Hermann & Tine

Klaus A.E. Weber

 

Die „Dame in Weiß“: Ernestine Sassenberg (1890-1970) [4]

"Tine" mit Hermann Löns (links stehend) und Freunden aus Verlegerkreisen │ um 1912/1913

 

Ernestine "Erna" Sassenberg  (1890-1970)"Tine", letzte Lebensgefährtin von Hermann Löns

Das im Original erhaltene Fremdenverkehrsverzeichnis [2] des Krugwirtes Carl Timmermann - ehemaliger „Timmermannscher Gasthof“ - weist die handschriftliche Eintragung „01. - 04. April 1913“ des 47-jährigen Hermann Löns auf.

Es ist bemerkenswert, dass sich nur wenige Wochen später auf der gleichen Buchseite der handschriftliche Eintrag „10.-14. Mai“ der 23-jährigen Ernestine (Erna) Sassenberg (1890-1970) findet.

 

© Historisches Museum Hellental, Foto: Klaus A.E. Weber

 

Von Hermann Löns liebevoll "Tine" genannt, war somit seine damalige Lebensgefährtin im gleichen Gästebuch der "Timmermannschen Gastwirtschaft" in Hellental eingetragen.

Hermann Löns hatte sich zwei Jahre zuvor (1911) in Ernestine Sassenberg verliebt, die 1908 als 18-jähriges Haus- und Kindermädchen während der Zeit von Löns in Bückeburg in dessen Haus tätig war.

Der 41-jährige Löns hatte dort 1907 eine Stelle als Lokalredakteur bei der „Landes-Zeitung“ erhalten.

Verheiratet in zweiter Ehe bewohnte er mit seiner Frau Lisa Hausmann (1871–1955) und einem behinderten Sohn eine Wohnung in der Lortzingstraße 5 in Hannover (später nach ihm benannte Straße).

Ende Juli 1910 trennte sich Lisa von ihrem schwierigen Mann.

Nachdem Hermann Löns die gemeinsame Wohnung in Hannover verlassen hatte, hielt er sich bis 1912 an verschiednen Orten auf, wie Berlin, Wien, Innsbruck, Zürich, Davos, Wiesbaden, Münster und Wesel.

Durch das Scheitern seiner zweiten Ehe geriet Hermann Löns in eine tiefe psycho-soziale Krise und begann eine Flucht vor sich selbst.

Nachdem Hermann Löns schließlich im Frühjahr 1912 wieder nach Hannover zurückgekehrt war, wurde die junge „Erna“ ab Oktober 1912 seine dritte und zugleich letzte Lebensgefährtin.

Mit Erna Sassenbergihr lebte er in Hannover „ohne Trauschein“ und soll durch sie wieder zu einem gewissen Gleichmaß seines Lebens zurückgefunden haben.

Ernestine Sassenberg war 1890 in einer kinderreichen Mollenhauerfamilie in Kleinenbremen geboren worden.

Sie galt zu ihrer Zeit als außergewöhnliche Schönheit und Hermann Löns soll sich wegen ihrer körperlichen Vorzüge zu ihr hingezogen gefühlt haben.

Zudem bot sie ihm das Gefühl von jugendlicher Frische, Geborgenheit und Ruhe.

Endgültige Ruhe wollte er mit ihr in der Lüneburger Heide finden.

 

1915 -  Nachlaß an "Fräulein E. Sassenberg

Als militärisch unausgebildeter Kriegsfreiwilliger nahm Hermann Löns zu Beginn des Ersten Weltkrieges vom 13.-26. September 1914 in der 4. Kompanie des im Hannover aufgestellten Füsilier-Regiments № 73 an Gefechten in Frankreich teil, wo er am 26. September 1914 bei Loivre fiel.

Wie ein Auszug aus der Kriegsstammrolle unter der lfd. Nr. 309 ausweist, sollte sein Nachlaß, da beide Eltern tot waren, "an Frl. E. Sassenberg aus Kl. Bremen № 128b b.Bückeburg z. Zt. Hannover, Geibelstr. 24/IV" gesendet werden: "Eine Uhr, Portmonai u. Karton, sowie die Postanweisung v. 5.10. an Frl. E. Sassenberg M 25, 19 gesandt. Beglaubigt: -- Bazancourt, 19. März 1915."[3]

 

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[1] Eine Übersicht über die zahlreiche Veröffentlichungen von Hermann Löns erstellten CREYDT [1988, S. 56-57] und MEYER [1987, S 61, Nr. 230, 231].

[2] Das im Original erhaltene Gästebuch befand sich 2005 im Privatbesitz der Familie Eckhard Prinz, Hamfelde/Hellental; seit 2000 ehemals Inhaber des traditionellen „Landgasthauses Lönskrug“ in Hellental. Als Dauerleihgabe der Fam. Prinz, >Lönskrug< befindet es sich seit 2007 im HISTORISCHEN MUSEUM HELLENTAL,

[3] Auszug aus der Kriegstammrolle mit der lfd. Nr, 309 über den Kriegsfw. Hermann Löns im Füsilier-Regiment „General-Feldmarschall Prinz Albrecht von Preußen“ (Hannoversches) Nr. 73. Als Abb. im HISTORISCHEN MUSEUM HELLENTAL.

[4] Foto aus dem Familienalbum von Hermann Löns; Repro: W. Gerntrup.