"Nachkriegszeit" - Die schweigende Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg

Klaus A.E. Weber

 

Flucht & Vertreibung 1945-1950

Als nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Juli 1945 die Vertreibungen aus den deutschen "Ostgebieten" und aus Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa begannen, wurden die Vertriebenen, neben den Geflüchteten, in der Britischen Besatzungszone auch dem  Landkreis Holzminden zugewiesen.

So gab es auch notdürftig untergebrachte Vertriebene und Flüchtlinge in Hellental.

 

Lebensmittelkarten & Sonderrationen

In den ersten Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges boten Lebensmittelkarten für Normalverbraucher*innen die alleinige Möglichkeit, um per Zuteilung legal eine bestimmte Menge an Nahrungsmitteln pro Tag erwerben zu können:[1]

  • 285 g Kartoffeln

  • 16 g Fleisch

  • 0,1 l Milch

  • 250 g Brot

  • 7 g Fett

  • 35,5 g Nährmittel

  • 18 g Zucker

  • 4,6 g Kaffee-Ersatz.

Für Schwerarbeiter wies im August 1946 die Lebensmittel-Ergänzungskarte, deren Marken vier Wochen gültig waren, in der britischen Besatzungszone im Regierungsbezirk Hannover als Sonderrationen aus:

  • 62,5 g Fett

  • 50 g Fleisch

 

1956 - Mit dem Holzkoffer nach Hellental

Wie die meisten entlassenen Kriegsgefangenen kam der 1902 in Lassek (Kreis Posen) geborene Wilhelm Schulz, ehemals Besitzer eines Bauernhofes in Heinzendorf, mit einem einfachen Holzkoffer im Grenzdurchgangslager Friedland an.

Der um 1945 als verurteilter „Zivilinternierter“ aus einem sowjetischen Internierungslager im Januar 1956 entlassene Wilhelm Schulz durchlief hier den Aufnahmeprozess: Kontrolle │ Erfassung/Registrierung │ Versorgung/Betreuung/Gesundheitskontrolle │ Weiterleitung.

In Ermangelung eines neuen „richtigen, anständigen Koffers“ gelangte der Landwirt im Februar 1956 mit einem schlichten Sperrholzkoffer in die Gemeinde Hellental, wo ein familiärer Anschluss bestand.

Häufig dienten Holzkoffer während der Internierung in der Sowjetunion als Ersatz für einen Spind.

 

Hellentaler Kulturfrauen

                                                         Hellentaler Kulturfrauen in den 1950er Jahren

 

Die großflächige Übernutzung des Waldes in den Jahren 1945-1948 in Folge des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) und die Wiederaufforstung mit Kiefern und Fichten durch Kulturfrauen in der "Nachkriegszeit".

 

Wie nationalsozialistisches Gedankengut unreflektiert nachwirkte ...

Um der bislang namenlos gebliebenen evangelisch-lutherischen Kapelle in Hellental einen Namen zu geben, erfolgte ehemals der Vorschlag des Kirchengemeinde Heinade an die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover, den Namen "Hubertus-Kapelle" zu nehmen.

Nachvollziehbar lehnte die Landeskirche Hannover dieses historisch völlig unreflektierte bishin lügenhafte Ansinnen der Kirchengemeinde ab.

Das "Unternehmen Hubertus" war einst ein militärisches Pionierunternehmen der deutschen 6. Armee in der Schlacht um Stalingrad im November 1942.

 

Fotografien:

© Klaus A.E. Weber, Hellental

© HISTORISCHES MUSEUM HELLENTAL



[1] MÜNTEFERING 2020d.