Datenportal: Glashütten im Umfeld des Hellentals│Solling

Klaus A.E. Weber

 

Verzeichnis der durch Geländebehungen nachweisbaren Hüttenstandorte & ihre Interpretation

Verbreitungskarte mittelalterlicher, frühneuzeitlicher und neuzeitlicher Glashütten (Oberflächenfundplätze) im Umfeld des Hellentals im Solling

Forschungsstand: 2018-12-09 (WEBER) - vergleiche STEPHAN 2010 [94]

 

Verzeichnis der Glashüttenstandorte

  • Glashütte │ Gemarkung │ Koordinaten der Fundstellen beim Autor & bei der Kommunalarchäologie
  • Fundstellen-Nummer
  • Datierung (Zeitstellung)
  • Fundumstand
  • Ausdehnung 
  • Zustand
  • Befunde/Interpretation - Ein-Ofen-Anlage │ Mehr-Ofen-Anlage [2]
  • Fundmaterial - Objektgruppen Glas │ Metall │ Keramik

 

Relative Höhenlage von Glashütten

- Tallage:

  • 261-385 m üNN │ 7 mittelalterliche Glashütten
  • 281 m üNN │ 1 neuzeitliche Glashütte
  • 368 m üNN │ 1 frühneuzeitliche Glashütte

- Hanglage:

  • 298 m üNN │ 1 mittelalterliche Glashütte
  • 335 m üNN │ 1 frühneuzeitliche Glashütte

- Hochlage:

  • 397-427 m üNN │ 4 mittelalterliche Glashütten │ 2 frühneuzeitliche Glashütten

 

Räumliche Distanz zwischen Glashütten

- mittelalterliche Glashütten

{HtGM 1-1} → {HtGM 1-2}  ca. 380 m

{HtGM 1-1} → {HtGM 1-2}  ca. 380 m

{HtGM 1-2} → {HtGM 1-3}  ca. 140 m

{HtGM 2-1} → {HtGM 2-6}  ca. 100 m

{HtGM 2-1} → {HtGM 2-2}  ca. 200 m

{HtGM 2-2} → {HtGM 2-3}  ca. 200 m

{HtGM 2-3} → ({HtGM 2-4}?)  ca. 390 m

 

- frühneuzeitliche Glashütten

{HtGfN 1-1} → {HtGfN 1-2}  ca. 1.640 m

{HtGfN 1-1} → {ShGfN 1-1}  ca. 3.200 m

{HtGfN 1-1} → {ShGfN 1-2}  ca. 2.850 m

 

Glashütten des Mittelalters

Spätes 12. Jahrhundert bis 13.-14. Jahrhundert

In den dicht bewaldeten Mittelgebirgen von Hils, Vogler, Homburgwald und Solling wurde ab dem Hochmittelalter Glas hergestellt.

Hier konnten zahlreiche Glashüttenstandorte des 12.-14./15. Jahrhunderts dokumentiert werden; alleine im Kaufunger Wald, Vogler und Hils gelang der Nachweis von ca. 200 mittelalterlichen Waldglashütten.

Findet sich nach STEPHAN für den Solling eine auffallende, unregelmäßig verteilte Konzentration früher Waldglashütten im Zeitraum um 1150/1200-1250, so sind hier hingegen spätmittelalterliche Glashütten des 14. Jahrhunderts besonders schwer nachweisbar. Auch sind nach seiner Auffassung „die Verhältnisse im Solling sehr diffizil und differenziert zu beurteilen.“[49]

Vor dem regionalhistorischen Hintergrund, dass um 1200 resp. zu Beginn des 13. Jahrhunderts die Grafen von Dassel und Nienover ihre Herrschaft auch über den Solling ausübten - was die kultur- und wirtschaftsgeografische Lage der wüst gefallenen städtischen Siedlung Nienover als deren Haupt- und Residenzort belegt –, könnten mutmaßlich die Grafen wie andere Grundherren ihre Erlaubnis erteilt haben, im Sollingwald Glashütten errichten zu können und damit auch im waldreichen Umfeld des Hellentals.[50]

Die früh einsetzende Eisengewinnung und Metallverarbeitung am Sollingrand um Dassel und Markoldendorf dürfte in direkter Konkurrenz mit den ebenfalls holzintensiven Glashütten und ihrer potentiellen Anlage gestanden haben.[51]

Bei mittelalterlichen Glashütten handelte es sich um saisonale Betriebe, die vorgabengemäß zeitlich befristet Hohl- und Flachglaswaren herstellten.

