Glashistorische Epochen & Regionen

Klaus A.E. Weber

 

Epochenvitrinen ❶ - ❽

Entwicklungen des Kulturproduktes & Luxusgutes Glas zwischen Orient & Okzident

Sechs Epochenvitrinen geben einen kompakten Einblick in die Welt der Glasgestaltung von den antiken Hochkulturen des Mittelmeerraumes bis zur Moderne - von der Entwicklung der antiken Keramikglasur über einfache Waldgläser, venezianische Gestaltungen bis hin zum industriellen Massenprodukt

"Die Geschichte der Glaskunst - von ihren Anfängen ungefähr vor 1.500 Jahren v. Chr. bis heute - verläuft in Wellenbewegungen, bei denen sich Phasen aufsehenerregender Errungenschaften mit Zeiten der Stagnation ablösen." [5]

 

Naturglas⎹ Gebrauchsglas⎹ Kostbares Luxusglas⎹ Kreativtechnisches Glas - Zeitreise über die vorrömische Antike bis hin zur Moderne

Die intensionelle Herstellung von Glas mit künstlerischer Glasgestaltung erfolgt nicht zufällig - mit Ausnahme des Obsidians, einem natürlich vorkommenden vulkanischen Gesteinsglas.

Als Unikate oder Kleinserien waren Schenk- und Trinkgläser - wie Weingläser - bis zum 19. Jahrhundert ein kostbares Luxusgut.

 

Grundsätzlich kann bei handwerklichen Gläsern und deren Analyse unterschieden werden nach

  • der chemischen Zusammensetzung

  • Zeitstellung (Epoche) ⎸Ort der Herkunft (Provenienz)

  • der Art und dem Umfang der lokalen Glasverarbeitung

  • Form- und Farbgebung ⎸Dekorgestaltung

  • den Rohglasquellen

  • den angewendeten Glasrezepturen

  • der technischen Erzeugung ⎸den im Glasmacherhandwerk unterschiedlichen Kenntnissen und Fertigkeiten bei der Glasherstellung

  • wirtschaftlicher, sozialer, modischer und künstlerisch-kreativer Verwendung

  • den Werkstatttraditionen in der Glasmalerei

 

Je nach handwerklicher Technik und Tradition wird der vielseitig verwendbare Werkstoff Glas

  • geblasen

  • gegossen

  • geschliffen

  • geätzt

  • lüstriert

  • überfangen

  • eingefärbt

  • mit anderen Materialien  ⎸Zuschlagstoffen kombiniert

 

Präsentation von originalen & nachgebildeten gläsener Trink-, Schenk- & Vorratsgefäßen

Der vorherrschende Geschmack der Epoche wie auch die technischen Möglichkeiten der jeweiligen Entstehungszeit prägten die Glasform, die Glasfärbung oder die Stärke der Glaswandungen.

In den Epochenvitrinen ausgestellte historische Trink-, Schenk- und Aufbewahrungsgläser zeigen, welche Unterschiede bestehen

  • in der Zeitstellung

  • in der Provenienz

  • in der technischen Erzeugung

  • in der Form- und Farbgebung

  • im Dekor

  • in der wirtschaftlichen und modischen Verwendung.

 

❶  Obsidian - Das „Gold der Steinzeit“

Bereits vor etwa 60 Millionen Jahren hat sich auf der der Erde Naturglas = Obsidian aus Sand, Soda und Kalk bei Vulkanausbrüchen oder Meteoriteneinschlägen gebildet und diente in der Stein- und Bronzezeit als wichtiges Rohmaterial für die Herstellung von Werkzeugen, Waffen und Schmuck, aber auch geheimnisumwittert für kultische Zwecke.[19]

 

Blick von Westen (September 2016) auf den 3.718 m hohen Schichtvulkan „Pico del Teide“ auf Teneriffa

Höchster Berg der Kanaren & Spaniens │ dritthöchster Inselvulkan der Erde

 

Blick von Süden (März 2019) auf den 3.348 m hohen Gipfel des Stratovulkans Ätna mit seinen vier Gipfelkratern auf Sizilien

Höchster aktiver Vulkan Europas

 

Naturglas (vulkanisches Glas) des feuerspuckenden Gottes Guayote & des in seiner Schmiedewerkstatt wütenden Hephaistos

Der in der Caldera de las Cañadas - einem vulkanischen Einsturzkessel des des 3.718 m hohen Berggiganten „Pico del Teide“ auf Teneriffa – und bei den vier aktiven Gipfelkratern des Feuerbergs "Mama Ätna" (Etna - „mungibeddu“) als "Höllenschlund des Mittelmeers" auf Sizilien vorkommende Obsidian ist ein natürliches, vulkanisches Gesteinsglas.

Das amorphe Gefüge des aus Feuer geborenen Obsidians entsteht bei rascher Abkühlung von eruptiertem Magma (Lava), wobei es nicht zur Ausbildung regelmäßiger Kristallstrukturen in der Silikatschmelze kommt (Kieselsäure).

Guanchen-Kultur auf Teneriffa

In einer Art steinzeitlicher Kultur in Höhlenwohnungen oder halb-unterirdischen Siedlungen lebend, nutzte die Guanchen-Kultur das Naturglas zur Waffen- und Werkzeugherstellung.

