Grenzenlose „Wilddieberey”

Klaus A.E. Weber

 

Nächtliche „Freijagden“ im Solling & "die Wilddieberey im Weser-District"

Um 1840 hatte die mitten durch den Solling - zwischen dem Herzogtum Braunschweig und Königreich Hannover - führende Landesgrenze eine besondere Rolle erhalten, denn die auch inmitten des Hellentals verlaufende Herrschaftsgrenze wurde in jener Zeit wegen der häufigen Wilderei und des verbreiteten Schmuggels in dieser bitterarmen Sollingregion wieder berüchtigt.

In jenen ökonomisch wie sozial schwierigen Jahren des 18./19. Jahrhunderts, einhergehend mit großem Hunger und Massenarmut bei zunehmendem Bevölkerungswachstum, gab es typischerweise eine Vielzahl von Einzelstrategien die Dorfbewohner des Sollings wegen ihrer großen materiellen Armut und existentiellen Not entwickelten.

Besondere lokale wie individuelle Varianten bestanden im 18. und 19. Jahrhundert in dem „Schmuggel rund um den Solling“ und der facettenreichen „Wilderei“.

Ein Überleben vieler kleiner Landleute des Sollings war in jener armutsbehafteten Zeit oft nur durch Gesetzes- und Grenzübertretungen möglich.

 

 

 

Die Freijagd der "Solling-Wilderer"

Über Jahrhunderte hinweg war das Jagen in den ausgedehnten Wäldern des Sollings ein ausschließliches Privileg des Landesfürsten und des Adels, während die Dorfbevölkerung häufig unter großer Armut und Hungersnot litt.

Dem herrschaftlichen Jagdprivileg der Obrigkeit und deren Jagdgesetzen widersetzten sich immer wieder Wilderer als „Rebellen des Waldes“[15], deren Spuren mehr als drei Jahrhunderte zurückreichen – und zu einer Vielzahl von „erlebten und erlauschten“ Erzählungen, Wilddiebs- und Kriminalgeschichten Anlass gaben.[16]

Im Lauf der Jahrhunderte waren im Herzogtum Braunschweig mehrere Verordnungen gegen die Wilddieberei erlassen worden.

Diese muss aber während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in den Braunschweiger Forstrevieren des Sollings ein solch bedrohliches Ausmaß angenommen haben, dass sich Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel (1713-1780) veranlasst sah, in den Jahren 1767 und 1771 Verordnungen zu erlassen, betreffend "die Wilddieberey im Weser-District".

Solling-Wilderer gerieten – teils einzeln, teils in Banden[17] - wiederholt in dem wilden Waldgebiet des Sollings in teils abenteuerliche, gelegentlich auch blutige bis hin tödlich endende Konflikte mit den Jagdherren und deren Bedienstete (Förster).

Es war ein langer, oft auch unbarmherzig von Feuergefechten begleiteter Kampf zwischen Jäger und Gejagtem, zwischen legalen Förstern als Gesetzeshüter und illegalen Wilderern.

Abhängig von den Lebensumständen handelten die „Rebellen des Waldes“ nach recht unterschiedlichen Motiven - und vor allem pragmatisch.

So versuchten einige der Wilderer, ihre Äcker vor Wildtieren zu schützen, ihre kargen finanziellen Einkünfte oder ihre Ernährungssituation zu verbessern, andere hingegen gingen nur ihrer persönlichen Jagdleidenschaft oder sozialen Rebellion nach.

Nacht für Nacht zogen Hirsche und Wildschweine die ohnehin dürftige Feldmark schwer in Mitleidenschaft, so dass Dorfbewohner im Freischützen gewissermaßen einen Dorfhelden sahen.

Ein Überleben der „kleinen Landleute“ in den Sollingdörfern war in jener armen Zeit nur durch Gesetzesübertretungen möglich:[18]

Der Solling galt mit seinen dichten Waldbeständen für lange Zeit als Hochburg der Wilddieberei, die sich als so genannte Freijagd im 19.-21. Jahrhundert bei schwierigen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Hintergründen entfaltete.

Vor allem in den verarmten Walddörfern des Sollings wurde die „Freijagd“ von den Dorfbewohnern unterstützt.

Wilderer, meist Waldarbeiter, wurden oft gar zu Helden der kleinen Landleute hochstilisiert, indem die „Helden der Nacht“ zugleich auch als "Rebellen" gegen die landesherrliche Obrigkeit angesehen wurden, die das einst genommene alte Recht auf freie Jagdausübung für alle zurückforderten.

In den Jahren zwischen 1840 und 1880 herrschte im Solling eine schwere Wirtschaftskrise, die in den Sollingwäldern zur Blütezeit der „Freijagd“ führte.

Insbesondere das deutsche „Revolutionsjahr“ von 1848 gilt als das Jahr der Wilderer.

Als sich während des Ersten Weltkrieges (1914–1918) ziemlich rasch eine einschneidende Ernährungskrise entwickelte, kam es erneut zur Zunahme der Wilderei in dem wald- und wildreichen Mittelgebirge.

 

"Der Ackerbau liefert geringen Ertrag. Der Boden der hochliegenden, den Ostwinden ausgesetzten Feldmark ist kalt, und es mangelt an Dünger.

Ackerland, Gärten und Wiesen sind im Verhältnis zu der Bevölkerung zu gering und außerdem ist der Wildschaden beträchtlich. (…)

Die Bevölkerung des unglücklichen Ortes stützt sich aber nicht nur auf erlaubte Beschäftigung.

