Datenbank zur Feldforschung Glashüttenwüstungen

Klaus A.E. Weber

 

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“

 

Hinweis

Vor dem Hintergrund, einerseits die durch Geländebegehungen im Umfeld des Hellentals nachgewiesenen Glashüttenstandorte als Kulturdenkmale zu schützen, zu pflegen und wissenschaftlich zu erforschen, andererseits dabei erhobenen Daten für Wissenschaft und Öffentlichkeit zugänglich zu machen, werden diese auf der Website veröffentlicht.

 

Verbreitung mittelalterlicher, frühneuzeitlicher und neuzeitlicher Glashütten im Umfeld des Hellentals[94]

© [hmh, Grafik: Klaus A.E. Weber (2021-02)

 

Raumbezogenes Verzeichnis der Glashütten

Istzustand der Lokalisierung und Chrarkterisierung

- Räumlichen Verteilung der Glashütten und ihrer Geländemerkmale während bestimmter Zeiträume bzw. der Produktionsphase 1-III

- Methodische Einschränkungen: keine archäologisch-geophysikalischen Prospektionen oder archäologische Grabungen und teils ohne präzise Datierung der Bodenfunde - überwiegend erheblich zerscherbte Lesefunde

  • Glashütte │ Höhe │ Gemarkung │ Koordinaten der Fundstellen und eingemessene GPS-Daten sind beim Verfasser und bei der Kommunalarchäologie hinterlegt
  • Fundstellen-Nummer
  • Datierung (archäologische Zeitstellung)
  • Fundumstand
  • Ausdehnung (historische Topografie)
  • Zustand
  • Befunde/Interpretation - Ein-Ofen-Anlage │ Mehr-Ofen-Anlage │ Haupt- oder Nebenofen │ Halde
  • Fundobjekte Objektgruppen: Glas │ Metall │ Keramik

 

Glashüttengeografie

Dabei sind neben den zeitlichen auch kleinräumige Differenzierungen erkennbar.

Sämtliche Glashütten wurden auf der Westseite des Hellentals angelegt.

 

Relative Höhenlage der Glashüttenstandorte

- Tallage:

  • 261-385 m üNN │ 7 mittelalterliche Glashütten
  • 281 m üNN │ 1 neuzeitliche Glashütte
  • 368 m üNN │ 1 frühneuzeitliche Glashütte

- Hanglage:

  • 298 m üNN │ 1 mittelalterliche Glashütte
  • 335 m üNN │ 1 frühneuzeitliche Glashütte

- Hochlage:

  • 397-427 m üNN │ 4 mittelalterliche Glashütten │ 2 frühneuzeitliche Glashütten

 

Räumliche Distanz zwischen den Glashüttenstandorten

- mittelalterliche Glashütten

{HtGM 1-1} → {HtGM 1-2}  ca. 380 m

{HtGM 1-1} → {HtGM 1-2}  ca. 380 m

{HtGM 1-2} → {HtGM 1-3}  ca. 140 m

{HtGM 2-1} → {HtGM 2-6}  ca. 100 m

{HtGM 2-1} → {HtGM 2-2}  ca. 200 m

{HtGM 2-2} → {HtGM 2-3}  ca. 200 m

{HtGM 2-3} → ({HtGM 2-4}?)  ca. 390 m

 

- frühneuzeitliche Glashütten

{HtGfN 1-1} → {HtGfN 1-2}  ca. 1.640 m

{HtGfN 1-1} → {ShGfN 1-1}  ca. 3.200 m

{HtGfN 1-1} → {ShGfN 1-2}  ca. 2.850 m

 

Standort an zwei Fließgewässern

Die Glashüttenstandorte zeichnen sich geografisch dadurch aus, dass sie regelhaft im unmittelbaren Umfeld zumindest zwei Fließgewässer erkennen lassen.

Es sind einerseits noch heute saisonal mehr oder minder Wasser führende Bachläufe, andererseits ehemals bestehende Wasserläufe, deren Bodenstruktur sich im Gelände abbildet.

 

Fundorte in zeitlicher Differenzierung

"Waldglas" gilt als als eigene Epoche der Glasherstellung - vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit.

