❶ Obsidian - Das „Gold der Steinzeit“

Klaus A.E. Weber

 

Bereits vor etwa 60 Millionen Jahren hat sich auf der der Erde Naturglas = Obsidian aus Sand, Soda und Kalk bei Vulkanausbrüchen oder Meteoriteneinschlägen gebildet und diente in der Stein- und Bronzezeit als wichtiges Rohmaterial für die Herstellung von Werkzeugen, Waffen und Schmuck, aber auch geheimnisumwittert für kultische Zwecke.[4]

 

Blick von Westen auf den 3.718 m hohen Schichtvulkan „Pico del Teide“ │ Teneriffa │ September 2016

Höchster Berg der Kanaren & Spaniens │ dritthöchster Inselvulkan der Erde

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Blick von Süden auf den 3.348 m hohen Gipfel des Stratovulkans Ätna mit seinen vier Gipfelkratern │ Sizilien │ März 2019

Höchster aktiver Vulkan Europas

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Naturglas (vulkanisches Glas)

feuerspuckender Gott Guayote & in seiner Schmiedewerkstatt wütender Hephaistos

Der in der Caldera de las Cañadas - einem vulkanischen Einsturzkessel des des 3.718 m hohen Berggiganten „Pico del Teide“ auf Teneriffa – und bei den vier aktiven Gipfelkratern des Feuerbergs "Mama Ätna" (Etna - „mungibeddu“) als "Höllenschlund des Mittelmeers" auf Sizilien vorkommende Obsidian ist ein natürliches, vulkanisches Gesteinsglas.

Das amorphe Gefüge des aus Feuer geborenen Obsidians entsteht bei rascher Abkühlung von eruptiertem Magma (Lava), wobei es nicht zur Ausbildung regelmäßiger Kristallstrukturen in der Silikatschmelze kommt (Kieselsäure).

 

Lavamaterial („Crateri Silvestri“, 1971)

  • 1.986 m hoher Silvestri-Krater am Südrand des 3.348 m hohen Stratovulkans Ätna auf Sizilien

Schwarzes Gesteinsglas 

  • Caldera des 3.718 m hohen Stratovulkans Pico del Teide │ Las Cañadas del Teide Tenerife

  • Stratovulkan Ätna (3.348 m) auf Sizilien │ höchster aktiver Vulkan Europas  ▷ rechts

Schneeflocken-Obsidian │ geschliffen │ Einschlüsse von Cristobalit

 

Guanchen-Kultur auf Teneriffa

In einer Art steinzeitlicher Kultur in Höhlenwohnungen oder halb-unterirdischen Siedlungen lebend, nutzte die Guanchen-Kultur das Naturglas zur Waffen- und Werkzeugherstellung.

 

Tongefäß mit Tülle - Vasija Cultura Guanche │ siglo VIII a. e - XV d. e 

Museo de la Naturaleza y el Hombre │ Santa Cruz de Tenerife │ September 2016

© [hmh, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Guanchen-Tongefäß mit Tülle │ 8. Jh. v. Chr. – 15. Jh. n. Chr.

Archäologische Reproduktion eines  kanarischen Keramik-Gefäßes: Vasija Cultura Guanche│ siglo VIII a. e - XV d. e │ MNH Arqueología, Santa Cruz de Tenerife

 

Die als stolz geltenden Ureinwohner der größten kanarischen Insel entwickelten sich isoliert – als „Steinzeitmenschen mit Niveau“ mit einer einfachen Hirten- und Bauernkultur.

In mehreren Einwanderungswellen wurden die kanarische Inselgruppe zwischen 800-500 v. Chr. besiedelt.

Die Kanaren werden bei dem römischen Historiker und Schriftsteller Gaius Plinius Secundus Maior (Plinius der Ältere) in seinem um 77-78 n. Chr. entstandenen enzyklopädischen Werk "Naturalis Historia" erwähnt.

Im 14./15 Jahrhundert bemächtigten sich Europäer der kanarischen Inseln und damit der altkanarischen Bevölkerung; Spanier eroberten Teneriffa in den Jahren 1494-1496.

Wegen des scharfkantigen Bruches und glasigen Gefüges eignete sich das  Vulkanglasstein Obsidian insbesondere zur Herstellung von Schneidewerkzeugen (prähistorische, steinzeitliche Steinmesser).

 

Prähistorische Obsidian-Werkzeuge der Guanchen-Kultur auf der kanarischen Insel Teneriffa

Museo de la Naturaleza y el Hombre │ Santa Cruz de Tenerife │ September 2016

© [hmh, Fotos: Klaus A.E. Weber

 

Technologie der Steinzeit - im bronzezeitlichen Helladikum in der Ägäis [3]

Vor der Frühen Bronzezeit (vor ca. 3.000-2.000 v. Chr.) wurden auf dem griechischen Festland im Frühhelladikum oft Klingen aus Obsidian angefertigt.[1]

So konnten auf der Insel Ägina in einem Schachtgrab am Stadttor der früh- bis mittelhelladischen Siedlung Kolonna Waffen aus Bronze und Obsidian archäologisch nachgewiesen werden.[2]

 

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[1] NEER 2013, S. 21.

[2] NEER 2013, S. 45-46.

[3 Die Bronzezeit in der Ägäis - eine chronologische Übersicht bei NEER 2013, S. 19.

[4] ALMELING 2006, S. 15.