Merxhausen

Klaus A.E. Weber

 

1168/1268 - Spätmittelalterliches bäuerliches "Dörp undern Sollige"


 

Am nordöstlichen Rand des Naturparks Solling-Vogler gelegen, erstreckt sich vom Nordwesten nach Südosten die mittelalterliche Dorfanlage von Merxhausen - mit Ober- und Unterdorf.

Die erste schriftliche Erwähnung des Grenzortes ist in der Nennung eines "Wastmodus de Merkeshusen" im Jahre 1268 hinreichend sicher überliefert.[8][9]

Das alte bäuerliche Kapellendorf "Merxhusen" befindet sich an der alten „Sollingstraße“ - ehemalige Handel- und Heeresstraße - von Holzminden nach Einbeck (heute entlang der Landesstraße 580).

Der noch als geschlossen imponierende Ortskern des alten Haufendorfes - mit seinen ortstypischen Fachwerkhäusern - wird an seiner nördlichen Flanke überragt vom prominenten Heukenberg, der zur Mitte des 16. Jahrhunderts als "Harkensberge" oder "Henkenberge" bezeichnet wurde, Mitte des 18. Jahrhunderts als "Heidenberg".[1]

 

"Merxhausen (Braunschweig) bei Dassel Kreis Einbeck"

Grußpostkarte [11]

 

Das heutige Dorf Merxhausen gilt von den drei Ortsteilen der Gemeinde Heinade gemeinhin als die älteste Ansiedlung, deutet doch die Endung "–hausen" auf eine (Neu-)Ansiedlung in der Zeitspanne zwischen dem 5.-8. Jahrhundert hin.

Um 1600 trägt die dörflich geschlossene Siedlung nachweislich den Namen "Marckshusen" (Haus - niederdeutsch: -husen, hochdeutsch –hausen).

Hierzu ist anzumerken, dass mit "–husen" gebildete Ortsnamen in Südniedersachsen eine namenstypische Häufung aufweisen.

In diesem östlichen Bereich des Weserberglandes stießen vormals die Grenzen der drei Bistümer Hildesheim, Mainz und Paderborn zusammen.

Ursprünglich gehörte Merxhausen wahrscheinlich zum Bistum Mainz bzw. zur Herrschaft Everstein, später zum Amt Fürstenberg und seit 1649 zu dem davon abgetrennten Amt Allersheim.[2]

Um 1890 sind die Post sowie die Kalkbrennerei besonders ortshistorische erwähnenswert.[3]

Von Bewohnern umliegender Dörfer wird das "Dörp under Sollige" noch heute gerne „Klein Berlin“ genannt, nachweislich bereits auch um 1935.[4]

Dieser beliebte Spitzname ist nach HENZE/LILGE [6] möglicherweise darauf zurückzuführen, dass sich durch die weitläufigen Handelbeziehungen im Leinengewerbe in Merxhausen „gewisse Umgangsformen“ entwickelten, die „den biederen Sollingern aber höchst befremdlich vorkamen“.

Da für Merxhausen bislang keine umfassenden ortschronistischen Aufzeichnungen oder gar eine Ortschronik erstellt wurden, blieb bislang vieles der wechselvollen Dorfgeschichte weitgehend unerforscht, unbekannt und Spekulationen überlassen.

Eine besondere ortsgeschichtliche Bedeutung haben die

aber auch anderen, ortsgeschichtlich wesentlichen Themenbereichen zukommen.

Eine eigens zum Einzug des Braunschweiger Herzogs Friedrich Wilhelm (1771-1815) um 1814 in Merxhausen angefertigte Fahne befand sich um 1907 im „Vaterländischen Museum“ zu Braunschweig.[5]

Anlässlich seines Besuches „im Kreise Holzminden“ im Juni 1909 besuchte „Sr. Hoheit der Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, Regent des Herzogtums Braunschweig“ auch Merxhausen.

Die nahe von Merxhausen gelegene, heutige Kreisgrenze zwischen den beiden Landkreisen Holzminden und Northeim war bis zum 01. August 1941 zugleich auch Landesgrenze zwischen Braunschweig und der preußischen Provinz Hannover.