Verbrechen und Betrügerei bilden Erwerbszweige.

Die Wilddieberei ist durch ernstliche Maßregeln unterdrückt".

 

Der Solling galt mit seinen dichten und wildreichen Waldbeständen für lange Zeit als Hochburg der grenzenlosen Wilddieberei, die sich - aus sozialgeschichtlicher Perspektive - als so genannte Freijagd im 19.-21. Jahrhundert bei schwierigen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Hintergründen entfaltete.

Vor allem in den verarmten Walddörfern des Sollings wurde die Freijagd von den Dorfbewohnern unterstützt.

Wilderer, meist Waldarbeiter, wurden oft zu Helden der „kleinen Landleute“ hochstilisiert, indem die „Helden der Nacht“ zugleich auch als Rebellen gegen die landesherrliche Obrigkeit angesehen wurden, die das einst genommene alte Recht auf freie Jagdausübung für alle zurückforderten.[19]

In den Jahren zwischen 1840 und 1880 herrschte im Solling eine schwere Wirtschaftskrise, die in den Sollingwäldern zur Blütezeit der Freijagd führte.

Als sich während des Ersten Weltkrieges (1914–1918) ziemlich rasch eine einschneidende Ernährungskrise entwickelte, kam es zur erneuten Zunahme der Wilderei im Solling.

 

Herzogliche Verordnungen, "die Wilddieberey im Weser-District betreffend"                                                                                                                         

Im Lauf der Jahrhunderte waren im Herzogtum Braunschweig zahlreiche Verordnungen gegen die Wilddieberei erlassen worden.

Das Wilddiebswesen muss bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in den Braunschweiger Forstrevieren des Sollings ein solch bedrohliches Ausmaß für den Staat angenommen haben, dass es Herzog Carl I. für dringend geboten ansah, am 30. Dezember 1771 eine weitere "ernstliche" herzogliche "gnädigste Verordnung, die Wilddieberey im Weser-District betreffend" mit Schießbefehl zu erlassen.[20]

 

Von Gottes Gnaden,

Wir, CARL, Herzog

zu Braunschweig und Lüneb.

fügen hiemit zu wissen: Demnach die Wild=

dieberey zum größten Schaden und Ver=

derben Unsrer Wildbahn im Sollinger=Walde

und andern dort herumliegenden Forsten,

abermals dergestalt überhand genommen hat,

daß Wir Uns genöthiget sehen, dagegen die

strengsten Mittel vorzukehren; so befehlen

Wir hiedurch Unsern dasigen Jagd- und Forstbe=

dienten, auf jeden, den sie in der Wildbahn

mit einem Schießgewehr betreffen, sogleich

scharf zu schiessen, wenn er nicht auf das

erste Anrufen solches von sich wirft und ste

hen bleibt. Hingegen wollen Wir demjeni-

gen welcher Gelegenheit giebt, daß ein Wild=

dieb betroffen und zur Haft gebracht

werden kann, mit Verschweigung seines Names

eine Belohnung von zwanzig Reichsthalern

reichen lassen, auch ihn mit aller Strafe ver-

schonen, wenn er sich etwan selbst der Wilddieb-

erey schuldig gemacht hat.

Damit nun diese Unsre ernstliche Willens=

meynung zu jedermanns Wissenschaft kom=

me, und sich keiner mit der Unwissenheit ent=

schuldigen könne; so ist selbige an den ge=

wöhnlichen öffentlichen Oertern anzuschla=

gen, von den Bauermeistern den Einwohnern

ihres Dorfes, von den Predigern aber alle

Vierteljahr in den Kirchen vorzulesen, und

haben diese dabey die große Sünde vorzustel=

len, derer sich die Wilddiebe sowol überhaupt,

als besonders dadurch schuldig machen, daß

sie ihr Leben in Gefahr setzen. Urkundlich

Unsrer eigenhändigen Unterschrift und bey-

gedruckten Fürstl. Geheimen=Canzleysiegels. Gegeben Braunschweig, den 30. Dec. 1771.

CARL

Herz. z. Br. u. L.                                             (L.S.)[21]                        [H. B. v. Schliestedt.]

 

 

Seine Vorgängerverordnung von 1767 besagte bereits:[22]

"Wer zum Wildschießen auszieht, ohne es ausgeführt zu haben, sol mit einigen Monaten, wer aber wirklich geschossen hat, mit einigen Jahren oder auf Lebenszeit mit dem großen Karren[23] bestraft werden.

Wer bei der Arrettierung Feuer gegeben hat, auch wenn niemand beschädigt ist, auf den soll die Todesstrafe erkannt werden."

Somit sollte auf Wilddiebe, die nach Anruf nicht stehen blieben oder sich wehrten, sofort geschossen werden.

Eine Gefängnisstrafe erhielt bereits derjenige, der auf dem Weg zur Wilddieberei angetroffen wurde, ohne bereits einen Schuss abgegeben zu haben.

Umgekehrt waren manche Wilderer nicht zögerlich, bei ihren nächtlichen „Freijagden“ im Solling auch auf landesherrliche Jagdbedienstete (Förster) mit ihren alten Steinschlossgewehren und später mit ihren modernen Perkussionsgewehren zu schießen.

Einige Denksteine für die von Wilderern erschossenen Förster stehen als Gedenksteine (Jagddenksteine) in der Sollingregion.[24]

 

Solling-Wilderer als „Rebellen des Waldes“

Zu jagen war über Jahrhunderte hinweg ein Privileg der Landesfürsten und des Adels, so auch ehemals im waldreichen Solling, dessen Dorfbevölkerung häufig unter großer Armut und Hungersnot litt.