Die mit Buchenholzscheiden gefeuerten Arbeitsöfen brannten von Ostern bis Martini (11. November) pausenlos Tag für Tag und Nacht für Nacht.

Der kontinuierliche, wenig kontrollierbare Vorgang der Glasschmelze erforderte ein produktionsortnahes Wohnen der Glasmacher sowie eine Betriebsorganisation im Schichtdienst rund um die Uhr.

Während der Winterzeit ruhte die „heiße“ Glasproduktionsphase.

Gegen Entgelt schlugen die Glasmacher zur Bevorratung für die kommende Produktion ausreichend Holz in den amtlich zugewiesenen Sollingforsten ein.

Zudem wurden Gebäudeteile und die „kalt gelegten“ Ofenanlagen ausgebessert oder erneuert.

Sie waren durch die hohen Schmelztemperaturen stark beansprucht.

Die durchschnittliche Produktionsdauer einer mittelalterlichen Glashütte war vermutlich nur kurz und kann mit etwa 5-15 Jahren angenommen werden.[52]

Wie systematische Geländeerkundungen seit dem Jahr 2003 ergaben, hinterließen – bis dato unvermutet – gerade auch mittelalterliche Glasmacher im Umfeld des etwa 6 km langen Hellentals versteckte Spuren ihrer manuellen Kunstfertigkeit.[53]

Glastechnische Relikte wie auch vor allem gebrauchskeramische Funde legen nahe, dass Glaswaren bereits während des späten 12. bis 13. Jahrhunderts in dem für das Spezialgewerbe ressourcenreichen Waldgebiet hergestellt wurden.

Nach bisherigem Forschungsstand repräsentiert somit diese zeitliche Einordnung den bislang ältesten archäologisch fassbaren Zeitabschnitt und möglicherweise zugleich auch konjunkturellen Höhepunkt mittelalterlicher Glasherstellung im Umfeld des Hellentals.[54]

Mittelalterliche Glashüttenstandorte, die vor etwa 1200 datierbar sind, gelten als ausgesprochen selten; nach STEPHAN (2010) können möglicherweise „einige Fundplätze bei Hellental“ dazu gehören.[55]

In archäologischer Hinsicht zeichnen sich mittelalterliche Glashüttenstandorte durch ein äußerst dürftiges Glasfundspektrum aus.

Ein intensiv genutztes „Glasrecycling“ bei hohem Materialwert ist hierbei zu vermuten.[56]

Die auf den kleinräumigen Hüttenplätzen geborgenen gebrauchskeramischen Fundstücke dürften der Formen- und Warenentwicklung der Zeit von 1180-1270 in der Sollingregion (kugelbauchige Warenarten) entsprechen.

Ihre Provenienz ist zwar ungesichert, vermutlich aber der Irdenwareproduktion mittelalterlicher Töpfereien in den historischen Töpferregionen zwischen Weser und Leine [57] und/oder Nordhessen zuzuordnen.

Als nichtkeramisches Fundgut waren Glastropfen, Glaskügelchen und Glasfäden in unterschiedlicher Anzahl, Größe und Färbung anzutreffen, hingegen aber keine sicheren Bodenfunde mittelalterlichen Hohl- wie Flachglases.

Somit bestehen auch keine Anhaltspunkte für das im Umfeld des Hellentals hergestellte Formenspektrum mittelalterlicher Glaswaren.[58]

Vier mittelalterliche Glashüttenstandorte liegen „korrespondierend“ in einem Westtal des nördlichen Hellentals.

Beginnend auf dem Waldplateau des Forstortes Pottbusch im Hochsolling (ca. 440 m üNN) zieht das Seitental bogenförmig im Bereich der Forstorte Steinlade, Heidelbrink und Buchholz zum unteren Hellental, wo es nahe Merxhausen ins Hellental einmündet (ca. 260 m üNN).

Hierbei ist zu erwähnen, dass im oberen Abschnitt des Seitentals zwei Glashütten nahe eines alten talwärts führenden Fahrweges liegen, der in Verbindung mit der nahen „Alten Einbecker Straße“ gesehen werden kann.[59]

Sei die Waldnutzung der Sollingforsten bis in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts (etwa 1150/1200) relativ unproblematisch gewesen, so sei es durch stark vermehrten Holzeinschlag dann während des 13. Jahrhunderts zu einer zunehmenden Holzverknappung und Waldschädigung im Solling gekommen.

