Die Ziege - „Kuh des kleinen Mannes“

Klaus A.E. Weber

 

Die Dorfbewohner dürften keineswegs ausschließlich von der Landwirtschaft bzw. vom Ackerbau gelebt, sondern - abhängig von der Größe des landwirtschaftlichen Betriebes - ihr Einkommen auch von Nebentätigkeiten bezogen haben.

Nach KAUFHOLD [2] konnte in Abhängigkeit der Einkommensbestandteile der traditionelle Haupterwerb zum faktischen Nebenerwerb werden.

Dadurch bedingt, dass viele nachgeborene Kinder von Bauernfamilien keinen landwirtschaftlichen Betrieb mehr erben oder übernehmen konnten, waren sie zunehmend auf die gewerbliche Arbeit angewiesen.

Zudem entwickelte sich im Dorf eine als „unterbäuerlich“ bezeichnete Schicht, zu der vornehmlich

  • Brinksitzer,

  • Anbauer,

  • Kirchhöfer,

  • Häuslinge,

  • Heuerlinge

zu rechnen sind.[1]

Für viele Angehörige der „unterbäuerlichen Schicht“ war - wie noch heute anschaulich im Dorf erzählt wird - oftmals die in eigenem Besitz gehaltene Ziege „die Kuh des kleinen Mannes“.

Die Frage, inwieweit die sozio-ökonomisch bedeutenden und nachfolgend skizzierten Entwicklungen in Niedersachsen differenziert betrachtend auch auf Heinade und Merxhausen übertragen werden können, muss derzeit noch weitgehend unbeantwortet bleiben.

Es erscheint aber durchaus denkbar, dass sich solche Entwicklungen auch in der hier dargestellten Dorfregion mehr oder minder ausgeformt vollzogen haben.

 

 

Text: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] WÄCHTER 1959, S. 11.

[2] KAUFHOLD 1983, S. 215.