 

Glashütten des Mittelalters 

wahrscheinlich vorwiegend um 1170–1300 betriebene Waldglashütten [1]

 

(1) Glashütte „Am Steinbeckshai[64]

Fundstellen-Nr.: HtGM 1-1 [65]

Datierung: 12./13. Jahrhundert (Jahrzehnte um 1200)

Archäologisches Denkmal

 

(2) Glashütte "Köhlerrinne"

Fundstellen-Nr. HtGM 1-5

Vorläufige Datierung: mittelalterlich

 

(3) Glashütte „An der Köhlerrinne I[66]

Fundstellen-Nr.: HtGM 1-2

Datierung: 12./13. Jahrhundert (ab etwa 1200)


(4) Glashütte „An der Köhlerrinne II [67]

Fundstellen-Nr.: HtGM 1-3

Datierung: 12./13. Jahrhundert (Jahrzehnte um 1200)

 

(5) Glashütte „Steinlah[68]

Fundstellen-Nr.: HtGM 1-4

Datierung: nach 1220 – vor 1300

 

(6) Glashütte „Bremer Wiese[69] 

Fundstellen-Nr.: HtGM 2-1

Datierung: 12./13. Jahrhundert │ vor/um 1200

 

(7) Glashütte „Schoppe Wiese[70]

Fundstellen-Nr.: HtGM 2-2

grobe Datierung: 13./14. Jahrhundert

 

(8) Glashütte „Am Teufelsborn[71]

Fundstellen-Nr.: HtGM 2-3

Datierung: 13. Jahrhundert

 

(9) Glashütte "Am Banksbrink"

Fundstellen-Nr.: HtGM 2-4

grobe Datierung: 12./13. Jahrhundert 


(10) Glashütte „Am Hasenlöffelborn[72]

Fundstellen-Nr.: HtGM 2-5

Datierung vorläufig: 12./13. Jahrhundert?

 

(11) Glashütte „Zum Winkel[93]

Fundstellen-Nr.: HtGM 3-1

Datierung: Mitte 12. bis Anfang 13. Jahrhundert

 

(12) Glashütte "Im Hundebruch"

Fundstellen-Nr.: ShGM 1-1

Datierung vorläufig: Frühes 13. Jahrhundert

 

Glashütten der Frühen Neuzeit 

Erstes Drittel 17. Jahrhundert

 

(1) Glashütte „Oberes Hellental[84]

Fundstellen-Nr.: HtGfN 1-1

Datierung: Erstes Drittel 17. Jahrhundert (um 1617 - um 1625)

Archäologisches Denkmal

 

(2) Glashütte „Am Lummenborn[85]

Fundstellen-Nr.: HtGfN 1-2

Datierung: Erstes Drittel 17. Jahrhundert (um 1624/1625)

Archäologisches Denkmal

 

(3) Glashütte „Beim Hasselborn

Fundstellen-Nr.: ShGfN 1-1

Datierung: um 1600 (1597-1608)

 

Glashütte der Neuzeit

Erste Hälfte 18. Jahrhundert

Glashütte „Steinbeke“ mit Werkweilersiedlung - "Alte Glase Hütte"

Fundstellen-Nr.: HtGN 1-1

Datierung: um 1715/1717 bis um 1743/1745

 

 

Literatur zur lokalen Glasgeschichte

BLOSS, OTTO: Die älteren Glashütten in Südniedersachsen. Veröffentlichungen des Instituts für historische Landesforschung der Universität Göttingen. Bd. 9. Hildesheim 1977.

HENNE, ROLAND: Waldglashütten im Bergland an der oberen Weser. 20 Jahre Geländebegehung im Überblick. Verein Heimat und Kultur Gieselwerder e.V. Bd. 3. 2016.

WEBER, KLAUS A.E.: Hellental – Glasproduktionsort, Wiesental und Landhandwerkerdorf einer braunschweigisch-hannoversch-preußischen Grenzregion. In: Kulturpfade. Führer zu kulturhistorisch interessanten Stätten in der VoglerRegion. 2005, S. 68-72.