 

Tongefäß mit Tülle - Vasija Cultura Guanche, siglo VIII a. e - XV d. e

Museo de la Naturaleza y el Hombre - Santa Cruz de Tenerife (2016)

 

Die als stolz geltenden Ureinwohner der größten kanarischen Insel entwickelten sich isoliert – als „Steinzeitmenschen mit Niveau“ mit einer einfachen Hirten- und Bauernkultur.

In mehreren Einwanderungswellen wurden die kanarische Inselgruppe zwischen 800-500 v. Chr. besiedelt.

Die Kanaren werden bei dem römischen Historiker und Schriftsteller Gaius Plinius Secundus Maior (Plinius der Ältere) in seinem um 77-78 n. Chr. entstandenen enzyklopädischen Werk "Naturalis Historia" erwähnt.

Im 14./15 Jahrhundert bemächtigten sich Europäer der kanarischen Inseln und damit der altkanarischen Bevölkerung; Spanier eroberten Teneriffa in den Jahren 1494-1496.

Wegen des scharfkantigen Bruches und glasigen Gefüges eignete sich das  Vulkanglasstein Obsidian insbesondere zur Herstellung von Schneidewerkzeugen (prähistorische, steinzeitliche Steinmesser).

 

Prähistorische Obsidian-Werkzeuge der Guanchen-Kultur auf der kanarischen Insel Teneriffa

Museo de la Naturaleza y el Hombre - Santa Cruz de Tenerife (2016)

 

Technologie der Steinzeit - im bronzezeitlichen Helladikum in der Ägäis [14]

Vor der Frühen Bronzezeit (vor ca. 3.000-2.000 v. Chr.) wurden auf dem griechischen Festland im Frühhelladikum oft Klingen aus Obsidian angefertigt.[12]

So konnten auf der Insel Ägina in einem Schachtgrab am Stadttor der früh- bis mittelhelladischen Siedlung Kolonna Waffen aus Bronze und Obsidian archäologisch nachgewiesen werden.[13]

 

Zum Vergleich: „Stahl der Steinzeit“ – Flint (Feuerstein)

Prähistorisch von einem Feuersteinkern abgetrennte Pfeil- und Speerspitzen bestanden nahezu ausschließlich aus dem „Glasbildner“ Siliziumdioxid (SiO2).


 

❷  16.-12. Jh. │ 8.-1. Jh. v. Chr.

      Entstehung & Verbreitung der Glaskunst in der Spätbronzezeit

 

  • Geformtes Hohlglas entstand im 4.-1. Jh. v. Chr.
  • Echt (optisch) geblasene Gefäße ab Mitte ⎸2. Hälfte 1. Jh. v. Chr.

 

Rohglasherstellung & Glasverarbeitung

In den Antiken Kulturen sind die Ursprünge der Glasgestaltung in den frühen Glaszentren der Ostmittelmeerregion im alten Orient zu finden, danach in der Ägäis als Handelsraum.

Wahrscheinlich wurde um die Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. in Mesopotamien erstmals Glas verarbeitet.

Mesopotamien Ägypten ⎸ florierende Küstenstädte der LevanteSyrien 

   Kreta  ⎸ Griechisches Festland (Mykene)  ⎸ Etrurien

Intentionell waren die antike Glasherstellung und Glasverarbeitung mit Herstellung eigener Gefäße aus Glas getrennte Technologien und Techniken.

Zunächst wurde in den Glaszentren - wie in Städten der levantinischen Küste ⎸Phönikien ⎸Syrien [4][6][11] - Rohglas erzeugt aus

  • Quarzsand ⎸Kieselsäure ⦋Wüste ⎸Flussablagerungen⦌Quarzsand ⦋Wüste ⎸Flussablagerungen⦌

  • Natron ⎸Trona (= Salzgestein) ⦋in Ägypten Seeufer des Wadi-El-Natrun ⎸Asche meeresküstennaher Strandpflanzen⦌Natron ⦋Seeufer des Wadi-El-Natrun ⎸Asche meeresküstennaher Strandpflanzen⦌

  • Kalk ⦋kalkhaltige Pflanzenasche ⎸Muschelsplitter⦌

 

Mesopotamien & Ägypten

Wie die bisherigen Untersuchungen ergeben, wurde Glas zunächst in Vorderasien und dann in Ägypten hergestellt, wie dies archäologische Glasfunde aus ägyptischen Gräbern wie auch Glasofenreste aus der Zeit um 2000 v. Chr. belegen.[11]

Ausgehend von Mesopotamien und Ägypten breitet sich das Kunsthandwerk des Glasmachens wahrscheinlich über das ägyptische Alexandria in den Mittelmeerraum aus - Ägäis (Cypern, Kreta) ⎸griechisches Festland ⎸Etrurien.

Wurde Glas zunächst nur als Schmuck verarbeitet, so sind erste Glasgefäße für die Zeit seit Mitte des zweiten Jahrhunderts v. Chr. überliefert.

Neben Zentren des syrischen Raumes entwickelt sich in der Antike die ägyptische Stadt Alexandria zu einem Zentrum der Glasherstellung.

 

Ägyptische Glas-Herstellung um 1500 v. Chr.

Ein Zwischenprodukt bei der Herstellung von Glas war die Glasfritte.