Die Selbstverwaltung als eigenständige Gemeinde im Landkreis Holzminden endete für Merxhausen am 31. Dezember 1972 durch den Zusammenschluss mit Hellental zur heutigen Gemeinde Heinade.

Der als geschlossen imponierende Ortskern des spätmittelalterlichen bäuerlichen Haufendorfs - mit vielen zeittypischen Fachwerkhäusern - wird an seiner nördlichen Flanke überragt vom naturgeschützten Heukenberg - vergleichende Dorf-Fotografien (1886 und heute) in "Zeitreise in den braunschweigischen Weserdistrikt.[10]

Zahlreiche der ursprünglichen Fachwerkhäuser (alte „Einhäuser“) sind teils bis heute erhalten geblieben.

Das älteste Fachwerkhaus stammt aus dem Jahr 1704.

 


 

Hausreihe im alten Dorfkern [7]

 

Es klapperten die Mühlen am Spüligbach

Wie für die Berglandschaft des Sollings und seiner vorgelagerten Landschaften typisch, so waren auch in und um Merxhausen am Spüligbach Wassermühlen vorherrschend.

Angetrieben vom Wasser des Spüligbachs wurden um 1780 drei Mühlen betrieben - zwei Getreidemühlen und eine Papiermühle.


Die drei Mühlenanlagen sind noch heute als kulturhistorisch bedeutende Bauwerke des Dorfes weitgehend erhalten.

Sie verdeutlichen zugleich, dass Mühlengebäude auch als Repräsentationsbauten errichtet wurden.

 

Leinengewerbe & die Familie Rothschild

Merxhausen erlebte während der norddeutschen Blütezeit des Leinenhandels im 18. Jahrhundert seine „größte Zeit”.

Abraham Joseph Rothschild, 1772 in Merxhausen geboren, eröffnete 1808 im Dorf einen einträglichen Leinenhandel mit eigenem Warenlager für Garne und Leinenstoffe.

 

 

Fotografie: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental

Luftbildaufnahme: „Die Eule“, Zeitung in Einbeck - mit freundlicher Genehmigung 2016.

 


[1] ANDERS 2004, S. 20.

[2] ANDERS 2004, S. 15; RAULS 1983, S. 22 f., 50.

[3] KNOLL/BODE 1891, S. 395.

[4] aus dem mundartsprachlichen Zeitungsartikel „Im Blauen Engel to Brunswiek“, Fragment aus einer unbekannten Zeitung, datiert 1935.

[5] STEINACKER 1907, S. 190; Presseartikel von G. Sch.: Merxhausen wollte der Teufel behalten. Eine heimatgeschichtliche Plauderei über das schöne Sollingdorf Merxhausen (Name der Zeitung und Erscheinungsdatum sind unbekannt).

[6] HENZE/LILGE 1989, S. 144 f.

[7] Bleistiftzeichnung von A. Reihe(?), Ortsarchiv HGV-HHM Heinade.

[8] CASEMIR/OHAINSKI im Ortsnamenbuch Landkreis Holzminden aus dem Jahr 2007, S. 156-157.

[9] Festvortrag von Frau Dr. Gudrun Pischke vom Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Göttingen und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Südniedersächsische Heimatforschung am 24. April 2018 im Gasthaus Grenzkrug bei Merxhausen.

[10] HGV HOLZMINDEN 2018, S. 132-133.

[11] Ortsarchiv HGV-HHM in Heinade.

[27] STEINACKER 1907, S. 191.

[28] Urkunde des Wolfenbüttelschen Consistoriums.

[29] Braunschweigische Anzeigen, März 1829, 18. Stück, 889.

[30] Braunschweigische Anzeigen, Januar 1899.

[31] 40 cm hoher Kronleuchter mit 6 erneuerten Armen und Doppeladler; zwei 27 cm hohe Altarleuchter mit breitem rundem Fuss mit Teller, Schaft im Durchschnitt vierpassig, neuer Lichtteller.

[32] Braunschweigische Anzeigen, Januar 1899.

[33] Presseartikel von G. Sch.: Merxhausen wollte der Teufel behalten. Eine heimatgeschichtliche Plauderei über das schöne Sollingdorf Merxhausen (Name der Zeitung und Erscheinungsdatum sind unbekannt).