WEBER, KLAUS A.E.: Waldglashütten in den Solling-Forsten des Hellentals. Beiträge zur Glashüttengeschichte im Solling vom 12./13. bis 18. Jahrhundert. Teil I Glashüttenforschung im Umfeld des Hellentals. Sollinger Heimatblätter. Zeitschrift für Geschichte und Kultur. 1/2012, S. 14-21.

WEBER, KLAUS A.E.: Waldglashütten in den Solling-Forsten des Hellentals. Beiträge zur Glashüttengeschichte im Solling vom 12./13. bis 18. Jahrhundert. Teil II Glashütten des Mittelalters im Umfeld des Hellentals - 12.-14- Jahrhundert. Sollinger Heimatblätter. Zeitschrift für Geschichte und Kultur. 2/2012, S. 8-17.

WEBER, KLAUS A.E.: Waldglashütten in den Solling-Forsten des Hellentals. Beiträge zur Glashüttengeschichte im Solling vom 12./13. bis 18. Jahrhundert. Teil III Glashütten der Frühen Neuzeit im Umfeld des Hellentals - 1. Hälfte 17. Jahrhundert.  Sollinger Heimatblätter. Zeitschrift für Geschichte und Kultur. 3/2012, S. 13-22.

WEBER, KLAUS A.E.: Waldglashütten in den Solling-Forsten des Hellentals. Beiträge zur Glashüttengeschichte im Solling vom 12./13. bis 18. Jahrhundert. Teil IV Glashütten der Frühen Neuzeit im Umfeld des Hellentals - 1. Hälfte 18. Jahrhundert. Sollinger Heimatblätter. Zeitschrift für Geschichte und Kultur. 4/2012, S. 15-24.



[1] STEPHAN 2020, S. 135.

[29] STEPHAN 2010, S. 136.

[64] KLEINAU 1967, S. 268; BLOSS 1977, S. 85-86; STEPHAN 2010, S. 526 (72, 73); LEIBER 2011;WEBER 2012c, S. 9-10.

[65] eigene Inventarisation (Kennbuchstaben/Ziffer): Ht = Hellental / GM = Glashütte Mittelalter

[66] BLOSS 1977, S. 86; LEIBER 2010, Nr. 224 Fundchronik Niedersachsen 2006/2007; STEPHAN 2010, S. 526 (74); LEIBER 2011; WEBER 2012c, S. 10-11.

[67] STEPHAN 2010, S. 526 (75); LEIBER 2010, Nr. 225 Fundchronik Niedersachsen 2006/2007; WEBER 2012c, S. 11.

[68] STEPHAN 2010, S. 526 (76); LEIBER 2011; WEBER 2012c, S. 11.

[69] STEPHAN 2010, S. 526 (77); WEBER 2012c, S. 12-14.

[70] STEPHAN 2010, S. 526 (78); WEBER 2012c, S. 14.

[71] STEPHAN 2010, S. 526 (79); WEBER 2012c, S. 14-15.

[72] BLOSS 1977, S. 88; STEPHAN 2010, S. 526 (80); WEBER 2012c, S. 15.

[84] KLEINAU 1967, S. 268; BLOSS 1977, S. 88-89, 97; STEPHAN 2010, S. 526-527 (81); WEBER 2012d, S. 15-18.

[85] BLOSS 1977, S. 97; STEPHAN 210, S. 527 (82); WEBER 2012d, S. 19. 

[86] BLOSS 1977, S. 115-116; STEPHAN 2010, S. 527 (83); WEBER 2012e, S. 15-24.

[87] NLA WO, K 9507 / K 14814.

[88] BLOSS 1977, S. 116-119; OHLMS 2006.

[89] NLA WO, 92 Neu F 501.

[90] ARNOLD/CASEMIR/OHAINSKI (Hg.) 2006.

[93] Im Dorf Hellental konnte an Hand von Geländespuren, Fragmenten von Glashäfen und von Gebrauchskeramik sowie von zahlreicher Glastropfen, die oberhalb des Geländes der neuzeitlichen Waldglashütte "Zur Steinbeke" gefunden wurden, ein weiterer hoch- bis spätmittelalterlicher Glashüttenstandort ausgemacht werden.

[94] vergl. STEPHAN 2010, S. 515 Abb. 225.