Dem herrschaftlichen Jagdprivileg und den Jagdgesetzen widersetzten sich immer wieder Wilderer als „soziale Rebellen des Waldes“.

Ihre Spuren im Solling reichen mehr als drei Jahrhunderte zurück.[25]

Die Solling-Wilderer gerieten wiederholt in teils abenteuerliche, gelegentlich auch tödlich endende Konflikte mit den Jagdherren und deren Bedienstete (Förster).

Es war ein langer Kampf zwischen Jäger und Gejagtem, zwischen Förstern und Wilderern.

Hierzu ist erläuternd anzumerken, dass die „Rebellen des Waldes“ aus einer recht unterschiedlichen Motivation heraus handelten.

Einige der Solling-Wilderer versuchten, ihre Äcker vor den Wildtieren zu schützen oder ihre kargen Einkünfte aufzubessern, andere hingegen gingen nur ihrer persönlichen Jagdleidenschaft nach.

Ein Überleben der „kleinen Landleute“ im Solling war in jener armen Zeit nur durch Gesetzesübertretungen möglich.

So galt der Solling mit seinen dichten Waldbeständen für lange Zeit als Hochburg der "Wilddieberey", die sich - aus sozialgeschichtlicher Perspektive - als so genannte Freijagd im 19.-21. Jahrhundert bei schwierigen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Hintergründen entfaltete.

Die „Freijagd“ wurde vor allem in den verarmten Walddörfern des Sollings von den Dorfbewohnern unterstützt.

Wilderer, meist Waldarbeiter, wurden oft gar zu Helden der „kleinen Landleute“, indem die „Helden der Nacht“ zugleich auch als Rebellen gegen die landesherrliche Obrigkeit angesehen wurden, die das einst genommene alte Recht auf freie Jagdausübung für alle zurückforderten.

Zahlreiche Wilderer wurden damals von der Dorfbevölkerung als Volkshelden gefeiert und literarisch wie durch Lieder romantisierend verklärt dargestellt.

Die Wilderei weist im braunschweigschen wie im hannoverschen Solling eine lange Tradition auf.

Trotz ihrer Verfolgung durch Gendarmen und Forstbeamte konnten die meisten Solling-Wildschützen listig über lange Zeiten hinweg erfolgreich auf die nächtliche Pirsch gehen, da sie von einem dicht geflochtenen sozialen Netzwerk im Dorf wirksam unterstützt wurden.[26]

Im Zusammenhang mit der landläufigen Wilddieberei werden vornehmlich die am östlichen Sollingrand liegenden Walddörfer Abbecke, Sievershausen[27] und Schönhagen erwähnt.

Gerade das unweit von Hellental im ehemals hannoverschen Bereich des Sollings gelegene, von bitterer Armut geprägte Dorf Sievershausen galt zur Mitte des 19. Jahrhunderts als Hochburg der Wildschützen.

Die überwiegende Zahl der Wilderer jagte weidgerecht mit der Büchse, die für den Wilddieb von zentraler Bedeutung war.

Der Besitz eines eigenen Steinschloss-, später Perkussionsgewehres verlieh ihm ein gewisses Sozialprestige in seiner Umgebung.

Verständlicherweise bevorzugten die meisten Wilddiebe relativ kurze oder leicht zerlegbare Gewehre, die sie unauffällig verstauen und mitführen konnten.

Für die armen „kleinen Leute“ der Sollingregion, für die Kleinbauern und Waldarbeiter, war es recht schwer gewesen, sich überhaupt eine eigene Büchse zu leisten.

Meistens wurde die Büchse vom Vater auf den Sohn vererbt oder aber von Freunden geliehen.

Als die besten „Waffenlieferanten“ sollten sich immer wieder die großen Kriege erweisen – vom Dreißigjähren Krieg (1618–1648), über den Ersten Weltkrieg (1914-1918) bis hin zum Zweiten Weltkrieg (1939–1945).

Frischfleisch und Fleischprodukte waren bei den „kleinen Landleuten“ des Sollings stets knapp; sie konnten sich nicht dem Luxusbedürfnis eines Reh- oder Wildschweinbratens hingeben.

Viele Wilderer konnten billig frisches Wildfleisch lieferten, manchmal auch auf Bestellung, weshalb sie in der einheimischen Bevölkerung beliebt waren.

Zu den Kunden der Wilddiebe zählten u.a. auch Gastwirtschaften in der Region.

Hierbei sei auf die alte Beschreibung von LAMBRECHT [2] hingewiesen , wonach in der Nähe des Sollingdorfes Hellental noch Löcher waren (Wolfskuhlen), in denen die letzten im Solling noch vorhandenen Wölfe gefangen worden seien.

Neben dem billigen "Stück Wilt" und verschiedenen Naturheilmitteln, warf bei der örtlichen Volksmedizin insbesondere der aus Hirschfett hergestellte Hirschtalg für Wildschützen einen guten Nebenverdienst ab. Die Hirschtalgsalbe wurde im 19. Jahrhundert über Medicinhändler als Wundermittel verkauft.[28]

Zwischen 1840-1880 herrschte im gesamten Solling eine schwere Wirtschaftskrise, die zur Blütezeit der Freijagd in den Sollingwäldern führte.

Insbesondere das Revolutionsjahr 1848[29] gilt als das Jahr der Solling-Wilderer.

So wurden allein im braunschweigschen Solling 1848/1849 etwa 500 Stück Rotwild erlegt.

