Freiwillige Feuerwehr Hellental seit 1875

Klaus A.E. Weber

 

 

"Die Hellentaler Feuerwehr zeichnete sich durch Präzision und ehrliches Arbeiten vorteilhaft aus."


23 Mann der „Freiwilligen Feuerwehr Hellenthal“ beim gemeinsamen "Löschangriff" im Jahr 1911

Bierholzfass mit der Aufschrift „§ 11“ des bekanntesten und am weitesten verbreiteten "Allgemeinen deutschen Biercomments":

„Es wird fortgesoffen.“

© Historisches Museum Hellental

 

Auf den Dachböden der Fachwerkhäuser des Hellentaler Oberdorfes („Sollinghäuser“) wurde, neben Getreide, auch rasch entzündliches Heu und Stroh eingelagert.

Entfachte in einem der Dachböden ein sich rasch ausdehnender Brand, so drohte das Feuer auch auf die benachbarten, ehemals nur durch eine schmale Gasse ("Gaze") voneinander getrennten Wohnhäuser und Stallungen überzugreifen.

  • Beispielsweise brannten am Abend des 02. Oktober 1903 die Wohngebäude, Stallungen und der Tanzsaal der zwischenzeitlich neu erbauten "Timmermann’schen Gastwirtschaft" nieder.[1]

  • Des Weiteren wurden drei dem Gemeinde-Backhaus gegenüber liegende „Sollinghäuser“ 1907 durch einen Brand völlig zerstört.

 

Kommunales „Feuerhülfswesen“

 

 

 

[1]

 

In Erfüllung des „Gesetzes über das Feuerhütewesen“ wurde "vor oder im Oktober 1875" die „Freiwillige Feuerwehr Hellenthal” gegründet.[1][2]

Legt man hingegen die obige Rechnung des Schneidermeisters Carl Schoppe in Mackensen zugrunde, so wäre davon auszugehen, dass bereits früher, im Juli 1875, eine Freiwillige Feuerwehr in Hellental bestanden haben könnte.

Deren Feuerwehrmänner übten meist den Beruf des Waldarbeiters aus und waren daher häufig in den umliegenden Staatsforsten tätig.

Damit konnten die freiwilligen Feuerwehrmänner nicht immer rechtzeitig am Einsatzort in Hellental verfügbar sein.

Wie die Inschrift >1875< des westlichen Giebelsteins am ehemaligen Spritzenhaus (Feuerwehrgerätehaus) noch heute ausweist, war es im historischen Ortskern an den Mittelbau und das seit 1828 vorbestehende Gemeindebackhaus zur Unterbringung der feuerwehrtechnischen Ausrüstung angebaut worden.

Diese Platzierung des Spritzenhauses am Berghang des alten Dorfzentrums war insofern strategisch günstig gewählt worden, als dass zum einen die nur wenige Meter oberhalb kräftig schüttende Bergquelle eine ständige Löschwasserzufuhr garantierte, zu anderen der nahe Mühlenteich auch als Brandweiher dienen konnte.

Das Spritzenhaus im Oberdorf sollte seinen Zweck schließlich über fast 110 Jahre bis 1984 erfüllen.

1834 findet sich auf der Ausgabenseite der Gemeindefinanzen des Dorfes Hellental folgende Eintragung:[3]

"An den Tischler August Düwel hieselbst eine neue Feuerleiter anzufertigen, und für 3 neue Stangen in die Feuerhake 1 Taler, 10 Groschen und 8 Pfennige bezahlt. An den Schmiedemeister Wilhelm Dörries zu Merxhausen für 3 neue Feuerhaken bezahlt: 4 Taler und 12 Groschen. An denselben 1836 für Reparatur an dem Feuerhaken 14 Groschen bezahlt."

Schließlich erfolgte fünf Jahre später, im Jahr 1839, folgende Anmerkung:[3]

"Auf Veranlassung sind unrichtig erhobene Leistungen zur Feuerlöschgerätschaftskasse zurückgezahlt, und zwar an 6 Einwohner je 1 Taler."

Etwa ein Viertel Jahrhundert nach Einrichtung der Pflichtfeuerwehr waren 1858 in Hellental nach LESSMANN [1] folgende Feuerlöschgeräte vorhanden:

  • 2 Leitern

  • 4 Haken

  • 28 Eimer.

 

Mannschaftsstärken ("Kraftstärken")

  • 1879:          36 Mann [2]
  • 1911:          23 Mann (s. Fotografie) 

  • 1943:          36 Mann [2]
  • 1952-1956:  22 Mann [2]

 

1875

Als Hellental im Rahmen der Ausrüstung zur „Freiwilligen Feuerwehr“ 1875 eine eigene Feuerspritze - "in Gemäßheit des Gesetzes vom 02. April 1874 Nr. 16 über das Feuerhütewesen" - bekam, übernahm Merxhausen für 395 Mark den Hellentaler Anteil.

Insgesamt kostete die Ausrüstung der „Freiwilligen Feuerwehr“ die Gemeinde Hellental - unter ihrem Gemeindevorsteher Schütte - 4.081 Mark, bei Bewilligung einer staatlichen "Beihülfe"

 

.

[1]

 

Die im Mai und Juni 1875 von der Holzmindener Firma C. H. Hohmann und die im Juli 1875 vom Schneidermeister Carl Schoppe aus Mackensen an die „Freiwillige Feuerwehr Hellenthal“ gelieferten Ausstattungs- und Bekleidungsartikel lassen einerseits in etwa die Größenordnung des Personalbestandes an Feuerwehrleuten, andererseits deren persönlichen Ausstattungsumfang erkennen:[1]

  • 19 Feuerwehrröcke
  • 1 Zugführer-Abzeichen
  • 3 Spritzenmeister-Abzeichen
  • 1 Messinghelm mit Schild Zugführer
  • 4 Messinghelme für Steiger
  • 31 Lederhelme für Mannschaften
  • 3 Laternen für Spritzenmeister
  • 5 Beile mit Sicherung
  • 4 Hanfleinen
  • 1 Signalhorn mit Schnur und Quaste
  • 1 Doppelhacke mit Schnur
  • 4 Steigerpfeifen mit Schnur
  • 4 Carabinerhaken
  • 5 Steigergürtel mit Ring und Tasche
  • 31 Mannschaftsgürtel.