Als direkter Rohstoff für die Glasschmelze wurde sie auf Holzfeuer in kleineren, muldenförmigen Tonpfannen (Schmelztiegel) erzeugt.

In Ägypten entstanden um 1450 v. Chr. unter Thutmosis III. (~ 1486-1425 v. Chr.) im Neuen Reich, 18. Dynastie, erste datierbare Glasgefäße.

 

Altägyptische Papyri (Replikate): Königliche Szenen mit der Atonscheibe, 18. Dynastie

Pharao Echnaton (Amenophis IV., 1332-1323 v. Chr.) mit seiner "Großen königlichen Gemahlin" Nofretete und einer seiner Töchter bei der Verehrung des Gottes Aton [17]

Anchesenamun salbt ihren auf dem Thron sitzenden Gemahl Pharao Tutanchamun │ Doppelkrone als Königssymbol und Atonscheibe [18]

 

Perlenformen als Glasschmuck

Glastechnik der Perlenformung zur Zeit der Neferet-iti, der „Großen königlichen Gemahlin“ des Pharaos Echnaton (Amenophis IV., 18. Dynastie) im Neuen Reich im alten Ägypten ⎸14. Jh. v. Chr.

 

Kerngeformtes Glas

In vorrömischer Zeit wurden kleine kerngeformte Gläser in vier typischen, mediterranen Grundformen als kostbares Handelsgut hergestellt:

Hierfür wurde ein fester, tonhaltiger Kern (für den späteren Hohlraum des Gefäßes) vermutlich um das Ende eines Haltestabes geformt und mit zähflüssiger Glasmasse überzogen.

Danach konnten verschiedenfarbige Glasfäden auf das zumeist dunkelbaue Glasgefäß aufgelegt werden.

Nach dem Erkalten der Glasmasse wurde der mürbe Keramikkern gelockert und ausgekratzt.

 

Antiker Glashandel über die Routen mediterraner Seewege

Durch seine Feinheit und Farbe, aber auch durch seine Zerbrechlickeit wurde das Luxusgut Glas zu einer begehrten Handelware.

Die Etrusker unterhielten vom 10. bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. im Mittelmeerraum zahlreiche Seeverkehrswege mit Handelsbeziehungen.

Neben Wein und Öl importierten sie auch (Roh-)Glas und dessen Herstellungskunst aus den Zentren früher Glaserzeugung im östlichen Mittelmeerraum.

Später kamen römische Glasimporte zunächst bis in das antike Italien, wo erste Glashütten entstanden.

Von dort aus gelangte im Imperium Romanum das Glasmacherhandwerk in die römischen Provinzen, vor allem auch in die niedergermanische Provinz  und somit in das Rheinland (CCAA│antikes Köln).

 

Etrusker & Glas

Die Kultur der Etrusker - antikes Volks in Etrurien im nördlichen Mittelitalien - beginnt um 800 v. Chr., nachweisbar bis zur zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr.

Ab 40 v. Chr. begann die endgültige Romanisierung Etruriens.

Die Etrusker [4] brachten Glas von Ägypten wie auch dessen Herstellungskunst nach Italien, wo erste römische Glashütten entstanden.

Von dort aus gelangte es später in die römischen Provinzen, so vor allem auch in das Rheinland.

Als wichtige politische Kraft unterhielten Etrusker in Mittelitalien vom 10. bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. im Mittelmeerraum zahlreiche See- und Landverkehrswege mit Handelsbeziehungen, wobei sie auch Glas importierten oder indigen herstellten.

 

Kantharos – Etrusker  ⎸ Griechen  ⎸ Römer

Als elegantes Trinkgefäß ist der Kantharos charakterisiert mit an der Lippe ansetzenden, gegenüberliegenden, bis weit über den Becherrand hochgezogenen Schlaufenhenkeln - meist als Weingefäß benutzt; daher häufig verwendetes Attribut des Dionysos (dionysischer Götterkult), wobei die Kantharoi als eine Leitform etruskischer Keramik gelten.

 

❸    1. Jh. v. Chr. – 5. Jh. n. Chr.

        Schöpferische Glaskunst im Römischen Reich

Den Aufstieg Roms zur führenden Macht der antiken Welt begleitete ein ungeahnter Aufschwung der Glasherstellung im Mittelmeerraum.

Als eine der schöpferischsten Perioden der Glasgeschichte und als absolutes Vorbild für alle folgenden Blütezeiten gilt die römische Epoche - mit ihrer Formenvielfalt und ihrem Verzierungsreichtum an frei geblasenem und geformtem Glas.

Glasgefäße wurden zur Handelsware und zum Zeugnis der Überlegenheit der römischen gegenüber der barbarischen Kultur.

 

Vom zerbrechlichen Luxus mit Prunk- und Ziergefäßen zur Massenware des täglichen Gebrauchs im Haushalt

Soda-Kalk-Glas war im Imperium Romanum einerseits ein „zerbrechlicher Luxus“ mit Prunkstücken, andererseits aber auch eine Massenware für den täglichen Gebrauch in römischen Haushalten.

Glasimporte aus der Zeit um Christi Geburt - als kostbares mediterranes Handelsgut  aus Syrien in das Römische Reich bis in die niedergermanische Provinz importiert.