Als sich während des Ersten Weltkrieges (1914–1918) ziemlich rasch eine Ernährungskrise entwickelte, kam es im Solling erneut zu einer Zunahme der Wilderei.

In den Jahren 1927/1928 fanden die „großen Sollinger Wilderer-Prozesse“ statt.

Am 30. Oktober 1927 berichtete das Göttinger „Volksblatt“ anlässlich einer Gerichtsverhandlung wegen Wilddieberei im Solling anschaulich über die zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorherrschende, sozial äußerst problematische Lebenssituation wildernder Waldarbeiter in der abgelegenen Sollingregion:[30]

"Auch die trostlose soziale Lage treibt Forstarbeiter oftmals zur Wilderei.

Man muß sich einmal die ärmlichen Wohnungen ansehen, den kärglichen Lohn in Betracht ziehen und bedenken, daß der größte Teil des erbeuteten Wildes in den Haushaltungen der Angeklagten verzehrt ist, und man weiß, daß eine andere Triebfeder zum Wildern die soziale Notlage ist. …"

 

"Wilddiebe gibt es dort in den Waldbergen nach wie vor"

Der „Hellentaler Graben“ bildet noch heute einen fast geradlinigen Grenzverlauf durch den nördlichen Solling.

Im 18. Jahrhundert gehörte der westliche Solling (heute Landkreis Holzminden) zum Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel, der größere, östliche Bereich (heute Landkreis Northeim) zum Königreich Hannover (durch Annexion ab 1866 zu Preußen).

Gelegentlich wird noch heute in Hellental über die landläufige Wilddieberei im Solling berichtet.

Dies geschieht zum einen angesichts des Grenzbachs Helle im Talgrund und der damit verbundenen naturräumlichen Territorialgrenze zwischen dem Herzogtum Braunschweig und dem Königreich Hannover, ab 1866 Königreich Preußen, zum anderen in Verbindung mit der vorherrschenden bitteren Armut und Not in der Dorfbevölkerung jener Tage.

Im Konflikt mit der staatlichen Gesetzgebung half bei der polizeilichen Verfolgung ein einfacher Sprung im Schutze des dichten Nebels oder der nächtlichen Dunkelheit über den Hellebach, über die „Grenze”.

Dies war damals gleichbedeutend mit einem sicheren Sprung in ein ausländisches Territorium, in die polizeibehördliche Zuständigkeit eines anderen Amts- und Gerichtsbereiches.

Hierdurch wurde die strafrechtliche Verfolgung von Wilddieben und Schmugglern erheblich erschwert und begünstigte geradezu den Schleichhandel und die Wilderei in dieser alten natürlichen Grenzregion im Solling.[31]

Es waren wohl recht schlimme Tage in jener armen Zeit gewesen.

So ist bekannt, dass Hirsche und Wildschweine Nacht für Nacht die ohnehin dürftige Hellentaler Feldmark schwer in Mitleidenschaft gezogen haben, so dass die Hellentaler im Freischütz gewissermaßen einen Dorfhelden sahen.

Vornehmlich die alten Hellentaler Dorfbewohner von Hellental erzählten einst gerne des Abends in gemeinsamer Runde in ihrem beliebten Dorfkrug aus den längst vergangenen Tagen, dass so mancher Hirsch bei Nacht und Nebel nach Dassel gefahren wurde.

So habe sich einmal der Gastwirt Carl Timmermann bewegen lassen, die Forke hervorzuholen, jenen alten einläufigen Vorderlader, mit dem so mancher Hirsch heimlich erlegt worden sei und der nun schon ein Menschenalter hahnlos und rostverbrannt im Schranke staubte als Andenken.

Noch um 1968 erzählte man sich im „Lönskrug“, dass nun keiner mehr wildere.

Über Wilddiebe früherer Zeiten in der Umgebung von Hellental sind nur wenige amtliche Unterlagen verfügbar, hingegen aber viele mündliche Überlieferungen.

So gab es in Hellental noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) namentlich bekannte Wildschützen, wie von Dorfbewohnern hinter vorgehaltener Hand und erst auf Nachfragen hin berichtet wird.

Über viele Jahrzehnte hinweg hatten die Hellentaler Männer, zumeist Waldarbeiter, in benachbarten Dörfern ein u.a. auch noch heute Augen zwinkernd anzutreffendes Image als furchtlose Wilddiebe.

Die Hellentaler Dorfbewohner jener Zeit waren wegen ihres „Hanges zu Raufereien” und gelegentlichen Wilddiebereien nicht nur gut bekannt, sondern vor allem auch gefürchtet.

Zudem seien Hellentaler Familien dann von einer besonderen „Schlitzohrigkeit” gewesen, wenn es um ihre eigene Vorteilnahme ging, gleich welcher Art.

Manche der mehr oder minder heftigen und gar tödlichen nächtlichen Auseinandersetzungen zwischen Jägern, Gendarmen und Forstbediensteten einerseits und den Wilderern andererseits sind aktenkundig hinterlegt.[32]

 

"Ei so nehm’ ich meine Büchse"

Gelegentlich wird noch heute in Hellental über die landläufige Wilddieberei berichtet, nicht zuletzt angesichts des Grenzbachs Helle im Talgrund und der damit verbundenen naturräumlichen Territorialgrenze zwischen dem Herzogtum Braunschweig und dem Königreich Hannover, später Preußen.

Im Konflikt mit der staatlichen Gesetzgebung half bei der polizeilichen Verfolgung ein einfacher Sprung im Schutze des dichten Talnebels oder der nächtlichen Dunkelheit über „Die Grenze”, wie die Helle im Sollingtal noch heute von älteren Dorfbewohnern genannt wird.