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts (etwa 1370/1400) habe sich im Solling die Holzbilanz wieder verbessert.

Diese zeitliche waldökologische Betrachtung von STEPHAN (2010) spiegelt sich auch in der archäologischen Datierung der im Folgenden beschriebenen kleinräumigen mittelalterlichen Glashüttenstandorte im Hellentaler Umfeld wieder.[60]

Diese lagen abseits von dem von der mittelalterlichen agrarischen Besiedlung erfassten nördlichen Sollingrand und ließen keine dauerhaften Siedlungen entstehen.[61]

Schriftliche (archivalische) Zeugnisse zu den mittelalterlichen Waldglashütten im Umfeld des Hellentals konnten erwartungsgemäß nicht erfasst werden.[62]

Am Beispiel der um 1200 betriebenen Waldglashütte „Bremer Wiese“ lassen sich Überlegungen zur Selbstversorgung mittelalterlicher Glasmacherfamilien im Umfeld des Hellentals herleiten.

Zeittypisch wurde auf einer ebenerdigen Feuerstelle gekocht.

Das einfache Koch- und Tafelgeschirr bestand wahrscheinlich aus Ton (Gebrauchskeramik) oder Holz.

Die eher spärliche Alltagsküche der Glasmacherfamilien dürfte zeittypisch bestimmt und die Kochstelle mit Kugeltöpfen und Grapen (Dreibeintöpfe) zum Zubereiten von Speisen am offenen Feuer ausgestattet gewesen sein.

Getreide war als Grundnahrungsmittel - als Grundstoff für Brot und Brei - für das Überleben unverzichtbar.

Winterfester Roggen war das wichtigste Brotgetreide (Schwarzbrot), Hafer das wichtigste Breigetreide ("Haberbrey" als Morgenspeise).

Die Küche dürfte sich als fleischarm (Frischfleisch) bei geringer Variationsbreite erwiesen haben, wobei es spekulativ bleiben muss, ob es gelegentlich frischen Fisch aus dem Helle-Bach gab. Für „muos“ wurden vermutlich Erbsen, Linsen und Bohnen verwandt.[63]

Der Fund zweier stufig abgedrehter Spinnwirtel aus dem »Bodenarchiv« der Glashütte „Bremer Wiese“ belegt, dass hier von Glasmacherfamilien textiles Handwerk ausgeübt wurde.

Die Spinnwirtel gewähren somit einen alltagsgeschichtlichen Einblick in die soziale Gruppe von Glasmachern im mittelalterlichen Solling.

Es ist anzunehmen, dass in der glasgewerblichen Kleinsiedlung von Glasmacherfrauen und/oder Kindern Handspindeln zum Garnspinnen eingesetzt wurden, um Textilien des täglichen Gebrauchs auf der abgelegenen Waldglashütte selbst herzustellen.

 

Mittelalterliche Oberflächenfundplätze

 

(1) Glashütte „Am Steinbeckshai[64]

Fundstellen-Nr.: HtGM 1-1 [65]

Datierung: 12./13. Jahrhundert (Jahrzehnte um 1200)

 

(2) Glashütte "Köhlerrinne"

Fundstellen-Nr. HtGM 1-5

Vorläufige Datierung: mittelalterlich

 

(3) Glashütte „An der Köhlerrinne I[66]

Fundstellen-Nr.: HtGM 1-2

Datierung: 12./13. Jahrhundert (ab etwa 1200)

 

(4) Glashütte „An der Köhlerrinne II [67]

Fundstellen-Nr.: HtGM 1-3

Datierung: 12./13. Jahrhundert (Jahrzehnte um 1200)

 

(5) Glashütte „Steinlah[68]

Fundstellen-Nr.: HtGM 1-4

Datierung: nach 1220 – vor 1300

 

(6) Glashütte „Bremer Wiese[69] 

Fundstellen-Nr.: HtGM 2-1

Datierung: um 1200

 

(7) Glashütte „Schoppe Wiese[70]

Fundstellen-Nr.: HtGM 2-2

grobe Datierung: 13./14. Jahrhundert

 

(8) Glashütte „Am Teufelsborn[71]

Fundstellen-Nr.: HtGM 2-3

Datierung: 13. Jahrhundert

 

(9) Glashütte "Am Banksbrink"

Fundstellen-Nr.: HtGM 2-4

grobe Datierung: 12./13. Jahrhundert 


(10) Glashütte „Am Hasenlöffelborn[72]

Fundstellen-Nr.: HtGM 2-5

Datierung vorläufig: 12./13. Jahrhundert?

