Entwicklung der Verkehrswege

Klaus A.E. Weber

 

 

Die regionale wie überregionale Verkehrsanbindung ist für die wirtschaftliche Entwicklung eines Gewerbestandortes nach wie vor von entscheidender Bedeutung.

Auch spiegeln sich in alten Verkehrsstraßen historische und vor allem politische Entwicklungen wieder.

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts kam es zu einer wesentlichen Verbesserung des Straßennetzes, insbesondere im Hinblick auf die Straßen erster Ordnung

  • Chausseen,

  • Heer- und

  • Poststraßen.

Holzminden und Einbeck waren ehemals durch eine über Dassel führende Poststraße verbunden.

In der Nähe, in nördlicher Richtung vom Hellental verlief einst ein alter bedeutender Hauptverkehrsweg, die von Westfalen nach Leipzig führende Heer- und Handelsstraße Holzminden-Einbeck.

Diese fast geradlinig von Westen nach Osten verlaufende, Höhenlinien folgende historische Verkehrsroute ist noch heute als „Einbecker Heerstraße[1] weitgehend erhalten:

Holzminden - Schießhaus - Merxhausen - Mackensen - Dassel - Einbeck.

 

Es gab eine Reihe von Verbindungswegen, als Holzwege, Fuß- und Feldwege.

Zu den Waldglashütten und Kohlstätten und landwirtschaftlich genutzten Wiesen führten Wirtschaftswege.

So bestanden beispielsweise „Köhler Fahrwege“ als Anfuhrwege für geschlagenes Holz und „Kohlenwege“ zum Abtransport der Holzkohlenprodukte.

Alte „Stiegen“ verbanden als fußläufige Lokalwege auf kürzestem Weg einzelne Siedlungen untereinander.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurden im Solling die ersten Chausseen[2] als Straßen erster Ordnung angelegt, die Tallinien folgten.

Im Rahmen der seit Ende des 18. Jahrhunderts betriebenen Verbesserung des Straßennetzes wurden kleinere Ortschaften, die - wie Hellental - abseits von Provinzial- oder Kreischausseen lagen, durch gefestigte Fahrwege mit den nächsten größeren Straßen verbunden.

Hellental liegt seit jeher aber abseits des Durchgangsgebietes bedeutender Verkehrswege.

Die Talsohle des Hellentales prägte als topografische Hauptrichtung seit jeher seine Erschließung.

Noch heute ist Hellental nur über eine ausgebaute, Richtungsänderungen in der Hauptachse mitmachende Stichstraße (Kreisstraße 48) einseitig von Merxhausen aus erschlossen, fernab des überregionalen Straßenverkehrsnetzes.

Die mit ca. 13 km nächstgelegene Bundesstraße 64 ist über Merxhausen, Heinade, Deensen, Arholzen und Lobach (Landestraße 580) erreichbar, eine Verbindung zum Mittelzentrum Holzminden mit Sitz der Landkreisverwaltung (ca. 22 km) und zum westlichen Kreisgebiet um Eschershausen (18 km).

Stadtoldendorf als Grundzentrum und Sitz der Samtgemeindeverwaltung ist verkehrsgünstig zu erreichen (ca. 10 km).

Hier besteht auch der nächstgelegene Bundesbahnanschluss.

Ein Anschluss an das Bundesfernstraßennetz wird in östlicher Richtung über die Bundesautobahn A7/E4 (ca. 35 km) ermöglicht.

Da in jener Zeit des 18. Jahrhunderts, wie letztlich auch noch heute, eine günstige Verkehrsanbindung die wesentlichste Voraussetzung für eine Gewerbeansiedlung war, galt auch der Anlage verbesserter Verkehrswege im Weserdistrikt die besondere Aufmerksamkeit des klugen „Regionalplaners“ Johann Georg v. Langen.[3]

Eine Aufstellung aller Land- und Heerstraßen im Weserdistrikt vom 08. Oktober 1751 ist erhalten geblieben.[4]

Die erste straßenbauliche Maßnahme von v. Langen galt der Verlängerung der Merxhäuser Straße (heute auch „Alte Einbecker Straße“ genannt) in gerader Richtung durch den verkehrstechnisch äußerst ungünstigen Querriegel des Solling-Mittelgebirges.

In der topografischen Solling-Jagdkarte von 1603 wird dieser Weg von Johannes Krabbe als „Holzminischweg“ ausgeweisen.

Die Auswirkungen des Siebenjährigen Krieges brachten schließlich dieses Verkehrswegevorhaben zum Erliegen.

Die Verlängerung der Merxhäuser Straße betreffend gab es am 20. November 1745 eine Eingabe von v. Langen und in Erwiderung ein Konzept des herzoglichen Erlasses vom 02. Dezember 1745, die Merxhäuser Straße in der beantragten Weise auszubauen.

Diese von Holzminden ausgehende Straßenanlage diente vornehmlich dem Handelsverkehr nach Einbeck – Seesen - Braunschweig und dem Brennholztransport nach Grünenplan und Delligsen.[5]

Johann Georg v. Langen war um die Erschließung zur Ansiedlung einer bodenständigen Industrie bemüht und an der Gründung von Grünenplan, Hellental, Schorborn und der Porzellanmanufaktur in Fürstenberg maßgeblich beteiligt.

So wurde auf die Initiative von v. Langen hin am 11. Januar 1747 durch Anordnung von Herzog Carl I. in dem braunschweigischen Jagdschloss Fürstenberg eine Porzellanmanufaktur gegründet, nach Meißen (gegründet 1710) die zweite fürstliche Porzellanmanufaktur im deutschsprachigen Raum („Porcelainefabrique“).

Die Porzellanmanufaktur schuf Arbeit im verarmten Weserraum.

 

Text: Dr. Klaus A.E. Weber

Foto: Archiv HGV-HHM



[1] „Alte Einbecker Straße“.

[2] künstliche, befestigte Landstraßen.

[3] durch Eichen markierte „v. Langen-Alleen“ im Solling.

[4] HEBBEL 1999, S. 29.

[5] HEBBEL 1999, S. 29.