Dies war damals gleichbedeutend mit einem zunächst sicheren Sprung in ein ausländisches Territorium, in die polizeibehördliche Zuständigkeit eines anderen Amts- und Gerichtsbereiches.

Hierdurch wurde die strafrechtliche Verfolgung von Wilddieben und Schmugglern erheblich erschwert und begünstigte geradezu den Schleichhandel und die Wilderei in dieser jahrhundertealten natürlichen Grenzregion.

Es waren wohl sehr schlimme Tage in jener armen Zeit gewesen.

Ein bekannter Hellentaler Dorfbewohner habe sich einmal bewegen lassen, seine "Forke" hervorzuholen, jenen alten einläufigen Vorderlader, mit dem so mancher Hirsch heimlich erlegt worden sei und der nun schon ein Menschenalter hahnlos und rostverbrannt im Schranke staubte als Andenken.

Bekannt ist, dass in jener Zeit Hirsche und Wildschweine Nacht für Nacht die ohnehin dürftige Hellentaler Feldmark so schwer in Mitleidenschaft zogen, dass die Hellentaler im Freischütz gewissermaßen einen Dorfhelden sahen.

Noch um 1968 bekannte man im damaligen Lönskrug, dass nun keiner mehr wildere ... - und vornehmlich die alten Dorfbewohner erzählten gerne in gemeinsamer Runde in ihrem beliebten Dorfkrug aus den längst vergangenen Tagen, da so mancher Hirsch bei Nacht und Nebel nach Dassel gefahren wurde ...

Nach einer von LESSMANN [34] hinterlegten Erzählung, sei Oberforstwart Julius Greinert 30 Jahre lang Betreuer des Hellentaler Forstreviers gewesen.[33]

Seinen Lebensabend aber habe er im betagten Alter von 93 Jahren gemeinsam mit seiner 87-jährigen Ehefrau bei der Tochter und dem Schwiegersohn in Holzminden verbracht.

Da beide in direkter Linie „Onkel“ und „Tante“ von Lisa Leßmann (Hellental) waren, gab es oft Gelegenheit, den Erzählungen des Onkels Julius zu lauschen.

Wie schon so oft, sei einmal mehr das Gespräch auf die Wilddieberei gekommen, wobei Julius Greinert die folgenden beiden Geschichte erzählt habe:[34]

 

"Eines Tages traf ich im Walde einen Holzfahrer, von dem bekannt war, dass er „ging“.

Dies war der Ausdruck für jemanden, der in hellen Nächten heimlich auf „Pirsch ging“.

Ich begrüßte ihn sehr freundlich und begann ein harmloses Gespräch.

Langsam steuerte ich aber bewusst auf mein Ziel los. Schließlich sagte ich dann, dass ich gehörte hätte, das er in letzter Zeit öfter losgegangen sei und er das lassen solle.

„Was denkst du, was passieren könnte, wenn wir beide mal aufeinander treffen?“

Darauf habe der Holzfahrer die eiskalte Antwort gegeben: „Es macht mir gar nichts aus, einen Förster tot zu schießen, und ich setze mich noch auf ihn, um zu frühstücken!“

Man sah also wieder einmal, wie weit diese böse Leidenschaft zu gehen vermochte."

 

Nach kurzen Überlegungen sei es dann mit einer zweiten, zeittypischen Erzählung weitergegangen:

"Wegen der großen Armut und des entsetzlich geringen Verdienstes um die , mussten schon 10-12jährige Kinder fleißig mithelfen.

So nahm dann auch ein Hellentaler Köhler seinen 10jährigen Sohn mit zur Arbeit.

Es begann gerade hell zu werden. Als sie den Wald betraten, sahen sie in einiger Entfernung eine Gruppe Männer mit schwarz gemachten Gesichtern durch das Gebüsch schleichen.

Der Junge fragte seinen Vater, was dies für Männer wären. Der Vater antwortete: „Das sind Wilddiebe.“

Kurze Zeit danach kam der Forstmeister des Weges.

Er sah den Jungen und sprach ihn mit folgenden Worten an: „Na mein Junge, hast du denn so früh am Morgen keine Angst im Walde?“

Der Junge antwortete: „Nein, Herr Forstmeister. Nur vorhin, da hatte ich viel Angst.“

„Aber warum denn?“ war die Gegenfrage.

„Weil hier Wilddiebe waren! – viere“, war die Antwort.

„So, so!“ sagte der Forstmeister nur und ging weiter.

Dem Vater Fragen zu stellen, hielt er nicht für nötig.

Von dem hätte er niemals die Wahrheit erfahren.

Dem Vater hingegen hätte fast das Herz still gestanden, als er die Worte seines Sohnes hörte.

Nachdem der Forstmeister gegangen war, sah er den Jungen ganz traurig an und sprach: „Jetzt muß ich sterben.“

Der Junge sah ihn darauf ganz entsetzt an.

Da klärte ihn der Vater auf, wie gefährlich es sei, Wilddiebe zu verraten.

Als sie des Abends ins Dorf kamen, sahen sie, daß eingetreten war, was der Vater befürchtet hatte.

Ein großes Polizeiaufgebot war dabei, bei allen Verdächtigen das Haus zu durchsuchen.

Da nichts gefunden wurde, wie es ja immer der Fall war, kam es auch zu keinem Prozeß.

Da auch der Forstmeister den Namen des „Verräters“ nicht genannt hatte, Vater und Sohn wie das Grab schwiegen, nahm die ganze Angelegenheit ein gutes Ende.