 

(11) Waldglashütte „Zum Winkel[93]

Fundstellen-Nr.: HtGM 3-1

Datierung: Mitte 12. bis Anfang 13. Jahrhundert

 

(12) Glashütte "Im Hundebruch"

Fundstellen-Nr.: ShGM 1-1

Datierung vorläufig: Frühes 13. Jahrhundert

 

 

Glashütten der Frühen Neuzeit

Erstes Drittel 17. Jahrhundert

Vornehmlich im 16. und 17. Jahrhundert entfaltete sich die Blütezeit des Glashüttenwesens im Weser-Leine-Bergland.

Die zunehmende Nachfrage führte zur Vergrößerung der Glasproduktionsstätten.

So entstanden kleine, häufig sozial isolierte Siedlungen auf Zeit mit einem Wohn- und einem Werkbereich.

Nach STEPHAN erlebte nach dem 13./14. Jahrhundert die Glasherstellung im Solling in der Zeit um 1650 eine erneute Konjunktur.[73]

In diesem glashistorischen Kontext sind im Umfeld des Hellentals zwei Hohl- und Flachglaswaren herstellende, großräumige Waldglashütten des ersten Drittels des 17. Jahrhunderts zu sehen.[74]

Beide Hüttenanlagen unterstanden der Verwaltung des Wolfenbütteler Amtssitzes Fürstenberg als forstlicher Unterbehörde unter der Regentschaft des Herzogs Friedrich Ulrich [*1591 / reg. 1613 - †1634].

Bei den beiden abgelegenen glastechnischen Bodendenkmalen handelte es sich wahrscheinlich um größere, weilerartige Glasmachersiedlungen mit Produktions-, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden; Relikte der Wohnbereiche konnten bislang aber nicht sicher gefunden werden.

Hinsichtlich deren Betriebsdauer ist anzunehmen, dass sie standortfest längstens etwa 10-25 Jahre produzierten, denn traditionelle frühneuzeitliche Waldglashütten dürften nach STEPHAN (2010) aus holzökonomischen Gründen selten mehr als diesen Zeitraum an einem Ort existiert haben.[75]

In dem relativ genauen topografischen Solling-Kartenwerk [76] von 1603 des Kartografen Johannes Krabbe sind keine Signaturhinweise oder textuelle Einträge, die auf das damalige Bestehen einer oder mehrerer Glashütten oder Hüttensiedlungen im "Helldahl" oder in dessen unmittelbaren naturräumlichen Nachbarschaft hinweisen würden.

Daher ist davon auszugehen, dass um 1600 im gesamten Hellental keine Waldglashütten bestanden.

Ohnehin sei es im 16. Jahrhundert erneut im Solling zur Holzverknappung gekommen.[77]

Untersuchungen der im oberen Hellentalam "rothen Wasser" produzierenden Waldglashütte [78] ergaben ein regionaltypisches Hohl- und Flachglasspektrum der Spätrenaissance.

Zum einen sind Hohlglasgruppen unterschiedlicher Formen, Verzierungen und Farbgebungen nachzuweisen, zum anderen Fenster- und Butzenscheiben.

Weiteres Fundgut dokumentiert einen sozio-ökonomisch gehobenen Lebensstil auf der Glashütte mit weitläufigen Handelsbeziehungen.

Anzahl und Anordnung der teils markanten Ofenhügel lassen differenzierte Arbeitsprozesse beim Glashüttenbetrieb annehmen.

Umfang und Art der Bodenfunde legen nahe, dass die Glashütte wahrscheinlich über einen längeren Zeitraum hinweg betrieben wurde, wobei die durchschnittliche Funktionsdauer einer frühneuzeitlichen Haupthütte mit 10-30 Jahren angesetzt werden kann.[79]

Als Betriebsgemeinschaft dürften etwa 20–30 Hüttenbeschäftigte [80] sowie Personen ihrer Familien im oberen Hellental gelebt, gearbeitet und sich durch eine „kleine Landwirtschaft“ selbst versorgt haben.

