Der Solling ist seit Jahrhunderten ein Wirtschaftswald

Klaus A.E. Weber

 

Waldkomplexe ⎸Wiesentäler & Moorgebiete ⎸Kernraum der Glasherstellung

 

Rotbuchenwald (Fagus sylvatica) im Solling

 

Kulturlandschaft

„Eine Kulturlandschaft ist eine vom Menschen gestaltete Landschaft, deren ökonomische, ökologische, ästhetische und kulturelle Leistungen und Gegebenheiten in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, die eine kontinuierliche Entwicklungsdynamik gewährleistet und langfristig geeignet ist, Menschen als Heimat zu dienen.“[2]

 

Scobel: Patient Wald 

Um unsere Wälder ist es schlecht bestellt: Wir Menschen profitierten in hohem Maße vom Wald - gesundheitlich und ökonomisch. Wie aber behandeln wir diese überlebenswichtige Ressource? Wie gesund, wie krank ist der Lebensraum Wald? Gert Scobel diskutierte mit seinen Gästen." [2]

Hierzu der Buchtipp: KÜSTER: Geschichte des Waldes. Von der Urzeit bis zur Gegenwart. 2008.[4]

 

Eiche (Quercus) im Solling │ Mai 2020

 

"ABRIS DES SOLLINGS" - gezeichnet von Johannes Krabbe 1603

Das Blatt 11 des historisch wie kartografisch bedeutenden Kartenwerkes des Sollings von 1603 zeigt den von Johannes Krabbe gezeichneten

  • "ABRIS DES SOLLINGS, mit seinen Bärgen, Gründen, und vornemsten Heüptwegen, auch Bächen und Brunnen, und denen darin verzeichnete Iagten, Auff des Hochwirdigen Durchleüchtigen Hochgebornen Fürsten und Herren, herren Henrichen Iulii Bischoffs zu Halberstad und Herztogen zu Braunschweig und Lunaburg, gnedigen beuel, verfertigt. Anno Christi 1603" [1].

 

"Sullinck waldt" 1630

Um 1630 wurde in einer großen Landkarte [5] der Landgrafschaft Hessen-Kassel unter Wilhelm V. von Hessen-Kassel ("Hassia Landgraviatus") der dicht bewaldete Solling als "Sullinck waldt" kartiert.[5]

 

"Solling sylva" 1645 & 1654

In der Landkarte des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel von 1645 wird der bewaldete Solling als "Solling sylva" ausgewiesen.

Hierbei handelt es sich um einen altkolorierten Kupferstich von Henricus Hondius (1597-1651), Kupferstecher, Kartograph und Verleger in Amsterdam, mit kolorierten Schmuckkartuschen: „Hassia Landgraviatus. Illustrissimo Pricipi ac Domino D. Wilhelmo Di gratia Lantgravio Hassiae, Comiti in Catzenelnbogn, Diez, Siegenhaim et Nidda, Hanc accuratißimam totius Haßiae tabulam dedicat consecratque Henricus Hondius.“

Der Kupferstich der Karte "Ducatus Brunsuicensis fereque Lunæburgensis Cum adjacentibus Episcopatibus Comit. Domin. etc." (Herzogtum Braunschweig) weist den Solling um 1654 als "Der Solling sylva" aus.[5]

 

Kartenausschnitt: "Der Solling sylva" im Herzogtum Braunschweig um 1654 [5]

 

Naturräumlich wird das Hellental im Solling von den beiden Höhenzügen

als den höchsten Erhebungen des Mittelgebirges flankiert (Hochsolling).

 

Waldgebiet des Jahres 2013

Der Sollinger Wald - Das zweitgrößte geschlossene Waldgebiet in Nordwestdeutschland, das über 38.500 Hektar große, überaus holzreiche, vielfältige und ökologisch wertvoller gewordene Waldgebiet des Sollings wurde 2012 in einer bundesweiten Internetabstimmung zum Waldgebiet 2013 gewählt (Auszeichnungen "Waldgebiet des Jahres" - seit dem Jahr 2012).
 
Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) zeichnet das Waldgebiet des Jahres 2013 während der Eröffnungsveranstaltung im "Haus des Gastes" in Neuhaus am 09. März 2013 vor zahlreichen Mitgliedern und Gästen aus ganz Deutschland aus. 
 
Der Heimat- und Geschichtsverein für Heinade-Hellental-Merxhausen e.V. war bei der Bewerbung unterstützender Partner der Forstämter Neuhaus und Dassel.  

Der BDF-Bundesvorsitzende Hans Jacobs überreichte die Auszeichnung an Dr. Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten, für die Forstleute des Sollings.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Forstämter Neuhaus und Dassel wurden ausgezeichnet, da sie die Sollingwälder nachhaltig und ökologisch bewirtschaften und regional vermarkten.

Im Jahr 2013 jährt sich der Geburtstag von Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel. 

Angesichts des Jubiläums gilt es auch darauf hinzweisen, dass ebenfalls vor 300 Jahren der forstwirtschaftliche Begriff der Nachhaltigkeit geprägt wurde.

Durch die Verwertung von 250.000 m³ des nachhaltig wachsenden Rohstoffes Holz werden jährlich rund 220.000 Tonnen CO2 eingespart.

Pro Hektar Waldfläche wachsen jährlich ca. 12 Festmeter Holz nach, wovon 9 Festmeter forstwirtschaftlich genutzt werden.

Nach einem TAH-Bericht vom 15. Mai 2013 zur Forsteinrichtung 2013 waren die Sollingwälder so holzreich wie noch nie, wobei der bei der Anteil alter Laubwälder gestiegen sei.

So wachse auf 44 % der Sollingwaldfläche die Rotbuche (Fagus sylvatica), gefolgt von der Fichte (Picea abies) mit 36 %, der Eiche (Quercus) mit 10 % und der Lärche (Larix) mit 4 %.

Alle Alterklassen zwischen einem und 200 Jahren komen vor, wobei die Hälfte der Waldbestände zwischen 20 und 80 Jahren alt ist.

In Kooperation mit örtlichen Partnern bieten die Niedersächsischen Landesforsten zahlreiche Informations- und Bildungsangebote an.

Dabei wird die Erholungsfunktion des Waldes gefördert und die regionale Wirtschaft mit Aufträgen gestützt.

 

"Brotbaum" der Forstwirschaft im Solling: Die Fichte (Picea)

 

Landschaft, Natur & Geschichte zum Kennenlernen

Zahlreiche Angebote mit unterschiedlichen Themenkreisen rund um den Glasmacherort und das Sollingtal Hellental bereichern für naturräumlich wie kulturhistorisch interessierte Entdecker das touristische Angebot.

So gehört der Besuch des waldumsäumten Grünlandtals sicherlich zu den schönsten Erlebnissen im südniedersächsischen Weserbergland.

Als lokal erlebbares "kulturhistorisches Gedächtnis" umfassen verschiedene Standorte die Landschaft und Geschichte des Hellentals.

Zugleich eröffnet sich auch ein interessanter Bezug zur Entwicklung, regionalen und lokalen Identität und Gegenwart des einzigartigen Sollingtals.

 

[3]

 

Fotografien:

© Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] NStAWb: K 202.

[2] 3sat Mediathek, Sendung vom 27. April 2017.

[3] in LESSMANN 1984, S. 74-77.

[4] KÜSTER ist Professor für Pflanzenökologie am Institut für Geobotanik der Leibniz Universität Hannover und Experte für Kultur und Geschichte des Waldes.

[5] MERIAN 1654.