Frauenleben - Frauenarbeit

Klaus A.E. Weber

 

Der soziale Status von Frauen wurde im Mittelalter maßgeblich von demjenigen der Ehemänner bzw. Väter geprägt.

Während die Männer später auf dem Lande zumeist einer zusätzlichen Erwerbstätigkeit nachgingen, waren die Frauen arbeitsteilig und mitverantwortlich an den Arbeitsprozessen beteiligt („Arbeitspaar“).

Frauen bestellten in den unter- bzw. kleinbäuerlichen Haushalten, teilweise gemeinsam mit Mitgliedern der älteren Generation und mit ihren Kindern, die landwirtschaftlichen Anbauflächen.

Neben ihrer Versorgungstätigkeit in Haus, Stall und Garten kümmerten sich die Frauen um das wenige Vieh.

Darüber hinaus spielte Frauenarbeit in der Vorratswirtschaft wie auch in der zuvor beschriebenen Textilproduktion eine wesentliche Rolle.[1]

Neben ihrer Landwirtschaft und anderen zeitweisen Beschäftigungen verdienten sich viele Familien der Sollingregion im Hausgewerbe durch Flachsanbau und dessen mühselige Verarbeitung bishin zum Verspinnen ihren Lebensunterhalt – getreu nach der alten Redensart:

Der Flachs geht neunmal durch des Menschen Hand[2], bis er ihn als Leinwand auf dem Leibe trägt.

Flachsanbau und Flachsweiterverarbeitung war nicht nur zum Weitervertrieb, sondern auch für den eigenen häuslichen Gebrauch bedeutsam.

Im 18. Jahrhundert lag der Zuerwerb von Häuslingen durch Garnspinnen überwiegend in den Händen der Frauen, während die Männer hauptsächlich im landwirtschaftlichen Tagelohn standen.[3]

Vor der eigentlichen Stoffherstellung stand das Spinnen als letzter Schritt in der langen Flachsverarbeitungskette, eine anstregende, kunstfertige Tätigkeit, die im Frauenleben des folgenden 19. Jahrhunderts eine hervorgehobene Rolle spielte und mithin das allgemeine dörfliche Leben prägte.

Viele Frauen, auch die der hiesigen Dörfer, mussten während des Ersten Weltkrieges (1914-1918) jene Arbeiten ausgleichend übernehmen, die zuvor typischerweise von der männlichen Arbeitskraft verrichtet worden waren.

Damit wuchs die Berufstätigkeit von Frauen zwar während des Krieges enorm an, nach 1918 war sie dann aber stark rückläufig.[4]

Die Geburt war vornehmlich eine Angelegenheit von Frauen.

Der Gebärenden standen meistens eine Hebamme und/oder Frauen der Nachbarschaft beiseite.

Erst im 18.Jahrhundert wurde es allmählich üblich, auch einen Arzt zur Geburt hinzuziehen.

Im Vergleich zu heute, führten Frauen in der frühen Neuzeit bei der Geburt ihrer Kinder einen „harten Überlebenskampf“, da die Überlebenschancen von Mutter und Kind in jener Zeit relativ gering waren.

Sowohl bei der Geburt als auch im Kindbett war der frühe Tod den Frauen allgegenwärtig, ebenso den Neugeborenen.

So erwartete eine Familie nicht nur das Kind, sondern zugleich auch eine Todesgefahr für Mutter und Kind.

Trotz dieser, heute kaum noch vorstellbaren Problematik, war die Geburt eines lebenden Kindes letztlich doch meist ein besonderes, großes Ereignis für die gesamte Familie.

Auch die Pflege von Säuglingen wie das Erziehen der Kleinkinder fiel traditionell in den Aufgabenbereich der Mutter.

Gleichwohl gibt es historische Belege dafür, dass zudem auch Väter eine nähere Bindung zu ihren Kindern hatten und sich auch zum Wohle ihrer Kinder engagierten.

 

 

Text: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] HAUPTMEYER 2004, S. 45; SPIEKER/SCHÄFER 2000, S. 199 f.

[2] durch die Frauenhand.

[3] KAUFHOLD 1983, S. 179.

[4] HAUPTMEYER 2004, S. 118.