Nur in einem Fall lässt sich archivalisch nachweisen, dass von einem Glasmacher namens Hans Drebing (Hanß Derbbing) Trinkgläser aus dem Hellental für die Alltagstafel der fürstlichen Hofhaltung in Wolfenbüttel unter Herzog Friedrich Ulrich [reg. 1613-1634] geliefert wurden.

Eine Kammerrechnung weist aus, dass aus dem Solling an den Wolfenbütteler Hof um 1617/1618 gelieferte Trinkgläser einer inländischen Glashütte im Hellental zuzuordnen seien:[81]

  • "Außgabe auff die Hoff-Haltung] Nro. 20. Dem Glaser im Hellthaell M. Hanß Derbbing fur gleser zur Fr. hoffhaltunge …"

Bei unbekanntem Pachtzins für den Hüttenbetrieb seien Trinkgläser im Wert von "21 fl" (Gulden) und "6 mgr" (Mariengroschen) geliefert worden.

Holzökonomisch wäre eher davon auszugehen, dass die beiden Hellentaler Glashütten nicht zeitgleich produzierten.

Dem gegenüber belegt aber eine Forstrechnung des Amtes Fürstenberg von 1624/1625 eine obere und eine untere Glashütte im "Hellthall" mit einem Jahreszins von 405 Gulden.[82]

Fraglich ist, ob womöglich der "Glaser" Hans Derbbing beide Hellentaler Glashütten betrieben hat.[83]

Eine eindeutige Zuordnung der Kammerrechnungen zu einer der beiden Waldglashütten ist bislang nicht möglich.

 

Frühneuzeitliche Oberflächenfundplätze

 

(1) Glashütte „Oberes Hellental[84]

Fundstellen-Nr.: HtGfN 1-1

Datierung: Erstes Drittel 17. Jahrhundert (um 1617 - um 1625)

 

(2) Glashütte „Am Lummenborn[85]

Fundstellen-Nr.: HtGfN 1-2

Datierung: Erstes Drittel 17. Jahrhundert (um 1624/1625)

 

 

Glashütte der Neuzeit

Erste Hälfte 18. Jahrhundert

Während des 18. Jahrhunderts veränderte sich das Glashüttenwesen insofern, als technologisch weiterentwickelte und auf einen größeren Glaswarenabsatz ausgelegte, ortsfeste Manufakturen errichtet und vorwiegend landesherrlich betrieben wurden.

In dieser Zeit des grundlegenden ökonomischen Wandels trat das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel unter Herzog Carl I. (1713-1780) erstmals als Wirtschaftsförderer und Unternehmer auf.

Fiskalisch bedeutende Wirtschaftszweige, wie die der Glasherstellung, wurden in die landesherrliche Eigenregie übernommen.

So entstanden um 1744/1745 - ganz im merkantilistischen Geiste - neue und zudem dauerhaft angelegte Glashüttensiedlungen im alten braunschweigischen „Weserdistrikt“.

 

Glashütte „Zur Steinbeke“ mit Werkweilersiedlung - "Alte Glase Hütte"

Fundstellen-Nr.: HtGN 1-1

Datierung: um 1715/1717 bis um 1743/1745

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts legten zugewanderte Mecklenburger Glasmacher im Hellental ortsfest die relativ große Glashütte „Zur Steinbeke“ mit Werkweilersiedlung (281 m üNN) in der braunschweigischen „Merxhäuser-Forst“ an - bei BLOSS (1977) unter „Grünglashütte zur Steinbeke im Hellental (1717-1744)“ erwähnt.[86]

Der Hüttenbetrieb des betriebswirtschaftlichen Übergangs wurde just dann eingestellt als durch die Kommerzialisierung von Herrschaftsrechten um 1744 andernorts im braunschweigischen „Weserdistrikt“ (Solling, Hils) erste dauerhafte Glasmanufakturen errichtet wurden.

Dabei handelte es sich um merkantilistische Staatsbetriebe mit landesherrlichem Kapitaleinsatz und zentraler Verwaltung durch den Braunschweiger Hof.