Blüte der Glaserzeugung in römischen Provinzen - wie in den Glaswerkstätten der Koloniestadt "Colonia Claudia Ara Agrippinensium" (CCAA, Köln) - infolge der glastechnischen Revolution durch die Glasmacher Pfeife

  • Glas formen mit der Glasmacherpfeife: Folgenreiche technische Neuerung um 50 v. Chr. in der römischen Provinz Syrien - Beginn der manuellen Herstellung von Hohlglas im engeren Sinne – mit Übergang von dickwandigen zu feinen, dünnwandigen Glasgefäßen. Die aus einem längeren, hohlen Metallrohr bestehende Glasmacherpfeife ermöglichte durch das Mundblasverfahren gläserne Kugelhohlformen zu erzeugen. Erstmals war dadurch eine große Gefäßvariabilität für unterschiedliche Verwendungszwecke möglich.

Die Glaskunst der Römer blieb für alle folgenden Blütezeiten das absolute Vorbild.[1]

 

CCAA (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) – Das römische Köln, ein Zentrum antiker Glaskunst

Querschnitt durch tausend Jahre antiker Kunst der Herstellung des zerbrechlichen wie kostbaren Gutes

Das Römisch-Germanische Museum Köln besitzt weltweit die größte Sammlung an

  •   römischem Glas des 1. bis 4. Jahrhunderts

  •   fränkischem Glas,

darunter eine große Zahl römischer Luxusgläser, wie in Form geblasene Figurengefäße, Schlangenfadengläser, Schliffgläser und Diatrete.

 

 

Knapp 5 cm großes, gegossenes Miniaturporträt des römischen Kaisers Augustus [7][22]

Massiver dunkler Kern aus kristallisierter Fritte mit opak türkisgrün überfangenem Glas, wohl ursprünglich in eine Statuette eingesetzt

Frühes 1. Jh. n. Chr. (27 v. Chr.)  ⎸ Replikat im MiB

Römisch-Germanisches Museum Köln

 

∎ Ziegelplatte einer Hypokaustanlage

Im Schutze des Limes bestand bei Hummetroth im vorderen Odenwald die römische Villa Rustica „Haselburg“ um 130 – vor 260 n. Chr.

Es ist ein repräsentativer Gutshof (3,5 ha) eines Mitglieds der provinzialen Oberschicht - mit Herrenhaus, Portikus, Wirtschaftsgebäuden, großzügigem Badetrakt & Jupitergigantensäule.

Zudem wurden auch Bruchstücke von Glasscheiben und Glasgefäßen gefunden.

 

❹   6.-15. Jahrhundert

       Epoche einer hochentwickelten Glaskunst im Mittelalter

Die hochstehende mittelalterliche Glaskunst im islamischen Kulturkreis war beim Formenreichtum wie bei der Vielfalt der Veredelungstechniken der antiken römischen Glaskunst ebenbürtig.

Glasbecher mit Schlaufenfadendekor zählen zu den besten Leistungen des hoch-mittelalterlichen Glasmacherhandwerks.

Hochwertig dekorierte Gefäße des 13./14.Jahrhunderts aus syrischen Zentren waren ein wesentlicher Anknüpfungspunkt für die westliche Glaskultur in Europa , wobei Venedig als führende mediterrane Handelsmacht das Erbe der syrischen Glaskunst antrat.

Unterlag in Italien und in den Ländern nördlich der Alpen die Glasgestaltung des 13. Jahrhunderts zunächst noch islamischen Einflüssen, so entwickelte sich mit einem technologischen Wandel hier eine eigene, bodenständige Glaskunst.

Dabei wandelten sich Glasgefäße zunehmend vom Luxusgut zur Gebrauchsware des täglichen Lebens - meist in Waldgebieten deutscher Mittelgebirge hergestelltes Waldglas mit kräftigen Grüntönen, gebrauchstüchtiger Wandungsstärke und kräftigen Nuppen für einen sicheren Griff.

Im frühen Mittelalter waren Glasgefäße ausgesprochene Luxusartikel.

Fränkische Glashütten der Merowinger Zeit führten die spätantiken römischen Formen- und Handwerkstraditionen weiter – mit reduziertem Formenspektrum und eher einfachen, qualitätsgeminderten Trinkgläsern.

  • Sonderform: der ästhetisch wie technisch anspruchsvolle „Rüsselbecher“

 

Nördlich der Alpen kam es zu einem technologischen Wandel mit eigenständigem Glasmacherhandwerk.

  • Holzasche-Glas  ⎸Holzasche-Kalk-Glas  ⎸Blei-Silikat-Glas

  • Kalium-betontes Glas in dezentralisierten Waldglashütten

 

Mit dem Niedergang des Römischen Reiches begann vermutlich ein allmähliches Absinken der Glaskunst, welches etwa im 8. Jahrhundert den Tiefstand erreicht haben soll.

Im Mittelalter der Romanik erlebte Glas eine erneute Blütezeit mit den Glasherstellungszentren der Klöster.

Diese fertigten auch das Flachglas für die prächtig gestalteten Kirchenfenster.

Während des 12. und 13. Jahrhunderts entstanden in den waldreichen Gebieten neben den Kloster-Glashütten auch erste Waldglashütten.