Wie SOHNREY 1928 über den "ärgerlichen Haftgang" des Freischützen Roloff aus Hellental berichtete, sei dieser ein guter Kerl gewesen, "der keinem Küken was zuleide tun konnte".

Dem hingegen habe ihn aber wiederholt die Leidenschaft geplagt, "auf Hirsch und Rehe und Wildschweine anzustehen".

Nachdem ihn ein Jäger beim Wildern überrascht hatte, "mußte er mit zum Oberförster, aber vorher die Hosen lösen und mit den Händen festhalten, damit er nicht ausrücken oder unversehens gegen den Jäger etwas unternehmen konnte."

In der 1929 von SOHNREY veröffentlichten Wilddiebserzählung „Die Branntweinsbuddel auf dem Sarge“ aus "dem im braunschweigischen Teile des Sollings gelegenen Walddorfe Hellenthal" geht es um den ortsbekannten, offenbar derben Wilddieb Karl Greinert.

Bei dem Wilderer Greinert handelt es sich um den am 28. Oktober 1822 in Hellental geborenen Brinksitzer Georg Karl Friedrich Konrad Greinert, der sich 45-jährig am 11. August 1868 "mittels Erschießens" in Hellental selbst tötete.[35]

Die Ehefrau des Wilddiebs Konrad Greinert, Hanne Sophie Wilhelmine Louise, geb. Schoppe[36], klagte einst ihr schweres Leid "Bartels Mutter":[37]

"Wenn ihr Mann mal von einem Förster erschossen würde, wollte sie ihr Brautkleid den Armen schenken.

So litte sie unter dem zügellosen, wüsten Leben des Mannes.

Einem Leineweber, der bei ihm wohnte und sich erhängt hatte, setzte er zum Spaß einen Branntweinsbuddel auf den Sarg, weil der Leineweber gern einen getrunken hatte.

Als nun der Bauermeister hinzukommt, nimmt der den Buddel unwillig herunter und verweist den Wilddieb mit den Worten:

Das gezieme sich nicht!

Was gewesen wäre, das wäre gewesen.

Und was mit Greinert noch geschehen würde, das wollten sie erst mal sehen.

Was ist aber mit Greinert geschehen?

Nun, er hat sich selber erschossen.

Mit derselben Flinte, mit der er unzählige Hirsche und Rehe niedergeknallt hatte.

Und dann hat man dem Wilddiebe die Flinte auf den Sarg gelegt, die aber keiner herunter genommen hat.

Sie ist dann auch mit ihm begraben.

Aber andere sind gekommen und haben sie wieder ausgegraben, dies freilich nur bildlich gesprochen, und Wilddiebe gibt es dort in den Waldbergen nach wie vor."


Auch der Vater von Otto Gehrmann, dem letzten Mollenhauer im Solling, war als leidenschaftlicher und begeisterter Jäger bekannt, der gerne das Zugmesser des Mollenhauers gegen die Büchse austauschte.

Von ihm ist bekannt, dass er unermüdlich "die vom köstlichen Humor durchwürzten Jagd- und Wilddiebsgeschichten seiner Zeit" erzählen konnte.

Eine von ihm gern erzählte, heitere Episode galt der frustrierenden polizeilichen Fahndung nach einem (unbenannten) Wilddieb in Hellental:[38]

So gab es eines Tages in Hellental eine polizeiliche Fahndung nach einem Wilderer, der ein Reh erlegt und in seinem Hause versteckt habe.

Als die Polizei rechtzeitig vor dem Haus erblickt worden war, wurde das erlegte Reh augenblicklich in die Kinderwiege gesteckt.

Als die Polizeibeamten von der Ehefrau des Angeschuldigten verlangten, ihnen alle Wohnräume des Haus zu zeigen, war ein Polizeibeamter von der Frau gar freundlich gebeten worden, doch an der dicht verhängten Kinderwiege stehen zu bleiben und das ruhig schlafende „Kindchen“ zu schaukeln.

Der Polizeibeamte tat dies, wie erbeten, unentwegt – bis schließlich seine Polizeikollegen unverrichteter Dinge die Hausdurchsuchung in Hellental beendeten.

Auch gab es im Solling wohl so manchen zauberkundigen Wilddieb, wie beispielsweise der "alte Schmidtmann in Hellenthal", der das Wild durch Zauberei bekam.

Zum Beweis seiner Zauberkunst habe Schmidtmann aus der Luft eine "Glucke mit Kuiken" gegriffen.[39]

Um 1932 soll Hedwig Sievers aus Holzminden-Altendorf privat ein älteres Wilddiebslied aus dem Solling aufgezeichnet und mit Noten versehenen haben.[40]

Das Wilddiebslied charakterisiert die harte, unerschrockene und brutale Grundhaltung von Wilddieben gegenüber Recht und Ordnung der damaligen Zeit, repräsentiert u.a. durch die regulären Jäger, Gendarmen und Forstbeamte.

 

                        "Ei so nehm’ ich meine Büchse

                        Und gehe in den Wald

                        Und will schießen mir ein Hirschlein,

                        sei es jung oder sei es alt.

 

                        Das Hirschlein ist geschossen,

                        Hat sein Füßlein hingestreckt.

                        Ei, da kamen zwei, drei, vier Jäger,

                        Haben mich in dem Wald erschreckt.

 

                        Ei, was tust Du, ei, was machst Du,

                        Junger Jäger, in dem Wald?

