"Nachkriegszeit" - Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg

Klaus A.E. Weber

 

Relativ späte "Entdeckung" des abgelegenen Sollingdorfes[2]

Erst acht Tage nach Kriegsende [3] wurde das entlegene Waldarbeiterdorf im Solling entdeckt, da zuvor der Wegweiser in Merxhausen am nördlichen Sollingrand entfernt worden war.

Hellental wurde dann Tag und Nacht auch mit Panzern bewacht, da die anglo-amerikanische „Besatzung“ gedacht haben soll, dass hier der „Werwolf“ ansässig sei - weil jemand im Dorf in seiner deutschen Militär-Uniformjacke als hinzu gekommener Soldat Holz gehackt habe.

Geflohen, da er verfolgt wurde, sei er nie wieder gesehen worden.

Im umgebenden östlichen Sollingforst („Mackensches Holz“) lagen dann zahlreich weggeworfene Waffen umher.

Dadurch waren im Dorf einige Wilddiebe zugegen, die sich der Schusswaffen bedienten.

Später mussten alle Waffen an die englischen Streitkräfte abgegeben werden.

Hellental zählte dann zur „Englischen Zone“.

 

Gedenken der Männer als Soldaten im Zeiten Weltkrieg - und die anderen?

Eingemeißelt in eine Steinplatte des so genannten Hellentaler Ehrenmals (was auch immer an einem Krieg "ehrenvoll" sein soll [4]) - im Dorf auch „Kriegerdenkmal“ genannt - an der Ecke Sollingstraße/Hauptstraße sind auf einer Seite die Familiennamen, Vornamen und der Tag des Sterbens von im Zweiten Weltkrieg gefallenen oder vermißten Soldaten aufgelistet.

 

So genanntes Ehrenmal in Hellental, um 1940 [1]

 

1956 - Mit dem Holzkoffer nach Hellental

Wie die meisten entlassenen Kriegsgefangenen kam der 1902 in Lassek (Kreis Posen) geborene Wilhelm Schulz, ehemals Besitzer eines Bauernhofes in Heinzendorf, mit einem einfachen Holzkoffer im Grenzdurchgangslager Friedland an.

Der um 1945 als verurteilter „Zivilinternierter“ aus einem sowjetischen Internierungslager im Januar 1956 entlassene Wilhelm Schulz durchlief hier den Aufnahmeprozess: Kontrolle │ Erfassung/Registrierung │ Versorgung/Betreuung/Gesundheitskontrolle │ Weiterleitung.

In Ermangelung eines neuen „richtigen, anständigen Koffers“ gelangte der Landwirt im Februar 1956 mit einem schlichten Sperrholzkoffer in die Gemeinde Hellental, wo ein familiärer Anschluss bestand.

Häufig dienten Holzkoffer während der Internierung in der Sowjetunion als Ersatz für einen Spind.

 

Hellentaler Kulturfrauen


Hellentaler Kulturfrauen in den 1950er Jahren

 

Die großflächige Übernutzung des Waldes in den Jahren 1945-1948 in Folge des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) und die Wiederaufforstung mit Kiefern und Fichten durch Kulturfrauen in der "Nachkriegszeit".

 

Wie nationalsozialistisches Gedankengut unreflektiert nachwirkte ...

Um der bislang namenlos gebliebenen evangelisch-lutherischen Kapelle in Hellental einen Namen zu geben, erfolgte ehemals der Vorschlag des Kirchengemeinde Heinade an die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover, den Namen "Hubertus-Kapelle" zu nehmen.

Nachvollziehbar lehnte die Landeskirche Hannover dieses historisch völlig unreflektierte bishin lügenhafte Ansinnen der Kirchengemeinde ab.[4]

Das "Unternehmen Hubertus" war einst ein militärisches Pionierunternehmen der deutschen 6. Armee in der Schlacht um Stalingrad im November 1942.

 

 

Fotografie: Archiv HGV-HHM

 


[1] Ausschnitt aus einer alten Ansichtskarten von Hellental, um 1940 (Archiv HGV-HHM).

[2] Nach einer persönlichen Erzählung von Hannelore Schulz, Hellental.

[3] Kapitulation am 08./09. Mai 1945 in Berlin.

[4] vergl. WIDMANN 2019b/c.