Vom 9.–12. Jahrhundert war die Glaserzeugung fast ausnahmslos an die Klöster gebunden, die über die technologischen Glaskenntnisse der späten Antike verfügten.

In klösterlichen Werkstätten wurde unter anderem Flachglas für Kirchenfenster hergestellt.

Auch in mittelalterlichen Reichen im afrikanischen Kulturraum Nordnigerias finden sich Nachweise von Glasobjekten (farbige Glasperlen).[6]

 

Fränkischer Rüsselbecher ⎸"Merowinger-Trinkbecher"

4.-7. Jh. ⎸Replikat

 

Glaskultur im Fränkischen Reich - 5.-8. Jh. n. Chr.  ⎸ Grabbeigaben Merowingerzeit

Bei frühmittelalterlich abnehmendem Formenspektrum knüpft die Herstellung fränkischer Glaserzeugnisse an die bis in die römische Zeit zurückreichende Formen- und Handwerkstradition an, hebt sich aber qualitativ in Form und Dekor von ihnen ab.

∎ Rüsselbecher

orientiert an spätrömischen „Delphin-Bechern“ │ hohe glockenförmige Becher mit Scheibenfuß & aufwändigstem Dekor: ausgezogene hohle „Rüssel“, mit horizontaler Spiralfadenauflage ⎸ 4.-7. Jh.

 

Glaskultur der Karolinger  - 8.-10. Jh. n. Chr.

Während dieser frühmittelalterlichen Epoche war ein starker Rückgang der Hohlglasherstellung und des Hohlglas-absatzes zu verzeichnen, wofür der Klerus als kirchlicher Auftraggeber verantwortlich war.

Hohlglas durfte nicht für sakrale Zwecke genutzt werden, denn im 9. Jh. war nach einer Homili von Papst Leo IV. Glas als Werkstoff für Abendmahlskelche streng untersagt.

Zudem verbot die Kirche ausdrücklich Grabbeigaben, worunter sich zuvor einst viele Gläser befanden.

 

Hoch-/Spätmittelalter

Transalpin kam es im Hoch-/Spätmittelalter zu einem technologischen Wandel mit eigenständigem Glasmacherhandwerk:

• Holzasche-Glas ⎸Holzasche-Kalk-Glas ⎸Blei-Silikat-Glas

• Kalium-betontes Glas in dezentralisierten Waldglashütten („Waldglas“) - Transalpines Glas aus Kaliumcarbonat (Pottasche) in Waldglashütten

Hohlglas durfte im Frühmittelalter nicht für sakrale Zwecke genutzt werden.

Nach einer Homili von Papst Leo IV. (847-855) war Glas als Werkstoff für Abendmahlskelche streng untersagt; nur Flachglas für (Kirchen-)Fenster durfte hergestellt werden.

 

Herrschaft, Repräsentation & Frömmigkeit

Die mittelalterliche Epoche des 12./13. Jahrhunderts kennzeichneten Burgen, Ritter, Klöster und  Städte – sowie der europaweite Kultur- und Wissenstransfer.

Das "hölzerne Zeitalter" wurde während des Hoch- bis Spätmittelalters maßgeblich von Höfen, Weilern, Dörfern, Märkten, aufkommenden Städten, bemannten Burgen als Wehr- und Wohnbauten wie auch von Klöstern geprägt.

Ausgehend von Frankreich erfolgte etwa von der Mitte des 12. Jahrhunderts an der epochale „Aufbruch in die Gotik“.

Die Gotik erstreckte sich als Epoche europäischer Architektur und Kunst bis um 1500 - einhergehend mit technischen Innovationen.

Städtisches Leben und bürgerliches Selbstbewusstsein nahmen einen bislang nicht gekannten Aufschwung.

Städtewappen wurden zum Zeichen herrschaftlicher Stadtgründungen und Siegel das Hauptbeglaubigungsmittel der mittelalterlichen Urkunden.

Während Stadt- und Klostergründungen zu einem erhöhten Glasbedarf führten, deckten Töpferwaren den Geschirrbedarf ärmerer Haushalte ab.

 

Von der Kirche dominierte mittelalterliche Weltsicht - zur Zeit früher Waldglashütten im Hellental│Solling

Ebstorfer Weltkarte, um 1300 – Rundkarte mit der Stadt Braunschweig

Die ehemalige Originalkarte umfasste 30 zusammengenähte Pergamentblätter im Gesamtumfang von 3,58 x 3,56 m. Stark rekonstruierte Kopie der größten und inhaltsreichsten ‘mappa mundi‘ (Weltkarte) aus dem Mittelalter.

  • Klösterliche Weltchronik als Kreiskarte (= Erdscheibe) - mit lateinischen Begleittexten
  • Zeitgenössische Enzyklopädie der historischen, geografischen, theologischen und  mythologischen Weltauffassung

Die strichgetreue Nachbildung ersetzt das 1943 in Hannover verbrannte, 1830 in einer Abstellkammer teilbeschädigt aufgefundene Unikat, das wahrscheinlich aus dem Benediktinerinnenkloster Ebstorf im Klosterflecken Ebstorf inmitten der Lüneburger Heide stammte.

