Spuren aus dem Mesolithikum (Mittlere Steinzeit)

Klaus A.E. Weber

 

Beginn um 8.500-8.000 v. Chr. - Übergangsphase zwischen Alt- & Jungsteinzeit


Norwegische Tundralandschaft

 

Die nur in Kombination geochronologischer und archäologischer Methoden fassbare Mittlere Steinzeit (fachsprachlich Mesolithikum) steht zwischen Altsteinzeit (fachsprachlich Paläolithikum) und Jungsteinzeit (fachsprachlich Neolithikum) und umfasst eine Reihe kultureller Gruppen.[1]

Während das Paläolithikum vom Eiszeitalter des 2,5 Millionen Jahre währenden Pleistozäns geprägt war (letzte Kaltzeiten: Weichsel-/Würm-Komplex und Saale/Riß-Komplex), begann der Zeitabschnitt des Mesolithikums mit dem Ende der großen Kaltphase in Norddeutschland zwischen etwa 8.500-8.000 v. Chr., gleichgesetzt mit dem Beginn der Nacheiszeit.

Durch das Zurückschmelzen des nordischen Inlandeises nach Mittelschweden endete die letzte große Eiszeit mit dem Beginn der Holozän-Serie, der Jetztzeit.

Mit der zunehmenden nacheiszeitlichen Wiedererwärmung des Klimas war nicht nur eine grundlegende Änderung der Umweltverhältnisse verbunden (Erwärmung, trocken, warm), sondern auch ein Wandel, der den Menschen und sein Verhalten in der Umwelt bestimmte und einen starken kulturellen Wandel zur Folge hatte.

So wurden die Steingeräte auffallend klein (daher fachsprachlich als Mikrolithe bezeichnet) und Pfeil und Bogen zur effektiven Hauptwaffe.

Die zunehmende Wiederbewaldung erfolgte zunächst mit Birken und Kiefern, später mit Haselsträucher und Laubmischwäldern (Eichen, Ulmen, Linden, Eschen), mit der Folge auch eines Wechsels im Tierbestand (Elch, Rothirsch, Reh, Wildschwein).

Diesen Tieren stellte der nacheiszeitliche Mensch als Jäger nach (Wildbeuter-Kulturen der Nacheiszeit), während zunächst noch mit Beginn des Holozäns und seinen veränderten Umweltbedingungen Fischerei und Vogeljagd erheblich an Bedeutung gewonnen hatten.[1]

Mit dem Wechsel der Tundralandschaft hin zu ausgedehnten Waldgebieten mit einer veränderten Fauna begann das urgeschichtliche Zeitalter der Mittelsteinzeit (Mesolithikum, 8.000-5.500 v.Chr.), im Übergang zwischen der Alt- und Jungsteinzeit.

In Jäger- und Sammlergemeinschaften lebend, bevorzugten die nacheiszeitlichen Menschen jene Aufenthaltsorte, wie Flüsse, Bäche und Seen, die von jagdbaren Tieren zur Tränke aufgesucht wurden.

Sie lebten von der Jagd, vom Fischfang und vom Sammeln pflanzlicher Nahrung (Sammelwirtschaft).

Diese Form des Wirtschaftens erforderte eine besonders mobile Lebensweise, um die Nahrungsquellen in einem größeren Areal nutzen zu können.

Mit geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung lebten die Wildbeuter wegen des limitierten Nahrungsangebots nur in kleinen sozialen Gruppen.

Als sich die mesolithischen Wildbeuter - Jäger, Fischer und Sammler - später dem Ackerbau und der Viehzucht zuwandten, endete die Periode der Mittelsteinzeit in unserem heutigen Lebensraum zwischen Weser und Leine um die Mitte des 6. Jahrtausends v. Chr. [2]

In dem hier betrachteten geographischen Raum des nördlichen Sollings bewegten sich prähistorische Menschen, wahrscheinlich entlang des Spüligbaches und Eberbaches am nördlichen Sollingrand und entlang der Helle im nördlichen Solling, wo sie zu ihrer Nahrungsgewinnung gejagt, gefischt und Wildfrüchte gesammelt haben.

Dabei hinterließen sie Werkzeuge und deren Herstellungsabfälle.

In jener Nacheiszeit des 9.-5. Jahrtausends v. Chr. stellten die prähistorischen Jäger Pfeile mit eingesetzten Mikrolithen als Pfeilspitze her.

Die sich bereits in der Altsteinzeit abzeichnende Tendenz zur Verkleinerung und sorgfältigeren Bearbeitung der Mikrolithen gilt allgemein als Kennzeichen mesolithischer Steinwerkzeuge.

Als Rohstoff hierfür dominierte in Südniedersachsen der Flint, der während des Eiszeitalters durch die vom Norden her in das Landesinnere vordringenden Gletscher antransportiert worden war.

Wegen seiner guten Spalteigenschaften und ausgesprochen scharfkantigen Bruchflächen wurde der Flint von Menschen der mesolithischen Periode bevorzugt benutzt.

Die typischen Mikrolithen jener Zeit weisen meist geometrische Formen auf.

Zu den in den Gemarkungen Heinade und Merxhausen - mit Hellental - gefundenen Feuersteinartefakten ist zu erwähnen, dass der zur Geräteherstellung benutzte Flint natürlicherweise nicht im Bereich des Sollings vorkommt, also demzufolge von prähistorischer Menschenhand in das hier untersuchte Gebiet mitgebracht wurde.                

 

 

Fotografie: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] LEHMANN 1991, S. 3.

[2] LEIBER 2004b Teil 1, S. 23-28.