Hütten-/Werksgebäude │ ab 1745

Klaus A.E. Weber

 

Nachdem 1745 das Hüttengebäude samt des Grünglasofens am Schorbornsteich fertiggestellt werden konnte, wurde in der Fürstlich-Braunschweigisch-Lüneburgische Hohl- und Tafelglashütte mit Hellentaler Glasmachern und Gerätschaften die Grünglasherstellung aufgenommen.[8]

 

Tafelausschnitt aus Diderots Enzyklopädie. Die Bildtafeln 1762-1777 [5]

 

Werkhalle

1768 wies das Hüttengebäude von 1745 eine Länge von 179 Fuß, eine Breite von 80 Fuß und eine Ständerhöhe von 30 Fuß auf, unterteilt in zwei Hälften, die weiße und grüne Hütte.[8]

In der weißen Hütte befanden sich 1 Schmelzofen, 1 Tafelstreckofen, 1 Kühlofen für weißes Hohlglas und 4 Holztrockenöfen, in der grünen Hütte folgende Öfen: 1 Holztrockenofen, 4 Kühlöfen, 4 Schiedeöfen, 1 Aschenofen und 1 Schmelzofen.

Nach BLOSS ⦋1⦌ seien zwar aus den Gründungsjahren um 1744 der Glashütte am Schorbornsteich keine baulichen Einzelheiten bekannt, wohl aber aus einem 30 Jahre später entstandenem „Inventar der fürstlichen Glashütte zu Schorborn und deren Zubehörungen von 1774“:

Dieses Gebäude ist an 1745 von Eichenholtz in Ständerwerk aufgeführet, die Balken und Sparren aber von Tannen Holtz.

Die Wände sind gezähnet, gekleibet und mit Kalch überzogen.

Die Länge dieser Hütte ist in Wand Riemen 179 Fuß ⦋51,92 m⦌, die Breite in Balken 80 Fuß ⦋23,22 m⦌.

Sie besteht aus 37 Spann, hat 30 Fuß ⦋8,70 m⦌ Ständerhöhe und ist rund umher untermauert. …

Auf beiden Seiten ist das Gebäude, weil es in den ersten Jahren schon den Einsturz gedrohet, mit 12 steinern Pillaren ⦋Stützpfeilern⦌ von rauhen Steinen gemauert versehen, deren jede 18 Fuß ⦋5,22 m⦌ hoch, 6 ½ Fuß ⦋1,85 m⦌ Dicke unten 10 ⦋2,85 m⦌ und oben 5 Fuß ⦋1,43 m⦌ Dicke ist.

Das Gebäude hat auf jeder Seite zwey Eingänge, auf der Mitternachtsseite den 5ten und auf der Mittagsseite den 6ten …

Damit waren m Grundriss die Ausmaße von 52 m Länge und 23 m Breite mit einer Grundfläche von rund 1.200 m² und einer Ständerhöhe von knapp 9 m beträchtlich in jener Zeit, wie auch die anzunehmende Dachtraufehöhe von über 5,50 m nahe legt.

 

Markierte Fläche von ca. 1.200 m² als Standort der Werkhalle mit den Öfen [9]

 

Wie BLOSS [1] 1950 ausführt, sei im Vergleich mit dem Herrenhaus (damals Forstamt) die Glashütte von 1745 doppelt so breit und mehr als doppelt so lang, allein der Giebel der Hütte so breit wie die ganze Längsfront des Herrenhauses gewesen.

Das Hüttendach war mit Sollingsandsteinen eingedeckt, was ein enorme Dachlast mit Einbau von Stützpfeilern an der Außenwand bedeutete.

Bei nicht vorhandener Bauzeichnung vergleicht BLOSS [1] die Bauweise der Schorborner Hütte mit der Bauweise der um 1782 geplanten Filial-Glashütte in Mühlenberg, wenn auch diese "bescheidener gegen über dem Schorborner Hüttenbau" gewesen sei.

