Brauchtum in Hellental

Klaus A.E. Weber

 

Ein „Ordnungselement im Dorfleben“


Traditionelles Osterfeuer am Ostersamstag in Hellental (2017)

 

Die Brauchtumspflege kann als ein „Ordnungselement im Dorfleben“ angesehen werden, haben Bräuche doch im ländlichen Alltagsleben der „kleinen Leute“ ihre besondere Bedeutung, indem sie das soziale Miteinander in der Dorfgemeinschaft ordnen und den Jahresablauf strukturieren helfen.[1]

Die Hellentaler Dorfbevölkerung kann allerdings nicht auf lange ortständige familiäre Traditionen oder auf eine tief verankerte dörfliche Brauchtumspflege zurückblicken.

Gleichwohl entwickelte sich ansatzweise ein gewisses Jahresbrauchtum in der recht kurzen Hellentaler Dorfgeschichte.

 

Der alte Osterwasserbrauch

Als bekanntes Beispiel für ein typisches Jahresbrauchtum sei der früher im und am Solling (u.a. auch in Deensen) und darüber hinaus (in Linnenkamp) verbreitete Jahresbrauch benannt, um die Zeit des Ostersonntages das „Osterwasser“ zu holen.[2]

Wie hierzu noch heute in Hellental gerne berichtet wird, schöpften die jungen Mädchen des Bergdorfes das Osterwasser unter sich geheim aus der „Steinbeke“, dem vormals offenen Bachlauf im Oberdorf.

Traditionell war den jungen Mädchen aufgegeben, das „Heilwasser“ am Sonnabend vor Ostern noch vor Sonnenaufgang (ab 6 Uhr) zu holen – völlig lautlos, ohne zu sprechen.

Es gab hierbei das Versprechen, dass dann, wenn sich die jungen Mädchen zuhause mit dem „Osterwasser“ wuschen, sie das ganze Jahr über gesund blieben und hübsch wurden, was die Heiratschancen steigern sollte.

Unverheiratete junge Burschen lauerten den Mädchen allerdings oft auf, wohl wissend um deren geheimes Handeln. Die Burschen versuchten sodann, die Mädchen so zu necken, dass diese kicherten, lachten oder gar aufjauchzten.

Trat dies ein, verlor das Wasser aus der „Steinbeke“ seine gewünschte heilsame Wirkung und wurde nur zum „Prahlwasser“.

Die jungen Mädchen mussten dann erneut ihr „Osterwasser“ aus der „Steinbeke“ holen, entweder sofort oder aber ein Jahr später.

 

… aber keine echten Trachten

Soweit bekannt ist, wurde in Hellental niemals eine echte Tracht nach volkskundlicher Definition getragen.

Das Tragen einer eigenen, besonderen „Hellentaler Tracht” hätte für die Hellentaler Dorfbevölkerung, die traditionell keine bäuerliche war, in jenen Jahren bedeutet, ein entsprechendes soziales Selbstbewusstsein und einen gewissen materiellen Wohlstand entwickelt zu haben, der das Tragen der aufwendigen Kleidungsstücke erlaubt hätte.

Beide Voraussetzungen waren in dem stets bitter armen und Not leidenden Arbeiter- und Handwerkerdorf des 18./19. Jahrhunderts zu keinem Zeitpunkt gegeben.

Es wurde in Hellental nur insofern eine gewisse „Tracht” getragen, als die von der Dorfbevölkerung getragene Kleidung eine solche war, die landläufig als alte bäuerliche Bekleidung zu verstehen ist:

Die Frauen trugen einen ortsgewebten, blauen und schwarzgestreiften Beiderwandsrock mit schwarzgestreifter Schürze, ein Tuch um die Schultern und um den Kopf.

Ein „Beiderwand“ war hälftig aus einem Anteil aus Wolle und Leinen gewebt.

 

 

Modernes, tradiertes Brauchtum - seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts

  • Osterfeuer am Ostersamstag
  • Bärentreiben - Tradierter Brauch aus alter Waldarbeiterzeit, seit 1978 jährlich am Fastnachtsdienstag

 

Der Weihnachtsmarkt in idyllischer Adventsatmosphäre des Glasmacherdorfes Hellental, jährlich am 2. Adventssonntag, musste 2018 eingestellt werden.

 

 

Text & Fotografien: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] SPIEKER/SCHÄFER 2000, S. 203f.

[2] ANDERS 2004, S. 199; CREYDT 1988; DROPE 1984, S. 101 f.