Fragile Glaswaren: Transport & Handel

Klaus A.E. Weber

 

Eine wesentliche Rahmenbedingung für die Standortauswahl und den Gewinn bringenden Betrieb einer Glashütte war auch deren Nähe zu regional günstigen Verkehrsanbindungen (Weser, landfeste Fernhandelsrouten).

Bereits um 1600 hatte jedes zweite auf der Weser nach Bremen fahrende Schiff eine wertvolle Glasfracht geladen.

Von Bremen aus wurden Glaswaren auch nach Übersee verfrachtet.

Die im 17. Jahrhundert in kultureller Blüte stehenden Niederlande waren die Hauptabnehmer für deutsches Waldglas.

 

 


Die Weser war ein bedeutender Transportweg für den schonenden Versand von Glasprodukten, wohl auch für solche der frühneuzeitlichen Glashütten des Hellentals.

Zur Verfrachtung regional produzierter Glaswaren diente der alte Hafen in Holzminden, von dem aus tausende von Gläsern Weser abwärts bis Bremen verschifft und in die Niederlande vertrieben wurden, um von dort aus auch nach Übersee zu gelangen.

Der Transport auf der Weser erfolgte mit besonderen Weserschiffen (Weser-Bockschiff mit „Bulle“ und „Hinterhang“) und Flößen.

 

Am Rande einer historischen Handelstraße

Wie Glashütten des Hoch- bis Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit, so war auch die neuzeitliche Glashütte Zur Steinbeke im Hellental typischerweise weit abseits bestehender Siedlungen und Güter in einem Waldgebiet im Hellental errichtet worden, aber am Rande einer historischen Handelstraße.

In nördlicher Richtung vom Hellental verlief ehemals ein bedeutender Hauptverkehrsweg, die von Westfalen nach Leipzig führende Heer- und Handelsstraße Holzminden–Schießhaus–Merxhausen–Mackensen–Dassel-Einbeck („Alte Einbecker Straße“).

Teile der Bevölkerung umliegender Dörfer - Merxhausen, Heinade, Deensen - dürften von der Hellentaler Glasproduktion profitiert haben, durch Tagelöhnerdienste und Bauern und Fuhrknechte durch Karrenfuhren zum Transport von Glasrohstoffen und Glaswaren.[2]

Ohnehin war der einträgliche Glashandel in jener Zeit bereits überregional und supranational organisiert - mit einem Netzwerk von bewährten Vertriebswegen und Absatzgebieten.

 

Verpacken & Transportieren

Zum Transport wurden die Steinbeker Glasprodukte von einem Einfasser in feuchtes Stroh eingebunden.

Die Hohlglasprodukte dürften vorwiegend zum Eigenverbrauch im Herzogtum Braunschweig hergestellt und daher hauptsächlich auf dem beschwerlichen Landweg transportiert worden sein.

Nördlich vom Hellental verlief damals der historische Hauptverkehrsweg, die von Westfalen nach Leipzig führende Heer- und Handelsstraße Holzminden–Schießhaus–Merxhausen–Mackensen–Dassel-Einbeck.

Die Anbindung zur nahen „Einbecker Landstraße“ dürfte für den Hüttenstandort Zur Steinbeke von verkehrstechnisch von einer entscheidenden Bedeutung gewesen sein.

Ansonsten ist zu erwarten, dass Steinbeker Glasprodukte auch über die Weser vom Holzmindener Hafen aus bis nach Bremen verschifft wurden.

Das Glas dürfte dabei üblicherweise mit Wagen, Karren, Eseln und Reffen transportiert worden sein.[1]

 

Kistenmacher & Holzkisten mit Roggenstroh zum Transport von Hohlgläsern

Zu ihrem Schutz während des oft langen und weiten Transports wurden die Glaswaren am Hüttenstandort zunächst in (Roggen-)Stroh oder Heu eingewickelt und danach in Holzkisten, Weidenkörbe, Kiepen, Säcke oder Fässer versandfertig eingepackt.

 

Holzkiste mit Roggenstroh zum Transport von Hohlgläsern

LWL-Glasmusuem Gernheim, 2014

 

Von Kistenmachern eigens hergestellte Holzkisten („Glaskisten“) zählten zu den wichtigsten Verpackungen für Glaswaren.

Solche Kistenmacher sind für die letzte Hellentaler Glashütte der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ("Zur Steinbeke") namentlich belegt.

So war nachweislich Jobst Jacephet ein „Kistenmacher“, dessen beiden Kinder Baltasar Christian (1719) und Anna Sophia (1722) „auf der Steinbecker Glasehütte“ geboren wurden.

 

 

Text: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental

Fotografien: Irina Weber, Basel; Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] BLOSS 1977, S. 49.

[2] BLOSS 1950a, S. 11.