Kerngeformtes Glas

Klaus A.E. Weber

 

"Sandkerntechnik" - Farbige Kerngefäße

In vorrömischer Zeit wurden kleine kerngeformte Gläser, wie Salbgefäße bzw. Balsamrien, zur Aufbewahrung von Salben und Ölen hergestallt.

Hierbei gelten vier typische, mediterrane Grundformen als kostbares Handelsgut:

 

Über einen Tonkern gelegt und geformt

Herstellungstechnisch wurde hierfür ein fester, tonhaltiger Kern aus Formsand (für den späteren Hohlraum des Gefäßes) vermutlich um das Ende eines Arbeits- und Haltestabes vorgeformt und entweder durch Eintauchen mit glühendheißer zähflüssiger Glasmasse überzogen oder es konnten verschiedenfarbige Glasfäden im heißplastischen Zustand auf dem vorgeformten Kern aufgewickelt werden.[1][2][3]

Anschließend wurde das Gefäß glatt geschmolzen und der Rohling vor dem Ofen oder auf einer "Marbelplatte" in seine Form gebracht, einschließlich der Applikation von Henkeln.

Der Glaskörper war innen rauh und undurchsichtig.

Zumeist wurde die dem dunkelbauen Glasgefäß aufgeschmolzenen Fadenauflagen mit einem Fischgrätenmuster verziert.

Der Gefäßfuß und die Mündung wurden vom Glasmacher frei mit der Zange angearbeitet.

Nach dem Erkalten der Glasmasse löste sich das Glas vom Formsand.

Der porös gewordene, mürbe Keramikkern konnte gelockert und herausgearbeitet werden (herauskratzen, ausspülen).

Über offenem Feuer war zuvor das Gemenge in Tiegeln geschmolzen worden.

In Mesopotamien und Ägypten wurden ab Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. die frühesten Kerngefäße erzeugt.

Eine szenische Darstellung ägyptischer „Glasbläser“ im Alten Reich befindet sich in der monumentalen Mastaba (Grabbau) des Mereruka, Wesir unter Pharao Teti (2311-2281 v. Chr. - 6. Dynastie), in der altägyptischen Nekropole von Sakkara (Saqqara) am westlichen Nilufer.

Nachweislich wurden in Etrurien im 7. Jahrhundert v. Chr. erstmals mittels der so genannten Kerntechnik Glasgefäße hergestellt.[2]

Für die "Sandkerntechnik" wie auch für die Herstellungstechniken, Glasmasse in Model zu streichen und kalt zu schneiden, ist Phönikien mit seinen Städten ein antikes Zentrum.

Von dort aus wurden kerngeformte Gefäße bis nach Mesopotamien und Spanien, an die Küsten Nordafrikas und in die Alpenländer exportiert.[3]

Die "Sandkerntechnik" war im Prinzip noch bis in das 1. Jahrhundert n. Chr. gebräuchlich.

 

Kerngeformte Glasgefäße des östlichen Mittelmeerraumes mit geometrischem Dekor

Es handelt sich om an Keramik erinnerndes opakes Glas

mit zu Zickzackmustern "gekämmten" farbigen Glasfäden [3]

  • Amphoriskos │ 5.-4. Jh. v. Chr. 
  • Alabastron │ ~ 4.-3. Jh. v. Chr. 
  • Aryballos │ ~ 4.-3. Jh. v. Chr.

Glasmuseum Hentrich im Museum Kunstpalast [4]

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

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[1] TSCHIRR 2009, S. 20.

[2] KOCH 2011, S. 114-118 (Abb. 67).

[3] TRIER/NAUMANN-STECKNER 2016, S. 29-31.

[5] RICKE 1995, S. 17 (3, 4).