                        Deine wunderschöne Büchse,

                        Die behalt’n wir sobald.

 

                        Meine wunderschöne Büchse,

                        Die bekommt Ihr ja nicht,

                        Denn da draußen in dem Wald,

                        Da fürchte ich mich ja nicht.

 

                        Ei, so tue ich, ei, so mache ich,

                        Wie’s mein Vater hat gemacht,

                        Denn nach zwei, drei, vier Jägern

                        hat er gar nichts nachgefragt.“

 

                        Ei, so nehm’ ich meine Feder,

                        Steck’ sie oben an meinen Hut

                        Und den Hundsfott, den will ich sehen,

                        Der sie mir abnehmen tut."

 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts besuchte Hermann Löns wiederholt den Solling, wo er stets Gast bei „Vater“ Carl Timmermann im alten Hellentaler Dorfkrug war - in dem von ihm beschriebenen "Wirtshaus an der Straße".

Von den Hellentaler Waldarbeitern mit den "harten Händen und freundlichen Augen" hörte Hermann Löns auch Wilddiebsgeschichten, wie er es in seiner Erzählung „Das Tal der Lieder“ festhielt:[41]

"Und als ich dann später unter der Hängelampe saß, kamen sie an, die Gehrmanns, Eikenbergs, Roloffs und wie sie alle hießen, lauter Waldarbeiter mit harten Händen und freundlichen Augen, und ein Wort gab das andere, bis erst der eine und dann der andere eine der Wilddiebsgeschichten zum besten gab, die er von seinem Vater gehört hatte, der die Zeiten miterlebt hatte, als das Wild noch nicht hinter den Gattern stand, sondern Nacht für Nacht auf den Feldern zu Schaden ging und jeder dritte Mann in der Gegend ein Freischütz war.

Lustig und traurig waren die Geschichten, die ich hörte, und wild und wehmütig die Lieder, die wir sangen, und schließlich ließ sich Vater Timmermann, unser Wirt, bewegen und holte die Forke hervor, den alten einläufigen Vorderlader, mit dem so mancher Hirsch heimlicherweise gefällt war, und der nun schon über ein Menschenalter hahnlos und rostverbrannt im Schranke staubte als Angedenken an die alten schlimmen Tage."

 

Der „letzte Auerhahn“ im Solling

Über den angeblich letzten Auerhahn (Auerhuhn) im Solling wurde von CREYDT folgende Wilderergeschichte aufgeschrieben, die sich 1924 zugetragen haben soll und die man sich in Hellental noch heute erzählt:[42]

"Der Hahn kam vom Hülsebruch und setzte sich in die Friedenseiche, um dort zu balzen.

Die Kinder des Dorfes benachrichtigten einen bestimmten Einwohner, der sofort sein Gewehr holte und den Hahn vom Baum schoss.

Das war in den Osterferien 1924.

Die Wilderei wurde ruchbar und der Landjäger wollte den Hahn requirieren.

Der aus Hellental stammende und in Dassel bei Gattermann arbeitende Präparator Otto Siebers hielt ihn aber immer wieder hin und erzählte ihm, der Hahn müsse erst trocknen, bevor er ihn präparieren könne.

Nachdem der Landjäger mehrmals ohne Ergebnis bei Siebers war, um den Hahn abzuholen und anschließend der Hellentaler Schule zukommen zu lassen, verlor er die Geduld und gab auf.

Nach zwei Jahren dachte keiner mehr an den Hahn, den der Erleger dann bekam.

Ende der 60-er Jahre hat dessen Sohn den Hahn weggeworfen.

Der Wilderer musste seinerzeit 5,- Mark Strafe für den Abschuß bezahlen."

Hierzu ist anzumerken, dass es sich bei dem „bestimmten Einwohner“ um den eher leichtlebigen „Onkel“ Theodor Düwel handelte.

Es bleibt nach heutigen Erzählungen im Dorf aber eher fraglich, ob es sich überhaupt um den stattlichen Hühnervogel Auerhuhn (Tetrao urogallus) gehandelt hat, da dieser in jener Zeit bereits äußerst selten war und nach jagdlichem Dafürhalten ein Haushuhn großes Birkhuhn (Tetrao tetrix) als wahrscheinlicher angesehen werden kann.

Auch bleibt die Frage offen, ob der ausgestopfte „Auerhahn“ jemals aus dem Zimmer entfernt wurde, in dessen Ecke ihn der Präparator aufgehängt hatte.

Somit ist der Verbleib des Auer- oder Birkenhahns heute nicht mehr eindeutig zu klären.

 

[1]

 

Vortrag zum Thema am 12. März 2010

"Im Rausch des Unerlaubten - Wilddiebe im Solling"

Daniel Althaus, Uslar-Ahlbershausen 

Waren die Wilddiebe im Solling Schwerverbrecher oder edle Räuber wie einst Robin Hood?

Dieser Frage ging der Vortrag von Daniel Althaus nach, der sich im Rahmen seiner Magisterarbeit intensiv mit dem Thema beschäftigt hat.

Der Schwerpunkt seiner Untersuchungen lag auf dem 18. und 19. Jahrhundert, wobei sein Blick auch über diesen Zeitrahmen hinausschweifte.

Die Taten fast legendärer Wilddiebe, wie Schöatchen Bartels aus Sievershausen, wurden ebenso beleuchtet wie das Leben der vielen unbekannten Wildschützen, die ihre Spuren in den Archivalien der Staatsarchive, Zeitungsberichten oder den Aufzeichnungen Heinrich Sohnreys hinterlassen haben.