Als „Radkarte“ zählt die Weltkarte zum überlieferten Typus der T-Karten und ist im Sinne römischer Karten  als  Rundkarte nach Osten ausgerichtet („orientiert“), aufgegliedert in drei Erdteile: Afrika, Asien und Europa. Im religiösen und geografischen (Welt-)Mittelpunkt steht die Stadt Jerusalem, Heiligtum der christlichen Welt.

Isenheimer Altar, um 1512-1516 - Ein bedeutendes Meisterwerke der deutschen Tafelmalerei

Ursprünglich zeigte der von Mathis Gothart Nithart, genannt Grünewald (Würzburg, um 1475/1480 – Halle, 1528) und Niklaus von Hagenau (in Straßburg zwischen 1485 und 1526 tätig) gestaltete Retabel mit doppeltem, drehbarem Flügelpaar drei Bildfolgen, welche abhängig von Festtagen oder Liturgie den Gläubigen präsentiert wurden.

  • Tempera (Malfarbe) und Öl auf Lindenholztafeln sowie vollplastische Skulpturen und Basreliefs (Flachrelief) aus farbig gefasstem Lindenholz

Mit elf gemalten Tafeln und geschnitzten Figuren ist der Wandelaltar dem Heiligen Antonius, der Kindheit sowie der Passion Christi gewidmet.

Ehemals als Hauptaltar im Chor der Präzeptorei des Antoniterklosters Issenheim im Oberelsass dienend, ist der Altaraufsatz heute mit drei voneinander getrennten Schauseiten im Musée Unterlinden in Colmar aufgestellt

 

Glas als „Herrschaftsware“

Stadt- und Klostergründungen führten um 1200 n. Chr. zu einem erhöhten Bedarf an verschiedenen Glaswaren.

Aus Glas gefertigte Trink-, Schenk- und Vorratsgefäße waren im Mittelalter kostbare Gegenstände des gehobenen Bedarfs - als Luxusartikel nur vermögenden Haushalten vorbehalten.

 

Töpferwaren für „Minderbetuchte“

Im Mittelalter deckten keramische Erzeugnisse - Irdenware sowie Steinzeugprodukte - regionaler Töpfereien den alltäglichen Geschirrbedarf der zumeist ärmeren städtischen und ländlichen Haushalte: Vorrats-, Trink-, Schenk-, Koch- und Vorratsgefäße.

 

Schmuck- & Gebrauchsglas im wikingerzeitlichen Haithabu (Schlei) - 8.-11. Jh. n. Chr.

Auch die Herstellung und Bearbeitung von Glas hatte für die frühmittelalterliche Siedlung Haithabu (heute archäologisches Bodendenkmal in Schleswig-Holstein) eine besondere Bedeutung als nordeuropäischer Handelsort.

Frühmittelalterlich an der westlichen Ostsee am Haddebeyer Noor gegründet, gilt die frühurbane Ansiedlung mit Hafenbereich als bedeutsamer zentraler Umschlagsplatz im Warenverkehr zwischen Mitteleuropa und Rohstoffmärkten Nord- und Osteuropas.

Dabei lässt sich sowohl der Import als auch die lokale Herstellung und Verarbeitung von Glas auf qualitativ hohem Niveau nachweisen. 

Glasperlen als Halsschmuck waren im 9.-10. Jahrhundert ein fester Bestandteil wikingerzeitlicher Frauentracht, zugleich auch Zahlungsmittel, 


Glasperlen als wikingerzeitlicher Halsschmuck & zugleich auch Zahlungsmittel, 9.-10. Jh. ⎸Replikate

 

Technologischer Wandel mit eigenständiger Glasherstellung in Europa

„Spitze des Möglichen“ - Mediterranes Glas aus Natriumcarbonat (Soda) in Italien/Venedig-Murano

 

Ausschnitt aus einem historischen Glasfenster │ Replikat (2007)

 

Glasmalerei

Gotisches Bildfenster

Ausschnitt aus einem gemalten, historischen Glasfenster einer Kölner Kirche (Kunsthandwerkliches Replikat) der Staatlichen Glasfachschule Rheinbach

 

  16.-17. Jahrhundert

       Glaskunst der Frühen Neuzeit │ Renaissance

Kulturgeschichtliche Epoche der Renaissance - Der „Zeitenwende“

Zeit des Umbruchs vom Mittelalter zur Neuzeit: Die Pest veränderte die Welt und den Menschen selbst mit tiefer Beeinflussung des Lebensgefühls wie auch die Vermögensverhältnisse.

Imperativ der Renaissance: „Lebe im Diesseits und genieße das Leben“

  • Italien ⎸Florenz: um 1420/1500-1520 - deutschsprachiger Raum: um 1520-1555

Kulturhistorisch kennzeichnend ist die Monumentalstatue des biblischen Helden „David“, eine Marmorskulptur des bedeutenden italienischen Künstlers Michelangelo Buonarroti (1475–1564) - Meisterwerk der italienischen Hochrenaissance, entstanden zwischen 1501 und 1504 in Florenz.

In Hinwendung zur diesseitigen Welt dominierte Tafelglas „à la façon de Venise“ als zeitgemäßes Statussymbol in Adelskreisen und im Patriziat europäischer Städte.

 

Im 16. Jahrhunderts entstand nördlich der Alpen nach handfesten Formvorstellungen in Verbindung mit derben Trinksitten die Tradition des "Waldglases" mit kräftig gefärbten oder mit Emailmalerei dekorierten Glasgefäße in teils beträchtlicher Größe.