 

 

Literatur zur lokalen Glasgeschichte

BLOSS, OTTO: Die älteren Glashütten in Südniedersachsen. Veröffentlichungen des Instituts für historische Landesforschung der Universität Göttingen. Bd. 9. Hildesheim 1977.

HENNE, ROLAND: Waldglashütten im Bergland an der oberen Weser. 20 Jahre Geländebegehung im Überblick. Verein Heimat und Kultur Gieselwerder e.V. Bd. 3. 2016.

WEBER, KLAUS A.E.: Hellental – Glasproduktionsort, Wiesental und Landhandwerkerdorf einer braunschweigisch-hannoversch-preußischen Grenzregion. In: Kulturpfade. Führer zu kulturhistorisch interessanten Stätten in der VoglerRegion. 2005, S. 68-72.

WEBER, KLAUS A.E.: Waldglashütten in den Solling-Forsten des Hellentals. Beiträge zur Glashüttengeschichte im Solling vom 12./13. bis 18. Jahrhundert. Teil I Glashüttenforschung im Umfeld des Hellentals. Sollinger Heimatblätter. Zeitschrift für Geschichte und Kultur. 1/2012, S. 14-21.

WEBER, KLAUS A.E.: Waldglashütten in den Solling-Forsten des Hellentals. Beiträge zur Glashüttengeschichte im Solling vom 12./13. bis 18. Jahrhundert. Teil II Glashütten des Mittelalters im Umfeld des Hellentals - 12.-14- Jahrhundert. Sollinger Heimatblätter. Zeitschrift für Geschichte und Kultur. 2/2012, S. 8-17.

WEBER, KLAUS A.E.: Waldglashütten in den Solling-Forsten des Hellentals. Beiträge zur Glashüttengeschichte im Solling vom 12./13. bis 18. Jahrhundert. Teil III Glashütten der Frühen Neuzeit im Umfeld des Hellentals - 1. Hälfte 17. Jahrhundert.  Sollinger Heimatblätter. Zeitschrift für Geschichte und Kultur. 3/2012, S. 13-22.

WEBER, KLAUS A.E.: Waldglashütten in den Solling-Forsten des Hellentals. Beiträge zur Glashüttengeschichte im Solling vom 12./13. bis 18. Jahrhundert. Teil IV Glashütten der Frühen Neuzeit im Umfeld des Hellentals - 1. Hälfte 18. Jahrhundert. Sollinger Heimatblätter. Zeitschrift für Geschichte und Kultur. 4/2012, S. 15-24.

 

 

Abbildung: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] WEBER 2012d, S. 15-18; STEPHAN 2010, S. 526-527 (81).

[2] LEIBER 2012a, S. 70-72.

[29] STEPHAN 2010, S. 136.

[49] STEPHAN 2010, S. 133-143, 514; LEIBER 2011.

[50] STEPHAN 2010, S. 260-263; KÖNIG 2009, S. 188-191, 270-271; STEPHAN/TRÖLLER-REIMER 2004, S. 46-48; STEPHAN 2007, S. 34-38.

[51] STEPHAN 2010, S. 514.

[52] STEPHAN 2010, S. 137, 143; LEIBER 1994, S. 24.

[53] WEBER 2012b, S. 14-21; STEPHAN 2010, S. 509.

[54] WEBER 2012c, S. 8-17; STEPHAN 2010, S. 136, 139.

[55] STEPHAN 2010, S. 138, 509.

[56] KÖNIG/KRABATH 2005, S. 16.

[57] vermutlich vor allem aus Töpfereien um Fredelsloh.

[58] Seltene, teils hervorragende Beispiele für möglicherweise regionale Waldglasobjekte des Hochmittelalters ergaben sich bei den interdisziplinären archäologischen Untersuchungen der Stadtwüstung Nienover im Solling (stadtzeitliche Gläser um 1200): LEIBER 1994, S. 22-25; Sachkultur Glas - Stadtwüstung Nienover bei KÖNIG 2009, S. 188-191, 270-271, Tafel 37, 77; STEPHAN/TRÖLLER-REIMER 2004, S. 46-48; STEPHAN 2007, S. 34-38; STEPHAN 2010, S. 260-263.

[59] WEBER 2012c, S. 8-17.

[60] STEPHAN 2010, S. 134.