 

1878

Am 16. Juni 1878 fand in Merxhausen eine Bezirksübung der Feuerwehren aus Heinade, Hellental und Merxhausen statt.

In seinem Bericht darüber schrieb der damalige Bezirkshauptmann Linnemann:[3]

"Die Hellentaler Feuerwehr zeichnete sich durch Präzision und ehrliches Arbeiten vorteilhaft aus."

 

1879

1879 waren vorhanden

  • 1 fahrbare Spritze mit Saugwerk

  • 90 m Druckschläuche

"Hauptmann, resp. Führer der Ortsfeuerwehr, war Herr Gehrmann."

Hellental zählte damals zum Feuerlöschbezirk Nr. 12 mit dem Bezirkshauptmann Burgdorff.

 

Amtsfeuerwehrtag in Hellenthal, 1900 [1]

 

1900

Mitte Juli 1900 war über zwei Tage - Sonntag und Montag - in Hellental sowohl der Amtsfeuerwehrtag "der Wehren aus dem Amte Stadtoldendorf" als auch das 25. Stiftungsfest der „Freiwilligen Feuerwehr“ Hellental "unter allgemeiner Theilnahme unserer Einwohner und vieler Auswärtiger" gefeiert worden - in Gegenwart des Grafen von der Schulenburg als Vertreter der Herzoglichen Kreisdirektion Holzminden.

Nach einer zufriedenstellenden Angriffsübung der Freiwilligen Feuerwehren aus Hellental und Merxhausen fand ein "Festzug durch das reich geschmückte Dorf" statt.

Hiernach "kam auch der Tanz zu seinem Rechte".[1]

In allgemein nicht unüblicher „Sondernutzung“ diente das Hellentaler Spritzenhaus von 1875 auch als dörfliches „Durchgangsgefängnis“, bevor Gefangene der zuständigen Polizei aus Stadtoldendorf übergeben werden konnten.

Auch soll früher unliebsamen oder unartigen Kindern damit gedroht worden sein, sie vorübergehend „in das Spritzenhaus einzusperren“.

Ähnliches gilt im Übrigen auch für „Kempes Gänsestall“ im Kellergeschoss des nahen historischen Gemeindebackhauses.

 

Beschaffung einer Motorspritze für die Gemeinde 1944-1949

Die Beschaffung einer Motorspritze (Kraftspritze) und deren Finanzierung nahmen einen langen Zeitraum in Anspruch.[2]

Dabei wird der Vorgang der am 08. März 1944 beantragten Beihilfegewährung  im Verlaufe des Jahres 1944 mit einer Fristverlängerung bis zum 31. Dezember 1945 versehen.

Die vorgefundenen Schriftstücke in der Akte des Kreisarchives Holzminden [2] ignorieren systematisch und geschichtsvergessen übergangslos die Hintergründe für die Verzögerungen hierbei.

Dies betrifft das Ende des zerstörerischen Zweiten Weltkrieges (1939-1945) einerseits und der faschistischen Machtherrschaft des nationalsozialistischen Regimes andererseits im Jahr 1945.

Nach 1945 wird das kommunale Anliegen, eine Motospritze für die Feuerwehr zu beschaffen, bis in das Jahr 1949 fortgeführt.

Befremdend ist allerdings die hervorgehobene Erwähnung der Verzögerung durch die Währungsreform (von 1948), die sich aber für das Vorhaben als günstig durch die 1:1- Umsetzung von Reichsmark zur D-Mark erweisen sollte.

Ein Schreiben des Kreisbrandmeisters (Hundertmark) der Freiwilligen Feuerwehr des Kreises Holzminden vom 31. Januar 1949 offenbart, dass die Gemeinde Hellental seit 1946 „keine Feuerlöschspritze“ besitzt und „überhaupt kein Brauchbares Löschgerät“.

Zudem seien zum einen die Wasserverhältnisse unzureichend, zum anderen würden ca. 300 m B-Druckschläuche fehlen.

Schließlich erwirbt - über die Niedersächsische Landesfeuerwehrschule in Celle und den Landkreis Holzminden - die Hellentaler Gemeinde 1949 bei der Gewährung einer Beihilfe von 1.100,- RM eine gebrauchte Kraftspritze, die „einwandfrei“ und „einsatzfähig“ sei.

Es handelt sich dabei um eine TS 8 (Tragkraftspritze), jedoch ohne TSA (Tragkraftspritzen-Anhänger).

 

1964

Zeitungsbericht in der Hannoverschen Presse vom 24. August 1964 [2]

 

Heutige Ortsfeuerwehr Hellental

Die "Freiwillige Feuerwehr Hellental" zählt heute eine Ortsfeuerwehr der Freiwilligen Feuerwehr der Samtgemeinde Eschershausen-Stadtoldendorf.

 

Ortsbrandmeister (OrtsBm):

Burkhard Schmidt, Sollingstraße 14, 37627 Heinade-Hellental

Wiederwahl in der Jahreshauptversammlung am 12. Januar 2019 (TOP 9)

 

Mitglieder am 31.12.2015: 80 aktive/passive Kameradinnen und Kameraden



[1] LESSMANN 1984, S. 51-56.

[2] KA HOL 1056.