Demgegenüber entsprachen die farblosen, dünnwandig ausgeblasenen Gläser aus Venedig dem Geschmack kultivierter Adelskreise und des Patriziats großer Städte.

Als „Spitze des Möglichen“ der Glasveredelungstechnik gilt die exklusive Glasproduktion auf der Inselgruppe Murano in der Lagune von Venedig, der Wiege europäischer Glasherstellung.

Städte ⎸Burgen ⎸Herrensitze ⎸Klöster und sakrale Einrichtungen zeigen ihren Wohlstand durch die Präsentation kostspieliger Trinkgläser, wie „Flügelgläser“ venezianischer Art – so beim Bier- und Weinkonsum.

 

Erste Monumentalstatue der Hochrenaissance

David von Michelangelo, entstanden 1501-1504 in Florenz

 

  17.-18. Jahrhundert

        Neuzeitliche Glaskunst mit Goldrubinglas & Glasschnitt

        Die barocke Prachtentfaltung

Kulturgeschichtliche Epoche des "großen Theasterspiels"

Durch wachsende Ansprüche bei der adligen und gehobenen bürgerlichen Tafelkultur entwickeln sich Gläser verstärkt zu kostbaren Objekten der Repräsentation – vornehmlich  an den Höfen absolutistischer Fürsten.

Als weit verbreiteter Gefäßtypus imponiert der großformatige Humpen, dessen Dekor mit Emailmalerei – neben Darstellungen des Handwerker- und Bürgerstandes - die Einheit, Macht und Ordnung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation beschwor. 

Eine besondere Stellung nahmen im 17. Jahrhundert das massive Goldrubinglas und der effektvolle Glasschnitt ein.

Seit dem frühen 18. Jahrhundert kamen mit Einführung des modischen Konsums der Heißgetränke Schokolade, Kaffee und Tee konkurrierend Fayence-Tafelgeschirre wie auch solche aus (Hart-)Porzellan als führende keramische Erzeugnisse hinzu.

Neben den Glasmanufakturen entstanden somit auch Fayence-und Porzellanmanufakturen.

 

  

          Porzellanschale von 1973 (DDR): 700 Jahre Stadt Ilmenau                                       Kupferstich der Stadt im Thüringer Wald

 

Weißes Gold & Glas in Ilmenau

  • Porzellanschale „700 Jahre Stadt Ilmenau“ 1973

1776 kam Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) erstmals in die 1273 gegründete thüringische Stadt, wo er die Porzellan- und Glasherstellung förderte.

1777 wurde in Ilmenau mit der Porzellanfabrikation begonnen und dauerte bis 2002 an – heute in der ESCHENBACH Porzellan GROUP mit der Marke „Graf von Henneberg“ vertreten (Porzellanwerk Triptis).

Die Ilmenauer Glasindustrie im Thüringer Wald hat eine lange Tradition.

Hier waren bereits über 30 Glashüttengründungen erfolgt, bis in Ilmenau 1675 die erste Hütte unter der Leitung des Glasmachers Elias Wenzel entstand, aber bereits 1679 geschlossen werden musste.

Ihr folgte 1731-1748 die zweite herrschaftliche Hütte.

Ab 1852 produzierte als vierte und erste erfolgreich betriebene Glashütte Ilmenaus die Sophienhütte bis zu ihrer Stilllegung 1991.

 

❼   19.-21. Jahrhundert

       Glaskunst der Neuzeit ⎸Moderne

Übergang von der manuellen Formgebung im Mundblasverfahren zum automatisiert-maschinellen Blasformverfahren für Gebrauchsglas

 

Porrón - Spanisches Trinkgefäß aus Glas, verwendet zum Wasser-und Weintrinken

Einfüllöffnung oben, trichterförmiges Trinkrohr mit enger Tülle

19./20. Jh.

Glasmuseum Hentrich im Museum Kunstpalast, Düsseldorf

 

Glas & Porzellan - Produktdesign Zeit- und regionaltypische Glasformen & Markenartikel

BAUHAUS (1919-1933) │ Wilhelm Wagenfeld (1900-1990) & Richard Süßmuth (1900–1974) [21]

  • „Feuerfestes“ Gebrauchsglas: JENAer GLAS® / DURAN® - Borosilikatglas│Friedrich Otto Schott (1851-1935) entwickelte 1887 chemikalien- und temperaturbeständiges Borosilikatglas│7-13 % Bortrioxid, B2O3
  • Glashütte Süßmuth│Immenhausen│1946-1996 - Vom Bauhaus-Design geprägte Gestaltung einfacher Gebrauchsgläser und eleganter Haushaltsgläser

 

Wilhelm Wagenfeld: Eierkoch │ Jenaer Glaswerk Schott + Gen., Jena │ Entwurfsjahr 1934

                                                                                      

 

❽   Glas in der Hochkultur Chinas

"China und Ägypten. Wiegen der Welt" [8]

Um 500 v. Chr. beherrschten im südchinesischen Staat Chu lokale Handwerker die frühe Technik der Glasherstellung (玻璃製造) bis zum Ende der Westlichen Han-Dynastie (207 v. Chr. - 9 n. Chr.).