 

Bauzeichnung des 1782 projektierten Glashüttengebäudes in Mühlenberg [2]

 

Zum Brandschutz bestand 1745 zwar eine, aber unzureichende Feuerspritze, wie es der Inventarvermerk von 1774 erkennen lässt:

"Es  doll selbige anno 1745 bey Anlage der Hütte angeschaffet seyn, ist aber mit keiner Schlange ⦋Schlauch⦌ versehen ..."[1]

 

Blick vom Herrenhaus auf den überbauten Standort der alten Werkhalle │ Dezember 2020

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Hüttengebäude "vis-à-vis" unterhalb des Herrenhauses

Vom Herrenhaus gelangte man über die Stufen des Terrassengartens auf geradem Wege zum oberen Seiteneingang der Glashütte.[3][6]

Ein "Torweg mit zwei Flügeln" kennzeichnet den Südgiebel des Hüttengebäudes, ebenso den Eingang vom Holzhof her.[3]


Glashüttengebäude 1768

Auszug aus der Karte des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel von Johann Heinrich Daniel Gerlach

"Die Gerlachsche Karte des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel (1763-1775)" [4]

NLA WO, K 3 Blatt 5


Glashüttengebäude 1795

Auszug aus dem "Plan der Glashütte zu Schorborn 1795"

NLA WO, 50 Neu 4 Nr. 3637



Gebäude der "Neuen Glaß Hütte" 1832

Ausschnitt aus dem kolorierten Schorborner Kartenriss von 1832

NLA WO, 4 Alt 4 Nr. 242

 

Hüttengebäude um 1744

Vereint unter einem Werkhallendach wurde in separaten Schmelzöfen bei unterschiedlich erschmolzenen Glasqualitäten grünes und farbloses ("weißes") Hohl- und Flachglas erzeugt.

Unterteilt war das Glashüttengebäude um 1744 in

  • eine „grüne“ Hütte

  • eine „weiße“ Hütte.

Hierzu führt BLOSS [1] im Einzelnen aus:

In der Weißen Hütte befindet sich ein Schmelzofen, welcher durch den Gebrauch sehr schadhaft geworden ist, ein Tafel Glaß Streckofen, der Kühlofen zu dem weißen Hohl Glaße und zwei Holztrockenöfen …

Die in der Grünen Hütte befindlichen Ofens sind darum nicht taxieret, da die Hütte abgebrochen … und eine Gabelhütte errichtet werden soll …

Die "grüne" Hütte wurde mit einem Holztrockenofen, vier Kühlöfen, vier Schmiedeöfen, einem Aschenofen und einem Schmelzofen betrieben.[8]

Das Hüttengebäude beheimatet u. a. [3]

  • 1 Materialienkammer – darin u. a. einen „Schneidetisch zum Tafelglas und darauf gezeichneten Maßen

  • 1 Gemengekammer – darin einen“Stampftrog von Eichen ausgehauen

  • 5 Gemengetröge

  • 1 großer eiserner Mörser

  • 2 Hafenstuben

  • 15 Glasvorratskammern.

In unmittelbrer Nähe der Glashütte befindet sich [3]

  • zwei "Sandschoppen", davon einer beim Eingang vom Herrenhaus

  • ein ausgemauerter Brunnen an der Westseite mit Überdach

  • die Feuerwehr-Spritze
  • der Holzplatz "mit einer Mauer von drey Seiten eingefaßt und auf den beiden schmalen Seiten mit einem Staket von Eichen Holtze besetzet, aber so ruinieret ... An den beiden schmalen Seiten findet sich ein Thorweg ...".

1756 wurde der Tafel- und Weißglasofen errichtet.[7]

 

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[1] BLOSS 1950a, S. 14-17.

[2] OHLMS 2006, S. 19-20.

[3] BLOSS 1950a, S. 15.

[4] ARNOLDT/CASEMIR/OHAINSKI 2006, Blattschnitt 15.

[5] Tafelausschnitt aus DIDEROTS ENZYKLOPÄDIE. Die Bildtafeln 1762-1777. 4. Bd. Reprint Augsburg 1995, S. 2562-2563.

[6] RAULS 1983, S. 317.

[7] RAULS 1983, S. 319.

[8] BECKER 1927, S. 62; OHLMS 2006, S. 7.

[9] Ausschnitt topografische Karte: LGLN GeobasisdatenViewer Niedersachsen │ Maßstab 1:1.126.