Kirchliche Glasmalerei

Klaus A.E. Weber

 

Prachtvolle bunte Glasfenster

In der mittelalterlichen Zeit von Dunkelheit und Enge glichen imposant gestaltete Kirchenfenster einem gewaltigen „Bilderbuch“ mit großformatigen Szenen, die Kirchenbesucher*innen, die nicht lesen konnten, biblische und christliche Botschaften und Geschichten erzählten.[3]

Nicht zuletzt sollte durch die Darstellungen zugleich auch den Stiftern großes Ansehen und ein Andenken verliehen werden.

Nach MÜLLER [5] sind schon in der karolingischen Zeit bis hinein in das 16. Jahrhundert Gotteshäuser mit leuchtenden farbigen Bild- und Ornamentfenstern geschmückt worden.

Die monumentale Glasmalerei entfaltete ihre Blütezeit im 12. und 13. Jahrhundert in gotischen Kathedralen.

Wie KUNZE [6] anhand von Erzählungen eines Glasfensters exemplarisch darlegt, wurde der Effekt des großen Glasfensterformats von Anbeginn genutzt, "um die Botschaften des Glaubens zu vermitteln" und mit der "Ornamentik der Glaubenszeichen und der Symbole des Glaubens auf den großen Flächen mit ihrer überwältigenden Farbenpracht" die Gläubigen in der Kirche tief zu beeindrucken.

 


[4]

 

Zisterzienserklosterkirche Amelungsborn

Auch für ehemalige Zisterzienserklosterkirche in Amelungsborn mit ihren "Glasmahlereyen" nachvollziehbar schreibt MÜLLER [49]:

"Nur etwa ein Prozent des zerbrchlichsten Bildmediums des Mittelalters hat die Zerstörungen durch die Jahrhunderte überlebt, vielfach in fragmentarischem Zustand und herausgerissen aus den ursprünglichen architektonischen Zusammenhgen."

 

Corpus Vitrearum Medii Aevi (CVMA) Deutschland

Digitales Bildarchiv mit kunsthistorischer Einführung des CVMA Deutschland für ausgewählte Kirchen mit mittelalterlichen Glasmalereien in Deutschland

 

Niklaus Manuel Deutsch: Totentanz [1]

Der Berner Niklaus Manuel Deutsch (1484–1530) durchlebte die kriegerischsten Zeiten der Eidgenossenschaft und wurde zum Vorkämpfer der Reformation.

Wie seine ersten Bilder, Glasgemälde um 1508, vermuten lassen, ließ er sich bei einem Glasmacher ausbilden.

 

Ein dichtes Programm – auf Glas gemalt [2]

Ein Glasgemälde als repräsentatives Geschenk von herausragender künstlerischer Qualität.

Die große, annähernd quadratische Scheibe aus dem Jahr 1588 entstand ursprünglich im Auftrag der Kartause Ittingen wohl in der Werkstatt des Zürcher Glasmalers Christoph Murer (1558-1614).

 

Glasfenster mit der Darstellung der Heiligen Elisabeth │ Glas/Blei

Niedersachsen oder Nordhessen │ um 1430/1440

Hessisches Landesmuseum in Kassel │ Oktober 2018

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Stadtpfarrkirche St. Sixti Northeim 1478

Die Nordseite der Northeimer St. Sixti-Kirche weist bedeutende Bleiglasfenster mit mittelalterlichen, jetzt aktuell restaurierten Glasmalereien auf. [7]

Neben der Darstellung Hl. Katharina und Hl. Bischof (Eligius?) beheimatet der Kircheninnraum an der Langhaus-Nordseite die ikonografisch ausgefallene Fensterkomposition in einem erhalten gebliebenen Glasmalereizyklus vier monumentale, um 1478 entstandene Szenen der Passion Christi [7]:

Fein ausgearbeitet zeigt das großformatige Fensterbild „Das letzte Abendmahl“ (n VII, 7–9a–c) transparente, grün gefärbte, unterschiedlich geformte und verzierte Trinkgefäße in Form zeittypisch geblasenem Waldglas des norddeutschen Raumes im 15. Jahrhundert:

  • ein Stangenglas mit unten versetzt angeordneten, gleichmäßigen Warzenreihen (Warzenmuster)

  • ein großer Krautstrunk mit aufgeschmolzenen, glatten Nuppen

  • konisch geformter Becher mit Korbgeflecht-Muster

  • konisch geformter Warzen-Becher

 

Kölner Dom │ um 1280

Glasmalerei im Hohen Dom zu Köln - Kathedrale und Weltkulturerbe

 

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Mittelalterliche Verglasung mit der gotischen Glasmalerei aus dem jüngeren Bibelfenster

Kölner Dom │ Juni 2015

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

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Mater Dolorosa aus der Kartause in Freiburg i. Br. │ 1. Viertel 16. Jh.

Historisches Museum Basel

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

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[1] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 13. November 2020 von Christophe Vuilleumier, Historiker und Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte.

[2] Blog-Artikel des Schweizerischen Nationalmuseums vom 12. Februar 2021 von Cornelia Mechler, Leiterin Verwaltung, Marketing, PR im Kunstmuseum Thurgau und Ittinger Museum, Kartause Ittingen.

[3] LINGEN 2021, S. 5, 13.

[4] Brockhaus‘ Konversations=Lexikon. 14. Aufl., 7. Bd. Leipzig, Berlin u. Wien. 1902. Glas - 1002-1044.

[5] MÜLLER 1994, S. 5.

[6] KUNZE 2020, S. 33.

[7] LINGEN 2021.