Zeit der Klosterglashütten

Klaus A.E. Weber

 

Vornehmlich unter der Verwaltung von Klöstern breitete sich die Glasherstellung in den Jahren 800-1200 n. Chr. aus, wobei "Klosterglashütten" vorwiegend einfache Trinkgläser, Fensterglas und Reliquiengläser anfertigten.[1]

 

Hrabanus Maurus (um 780–856)

Während der karolingischen Umbruchzeit des 9. Jahrhunderts beschreibt der Gelehrte, Abt des Klosters Fulda und Mainzer Erzbischof Hrabanus Maurus in der Lehrschrift „De Universo - De rerum naturis" (Über das Wesen der Dinge) eine Abhandlung über die Glasherstellung im Werkofen.

Älteste Abbildung eines Glasofens [5]

Miniatur aus der Enzyklopädie des Hrabanus Maurus, entstanden um 800-856


Reichskloster Corvey und eine Glashütte im 9. Jahrhundert

Nach Untersuchungen von STEPHAN stellten im Weser-Leinebergland seit der Karolingerzeit dem Holz nachwandernde Glashütten gefärbtes Waldglas her.[2]

 

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© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber


Wie die entdeckte Waldglashütte auf Königsgut am Solling zeigt, wurde bereits im 9. Jahrhundert mit der anspruchsvollen Glasverarbeitung begonnen, die wahrscheinlich im Kontext mit der Aufbauphase (822–885) in der nahegelegenen Benediktiner-Reichsabtei Corvey/Weser zu interpretieren ist.[3]

Dabei konnten am Kreickgrund zwischen Bodenfelde und Polier drei Öfen einer karolingischen Glashütte des 9. Jahrhunderts an einem kleinen Bachlauf archäologisch freigelegt werden, die in Verbindung mit dem ehemaligen Reichskloster mit karolingischer Hauptbauzeit gesehen werden kann.[4] 

 

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[1] TSCHIRR 2009, S. 23.

[2] STEPHAN 2015.

[3] STEPHAN 2020, S. 125.

[4] STEPHAN 2015a; STEPHAN 2017.

[5] Abbildung aus: JASCHKE 1997, S. 24 (Sondersammlung des Deutschen Museums (6028)).