstandes und Gesellenausschusses der Duingener Töpferinnung am 01. Mai 1889 ausgestellt [2][5]:

 

Töpfermuseum Duingen

© HGV-HHM, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Die Unterzeichneten

bescheinigen hierdurch

daß Heinrich Bröseke ge-

bürtig aus Hellenthal.

durch vier nach einan-

der folgende Jahre von

Ostern 1885 bis Ostern 1889

bei dem Töpfermeister

Fritz Albrecht senior in

der Lehre gestanden

und sich derselbe gut

geführt und die Bewei-

se seiner erlangten

Geschicklichkeit gegeben

hat, so daß wir densel-

ben als Töpfergesell an-

nehmen und empfeh-

len können.

 

Der Töpferinnungs-Vorstand

Duingen, den 1 Mai 1889

Wilh[elm] Horenkohl

Gottfried Becker

Gottfried Lampe

 

Gesellen Ausschuß

Fritz Hennecke

H[einrich] Witte

 

Die allgemeine Schulpflicht erfüllte der 14-jährige Heinrich August Bröseke an der Volksschule in Duingen Ostern 1891 [2]:

Karl Heinrich August Bröseker geb. 1. März 1877

zu Hellenthal

hat zu Ostern 1891 seine Schulpflicht

an hiesiger Volksschule genügt.

D, 2.12. III. 91.    A. Ha(… ?)

 

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[1] „Langenthal liegt in Tschechien“: Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 27. November 2020 von dem Kulturvermittler Bernhard Graf.

[2] Archiv Töpfermuseum Duingen │ Ausstellung „Aus dem Pottland in die Welt“ 2012.

[3] LEIBER, CHRISTIAN (Hg.): Aus dem Pottland in die Welt. Eine historische Töpferregion zwischen Weser und Leine. Holzminden 2012.

[4] Sohn des Hellentaler Waldarbeiters Georg Karl Heinrich Bröseker (* 14.01.1846 – † 22.01.1877) und seiner Ehefrau Hanna Louise Caroline Büchse (* 07.07.1843) aus Merxhausen.

[5] Originaldokument: Archiv des Töpfermuseums Duingen (2012).

[6] Begleitschrift zur Wanderausstellung des Töpfermuseums Duingen (2005): Kannen/Kruken/Kiepenkerle - Duinger Geschirr für europäische Haushalte.