Herstellung spezieller Gläser für physikalische Experimente in der Glashütte Schorborn

Frieder Seebaß, Borken/Hessen │ Klaus A.E. Weber

 

Georg Christoph Lichtenbergs zweite Bildungsreise nach England 1774-1775

- und die Herstellung von künstlichem Mineralwasser [1]

Der Physiker und Naturforscher Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) – auch bekannt durch seine „Sudelbücher“ als Begründer des deutschsprachigen Aphorismus - unternahm von August 1774 bis Dezember 1775 eine zweite Bildungsreise nach England.

Am dortigen Hof begegnete er bekannten Wissenschaftlern wie James Watt und lernte Teilnehmer der zweiten Weltreise James Cooks (z.B. Georg und Johann Reinhold Forster) kennen.

Einige englische Wissenschaftler waren gerade damit beschäftigt, Trinkwasser für lange Seereisen zu konservieren, indem sie künstliches Mineralwasser herstellten.

Zu diesem Zweck entwickelten John Merwyn Nooth (1775), Parker (beschrieben von Joseph Priestley, 1775) und Magellan (1777) entsprechende Apparaturen.

Lichtenberg, der nach seiner Rückkehr in die Heimat Professor für Experimentalphysik an der Universität Göttingen geworden war, brachte aus England eine Apparatur von Parker mit.

Er suchte nun jemanden, der nach seinen Zeichnungen die entsprechenden speziellen Glasgefäße herstellen konnte.

 

Georg Christoph Lichtenbergs Besuch in Schorborn Dezember 1781 [2]

Auszug aus einem Brief Georg Christoph Lichtenbergs vom 31. Dezember 1781:

Ich befinde mich jezt gar nicht wohl, ich habe bey einer Reise nach 2 Glashütten im Braunschweigischen (Anmerkung des Herausgebers: „wohl Schorborn und Grünenplan“) einen bösen Husten mitgebracht, der mir fast bedenklich ist.“

 

⊚ Zum Anklicken

Die "Noothische Maschine" [4]

 

Mitteilung Lichtenbergs 1782 über die Anfertigung einer Apparatur zur Herstellung von mineralischem Wasser in der Glashütte Schorborn [3]

Die sogenannten Dr. Noothischen Maschinen Wasser mit fixer Luft zu imprägniren, und sich auf diese Weise sein mineralisches Wasser zur Brunnencur selbst zu verfertigen, und welche man bisher in Deutschland noch nicht hat nachmachen können, werden jetzt auf der Glashütte zu Schorborn im Braunschweigischen 2 Meilen von Einbeck, sehr gut verfertigt.

Eine von der größten Art, dergleichen in England, ehemals wenigstens, mit 18 Thaler bezahlt wurden, kostet in dieser Fabrick nur 6.

Sehr gut ist es freylich, sich die beyden obern Theile doppelt machen zu lassen, um den ganzen Prozeß nach Hrn. Magellans Art zu beschleunigen.

Alsdann, würde aber, weil dieses gerade die Stücke sind, deren Verfertigung die meiste Kunst erfordert, alles zusammen nicht leicht unter 10 Thaler gelassen werden können.

Man wendet sich, um sie zu erhalten, am besten gerade an Hrn. Revisor Seebaß zu Schorborn, von dessen Diensteifer man sich die genauste Besorgung zu versprechen hat.

Sonst bin ich ebenfalls erbötig die Bestellung zu übernehmen.

G. C. Lichtenberg

 

Lichtenberg online

Ergebnisse der Lichtenbergforschungsstelle der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

Band 2, Seite 268

  • „... zu London, von dem auch das bekannte Sonnenmikroscop herrührt, erfunden. Sie wird aber auch in Schorborn vortrefflich nachgemacht. Die Einrichtung derselben ist folgende. Es werden drey gläserne Gefäße A, ...“

Band 3, Seite 393

  • „... den Einfall zu dancken künstliches Sauerwasser zu machen. Dr Nooth Parker. vorgezeigt. Magellans Verbesserung Schorborn Leichtere Methode. Dephlogistisirte Lufft. HE. Bergmann reine Lufft ja in einem Brief an HE. Scheel......ßers mit fixer Luft.“;   Die Parkersche Maschine, so hielt Gamauf (2, 132) fest, „wird aber auch in Schorborn vortrefflich nachgemacht.“ Schorborn, heute ein Teil von Stadtoldendorf, war Glashüttenort am nördlichen Solling, wo L. viele Glaswaren ...“

Band 6, Seite 213

  • „... neuen Einrichtung (Pütter, Versuch 3, 490  f.) „eines sehr schönen großen Cylinders aus blauem Glase von der Schorborner Hütte“. Einen solchen Zylinder, hat L. (Tgbr) am 20. August 1791 aus Schorborn erhalten und am 23. und 24. August wieder erwähnt. Es ist möglich, aber nicht sicher, daß Mayer die...“

Band 6, Seite 437

  • „... (ich weiß nicht welche Operation es war) es in Stücken, die Stücke sind nun schon einige Monate in Schorborn, und es ist Hoffnung dergleichen Gläßer in Menge zu erhalten, alsdann will ich Ew. Wohlgebohren sehr gerne mit einigen dienen.“ Offenbar war die Glashütte Schorborn in der Lage, solche Gläser zu liefern, denn am 24. Februar 1791 schrieb L. an F. F. Wolff (Bw 3, Nr...“

 

________________________________________________

[1] vgl. die Wikipedia-Artikel Georg Christoph Lichtenberg bzw. Thomas Henry (Apotheker), hier den Abschnitt „Mineral- und Sodawasser“.

[2] aus: Georg Christoph Lichtenberg Briefwechsel Band II 1780-1784, hgg. von Ulrich Joost und Albrecht Schöne, München 1985, Brief Nr. 884, S. 289f.

[3] aus: Göttingisches Magazin der Wissenschaften und Literatur, 2. Jahrgang 1782, hgg. von Georg Christoph Lichtenberg und Georg Forster, S. 461f.

[4] Abb. aus: Band 2, Seite 268 - Digitalisat  / Bändchen 2, Tafel 1, Figur 15.