Gesangverein "Hellenthal" & „Einigkeit“ Hellental

Klaus A.E. Weber

 

1889

Miteinander singen als praktizierte Gemeinschaft

Früher waren die meisten „Helldahlschen“ Waldarbeiter zugleich auch ganz engagierte, gute und vielseitige Musikanten.

Sie spielten nicht nur in Hellental, sondern auch in der näheren und weiteren Umgebung des Sollings zum Tanze auf.

Trotz aller ökonomischer und sozialer Probleme wurde damals gerne und auch viel abends und an Festtagen in Hellental musiziert, gesungen und getanzt.

Auch Hermann Löns war zu Beginn des 20. Jahrhunderts die besondere Sangesfreude der Hellentaler Dorfbewohner aufgefallen.[2]

 

... und die schönen, singenden Hellentaler Mädchen

In Gedicht- und Erzählform wurde oft von den schönen blonden und singenden Hellentaler Mädchen geradezu geschwärmt, die allabendlich singend von der Kulturarbeit in der näheren und weiteren Forst, aus dem „tiefen Sollinggrund“ den Birkenweg zum Dorf herunterkamen und in ihr Heimatdorf zogen [1] -  nicht zuletzt auch von Hermann Löns [2] und Heinrich Sohnrey.

Dennoch, die „wie Morgenrot“ schönen und treuen Hellentaler Mädchen wurden, wie es das folgende Gedicht von Heinrich Sohnrey nahe legt, wohl auch des Öfteren von ihren Verehrern und Liebhabern (Soldaten) „arg betrogen“.

Noch heute werden von einigen älteren Hellentaler Frauen gerne die folgenden sieben Verse des alten Gedichtes von Heinrich Sohnrey gemeinsam in Liedform gesungen, wenn auch seltener werdend.

 

Sie kommen alle Abend                           Die alten Eichen rauschen,

Wohl um die gleiche Stund.                      Es rauscht der weite Wald,

Die Hellentaler Mädchen                          Zu seinem Chor gesellen

Juchheissassa, die Mädchen                     Sich singend Bach und Quellen

Aus tiefem Sollingsgrund.                        Im ganzen Solling bald.

 

Es rauschen alte Eichen,                          Rotkehlchen, Amseln, Drosseln

Es rauscht der Lieder Klang.                    Die stimmen auch mit ein;

Die Hellentaler Mädchen,                        Denn in dem Tal der Lieder,

Die hellen, blonden Mädchen                    Ja, in dem Tal der Lieder,

Ziehn heimwärts mit Gesang.                  Da muß gesungen sein.

 

Sie singen vor dem Fähnrich,                   Die Hellentaler Mädchen

Der in den Krieg einzog,                         So schön wie Morgenrot,

Und von dem stolzen Reiter,                    Und wenn dich eine lieb hat,

Ja, ja, dem stolzen Reiter,                      Juchheissa, eine lieb hat,

Der’s Liebchen arg betrog.                       Ist treu sie bis zum Tod!

 

Vom Schatz, der will verreisen

Und von der Lind’ im Tal,

Vom Jäger, der wollt jagen,

Juchheissassa, wollt jagen,

So Lieder ohne Zahl.

 

Heinrich Sohnrey

 

Ursprünglich ein Männerchor, wurde 1889 der "Gesangverein Hellenthal" unter dem Schulkantor als Dirigenten gegründet.

 

 

Der Männergesangverein umfasste damals 36 Sänger und wirkte bei vielen kulturellen Anlässen, Festen, Gesellschaften und anderen Veranstaltungen mit.

Der Gesangverein wurde hierdurch zum bedeutenden Kulturträger des Dorfes Hellental.

 

 

Der Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum des nunmehr als "Gemischter Chor" auftretenden Gesangvereins „Einigkeit“ Hellental im Juli 1989 ist u.a. zu entnehmen, dass man in jener Zeit durch den Männergesangverein die Geselligkeit pflegen und den Zusammenhalt im Dorf durch den Gesang fördern wollte.

Dies sei auch gelungen, denn gesungen hätten die Hellentaler Dorfbewohner schon immer gerne.

In jener Zeit brauchte man sich nicht um Nachwuchs zu sorgen, denn mit der Bevölkerungszunahme zum Ende des 19. Jahrhunderts stieg zugleich auch die Zahl der verfügbaren Sänger an.

Alt und Jung sei in jenen Tagen zum Singen in den Dorfkrug gekommen und als dieser im Oktober 1903 abbrannte, sei es trotzdem in einem Ersatzlokal weitergegangen.

Im Jahre 1905 war der Dorfkrug wieder aufgebaut, größer und schöner als zuvor; jetzt gab es sogar eine eigene Sängerstube.

 

Sängerfest in Hellental 1956

Das Hellentaler Sängerfest mit Fahnenweihe am 10. Mai 1956 war das erste große Dorffest nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

 

 

Heinrich Seitz (mit Scherpe), Isolde Roloff, (?) Matelinski, Ottilie Keime, Sigrid Kempe (Kunkel), Christa Schmidt, Gerlinde Schlender, Elisabeth Hempel, Margrit Greinert, Bärbel Kunkel, Günter Treptow (Fahnenträger), Heinz Meier (mit Scherpe)


Erika Meier, Elisabeth Hempel, Isolde Roloff, (?) Matelinski, Ottilie Keime,  Sigrid Kempe (Kunkel), Christa Schmidt, Gerlinde Schlender, Bärbel Kunkel

 

 

Die Abbildungen sind als Kopien der Festschrift von 1989 entnommen.

Fotografien: Privatsammlung Elisabeth Dittrich, Holzminden / Hannelore Schulz, Hellental

Text: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] LESSMANN 1984.

[2] LÖNS 1916.