Im kulturanthropologischen Vergleich zählte die Glasherstellung aber nicht zu den traditionellen chinesischen Handfertigkeiten.

Etwa vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis 1000 n. Chr. gelangten Glasobjekte als Handelsgut entlang der Landrouten der Seidenstraße oder auf dem Seeweg von Westen nach Osten – vom Mittelmeerraum bis ins chinesische Kaiserreich.

Vom 1.-8. Jahrhundert n. Chr. war die Handelsroute zwischen Zentralasien und China auch als „Glasstraße“ (玻璃路) bekannt.

Während des 17. und 18. Jahrhunderts gewinnt die chinesische Glaskunst an Eigenständigkeit, wobei das kunstvolle Überfangglas jener Zeit eng an die Tradition des Jade- und Steinschnitts gebunden war.

In China erreichte die Glasfertigung erst 1736-1795 in der Qianlong-Periode der Qing-Dynastie einen Höhepunkt.

Dabei entstanden als Luxusgut auch Schnupftabakfläschchen mit höchst qualitativer Emailmalerei - mit feinen Pinselstrichen aufgebrachte Motive auf weißem, halb transparentem Glas.

 

∎ Schnupftabakfläschchen aus Glas

Hinterglasmalerei, 17. Jh. ⎸Deko Asian Art: 2. Hälfte 20. Jh., China

Übersetzung der alten Schrift [20]:

Ein taoistisch anmutender Wahrsager teilt mit: "Für ein Gespräch über Dein Schicksal und die Vorhersage Deines Glücks verlange ich einen Liang in Gold.

 

Die Seidenstraße als „Glasstraße“ (玻璃路)

Um 500 v. Chr. beherrschten im südchinesischen Staat Chu lokale Handwerker die frühe Technik der Glasherstellung (玻璃製造) – bis zum Ende der Westlichen Han-Dynastie (207 v. Chr. - 9 n. Chr.).[2]

Etwa vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis 1000 n. Chr. gelangten Glasobjekte als Handelsgut entlang der Landrouten der Seidenstraße oder auf dem Seeweg von Westen nach Osten – vom Mittelmeerraum bis ins chinesische Kaiserreich.

Vom 1.-8. Jahrhundert n. Chr. war die Handelsroute zwischen Zentralasien und China auch als „Glasstraße“ (玻璃路) bekannt.

 

Chinesisches Glas im 17. Jahrhundert

In China ist erst seit der Regierungszeit des vierten chinesischen Kaisers der Qing-Dynastie K’ien-lung (Qianlong) von 1735-1796 Glas in größerem Umfang hergestellt worden - als Luxusgut auch die beliebten Schnupftabakfläschchen, die sowohl dem Gebrauch als auch als Sammlungsobjekte dienten, wie bei Kaiser K’ien-lung.

 


玻璃杯 - Glasbecher (⌀ 8,3/8,5 cm),  2. Jh. v. Chr.

Königsgrab aus der Han-Dynastie bei Beidongshan [3]

Chinesisches Nationalmuseum (2005)

北京市 Beijing (Peking)


 

Fotografien: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental

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[1] nach: Museum Kunstpalast – Spot on 07 Düsseldorf 2011.

[2] ZORN/HILGNER 2010, S. 163-189.

[3] Abbildung aus der chinesisch sprachigen Ausgabe des Ausstellungskatalogs des Chinesischen Nationalmuseums. Peking 2005, S. 217, 370.

[4] Küstengwbiete und Hinterland der Anrainerstaaten der östlichen Mittelmeerküste.

[5] Dedo von Kerssenbrock-Krosigk in GÖTZMANN/KAISER 2017, S. 21.

[6] TRIER/NAUMANN-STECKNER 2016, S. 26-28.

[7] TRIER/NAUMANN-STECKNER 2016, S. 70-71.

[8] Ausstellung „China und Ägypten - Wiegen der Welt“ im Neuen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin, 06.07.2017 - 03.12.2017.

[9] Der italienische Dichter Gabriele D’Annunzio soll der Votivstatuette aus dem antiken Velathri (heute das toskanische Volterra) den Namen „Ombra della Sera“ gegeben haben: Abendschatten.

[10] FISCHER 2011, S. 230.

[11] RICKE 1995, S. 16.

[12] NEER 2013, S. 21.

[13] NEER 2013, S. 45-46.

[14] Die Bronzezeit in der Ägäis - eine chronologische Übersicht bei NEER 2013, S. 19.

[15] Hethiter: Herrscher über Zentralanatolien während der späten Bronzezeit.

[16] NEER 2013, S. 266-291.

[17] Replikat - handkolorierter Papyrus nach alter Überlieferung hergestellt, Ref.-Nr. 6400/73. Szene von der Rückseite des Goldenen Throns von Tut-Anch-Amun. BERLIN DESIGN.

[18] Replikat - handkolorierter Papyrus nach alter Überlieferung hergestellt, Ref.-Nr. 6400/68. BERLIN DESIGN.

[19] ALMELING 2006, S. 15.

[20] Übersetzung von Lu Pan aus China, Übertragung ins Deutsche von Irina Weber, Basel.

[21] WERNER/NIEKRAWIETZ 2000, S. 33.

[22] THOMAS 2014.