Merxhausen - vom Spätmittelalter bis heute

Klaus A.E. Weber

 

1268 - Erstmals urkundlich fassbar


Merxhausen - Grußpostkarte [3]

 

Am nordöstlichen Rand des Naturparks Solling-Vogler gelegen, erstreckt sich entlang einer ehemaligen Handel- und Heeresstraße ("Einbecker Landstraße") die mittelalterliche Dorfanlage des 1268 erstmals archivalisch hinreichend sicher fassbaren Grenzortes Merxhausen.[1][2]

  • Der Atlas von Gottfried MASCOP weist 1574 "Merkelshusen" als „Einzelhof / Kleine Siedlung“ in der Karte des Amtes Fürstenberg aus.[7]

  • In dem Blatt 11 der von KRABBE im herzoglichen Auftrag erstellten topografischen „Solling-Karte“ von 1603 trägt das Dorf nachweislich den Namen "Marckshusen", von dem aus der "Holzmindischweg" in den Sollingforst führte.

  • Der 1745 angefertigte "Geometrische Grundriss Der Merxhäuser-Forst" weist bereits den heutigen Namen "Merxhausen" aus.[8]

  • Die berühmte Reichsabtei "Korvei" - ein ehemaliges Benediktinerkloster (Kloster Corvey) - an der Weser soll um 822 „im Ort das Gut eines Wulfhart“ erworben haben.

In den Folgejahren des Hoch- und Spätmittelalters wurden die Eigentumsverhältnisse in und um Merxhausen recht kompliziert.

Als herzogliches Lehen soll Merxhausen zunächst an den "Einspännigen Lotze Reth" gegangen sein, 1569-1771 an den "von Campe Hof" mit 10 Morgen Land und Wiese.

Auch das Kloster Reinhausen soll angeblich (1168) hier eine Hufe Land gehabt haben [9], was allerdings archivalisch nicht nachvollziehbar und daher abzulehnen ist.[2]

 

Der „Zehnte“ & Lehen

Der „Zehnte“ soll Mainzsches Lehen der Grafen von Everstein gewesen sein.

Er soll von ihren gleichnamigen Ministerialien, "Dienstmannen", die sich im 12. und 13. Jahrhundert zum niederen Adel emanzipierten, dann 1223 an das Kloster "Hilwardshausen" übergegangen sein, überlassen vom Grafen Conrad von Eberstein.

Auf Grund der Zustimmung (Erzbischof) und Zehntenüberweisung ist es wahrscheinlich, dass "Martekeshusen" in der "Diöcese Mainz, Gau Suilbergi", gelegen haben könnte.[10]

1584, 1622 und 1763 gehörte der „Zehnte“ von 256 Morgen in Merxhausen dem Herzog von Braunschweig.[11]

Urkundlich ist bekannt[12], dass Herzog Heinrich der Jüngere am 16. September 1562 den Reitersoldaten "Lutz Reth" mit Hof und Land in Merxhausen belehnte.

Eine nach dem Ort benannte Familie, die möglicherweise dem Ritterstand angehörte, erschien 1246 in Beziehung zum Kloster Hilwartshausen und 1268 in der Umgebung der "Grafen von Dassel".[13]

In diesem Teil des Weserberglandes stießen ursprünglich die Grenzen der Bistümer Hildesheim, Mainz und Paderborn zusammen.

  • 1518 und 1520 behauptete der Bischof von Hildesheim im Streit mit dem Braunschweiger Herzog Heinrich dem Jüngeren die Zugehörigkeit von Merxhausen zu seinem Gericht Hunnesrück.

  • Um 1600 unterstand Merxhausen gerichtlich dem Amt Fürstenberg, dann dem Amt Allersheim, später dem Amtsgerichtsbezirk Stadtoldendorf.

  • Zuvor, 1512-1556, soll Merxhausen zum Hause Forst gehört haben.[14]

Hans Stucken, wahrscheinlich Vater des 1585 durch fremde Hand getöteten „Pirschknechts“ und „Wildschützen“ Arndt Stucken[15], diente im gleichen Jahr in Merxhausen als Försterknecht.

Er stieg, was damals recht ungewöhnlich war, 1578 zum Oberförster am Solling auf und wurde 1599 wegen „Alters“ entlassen.[16]

  • 1763 bestand in Merxhausen eine herzogliche Nebenzollstation (Nr. 20).

  • Bis 1698 war Merxhausen kirchlich eine Filialgemeinde von Mackensen, danach Filial von Heinade.

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[1] CASEMIR/OHAINSKI im Ortsnamenbuch Landkreis Holzminden aus dem Jahr 2007, S. 156-157.

[2] Festvortrag von Frau Dr. Gudrun Pischke vom Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Göttingen und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Südniedersächsische Heimatforschung am 24. April 2018 im Gasthaus Grenzkrug bei Merxhausen.

[3] Ortsarchiv HGV-HHM in Heinade.

[7] OHAINSKI/REITEMEIER (Hg.): Das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel im Jahr 1574 -  Der Atlas des Gottfried Mascop. Bielefeld 2012, S. 186-187.

[8] NStAWb Forstkarte 92 Neu F Nr. 501.

[9] KLEINAU 1968, S. 401.

[10] ANDERS 2004, S. 15; RAULS 1983, S. 22 f., 50; STEINACKER 1907, S. 190; KNOLL/BODE 1891; S. 395.

[11] KLEINAU 1968, S. 401; STEINACKER 1907, S. 190.

[12] NStAWb Urk. Abt. 43, Nr. 45.

[13] STEINACKER 1907, S. 190.

[14] KLEINAU 1968, S. 401

[15] Ein Gedenkstein mit Text („Stuckenstein“) oberhalb von Lüchtringen ist dem „durch Pulver und Lot“ an Christi Himmelfahrt 1585 umgebrachten Arndt Stucken gewidmet.

[16] KIECKBUSCH 2004, S. 14, 124 f., 130.