[61] Ungeklärt bleibt bislang die Frage, wer das Errichten und den Betrieb der frühesten Glashütten im Solling wie im Umfeld des Hellentals veranlasste. Bei fehlendem Nachweis muss es spekulativ bleiben, ob hier lokalisierte mittelalterliche Glashütten einen Zusammenhang mit kirchlichen Einrichtungen (Klöster, Stifte) besteht und beispielsweise einen unmittelbaren Bezug zum 1129-1135 gegründeten Zisterzienserkloster Amelungsborn bei Negenborn aufweisen: STEPHAN 2010, S. 134, 139; KIRCHE 2005, S. 51; LEIBER 1994, S. 18, und 2011.

[62] vergl. STEPHAN 2010, S. 507.

[63] SCHUBERT 2010, S. 72.

[64] WEBER 2012c, S. 9-10; LEIBER 2011; STEPHAN 2010, S. 526 (72, 73); BLOSS 1977, S. 85-86; KLEINAU 1967, S. 268.

[65] eigene Inventarisation (Kennbuchstaben/Ziffer): Ht = Hellental / GM = Glashütte Mittelalter

[66] WEBER 2012c, S. 10-11; LEIBER 2011; STEPHAN 2010, S. 526 (74); LEIBER 2010, Nr. 224 Fundchronik Niedersachsen 2006/2007; BLOSS 1977, S. 86.

[67] WEBER 2012c, S. 11; STEPHAN 2010, S. 526 (75); LEIBER 2010, Nr. 225 Fundchronik Niedersachsen 2006/2007.

[68] WEBER 2012c, S. 11; LEIBER 2011; STEPHAN 2010, S. 526 (76).

[69] WEBER 2012c, S. 12-14; STEPHAN 2010, S. 526 (77).

[70] WEBER 2012c, S. 14; STEPHAN 2010, S. 526 (78).

[71] WEBER 2012c, S. 14-15; STEPHAN 2010, S. 526 (79).

[72] WEBER 2012c, S. 15; STEPHAN 2010, S. 526 (80); BLOSS 1977, S. 88.

[73] STEPHAN 2010, S. 516.

[74] WEBER 2012d, S. 13-22.

[75] STEPHAN 2010, S. 511.

[76] Blatt 12 der faksimilierten Sollingkarte von 1603 [ARNOLD/CASEMIR/OHAINSKI (Hg.), 2004] [StAWF K 202 Blatt 8, 11].

[77] STEPHAN 2010, S. 134.

[78] WEBER 2012d, S. 15-18.

[79] STEPHAN 2010, S. 143.

[80] Arbeitsbericht von MERIAN 1654, zitiert in: LEIBER 1994, S. 27-28.

[81] JÖRN/JÖRN 2007a, S. 99 (Fußnote 348), 156; JÖRN/JÖRN 2007b, S. 193 (W-27, lfd. Nr. 48, f. 152), 223-224 (W-17, 27, lfd. Nr. 48, f. 152), 257 lfd. Nr. 7.

[82] JÖRN/JÖRN 2007a, S. 15 (W-27, Cal. Br. 23/357, f. 173), 99 (Fußnote 348); JÖRN/JÖRN 2007b, S. 257 lfd. Nr. 8.

[83] JÖRN/JÖRN 2007a, S. 156.

[84] WEBER 2012d, S. 15-18; STEPHAN 2010, S. 526-527 (81); BLOSS 1977, S. 88-89, 97; KLEINAU 1967, S. 268.

[85] WEBER 2012d, S. 19; STEPHAN 210, S. 527 (82); BLOSS 1977, S. 97.

[86] WEBER 2012e, S. 15-24; STEPHAN 2010, S. 527 (83); BLOSS 1977, S. 115-116.

[87] StAWb K 9507 / K 14814.

[88] BLOSS 1977, S. 116-119; OHLMS 2006.

[89] StAWb 92 Neu F 501.

[90] ARNOLD/CASEMIR/OHAINSKI (Hg.) 2006.

[93] Im Dorf Hellental konnte an Hand von Geländespuren, Fragmenten von Glashäfen und von Gebrauchskeramik sowie von zahlreicher Glastropfen, die oberhalb des Geländes der neuzeitlichen Waldglashütte "Zur Steinbeke" gefunden wurden, ein weiterer hoch- bis spätmittelalterlicher Glashüttenstandort ausgemacht werden.

[94] STEPHAN 2010, S. 515 Abb. 225.