Dargestellt wurden die Lebenswelt der Sollinger und die Beweggründe, die einige von ihnen in die Illegalität trieb.

Es fehlten natürlich auch nicht ihre Gegenspieler, die Forstbeamten, die im „Kampf gegen das Wilderertum“ Leib und Leben riskierten und nur wenig Verständnis dafür aufbrachten, wenn der Wilderer unter den kleinen Leuten ein gewisses Ansehen genoss.

Die Weitentwicklungen der Kriminaltechnik, vor allem die immer professionellere Spurensicherung, führten zu immer besseren Aufklärungsraten.

Wenn die Beamten einen Wilddieb ergriffen, drohten diesem schwere Strafen, wobei auch die Beurteilung des Straftatbestands im Laufe der Zeit einem kontinuierlichen Wandel unterlag.

Auch dieser Aspekt des Themas kam in dem Vortrag nicht zu kurz.

 

Literaturhinweise

ALTHAUS, DANIEL: Wilderer im Solling und der Versuch ihrer Bekämpfung im 18. und 19. Jahrhundert.
Holzminden: Mitzkat 2006.

CREYDT, DETLEF: Begegnungen auf Leben und Tod: Förster und Wilderer im Solling. Jagd-, Wild- und Waldgeschichten im Laufe der Jahrhunderte.
Holzminden: Mitzkat 2010.

 

Text & Fotografie: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] LESSMANN 1984, S. 91-92.

[2] LAMBRECHT 1863.

[15] „Rebellen des Waldes – Die Geschichte der Wilderer im Solling“, Ausstellung im Museum Uslar vom 10.09.–14.11.2004.

Eine umfassende Darstellung der „Wilderer im Solling“ mit Dokumentation aktenkundiger Fälle, ihres Umfeldes und des behördlichen Versuches der Wildererbekämpfung im 18./19. Jahrhundert ist der gleichnamigen Monographie von ALTHAUS 2006 zu entnehmen.

[16] BLIESCHIES 1978, S. 38-48.

[17] nach BLIESCHIES 1978, S. 43: oft 10-15 Mann starke Wildererrotten (Treibjagden).

[18] SPIEKER/SCHÄFER 2000, S. 208.

[19] ALTHAUS 2006, S. 8;SOHNREY 1929, S. 323-358.

[20] zitiert in SOHNREY 1929, S. 323-324; aus der Hinterlassenschaft des ehemaligen Wald- und Löns-Museums Hellental von Willi Lessmann.

[21] Fürstliches Kanzleisiegel.

[22] zitiert in RAULS 1983, S. 326.

[23] Zuchthaus.

[24] BLIESCHIES 1978, S. 43.

[25] „Rebellen des Waldes – Die Geschichte der Wilderer im Solling“, Ausstellung im Museum Uslar vom 10. September – 14. November 2004.

[26] nach BLIESCHIES 1978, S. 38-48; SOHNREY 1929, S. 343-344:

Die bekanntesten Solling-Wilderer waren u.a. Papenberg, Schmidtmann, Johann Reinhold, Gömann, Schlimme, Kilalli und „Schätchen“ Bartels (Schüttgen-Bartels).

[27] etwa 6 km Luftlinie von Hellental entfernt.

[28] SCHÄFER 2003, S. 64.

Hirschtalg wurde als Universalbe seit alters her bei Hautverletzungen und gegen besonders trockene, rissige Haut eingesetzt.

[29] Ein zusammenfassender lokal- und regionalhistorischer Überblick über das vielseitige Spektrum       der „revolutionären“ Entwicklung des Jahres 1848 im Königreich Hannover und im Herzogtum      Braunschweig ist dem 1999 erschienenen Sammelband von SEELIGER „1848 – (K)eine Revolution an Weser und Leine“ zu entnehmen.

[30] aus „Rebellen des Waldes – Die Geschichte der Wilderer im Solling“, Ausstellung im Stadtmuseum Uslar vom 10.09.–14.11.2004.

[31] ALTHAUS 2006, S. 11, 33 ff.

[32] ALTHAUS 2006; CREYDT 2011.

BRODHAGE/MÜLLER 1984, S. 98: Wie in der Ortschronik von Silberbornberichtet wird, sei vom am alten Dreiämtereck im oberen Hellental gelegenen Wilddiebesborn überliefert, dass dort ein Wilddieb aus Sievershausen von einem Förster angeschossen und schwer verletzt nach Silberborn gebracht worden sei. Noch bevor ärztliche Hilfe eintraf, sei der Wilddieb in Silberborn verstorben.

[33] Hier handelt es sich wahrscheinlich um den Waldarbeiter Karl Julius Hermann Greinert (* 10. August 1891 in Hellental) und seine Ehefrau Berta Minna Luise, geb. Mengeler (* 22 Januar 1897 in Hellental).

[34] LESSMANN 1984.

[35] NÄGELER/WEBER 2004, S, 145, 711; CREYDT 2010, S. 132.

[36] * 03. November 1820 in Merxhausen – Heirat in Hellental am 02. April 1848; aus der Ehe gingen 1846-1861 sieben Kinder hervor.

[37] SOHNREY 1929, S. 353.

[38] FESSLER 1936.

[39] SOHNREY 1929, S. 355.

[40] hinterlegt bei SOHNREY 1929, S. 324-325.

[41] HERMANN LÖNS.

[42] CREYDT 1985 - Nach Angaben von Detlef Creydt erlegte am 29. April 1859 der Jäger Ernst Schünemann (1833-1879) im Hülsebruch einen Auerhahn.